Mittwoch, Juli 28, 2010

Gartenbücher des Pala-Verlags

Liebe Leser,

zur Zeit genieße ich es sehr, abends mit einem guten Buch in der Hand in meinem Garten zu sitzen. Nachdem es jetzt ein paar Tage sehr heiß war, ziehe ich mittlerweile bei Einbruch der Dunkelheit schon wieder eine Strickjacke an. Gibt es etwas schöneres, als im Schein der Gartenfackeln zu schmökern?

Bei diesen abendlichen Mußestunden ist mir zum ersten Mal aufgegangen, dass in diesem Jahr unter meiner Terrasse ein Igel Wohnung bezogen hat. Sobald es dunkel wird, fängt er an zu rascheln und zu hüsteln. Ich habe mich schnell mit ihm angefreundet. Igel sind nicht sonderlich wählerisch, wenn es um Katzenfutter geht.

Insgesamt habe ich in diesem Jahr meine Liebe zum Garten neu entdeckt. Während er in den letzten Jahren vor allem Arbeit und Erhalt bedeutete und von einer gewissen Frustration begleitet war, wenn bestimmte Pflanzen einfach nicht so wachsen wollten wie ich mir das vorstellte, bin ich in diesem Jahr stärker am Beobachten und Zulassen. Langsam entwickle ich ein Gespür für das Mikroklima in verschiedenen Ecken des Gartens. Ich weiß nun, dass ich hinter dem Haus einen ganz anderen Boden habe als im Vorgarten und dass darauf eben auch andere Pflanzen sich wohlfühlen.

Zu meinen neusten Entdeckungen als Buchhändler zählt der kleine, aber spannende Pala-Verlag aus Darmstadt. Er hat sich unter anderem auf Gartenbücher spezialisiert, und zwar auf die Art Bücher, die meiner eigenen Gartenphilosophie recht nahe kommen. Egal, ob es um einen natürlichen Sichtschutz geht oder um die optimale Zusammensetzung eines pflegeleichten Rasens, ob um den Lebensraum für Igel oder die Kräuterspirale für die Küche: genau diesen kleinen Spezialthemen hat sich der Verlag verschrieben. Ein echter Fund. Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die ihren eigenen Garten frei gestalten können, lade ich Sie hiermit herzlich zum Stöbern ein.

Hier klicken. um zu den Gartenbüchern des Pala-Verlags zu gelangen!

Herzliche Grüße,
Ihr Norbert Krüger

Montag, Juli 26, 2010

Wolfgang Gogolin: Der Geist der Venus

Titel: Geist der Venus / Wolfgang A. Gogolin
Autor: Gogolin, Wolfgang A.
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Goldebek : Mohland
Erscheinungsdatum: 1. März 2010
Umfang/Format: 93 S. ; 21 cm, 138 gr.
ISBN: 978-3-86675-117-0
Bestellnummer(n): 1692
EAN: 9783866751170
Einband/Preis: kart. : EUR 8.40

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Wolfgang Gogolin gehört zu den rührigen Hamburger Autoren, die durch regelmäßige Lesungen in verschiedenen Locations ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Literaturinteressierte kennen ihn aus der Mathilde, dem Duhlsberger Mairauschen oder der Spät-Lese, einer von ihm regelmäßig im Barmbeker Basch moderierten Lesereihe. Seine ersten Buch-Veröffentlichungen drehten sich um den Beamten-Alltag: die Karawane des Grauens oder die Kurzgeschichtensammlungen Beamte und Menschen und Beamte und Menschen, allesamt satirisch überspitzt, mit dem Wissen um die Routine der deutschen Amtsstuben. Denn Gogolin war jahrelang Rechtspfleger, hatte zuletzt auf dem Standesamt gearbeitet. Viele munkeln, sein erster Wurf, die Karawane, sei nicht bitter erfunden, sondern so nahe an der Realität, dass er nur deswegen ohne eine Klage davongekommen ist, weil die Behörde durch das Einschlagen des Rechtswegs nur eine gesteigerte Aufmerksamkeit auf die im Roman geschilderten Vorgänge fürchtete.

Als Publizist hat Gogolin mittlerweile auch eine andere Seite, eine ernstere. In seinen Romanen Der Puppenkasper und Eintritt frei für Männer nimmt er die Auswüchse der Emanzipation aufs Korn, outet sich als überzeugter Vertreter der Mens Lib, oder – wie etwa Arne Hoffmann das nennen würde – der Maskulinisten. Auch in diesem Bereich hat er sich einen Namen gemacht. Seine in den Romanen verbratenen Thesen sind nicht neu, aber zumindest im Kontext der Belletristik originell genug, um noch Aufmerksamkeit zu erregen.

Sein neustes Buch, Geist der Venus, ist weder ein Plädoyer für die neue Männlichkeit, noch spielen Beamte dort eine herausragende Rolle. 14 Geschichten hat Gogolin darin versammelt, die zumindest im Kern einen oft ernsten Hintergrund haben. Da spannt ein Mann seine Weinhändlerin ein, die letzten Momente seines Lebens mit ihm zu verbringen. Eine Frau versucht, der Einsamkeit der Großstadt zu trotzen. Eine andere weint sich am Timmendorfer Strand in einem Strandkorb die Augen aus, weil sie sich nicht mehr geliebt wähnt. Eine dritte hat gerade von ihrem Arzt die Diagnose gestellt bekommen, sie leide an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung.

Selbst die vermeintlich glücklichen Momente des Lebens sind durchzogen vom Wissen, das Leben fordere für die kleinen Freuden einen hohen Preis. So ist Das Schweigen des Lammes ein lakonischer Abgesang auf die Zeit der Freiheit, während der Protagonist sich an der festen Hand seiner Zukünftigen zum Trauraum des Standesamtes bewegt. Schon der Titel dieser Geschichte spricht Bände. Und in einer anderen Geschichte heißt es zum gleichen Thema: „Ehe ist ein Soufflé. Dem besten Pâtissier fällt irgendwann ein Soufflé zusammen.“

Als roter Faden zieht sich Gogolins Liebe zu kulinarischen Genüssen durch die Geschichten. In seiner Freizeit ist Gogolin begeisterter Restaurant-Kritiker, und in Fachkreisen haben sich seine auf der eigenen Homepage veröffentlichten Kritiken durchaus einen Namen gemacht. In seinen Romanen hingegen wirkten die ausführlichen Beschreibungen lukullischer Genüsse zumeist leicht deplaziert. Mit dem Mohland-Verlag hat er hier jedoch erstmals einen Herausgeber gefunden, dem dieser Geist der Venus zusagt, und der ihm weitgehend freie Hand ließ.

Ob dies wirklich ein Vorteil im Reifungsprozess des Autors ist, scheint mir zumindest fraglich. Wenn Gogolin in einer Story einen Pastoren, in einer anderen einen Barbesucher den Vanille-Duft des Bourbons aufsaugen lässt, so mag das für den Bourbon sprechen, weniger aber für die Wahrnehmungsbandbreite bzw. den Fundus an Beschreibungsmöglichkeiten des Autors. Da helfen auch die Nuancen Honig versus Minze nicht wirklich weiter, zumal auch der Honigduft in beiden Geschichten zitiert wird.

Ein schwerwiegenderes Problem: Manche Stories dieses Bandes opfern die Glaubwürdigkeit nur allzu leichtfertig einer vermeintlichen Pointe. Schon die erste Geschichte, Victors Paradies, endet mit einem Sakrileg an einer Flasche 45er Mouton Rothschild, die direkt nach einer Fahrt im Auto geöffnet wird – ärgerlich vor allem deswegen, weil Gogolin eigentlich eine große Liebeserklärung an die Welt des Weines verfasst hat. Das wäre auch anders lösbar gewesen, glaubhafter, und dadurch eindringlicher. So bleibt nicht nur hier ein fader Abgang.

Auch andere Geschichten leiden an dieser Crux, etwa Lichter der Stadt, deren Ausgangspunkt die Zeitungsnotiz über einen alten Mann ist, der zwei Jahre tot in seiner Wohnung lag, bevor ihn die Polizei entdeckte. Und das, obwohl in seinem Fenster penetrant die Weihnachtsbeleuchtung weiterblinkte. In der Geschichte nun nimmt eine junge Frau diesen einsamen Tod zum Anlass, Kontakt mit ihren eigenen Nachbarn aufzunehmen, scheitert jedoch an der Gleichgültigkeit ihrer Umgebung. Auch hier bricht Gogolin die Stimmung, die von einer spürbare Empathie für seine Figur getragen wird, zugunsten eines pointierten, absolut unglaubwürdigen Endes. Schade.

Interessant bleibt diese Geschichtensammlung, weil sie eine neue Stufe auf der Entwicklungsleiter Wolfgang Gogolins darstellt. Seine Versuche, ernste Themen in seiner heiter-flapsigen Art anzugehen, sind sicher gewöhnungsbedürftig, lesen sich aber flüssig und leicht. Wer Kurzgeschichten mag, hat mit dem Band Geist der Venus eine süß-saure Mischung, die sich dem leichten Genuss widersetzt, nicht grätenfrei, aber im Geschmack nahezu einzigartig. Es lohnt sich, den Autor weiter im Auge zu behalten.

sam


Mittwoch, Juli 14, 2010

Neuerscheinungen rund um Shakespeare - Juni - August 2010

Im Juni bin ich aus Krankheitsgründen nicht dazu gekommen, im Juli ist nicht viel los an der Front der Neuerscheinungen rund um William Shakespeare. Darum hier gleich die Übersicht für das ganze Quartal Juni - August 2010. Einige interessante Bücher sind dabei, auch Hörbücher; von einigen weiß ich noch gar nichts inhaltlich. Schauen wir mal.

Hildegard Hammerschmidt-Hummel - Und das Flower Porträt von William Shakespeare ist doch echt

Taschenbuch: 115 Seiten mit Abbildungen auf CD-ROM
Verlag: Hildesheim: Georg Olms Verlag
Auflage: 1. Aufl.
Erscheinungsdatum: Juni 2010
Sprache: Englisch, Deutsch
ISBN-10: 3487143968
ISBN-13: 978-3487143965
Preis: 34,80 Euro

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In ihrem als bahnbrechend bezeichneten Buch Die authentischen Gesichtszüge William Shakespeares wies die renommierte Shakespeare-Forscherin Hildegard Hammerschmidt-Hummel - unter Mitwirkung von BKA-Sachverständigen, Medizinern, Physikern und anderen Experten - die Echtheit von vier Shakespeare-Bildnissen nach, die während der Lebenszeit oder unmittelbar nach dem Tod des Dichters entstanden, darunter das Flower-Porträt (1609). Als Dr. Tarnya Cooper, Kuratorin der Londoner National Portrait Gallery, die Authentizität dieses Bildes in Frage stellte, setzte die Autorin zu einer erneuten, umfassenden Überprüfung des Flower-Porträts an, bei der sie wiederum intensiv mit einer Gruppe internationaler Experten zusammenarbeitete, darunter ein Kriminologe, ein Experte für Alte Meister, ein Dermatologe, ein Radiologe, ein Konservator, eine Restauratorin, ein Inschriftenexperte und ein weiterer Shakespeare-Forscher. Eine gemeinsame Inspektion des Gemäldes im Depot der Royal Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon und eine Analyse des BBC-Dokumentarfilms „The Flower Portrait“ zeugen von präzisen Beobachtungen und einem fundierten multidisziplinären Ansatz, der eine spannende Lektüre verspricht.

Dietrich Neuhaus: Shakespeares dunkle Jahre

Fakten und Fiktion
Gebundene Ausgabe: 284 Seiten
Verlag: Books on Demand
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 4. Juni 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839164494
ISBN-13: 978-3839164495
Größe und/oder Gewicht: 21,5 x 13,5 x 2,2 cm

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Wie wurde im 16. Jahrhundert aus dem unbedarften Provinz-Jungen William Shakespeare, Handwerkersohn in einem entlegenen Nest, ein brillanter, gebildeter, weltkundiger Autor in London, der heute noch meist gespielte Theaterdichter der Welt? Die Wissenschaft hat keine Antwort. Denn während die damaligen Zeit- und Lebensumstände bestens dokumentiert sind, scheint fast alles über den persönlichen Werdegang Shakespeares wie ausgelöscht. So muss die Fantasie Licht in die dunklen Jahre bringen. Diese „kreative Chronik“ fußt auf den wenigen belegten Fakten und entwirft – rund um viele historische Persönlichkeiten – in einer fiktiven Handlung und erdachten Dialogen, wie es gewesen sein könnte: wie aus dem einfachen Jungen vom Land das Genie wurde, dessen Ruhm in die Ewigkeit reicht.

Dietrich Neuhaus, Jahrgang 1931, Buchhändler, Kabarettist, Rundfunksprecher, Brettl-Autor, Werbetexter, Filmproducer, Reise-Organisator, Hobby-Schriftsteller und Rezitator, lebt seit vielen Jahren bei München, liebt Jazz und gutes Theater, hat eine Schwäche für Show und Musical, schreibt auch Gedichte und Theaterstücke.

Barbara Kindermann: Hamlet

Gebundene Ausgabe: 36 Seiten
Verlag: Kindermann
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: August 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 393402923X
ISBN-13: 978-3934029231
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 7 - 9 Jahre

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Barbara Kindermann hat Shakespeares mitreißendes Drama Hamlet schwungvoll für Kinder nacherzählt und bereichert damit die Reihe Weltliteratur für Kinder um einen zwölften Titel. Willi Glasauers meisterhafte Illustrationen bebildern das spannende Geschehen kongenial.

Ein Königspaar lebt im fernen Dänemark auf Schloss Helsingör zusammen mit seinem stattlichen Sohn Hamlet. Doch eines Tages stirbt der König völlig überraschend während seines Mittagsschlafes im Garten. Niemand weiß genau, was geschehen ist, aber alle vermuten, eine giftige Schlange habe ihn im Schlaf gebissen.

Ganz Dänemark gerät mit dem Verlust des Herrschers aus den Fugen, am tiefsten jedoch trifft der Tod des Königs seinen einzigen Sohn Hamlet. Der junge Prinz versinkt in tiefem Kummer, und bald schon ereignen sich auch auf Schloss Helsingör merkwürdige Dinge ...

Dieses Buch ist auch als Hörbuch erhältlich:

1 CD, 70 Min.
Verlag: Hörcompany
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 30. August 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3939375950
ISBN-13: 978-3939375951

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Nick Groom: Shakespeare - ein Sachcomic

Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Agentur Ratschlag und Bildung
Erscheinungsdatum: August 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3935254253
ISBN-13: 978-3935254250

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Echte Shakespeare-Fans kennen Grooms Comic bereits aus dem englischen Original, dem ursprünglich 1997 bei Totem Books erschienenen und Anfang diesen Jahres bei Faber and Faber neu aufgelegten Introducing Shakespeare: A Graphic Guide . Nun legt die Agentur Ratschlag und Bildung, ein sympathischer Familienbetrieb aus Überlingen am Bodensee, die deutsche Fassung vor, übersetzt von Theo Brodhag, der sich bereits des Sachcomics "Ethik" aus dem gleichen Verlag angenommen hatte.

Shakespeare - ein Sachcomic nun will viel mehr sein als eine Biographie oder ein Führer zu Stücken und Sonetten: es ist eine Reise durch die Welt des Will Shakespeare und kommt zu dem Ergebnis, dass auch nach vierhundert Jahren Shakespeare immer noch der Stein des Anstoßes ist, an dem unser Verständnis von Humanismus sich abarbeitet und schärft. Es zeigt auch, wie der Barde durch die verschiedenen Jahrhunderte hinweg und in verschiedenen Kulturkreisen verehrt wurde und zu welchen politischen und kulturellen Reaktionen er angeregt hat. Ein vergnüglicher Bilderbogen, unterhaltsam und nachdenklich machend.

Amrei Wiencek: Englischsprachige Shakespeareparodien des 20. Jahrhunderts: Ein vergleichender Überblick

Broschiert: 226 Seiten
Verlag: Vs Verlag
Auflage: 1
Erscheinungsdatum: 27. August 2010
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3531172123
ISBN-13: 978-3531172125

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Amrei Wiencek analysiert und vergleicht die bekanntesten kontemporären Parodien auf Shakespeares Werk. Nach einer umfassenden Einführung in Geschichte und Theorie der Parodie liegt der Fokus hierbei auf den Shakespeareparodien von Tom Stoppard, Roger Woddis und Michael Green:
  • Tom Stoppard, Rosencrantz and Guildenstern are Dead (1967)
  • Roger Woddis, Sonnet (1970)
  • Tom Stoppard, The Fifteen Minute Hamlet (1976)
  • Tom Stoppard, Dogg’s Hamlet, Cahoot’s Macbeth (1979)
  • Michael Green, All’s well that ends as you like it (1977)
Mittels ausführlicher Interpretation werden Textmerkmale, parodistische Ziele, Methoden und Stile extrapoliert. Zugleich hinterfragt die Autorin, warum diese Textexempel als etablierte Beispiele der Shakespeareparodie des 20. Jahrhunderts gelten und ob in diesem Zusammenhang von einem Kanon der Shakespeareparodien gesprochen werden kann. In einem abschließenden Ausblick versucht sie, diesen Kanongedanken aufzubrechen und Parodien von namenlosen Laienautoren, die ihre Parodien ausschließlich im World Wide Web veröffentlicht haben, in die Untersuchung mit einzubinden, sie zu katalogisieren und zu klassifizieren. Das Buch wendet sich an Dozierende und Studierende der Anglistik und der Medienwissenschaften.