Freitag, März 09, 2007

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

Titel: Die Vermessung der Welt / Daniel Kehlmann
Autor: Kehlmann, Daniel
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek; Auflage: 9., Aufl. (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3498035282
ISBN-13: 978-3498035280
Preis: 19,90 Euro

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»Gegen Ende des 18. Jahrhunderts machen sich zwei junge Deutsche an die Vermessung der Welt. Der eine, Alexander von Humboldt, kämpft sich durch Urwald und Steppe, befährt den Orinoko, kostet Gifte, zählt Kopfläuse, kriecht in Erdlöcher, besteigt Vulkane und begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern. Der andere, der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß, der sein Leben nicht ohne Frauen verbringen kann und doch in der Hochzeitsnacht aus dem Bett springt, um eine Formel zu notieren - er beweist auch im heimischen Göttingen, dass der Raum sich krümmt. Alt, berühmt und ein wenig sonderbar geworden, treffen sich die beiden 1828 in Berlin.«
(Verlagstext)

Ich weiß, der Titel ist schon seit Urzeiten im Handel; alles andere als originell. Was ich nicht wusste: Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" steht auf Platz 1 der Jahresbestsellerliste 2006 - im Januar 2007 war das Buch 66 Wochen ununterbrochen auf der Bestsellerliste, und heute, März 07, ist er gerade mal auf Platz 2 abgerutscht. Es lohnt sich also, einmal einen Blick auf das Buch zu werfen, falls ihr es nicht ohnehin schon getan habt.

Allerdings ist der etwas klamaukhafte Humor des Romans nicht jedermanns Sache. Ich fand die Idee eines ironischen Romans über zwei deutsche Geistesgrößen zunächst ganz ansprechend, gab aber bald auf. Zu brachial, zu unglaubwürdig und auf Pointe getrimmt kommt die Handlung vom ersten Augenblick an daher. Das ist keine Ironie, sondern bestenfalls Slapstick. Da wird bereits auf den ersten Seiten geschlagen und zertrümmert, werden Leute diffamiert und Lieblingsbücher anderer aus einer fahrenden Kutsche geworfen. Humor mit dem Holzhammer.

Auch das Deutsch des Autoren fand ich mehr als flickfähig: "Während die alten Pferde ab- und neue angeschirrt wurden", erfährt man auf Seite 9, "aßen sie Kartoffelsuppe in einer Gastwirtschaft". Ich habe grundsätzlich nichts gegen Pferde, die in Gastwirtschaften Kartoffelsuppe essen. Aber gegen schlecht konstuierte Sätze weiß ich einiges einzuwenden.

Ob nun die permanente indirekte Rede den Lesefluss erhöht oder lediglich die Begeisterungsstürme einiger Kritiker entfachte, die so etwas lange nicht mehr in Vollendung gelesen haben, sei dahingestellt. Sie passt zum Erzählduktus, ist aber gewöhnungsbedürftig. Zuweilen wirkt sie seltsam gerafft; grammatisch korrekt, jedoch dahingehuscht: "Er zuckte zurück, als Humboldt ihn an die Schulter faßte und rief, welche Ehre es sei, was für ein großer Moment für Deutschland, die Wissenschaft, ihn selbst."

Es bleibt die Frage, warum dieses Buch zum meistverkauften Roman 2006 hat werden können. Ist es derselbe Grund, aus dem derzeit auf allen Fernsehsendern Comedy-Formate aus dem Boden gestampft werden? Vielleicht sind wir desensibilisiert für feine Pointen und Zwischentöne. Vielleicht brauchen wir Brachialhumor und halten alles für Grammatik, was irgendwie den Weg in ein Buch findet. Ich bleibe skeptisch. Aber irgendwie scheint Kehlmann damit einen Nerv getroffen zu haben. Gönnen wir ihm den Erfolg.

Rezensionen findet ihr bei: , FAZ, RP-online, Spiegel, Süddeutsche Zeitung, taz, Welt,
arte, 3sat (mit Video-Stream), NDR, Radio Bremen (4 RealAudio-Files,
Berliner Literaturkritik, Fragmentum, Literaturhaus.at, Literaturnetz, Medienrauschen, Poetenladen, Rezension.net, Titel-Magazin, Textem, Wortgestöber,
Buchblog,
Lyrikwelt, Perlentaucher

Kommentare:

  1. mir gefällt der Roman auch nicht........

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  2. Endlich ein Kommentar, der diesen schlecht geschriebenen Mist höflich als solchen bezeichnet.

    Die lobhudelnden Kritiker haben wohl alle alle vom ersten abgeschrieben.....

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  3. haha mag das buch auch nicht...
    btw das zitat aus seite 9 ,das oben genannt wurde, stimmt so ,da es passiv ist!!also mit den pferden etwas getan wird und das "sie" bezieht sich auf Gauß und Eugen...

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  4. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so ein langweiliges Buch gelesen. Die indirekte Rede ist meiner Meinung nach sehr verwirrend, da man oft nicht weiß ob das jetzt nur Gedanken oder doch eine Konversation ist. Zudem finde ich es verwirrend, dass es so viele verschiedene Personen in dem Roman gibt und dass bei fast jeden neuen Charakter der Name genannt wird. Das kann sich kein Mensch merken. Super Kritik!

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