Donnerstag, September 23, 2010

Michel Bergmann: Die Teilacher

Manche Bücher brauchen ein wenig, bis sich ihre Existenz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drängt. So geht es auch Michel Bergmann mit seinem Roman "Die Teilacher", der im Februar 2010 im Arche Verlag erschien. Mittlerweile nehmen sich auch die Kultursendungen dieses Buches an. Heute Abend (Donnerstag, 23. September 2010, 22:45 Uhr) zum Beispiel zeigt hessen3 in "Hauptsache Kultur" ein Feature über den Roman.

Michel Bergmann: Die Teilacher

Titel: Die Teilacher : Roman / Michel Bergmann
Autor: Bergmann, Michel
Ausgabe: Orig.-Ausg., 1. Aufl.
Verlag: Zürich : Arche,
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2010
Umfang: 284 S.
ISBN: 978-3-7160-2628-1 ; 3-7160-2628-X
Schlagwörter: Deutschland ; Konzentrationslager ; Überlebender ; Juden ; Belletristische Darstellung
Deutsch ; Roman ; Judenvernichtung ; Schweiz

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Leseprobe beim Arche Verlag

'Teilacher', das ist das jüdische Wort für Vertreter. Die Teilacher, von denen Michel Bergmann erzählt, waren Juden, die bei Kriegsende als Überlebende aus den Lagern befreit wurden, und die nun versuchten, sich ein neues Leben als Vertreter aufzubauen. Mit ihren Waren gingen sie 1946 von Tür zu Tür durch Frankfurt/Main, und nicht selten, so Bergmann, zogen sie die Bewohner der zerstörten Stadt dabei über den Tisch.

Dies alles erfährt der Protagonist des Romans "Die Teilacher", der junge Alfred Kleefeld, während eines Kneipengesprächs. Als nämlich sein Onkel David stirbt, trifft sich die Gruppe der Teilacher, um ihrem Kollegen im strömenden Regen das letzte Geleit zu geben. Und nach der Trauerfeier geht es weiter in die Stammkneipe von einst, wo Anekdoten und Erinnerungen an das Jahr 1946 ausgetauscht werden. Alfred hört gebannt zu. Der Klappentext des Buches deutet es an: «Am Ende erfährt Alfred von einer wunderbaren Liebesgeschichte in dunklen Zeiten und von einem Geheimnis, das sein Leben für immer verändern wird.»

Vieles von dem, was Michel Bergmann in diesem Roman schildert, hat biografische Züge. Denn David Bergmann war im wirklichen Leben der Onkel des Romanautoren Michel Bergmanns, der 1945 als Kind jüdischer Eltern in einem Internierungslager in der Schweiz geboren wurde. David war das enfant terrible, der Lebemann in der Familie. Während seine Geschwister in Frankfurt vor dem Krieg erfolgreich ein Warenhaus aufbauten, vermochte sich David kaum in dieses Geschäft einzubringen. Erst als jemand auf die Idee kommt, ihn zum Außendienstmitarbeiter zu machen, erhält er die Freiheit, die er im Leben brauchte. Umso spannender zu sehen, wie das Lager ihn veränderte. Und wie er sich nach dem Krieg als freier Handelsvertreter - eben als Teilacher - mit Witz und Chuzpe durchs Leben schlägt. Wenn ihm Bergmann mit diesem Roman ein Denkmal setzt, ist das nicht nur spannend zu lesen, sondern auch voller Witz, manchmal gar von absurder Komik.

In dem Bericht von Marco Giacopuzzi, heute Abend im HR zu sehen, ist «'hauptsache kultur' mit dem Drehbuchautor und Schriftsteller durch Frankfurt gegangen, hat die Schauplätze von damals aufgesucht und sich seine Lebensgeschichte erzählen lassen – vom Durchwursteln im Land der Peiniger, von den slapstickhaften Begegnungen an der Haustür, vom Überlebenswillen nach den Jahren des Horrors.»

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