Freitag, September 17, 2010

Werner Stiller: Der Agent

Manche Biografien sind deutlich umfangreicher, weitreichender, als das, was wir gemeinhin von einem Leben erwarten. Das sind Stoffe zum Träumen, zum Kopfschütteln vielleicht. Wir bekommen das Gefühl, dass es in unserem Land Parallelwelten gibt, die völlig neben unserer eigenen herlaufen. Eine solche Autobiografie hat gerade Werner Stiller vorgelegt. Stiller, das war jener Mann, der 1979 nicht nur Markus Wolf, den ehemaligen Leiter des Auslandsnachrichtendienstes im MfS der DDR, sondern weitere 70 DDR-Spione enttarnte und damit einen nicht geringen Wirbel auslöste. Von seinem Überlaufen in die BRD, seiner Zeit beim BND, und - als ihm der Boden in Deutschland zu heiß wurde - seine Versetzung zur CIA berichtet er in seinem Buch "Der Agent ", das am 24. September 2010 erscheinen soll und dessen zweite Auflage dank der Vorbestellungen bereits für den Oktober in Vorbereitung ist. RBB hat sich des Phänomens angenommen und gestern Abend in der Sendung "Stilbruch" über Werner Stiller und das Buch berichtet.

Werner Stiller: Der Agent

Titel: Der Agent : mein Leben in drei Geheimdiensten / Werner Stiller
Verfasser: Stiller, Werner
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Christoph Links Verlag
Erscheinungstermin: 24. September 2010
Umfang/Format: 252 S. : Ill. ; 22 cm
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN: 978-3-86153-592-8
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.90

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In dem Interview, das Werner Stiller Gabriele Denecke für den rbb "stilbruch" gab, erzählte der Autor unter anderem von seiner unspektakulären Flucht aus dem Osten. Als Agent der DDR war es für ihn kein Problem, am Bahnhof Friedrichstraße durch einen speziellen "Diensteingang" die Grenzkontrolle zu passieren. Von dort aus begab er sich zum Flughafen Tegel, wo er sich der Polizei stellte. Er berichtet amüsiert von den leicht verblüfften Polizisten, die zunächst gar nicht begriffen, was für ein Fang ihnen da ins Netz gegangen ist. Als er dann seine Dienstpistole auf den Tisch legte, änderte sich die Atmosphäre sofort.

Schon am nächsten Tag sitzt er beim Bundesnachrichtendienst in Pullach. In seinem Gepäck hatte er Unterlagen über Ausbildung und Ausrüstung von MfS-Agenten, Kopien von Geheimakten, Personal und Honorarlisten. Damit ist das Fiasko für den MfS besiegelt. Ihr gesamtes Spionagenetz bricht zusammen, selbst der Chef des Auslandsnachrichtendienstes, von dem bisher niemand im Westen wusste, wie er aussieht, kann seinen Beruf an den Nagel hängen. Kein Wunder, dass Erich Mielke wenig begeistert reagiert.

Der BND kümmert sich rührend um Stiller. 20 Leute sind rund um die Uhr damit beschäftigt, ihren größten Fang seit den 50er Jahren zu beschützen. Trotzdem lebt Werner Stiller immer in größter Lebensgefahr. Denn auf seinen Hochverrat steht in der DDR die Todesstrafe. Und die Gefahr, dass er von Mitarbeitern des MfS dorthin zurück verschleppt wird, ist allgegenwärtig. So schickt ihn der BND nach Amerika, wo er unter den Fittichen des CIA unter neuem Namen ein neues Leben aufbauen soll. Er wird zu Peter Fischer, Student der Wirtschaftswissenschaften. Und landet schließlich mit seinen Fertigkeiten beim Brokerhaus Sheers & Lehman Brothers, wird Leiter einer Niederlassung. Als Finanzexperte taucht er nun wieder im deutschen Fernsehen auf und erklärt den geneigten Zuschauern die Konjunkturschwankungen der amerikanischen Wirtschaft und deren Auswirkungen auf die Börse.

Gabriele Denecke nennt Werner Stillers Biografie "Der Agent" «das Psychogramm eines Spielers, der das Risiko sucht und die Gefahr nicht scheut». Und der Verlag meint: «Werner Stiller berichtet erstmals freimütig über sein gefährliches Leben in der Welt der Geheimdienste von Ost und West. Er ist einer der wenigen, die die verschiedenen Dienste von innen kennen und miteinander vergleichen können.»

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