Donnerstag, November 04, 2010

Neuerscheinungen rund um Shakespeare November 2010

Zwei Verlage, von denen ich keine Shakespeare-Themen erwartet hätten, sind Sinus und Severin. Der Schweizer Sinus Verlag versteht sich selbst als "Label für historische Orgeln", hat aber nebenbei einige wenige Hörbücher der Weltliteratur auf den Markt geworfen. Jetzt im November die unvermeidlichen Sonette Shakespeares. Der Hamburger Severus Verlag hingegen druckt alles, was kein Copyright mehr hat, oder mit deren eigenen Worten: „Bei uns finden Sie qualitativ hochwertige Neuauflagen antiquarischer Bücherschätze: entweder als Nachdruck des Originals oder aber als von Fraktur in zeitgenössische Schrift übertragene Neubearbeitung.“ Sein neuester Wurf ist die Wiederveröffentlichung von Eduard Engels Shakespeare-Biografie.

William Shakespeare: Sonette

2 CDs mit Booklet
Sprecher: Peter Matic
Verlag: Kilchberg/Schweiz: Sinus Verlag
Erscheinungstermin: November 2010
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN-10: 3905721910
ISBN-13: 978-3905721911

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Shakespeares 154 Sonette sind eines der meistübersetzten Werke der Weltliteratur. Dabei gehört die hier erstmals als Hörbuch gebotene Umdichtung von Stefan George zu den herausragenden Leistungen der Kunst des Übersetzens. Das Booklet enthält sowohl den deutschen wie auch den englischen Text, dazu einen ausführlichen Kommentar. Gelesen werden die Gedichte von Peter Matic, gegenwärtig einer der renommiertesten deutschsprachigen Sprecher.

Eduard Engel: Shakespeare - Mit Anhang: Der Bacon-Wahn

aus Fraktur übertragen
Taschenbuch: 150 Seiten
Verlag: Severus Verlag
Erscheinungstermin: November 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942382970
ISBN-13: 978-3942382977

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Dieses ursprünglich 1897 bei Baedecker erschienene Bändchen ist ein Auszug aus Engels "Geschichte der englischen Literatur". Im Band "Englische Studien" von Johannes Hoops (Leipzig, 1900, S. 440f) fand ich folgende Bemerkungen zu Engels "Shakespeare":

»Dies Büchlein von nicht einmal 70 Seiten darf sich ohne Arroganz den Nebentitel ("Ein Handbüchlein" A.d.B.) beilegen; denn es liefert in der Tat eine äusserst geschickt geordnete Sammlung aller Fakten, die die Forschung mühsam festgestellt hat. Sei es über Leben und persönliches Wesen, die Dichtungen und ihre Geschichte, oder ihre Quellen und in Zusammenhang damit des Dichters Bildung, seine dichterische Bedeutung, das Urteil der Zeitgenossen sowie der englischen, französischen und deutschen Epigonen. Endlich gibt er einige 'Rätselfragen', die aber eigentlich schon der Eingang seines biographischen Paragraphen in Bausch und Bogen absolviert, und trumpft den 'Bacon-Wahn' ab, worauf noch eine 'Bücherkunde' folgt, enthaltend bibliographische Notizen zu den einzelnen, übrigens nicht in unserer vorstehenden natürlichen Reihenfolge gruppierten Abschnitten. Engels Heft erscheint wohlgeeignet, um in die wichtigsten Daten des Shakespeare-Wissens einzuführen und bei allgemein gebildeten tiefere Teilnahme für den erhabenen poetischen Genius zu erwecken, gutenteils dieser auch sogleich zu genügen.

Warum aber muss Engel seine Darlegungen mit einer 'Einleitung' anheben, die fast nur aus klobigen Angriffen auf die ihm so verhassten Philologen besteht, obschon doch die Brauchbarkeit seines sauberen übersichtlichen Grundrisses zweifellos ihrer eifrigen und erfolgreichen Tätigkeit zu danken ist? Wir bestreiten Engel seine Kompetenz im neuenglischcn Schrifttume, worin er sich hüben und drüben sehr fleissig umgesehen hat, nie und nimmer, wenn er auch kein Anglist ist, und wir erklären sein Shakespearebüchlein als ganz unverächtliche Vorschule für intimeres Eindringen in das Studium des Meisters.

Aber er sollte auch anerkennen, dass zum Votum über die älteren Epochen philologische Untersuchungen ebenso die Basis abgeben müssen wie eigene Lektüre alt- und mittelenglischer Originalien, und sollte aus eigenstem Interesse nicht einen Federkrieg mit philologischen Gegnern heraufbeschwören, wie er ihn anlässlich der ersten Auflage seiner Geschichte der englischen Literatur mit E. Kölbing in den Engl. Stud. VIII i86 bez. 425 zu kosten bekam. Auch wäre unbedingt nicht zu verschweigen, dass das vorliegende Büchlein nur ein Separatabdruck von Seite 121 — 187, d. h. des dritten Kapitels im eben genannten litterarhistorischen Gesamtwerke (»4., völlig neu bearbeitete Auflage« 1897) ist. Übrigens hätten da das 2. Kapitel, das Shakespeares unmittelbare Vorgänger, und das 4., das seine dramatisch tätigen Zeitgenossen und Nachfolger behandelt, sich passend anfügen lassen; ich empfehle das für eine Neuauflage und dafür die knotige, völlig unangebrachte 'Einleitung' zu streichen. Engel nehme sich an dem nichtphilologen Georg Brandes ein Muster, über dessen Shakespearedarstellung er wiederholt in Entzücken schwelgt.«

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