Samstag, Oktober 09, 2010

Ari Hiltunen: Aristoteles in Hollywood

Wenn Literatur funtionieren soll, muss ein Autor wissen, was er tut. Deswegen ist es meiner Ansicht nach unerlässlich, dass sich jeder Romanautor mit Dramaturgie auseinander setzt. Das gehört zum Handwerkszeug des Schreibens, und wenn Handwerk vielleicht auch nicht alles ist in der Belletristik, so ist es doch elementar.
Dies ist der Grund, warum ich über Jahre hinweg die kleine orange Reclam-Ausgabe von Aristoteles Poetik mit mir herumschleppte. Immer dann, wenn ich gerade ein wenig Zeit hatte, zog ich das zweisprachige Bändchen aus meiner Hosentasche und las ein paar Seiten, rekapitulierte sie, beinahe einem Mantra gleich, versuchte auf diese Art auch mein Griechisch auf Vordermann zu halten (ja, in der Uni habe ich neben Latein und Alt-Hebräisch auch Alt-Griechisch belegen müssen).

2001 kam dann ein Band heraus, der die zugegebener Maßen manchmal etwas trockene Lektüre von Aristoteles plötzlich mit neuem Leben füllte. Ari Hiltunen, seines Zeichens Chefeinkäufer des finnischen Fernsehsenders YLE, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Poetik zu entschlüsseln, die oftmals von Aristoteles nicht näher definierten Begrifflichkeiten mit Leben zu füllen und anhand der modernen Dramentheorien zu verifizieren. Herausgekommen ist dabei Aristoteles in Hollywood, ein Handbuch, das ich jedem Autoren nur wärmstens ans Herz legen kann. Plötzlich bekommen hamartia und peripeteia, anagnorisis und vor allem die viel beschworene katharsis einen Kontext, der weit über die griechischen Tragödien hinausweist. Hiltunen vergleicht Aristoteles’ Ansatz mit Alfred Hitchcock, analysiert eine Folge von Emergency Room, geht den Aufbau von Romanzen durch und tut mithin alles, um die alte „Poetik“ für uns Leser des 21. Jahrhunderts greifbar zu machen.

Zwei Dinge sind mir bei der Lektüre unter anderem aufgegangen: eine gut konstruierte Geschichte mit all ihren Verwicklungen sollte nie vollständig chronologisch erzählt werden. Spannung entsteht in dem Augenblick, wenn die Handlung, die der Leser (oder Zuschauer) miterlebt, etwa im letzten Drittel der Geschehnisse ansetzt. Dadurch bekommen die Figuren einen reichen Background, werden also vom Leser als vielschichtig wahrgenommen. Und der Autor hat die Möglichkeit, durch Andeutungen, Erkenntnisse etc. nach und nach die Zweidrittel der Geschichte in den Text zu verweben, die bisher unerzählt blieben. Diese Verfahrensweise ist für Krimis existenziell, bei denen der Protagonist zusammen mit dem Leser die Vorgeschichte einer Tat mühsam herausfinden muss. Aber es funktioniert de facto genauso bei jedem Drama: auch Oedipus’ Geschichte wird ja nicht von seiner Geburt an chronologisch erzählt, sondern setzt erst dort an, wo Theben unter Missernten, Geburtenrückgang und schließlich einer Seuche zusammenbricht, und der gütige König Oedipus den Seher Thereisias um Rat fragt, warum in seiner Stadt alles zum Teufel geht. Erst jetzt rollt sich das Drama Stück für Stück von hinten auf.

Eine zweite Sache, die mir bei der Lektüre Hiltunens aufgegangen ist: Spannung lässt sich nur erzeugen, wenn wir als Leser/Zuschauer beide Parteien eines Konflikts erleben können. Wir Rezipienten brauchen den Wissensvorsprung, der uns mit den Protagonisten mitleiden lässt. Erst wenn wir wissen, dass der Held der Geschichte sehenden Auges in sein Unglück läuft, - wenn wir also auch um die Schlichen des Antagonisten wissen -, können wir wirklich mitfiebern. Deswegen sind wir gut beraten, bei der Strukturierung eines Plots nicht nur die Sicht des Helden zu schildern, sondern zumindest einen Teil der Geschichte auch aus Sicht des Antagonisten zu schildern.
Sicher, bei dieser Regel fallen mir unzählige Ausnahmen ein, in denen die Story auch dadurch funktionierte, dass die Bedrohung des Helden derart übergroß geschildert wird, dass wir auf die Position des Antagonisten getrost verzichten können. Die Wendepunkte der Handlung erleben wir dann als Überraschungsmoment, nicht als Suspense. Das kann dramaturgisch gut gehen. Allerdings nehmen wir uns ein brauchbares Instrument zur Erzeugung von Spannung, wenn wir uns der Sicht des Antagonisten nicht bedienen.

Das sind nur zwei von etlichen Aha-Erlebnissen, die ich bei der Lektüre Hiltunens hatte. Leider ist das Buch heute nur noch gebraucht zu bekommen, auch wenn der Verlag es seinerzeit als „Das neue Standardwerk der Dramaturgie“ anpries. Meiner Ansicht nach lohnt es sich, nach einem gebrauchten Exemplar des Werks zu suchen. Wichtiger aber noch ist mir, sich überhaupt neben dem eigenen Schreiben regelmäßig mit den Theorien des Schreibens auseinander zu setzen. Bücher zu diesem Thema gibt es unzählige. Ständig kommen neue auf den Markt, und zumeist ändern sich auch die darin analysierten Werke. Ich persönlich glaube nicht, dass es „die eine Methode“ gibt, mit der sich der todsichere Bestseller schreiben lässt. Ich bin aber davon überzeugt, dass es jedem Autoren gut tut, sein Handwerkszeug regelmäßig zu erweitern. Und das funktioniert eben nur, wenn wir uns ansehen, welche Theorien über Dramaturgie im Umlauf sind und wie wir diese am sinnvollsten für uns umsetzen.


Titel: Aristoteles in Hollywood : das Standardwerk der Dramaturgie / Ari Hiltunen. Mit einem Vorw. von Christopher Vogler. Aus dem Engl. von Michael Benthack
Autor: Hiltunen, Ari
Ausgabe: Dt. Erstveröff., 1. Aufl.
Verleger: Bergisch Gladbach : Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 25. September 2001
Umfang/Format: 282 S. ; 21 cm
Gesamttitel: Bastei-Lübbe-Taschenbuch ; 94013 : Buch & Medien
Einheitssachtitel: Aristoteles hollywoodissa
Anmerkungen: Literaturverz. S. 280 - [283]
ISBN: 3-404-94013-X
Einband/Preis: kart. : DM 29.90, EUR 14.95 (ab 1.1.2002)
Schlagwörter: Aristoteles / De arte poetica ; Rezeption ; Drehbuch ; Dramaturgie

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Freitag, Oktober 08, 2010

Morgenseiten gegen Schreibblockade

Wahrscheinlich kennen das die meisten Autoren, die einmal versucht haben, ihre Texte zu Geld zu machen: irgendwann kommt der Punkt des Selbstzweifels. Sind meine Texte wirklich lesbar? Brauchbar? Eventuell haben Sie sogar schon ein erstes, vom Feuilleton beachtetes Buch geschrieben. Und nun quält sich das zweite Projekt dahin, ohne wirklich voranzukommen. Sie wissen, eigentlich können Sie schreiben. Oder zumindest ahnen Sie es. Aber etwas in Ihnen wehrt sich. Manche nennen es 'Angst vor der leeren Seite', manche, ganz amerikanisch, 'Writers Block'. Mich selbst hat diese Schreibblockade fast sieben Jahre völlig außer Gefecht gesetzt, nachdem mir 2002 mein Agent erzählte, gleich drei Verlage hätten sich an meinem Skript in progress interessiert gezeigt. Nichts ging mehr. Niente. Nada.

Irgendwann hatte ich die Faxen dicke, und ich habe mich mit der üblichen Literatur für werdende Autoren eingedeckt. Der Tipp, der sich immer wieder durch sämtliche Ratgeber zog, lautete: schreiben, schreiben, schreiben. Jeden Tag nicht weniger als drei Seiten. Leichter gesagt als getan bei einer echten Schreibblockade. Die Spirale drehte sich abwärts. Nun war ich nicht nur deprimiert, weil ich nicht schrieb, sondern weil der Druck dazu kam, mich von meinem Traum zu schreiben zu verabschieden, weil ich eben nicht in der Lage war, dem Rat der Gilde der Autoren zu folgen. [Genauso konfus fühlte es sich auch an :-)]

Den ersten Einstieg, wieder neu zu beginnen, bekam ich durch Dorothea Brandes "Schriftsteller werden". Sie meinte zwar auch, für jeden werdenden Autoren sei es wichtig, zu aller erst täglich zu schreiben, hatte aber einen brauchbaren Rat, der deutlich über den bloßen Imperativ hinaus ging: Setz dich jeden Morgen, direkt nach dem Aufstehen, an den Schreibtisch. Schreib auf, was immer dir in den Sinn kommt. Wichtige Grundregel: diese Morgenseiten sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt! Zeige sie auch nicht deinen besten Freunden oder dem Partner! Denn die Morgenseiten sind noch intimer als ein Tagebuch, sie sind das erste zarte Pflänzchen gegen die Schreibblockade, und sie sind daher sehr anfällig gegen jegliche Kommentare, gegen Kritik oder Nachfragen. Diese Morgenseiten können alles beinhalten, was dir beim Schreiben gerade einfällt: der Traum, aus dem du gerade erwacht bist; die Dinge, die am heutigen Tag vor dir liegen; emotionale Themen, die dich gerade umtreiben. Wichtig allein: setz dich an den Schreibtisch, bevor du die Zeitung gelesen oder das Radio eingeschaltet hast. Denn die Worte sollten aus dir allein kommen, ohne von anderen Worten beeinflusst worden zu sein.

Dorothea Brande veröffentlichte ihr Büchlein "Schriftsteller werden" bereits 1934, und ich habe in den letzten Jahren von vielen Menschen gehört, die genau wissen, was Morgenseiten sind, und wie sie funktionieren. 1992 griff die ehemalige Ehefrau von Martin Scorcese, Julia Cameron, das Thema der Morgenseiten in ihrem Buch "Der Weg des Künstlers " wieder auf, ein Buch, das sich einzig und allein um das Thema 'Überwindung von Schreibblockaden' dreht.

Während Brande davon ausgeht, dass die Texte der Morgenseiten von allein länger und länger werden, weil die werdenden Autoren mit der Zeit in den Schreibfluss hineingeraten, stellt Cameron gleich zu Anfang die Aufgabe, mindestens drei Seiten zu füllen. Irgendwann, weiter hinten im Buch, stellt sich dann in einem Nebensatz heraus, dass sie dabei an ein Notizbuch dachte - somit ist die Aufgabe nicht ganz unüberwindlich. Die Erfahrung zeigt aber tatsächlich, dass selbst drei eng beschriebene Computerseiten nach einer gewissen Zeit kein Problem mehr sind - unter der Voraussetzung, dass der Autor fit im Zehn-Finger-System ist. Aber dies kann ich ohnehin jedem, der irgendwann vom Schreiben leben will, nur wärmstens anempfehlen. Denn es gibt wohl kaum etwas, das den Schreibfluss mehr behindert, als jeden Buchstaben einzeln auf der Tastatur suchen zu müssen.

Der Mechanismus, der hinter den Morgenseiten steht, hat etwas durchaus Surreales an sich. Nicht umsonst hatten die Surrealisten um Max Ernst und André Breton seinerzeit vom Bewusstseinsstrom geredet, den sie durch ihre Art der Literatur sich Weg brechen lassen wollten. Indem sie ihre Gedanken nicht filtern, kann die innere Kreativität wieder in Fluss geraten - solange der innere Zensor nicht zuschlägt. Deswegen raten sowohl Brande als auch Cameron, die Morgenseiten nach dem Schreiben zunächst nicht zu lesen und schon gar nicht zu bewerten.

Was passiert, wenn man sich dieser Morgenseiten regelmäßig annimmt? Meiner Erfahrung nach kommen die Gedanken tatsächlich wieder in Fluss. Das Zutrauen in die Fähigkeit, sich schriftlich auszudrücken, wächst. Das Schreiben verliert den überhöhten Status, der normalerweise zur Schreibblockade führt. Ich selbst habe dadurch wieder Lust bekommen, auch öffentlich zu schreiben. Während ich früher manchmal in einem Monat vielleicht drei bis fünf Beiträge für diesen Blog produzierte, schrieb ich, nachdem ich mit den Morgenseiten begann, fast täglich einen Beitrag. Und habe die Absicht, die Produktion weiter zu steigern.

Meiner Meinung nach ist alles, was ich selbst durchdenke, auch wert, festgehalten zu werden - unabhängig davon, ob es sich um ein Buch handelt, das ich gelesen habe, oder lediglich um einen Fernsehbeitrag über einen bestimmten Autoren, den ich für mich in eigenen Gedanken festhalte. Das ist doch die Idee hinter einem Blog: zu einem bestimmten Thema die Infos, die man selbst gesammelt hat, schriftlich zu fixieren. Bei mir ist es eben das Thema "Bücher". Dieses regelmäßige Veröffentlichen hilft, aus dem Status des reinen Tagebuchschreibers herauszugehen und Dinge so auszuformulieren, dass auch andere davon profitieren können.

Zurück zu Cameron: in ihrem "Weg des Künstlers" hat sie ein Zwölf-Wochen-Programm gegen Schreibblockaden entwickelt. Die Morgenseiten, die sie bereits in der ersten Woche vorstellt, sind lediglich der Beginn, die Grundlage für das Arbeiten an den eigenen Blockaden. Daneben stellt sie viele Fragen und Aufgaben, die einen durch die drei Monate des inneren Wachstums begleiten sollen.

Zu den glühenden Verfechtern von Camerons "Weg des Künstlers" gehört übrigens Christine Westermann, die Moderatorin von "Zimmer frei" mit Götz Alsmann. Irgendwann einmal habe ich von ihr ein Interview gesehen, bei dem sie ihr persönliches Lieblingsbuch vorstellen sollte. Sie erzählte dann, wie ihr Camerons Buch Mut gemacht hat, selbst mit dem Schreiben zu beginnen. Zwar bemängelte sie (wie ich) die spirituell angehauchte Diktion Camerons (nicht ohne Grund erschien das Buch früher in der Esoterik-Reihe bei Knaur), meinte aber, dass man sich über dies ständige Aufrufen eines Gottes, der uns zur Kreativität beruft, gut hinweglesen kann. Denn die Tipps zur Kreativität funktioniert durchaus auch, wenn wir nur auf die eigene Mitte achten und an einen kreativen Fluss, der aus uns herauskommt.

Auch Brandes Buch "Schriftsteller werden" kämpft vor allen Dingen mit den Problemen von Schreibblockaden, was vor allen für diejenigen, die einfach mehr über den Beruf und die Bedingungen des Schriftsteller-Daseins wissen wollen, frustrierend sein kann. Mir persönlich ist Brandes Weg zu formalistisch. Sie geht davon aus, dass vieles im Leben der Autoren reine Routine ist. Wenn wir uns einmal daran gewöhnt haben, die Morgenseiten zu schreiben, dann können wir unseren kreativen Output steigern, indem wir auch am Nachmittag (oder Abend, je nach Wahl) eine kreative Zeit einplanen. Und so fort. Dies mag zwar in der Theorie funktionieren, lässt aber unsere inneren Widerstände dabei völlig außer acht. Hier geht Cameron deutlich weiter, indem sie die werdenden (oder neu erwachenden) Künstler dazu bringt, über sich selbst, ihre Sozialisation und vor allem die Hemmnisse auf ihrem Weg nachzudenken. Wer den psychologischen Ansatz allerdings nicht mag, kann über Dorothea Brande vielleicht zum selben Ziel kommen: die Überwindung der Schreibblockade.

Donnerstag, Oktober 07, 2010

Frankfurter Buchmesse - Überblick der TV-Sendungen

Die folgenden Tage werden auch im Fernsehen ganz im Zeichen der Buchmesse stehen. Kultursendungen nahezu rund um die Uhr, vom Vormittagsprogramm bis tief in die Nacht hinein. Hier der Überblick über das, was in den nächsten Tagen von Seiten der öffentlich-rechtlichen Programme zu erwarten ist:

Donnerstag, 07.10.2010
10:02 - 10:30ZDF infokanalDas Blaue Sofa LIVE
Internet-Livestream zur Sendung
21:00 - 22:003sat3satbuchzeit
Internet-Livestream zur Sendung
22:45 - 23:15HRHauptsache Kultur
23:15 - 23:45SWRNachtkultur
23:45 - 00:45SWRLiteratur im Foyer
00:35 - 01:05ZDFaspekte extra: Frankfurter Buchmesse

Freitag, 08.10.2010
4:50 - 5:20HRHauptsache Kultur
19:20 - 20:003satKulturzeit extra

Samstag, 09.10.2010
06:20 - 07:003satKulturzeit extra
20:15 - 20:43EinsExtraBoom in Buenos Aires
20:43 - 21:00EinsExtraEinsExtra im Gespräch
21:02 - 21:15EinsExtraEinsExtra im Gespräch
21:15 - 21:45EinsExtraLiebe, die durch die Traube geht
21:45 - 22:15Eins ExtraArgentinien
23:50 - 00:35arteMetropolis

Sonntag, 10.10.2010
01:10 - 01:40EinsExtraBoom in Buenos Aires
01:40 - 02:10EinsExtraLiebe, die durch die Traube geht
02:10 - 02:25EinsExtraEinsExtra im Gespräch
02:30 - 02:45EinsExtraEinsExtra im Gespräch
02:45 - 03:10Eins ExtraArgentinien
08:15 - 10:00HRhr-Büchermatinee
10:00 - 10:30HRHauptsache Kultur
10:15 - 12:003sat3satbuchzeit extra
12:00 - 13:003satLiteratur im Foyer
16:35 - 17:20arteMein Leben - Feridun Zaimoglu
17:45 - 18:30arteMetropolis
0:15 - 00:45Das Erstetitel, thesen, temperamente

Dienstag, Oktober 05, 2010

Literaturliste: Lesezeichen vom 05.10.2010

Hier wie immer die aktuelle Literaturliste der Lesezeichen-Sendung von heute Abend, 23:25 Uhr im BR-Fernsehen:

Rolf Lappert: Auf den Inseln des letzten Lichts

Titel: Auf den Inseln des letzten Lichts : Roman / Rolf Lappert
Verfasser: Lappert, Rolf
Verleger: München : Hanser
Erscheinungstermin: 16. August 2010
Umfang/Format: 540 S. ; 22 cm
ISBN: 978-3-446-23556-4
Bestellnummer: 505/23556
Einband/Preis: Pp. : EUR 24.90
Schlagwörter: Philippinen ; Insel ; Rockmusiker ; Suche ; Schwester ; Belletristische Darstellung

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Leseprobe beim Hanser Verlag

Die zwei Geschwister, Megan und Tobey, sind trotz aller Unterschiede doch einzigartig aneinander gebunden. Eines Tages ist Megan verschwunden, und Tobeys Suche nach ihr wird zu einem lebensgefährlichen Abenteuer: Auf einer winzigen Insel in den Philippinen stößt er auf eine seltsame, im Verfall begriffene Welt. Wissenschaftler und Versuchstiere einer einstigen Forschungsstation für Primaten vegetieren hier vor sich hin, und Tobey kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur, von dem nur Megan die ganze Wahrheit kennt ...

Nach seinem preisgekrönten Roman "Nach Hause schwimmen " liefert Rolf Lappert, der Autor aus der Schweiz, erneut ein Meisterwerk der Erzählkunst, das die Absonderlichkeiten des Lebens beschreibt und eine faszinierende fremde Welt eröffnet.

Wolfgang Wippermann: Skandal im Jagdschloss Grunewald

Titel: Skandal im Jagdschloss Grunewald : Männlichkeit und Ehre im deutschen Kaiserreich / Wolfgang Wippermann
Verfasser: Wippermann, Wolfgang
Verleger: Darmstadt : Primus-Verl.
Erscheinungstermin: August 2010
Umfang/Format: 167 S. : Ill. ; 22 cm
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN: 978-3-89678-810-8
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.90
Sachgruppe: Geschichte Deutschlands

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Als sich im Jahre 1891 mehrere adelige Damen und Herren zu etwas trafen, was wir heute wohl als Swinger-Party bezeichnen würden, ahnten sie noch nicht, welche Folgen dies haben sollte. Denn das Treiben wurde publik und der Skandal zog rasch weite Kreise. Es kam zu mehreren Duellen und sogar Wilhelm II. griff ein. Wolfgang Wippermann erzählt die spannende Geschichte dieses Skandals.

Bereits vor vier Wochen hat der RBB in seiner Kultursendung Stilbruch über das Buch berichtet und ein Interview mit dem Autoren Wolfgang Wippermann geführt. Sie können das Interview derzeit noch beim RBB ansehen oder lesen.

Werner Stiller: Der Agent

Titel: Der Agent : mein Leben in drei Geheimdiensten / Werner Stiller
Verfasser: Stiller, Werner
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Links
Erscheinungsjahr: 2010
Umfang/Format: 252 S. : Ill. ; 22 cm
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN: 978-3-86153-592-8
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.90

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Leseprobe auf amazon.de

Es war die größte Niederlage des Ministeriums für Staatssicherheit: Im Januar 1979 wechselte Oberleutnant Werner Stiller die Seiten. Der Agentenführer von Markus Wolfs Auslandsspionage floh mit einem Koffer brisanter Unterlagen in den Westen und enttarnte Dutzende DDR-Spione. Erich Mielke tobte und wollte Stiller um jeden Preis finden. Er sollte möglichst zurückgeholt und vor ein Militärgericht gestellt werden, wo die Todesstrafe auf ihn wartete. Der Bundesnachrichtendienst schützte seine Quelle rund um die Uhr und übergab Stiller schließlich an die CIA, da er in Europa nicht mehr sicher war. In den USA erhielt er eine neue Identität, studierte und arbeitete als Peter Fischer bei Banken in New York, London, Frankfurt am Main und Budapest. Er verdiente Millionen und verlor sie wieder. Werner Stiller berichtet erstmals freimütig über sein abenteuerliches Leben in der Welt der Geheimdienste. Es ist zugleich das Psychogramm eines Mannes, der sich seinen Weg bahnte durch konträre Gesellschaftssysteme und für den Spannung ein Lebenselixier ist.

Ich hatte bereits vor ein paar Wochen etwas ausführlicher hier im Blog über das Buch berichtet, als der RBB in seiner Sendung Stilbruch ein Interview mit Werner Stiller führte.

David Grossman: Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Titel: Eine Frau flieht vor einer Nachricht : Roman / David Grossman
Aus dem Hebr. von Anne Birkenhauer
Verfasser: Grosman, Daṿid Birkenhauer, Anne [Übers.]
Verleger: München : Hanser
Erscheinungstermin: 17. August 2009
Umfang/Format: 727 S. ; 22 cm
ISBN: 978-3-446-23397-3
Bestellnummer: 505/23397
Einband/Preis: Pp. : EUR 24.90
Schlagwörter: Nahostkonflikt ; Frau ; Dreierbeziehung ; Erwachsener Sohn ; Soldat ; Belletristische Darstellung

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Leseprobe auf amazon.de

Ora erzählt: von ihrer Liebe zu zwei Männern, von Wut und Zärtlichkeit, Verzweiflung und Leidenschaft und von ihrem Sohn Ofer, der sich freiwillig für einen Militäreinsatz im Westjordanland meldet. Seine Mutter hofft, das drohende Unglück zu bannen, indem sie ihrem Jugendfreund Avram, der im Sechstagekrieg selbst Soldat war, von Ofers Vorhaben berichtet. Und unerreichbar zu sein, falls das Schreckliche geschieht ...

Autor und Friedensaktivist David Grossman spiegelt die großen Fragen in den kleinen Erlebnissen des Alltags. Er zeigt, wie in Israel das Schicksal der Menschen unauflöslich mit Politik verbunden ist. Ein mitreißendes, unvergessliches Buch und ein Protest gegen den Krieg.

Dazu kommen, wie immer, die Lesetipps der Zuschauer:

Mehr Informationen zum Inhalt der Sendung finden Sie unter br-online.de/bayerisches-fernsehen/lesezeichen/

Freitag, Oktober 01, 2010

SWR Bestenliste Oktober 2010

So, da ist sie, nach einem Fehlstart am Freitagmorgen: die SWR Bestenliste, Stand Oktober 2010. In gewohnter Weise mit kompletten bibliografischen Angaben, Links zu Leseproben und ausführlicheren Hinweisen zum Inhalt, und natürlich mit Angaben zu Hörbuchversionen, soweit vorhanden. Auf dass Sie erbaulichen Lesestoff für regnerische Herbsttage dabei finden mögen!

Platz 1 (-) 124 Punkte

THOMAS LEHR : September. Fata Morgana

Titel: September : Fata Morgana ; Roman / Thomas Lehr
Verfasser: Lehr, Thomas
Verleger: München : Hanser
Erscheinungsjahr: 2010
Umfang/Format: 477 S. ; 22 cm
ISBN: 978-3-446-23557-1
Bestellnummer: 505/23557
Einband/Preis: Pp. : EUR 24.90
Schlagwörter: New York ; Hochschullehrer ; Tochter ; Elfter September ; Tod ; Belletristische Darstellung
Bagdad ; Arzt ; Tochter ; Attentat ; Tod ; Belletristische Darstellung

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Zwei Väter und zwei Töchter, zwei parallele Lebensgeschichten in den USA und im Irak. Ihre Schauplätze sind weit entfernt, und doch verbinden sie zwei politische Ereignisse: Sabrina stirbt am 11. September 2001 im New Yorker World Trade Center, während Muna 2004 in Bagdad bei einem Bombenattentat ums Leben kommt. Thomas Lehr, in Deutschland einer der "klügsten und brillantesten Schriftsteller" (FAZ), begibt sich in seinem grandiosen, vielschichtigen Werk auf eine literarische Grenzwanderung zwischen zwei Kulturen. In einer verdichteten, lyrischen Sprache erzählt "September" vom Islam, von Öl, Terror und Krieg und von zwei Frauen, die stellvertretend für die Opfer dieses Konflikts stehen.

Platz 2 (3) 65 Punkte

THOMAS HETTCHE: Die Liebe der Väter

Titel: Die Liebe der Väter : Roman / Thomas Hettche
Autor: Hettche, Thomas
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Köln : Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum: 19. August 2010
Umfang/Format: 223 S. ; 20 cm
ISBN: 978-3-462-04187-3
EAN: 9783462041873
Einband/Preis: Pp. : EUR 16.95
Schlagwörter: Sylt ; Urlaubsreise ; Vater ; Konflikt ; Tochter ; Belletristische Darstellung
Leichtere Lektüre

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Leseprobe beim Verlag Kiepenheuer & Witsch

Die berührende Geschichte eines Vaters, der um seine Tochter kämpft.

Peter hat eine Tochter, aber das Sorgerecht für sie hat er nicht. Annika war zwei, als er und ihre Mutter sich trennten. Seitdem gerät jede elterliche Absprache zum Machtkampf um die inzwischen dreizehnjährige Annika. Ein Silvesterurlaub auf Sylt wird für Vater und Tochter zur entscheidenden Probe auf ihre Liebe.

Die Reise auf die Insel ist für den Verlagsvertreter Peter auch eine Rückkehr in Landschaften der Vergangenheit. Hier hat er die Sommer seiner Kindheit verbracht, als seine Mutter in einer Buchhandlung in Kampen arbeitete. Die Spaziergänge am Strand, die alte Kirche von Keitum, der Leuchtturm rufen Erinnerungen in ihm wach. Zum ersten Mal versucht er, seiner Tochter von sich zu erzählen. Er begegnet Susanne wieder, einer Freundin aus der Schulzeit, mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder. Und er muss erleben, dass er auf die Väter der scheinbar heilen Familien, die diese Ferien zusammen verbringen, wie ein Menetekel wirkt.

Es ist die Zeit zwischen den Jahren, die Rauhnächte, in denen Tiere sprechen können und die Tore der Geisterwelt offen stehen. "Die Wilde Jagd" tobt um das Ferienhaus auf der Düne, ein Wintersturm. Und in der Silvesternacht, zusammen mit Freunden im "Sansibar", steht plötzlich Peters gesamte Existenz auf dem Spiel. Atemlos folgt man seiner Stimme, die erzählt, was ihm geschieht - gegenwärtig, distanzlos, unmittelbar. Dieser Roman über die Schwierigkeit, heute Vater zu sein, ist Thomas Hettches persönlichstes Buch. Meisterhaft gelingt es ihm, die Atmosphäre des winterlichen Sylt mit einem Familiendrama zu verbinden, in dem es um die eigene Vergangenheit geht, die persönliche Integrität und eine gemeinsame Zukunft.

Platz 3 (-) 58 Punkte

PEDRO MAIRAL: Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra

Titel: Das fehlende Jahr des Juan Salvatierra : Roman / Pedro Mairal
Aus dem Span. von Dagmar Ploetz
Autor: Mairal, Pedro ; Ploetz, Dagmar [Übers.]
Verleger: München : Hanser
Erscheinungstermin: 16. August 2010
Umfang/Format: 139 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel: Salvatierra [dt.]
ISBN: 978-3-446-23559-5
Bestellnummer(n): 505/23559
EAN: 9783446235595
Einband/Preis: Pp. : EUR 14.90
Schlagwörter Argentinien ; Autodidakt ; Gemälde ; Lebenslauf ; Geschichte 1935-1995 ; Belletristische Darstellung

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Leseprobe bei amazon.de

Mit zwanzig Jahren fängt der stumme Juan Salvatierra an, sein Leben auf gigantischen Leinwandrollen festzuhalten. Die traumartigen Malereien ergeben ein riesiges, fast vier Kilometer langes Kunstwerk, das schließlich sechzig Jahre Leben am Grenzfluss zwischen Argentinien und Uruguay erzählt. Als Salvatierra stirbt, reist sein Sohn Miguel an, um das Kunstwerk des Vaters zu retten - doch die Leinwandrolle für das Jahr 1961 fehlt. Für Miguel beginnt eine abenteuerliche Suche: die nach dem Geheimnis seiner Familie.

Pedro Mairals bildgewaltiger Roman erkundet die Verbindung von Kunst und Leben - und bietet zugleich subtile Einblicke in Vergangenheit und Gegenwart des Landes in Südamerika.

Platz 4 (-) 35 Punkte

PETER WAWERZINEK: Rabenliebe

Titel: Rabenliebe : Roman / Peter Wawerzinek
Autor: Wawerzinek, Peter
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Galiani
Erscheinungstermin: 19. August 2010
Umfang/Format: 427 S. ; 21 cm
ISBN: 978-3-86971-020-4
EAN: 9783869710204
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.95

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Leseprobe beim Galiani Verlag

Ein Buch wie ein Erdbeben. Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.

Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit.

Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.

Aber sie löste - nach jahrelanger Veröffentlichungspause - einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.

Platz 5 (-) 33 Punkte

HERMAN CHARLES BOSMAN: Mafeking Road

Titel: Mafeking Road und andere Erzählungen / Herman Charles Bosman
Aus dem südafrikan. Engl. von Michael Kleeberg
Autor: Bosman, Herman Charles ; Kleeberg, Michael [Übers.]
Verleger: Frankfurt, M. : Ed. Büchergilde
Erscheinungstermin: 15. April 2010
Umfang/Format: 201 S. ; 19 cm
Gesamttitel: Weltlese
Einheitssachtitel: Mafeking Road and other stories [dt.]
Anmerkungen: Lizenz der Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, M., Wien, Zürich
ISBN: 978-3-940111-67-8
EAN: 9783940111678
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.90
Schlagwörter: Südafrika ; Provinz ; Erzählung ; Anthologie

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Auszug aus dem Nachwort von Michael Kleeberg bei der Edition Büchergilde

So wie William Faulkner im fiktiven Yoknapatawpha County einen eigenen Kosmos heraufbeschworen hat, schuf Bosman mit Groot Marico, einer existierenden Kleinstadt, eine eigene literarische Welt, die südafrikanische Realitäten verdichtet und überzeichnet. Ähnlich wie Jaroslav Hasek vermag er mit teils feiner, teils deftiger Ironie den bitteren Absurditäten des Lebens einen humorvollen Anstrich zu verleihen. Bosman gehört zu den Meistern der Kurzgeschichte. Seine frappierenden Pointen erinnern an O. Henry, Ambrose Bierce oder Guy de Maupassant, seine genauen Striche an Anton Tschechow. Obwohl er oft die Haltung eines Märchenerzählers am Lagerfeuer im Veld einnimmt, sind es moderne Geschichten, die den Akt des Erzählens mit seiner unzuverlässigen Doppelbödigkeit thematisieren. Und Bosman gehört zu jenen wenigen Autoren, die den Leser mit Wucht direkt ins Geschehen involvieren. Er provoziert scheinbar mühelos Lachen und Weinen, Mitgefühl und Abscheu. Sein Werk ist noch nie ins Deutsche übertragen worden. Für die Übersetzung wurde Michael Kleeberg gewonnen, der große Stilist der deutschen Sprache, der mit Malindi von Troy Blacklaws und Die andere Seite der Stille von André Brink zuletzt zwei südafrikanische Romane übertragen hat.

Platz 6-7 (-) 27 Punkte

JONATHAN FRANZEN: Freiheit

Titel: Freiheit : Roman / Jonathan Franzen
Aus dem Engl. von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld
Autor: Franzen, Jonathan ; Abarbanell, Bettina [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Reinbek bei Hamburg : Rowohlt
Erscheinungstermin: 2010
Umfang/Format: 730 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: Freedom [dt.]
ISBN: 978-3-498-02129-0
EAN: 9783498021290
Einband/Preis: Pp. : EUR 24.95
Schlagwörter: USA ; Ehepaar ; Freund ; Dreierbeziehung ; Konflikt ; Belletristische Darstellung

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Patty und Walter Berglund - Vorzeigeeltern und Umweltpioniere, fast schon ideale Nachbarn in ihrer selbst renovierten viktorianischen Villa in St. Paul - geben plötzlich Rätsel auf: Ihr halbwüchsiger Sohn zieht zur proleten­haften repub­likanischen Familie nebenan, Walter lässt sich zum Schutz einer einzigen Vogelart auf einen zwielichtigen Pakt mit der Kohleindustrie ein, und Patty, Exsportlerin und Eins-a-Hausfrau, entpuppt sich als wahrlich sonderbar. Hat Walters bester Freund, ein Rockmusiker, damit zu tun? Auf einmal lebt Patty ihre kühnsten Träume, führt sie ein Leben ohne Selbstbetrug.

In diesem Roman einer Familie, der zugleich ein großes Epos der letzten dreißig Jahre ame­rika­nischer Geschichte ist, erzählt Jonathan Franzen von Freiheit - dem Lebensnerv der westlichen Kulturen - und auch dem Gegenteil von ihr, zeigt die tragikomischen Verwerfungen zeitgenössischer Liebe und Ehe, Freundschaft und Sexualität. Freiheit ist ein bedeutsames Buch über unser Leben in einer immer unübersichtlicher und fragiler werdenden Welt.

Jonathan Franzens Roman 'Freiheit' ist auch als Hörbuch erhältlich:

Titel: Freiheit [Tonträger] : gekürzte Lesung / Jonathan Franzen. Gelesen von Ulrich Matthes. Aus dem Amerikan. von Bettina Abarbanell und Eike Schönfeld. Lesefassung: Katia Semprich. Regie: Ralph Schäfer. RBB, Rundfunk Berlin-Brandenburg ; HR2 Kultur
Person(en): Franzen, Jonathan ; Matthes, Ulrich ; Abarbanell, Bettina ; Semprich, Katia ; Schäfer, Ralph
Organisation(en): Rundfunk Berlin-Brandenburg
Verleger: München : Der Hörverl.
[Hamburg] : Edel [Vertrieb]
Erscheinungstermin: 2010
Umfang/Format 15 CDs (ca. 1165 Min.) : mono ; 12 cm, in Behältnis 13 x 13 x 4 cm
Einheitssachtitel Freedom [dt.]
ISBN 978-3-86717-616-3 (CDs)
978-3-86717-669-9 (MP3-CDs)
EAN 9783867176163

Platz 6-7 (1) 27 Punkte

MARTIN MOSEBACH : Was davor geschah

Titel: Was davor geschah : Roman / Martin Mosebach
Autor: Mosebach, Martin
Verleger: München : Hanser
Erscheinungsdatum: 16. August 2010
Umfang/Format: 329 ; 21 cm
ISBN: 978-3-446-23562-5
Bestellnummer(n): 505/23562
EAN: 9783446235625
Einband/Preis: Pp. : EUR 21.90
Schlagwörter: Frankfurt
; Bankangestellter ; Freundeskreis ; Liebesbeziehung ; Konflikt ; Belletristische Darstellung
Mittelschwere Lektüre

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Es ist eine gefährliche Frage, die bereits den Keim einer Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten? Die beiden sind seit Kurzem ein Paar, und sie stellt ihm jene Frage. Seine Antwort wird zu einem Gespinst aus Wahrheit und Dichtung, einem wahren Lügenpalast, errichtet aus soliden Bausteinen von Wirklichkeit. Auf der Bühne Frankfurts inszeniert Martin Mosebach, mit detektivischer Genauigkeit und meisterhafter Sprachkunst, ein böses Spiel von Liebe und Zufall.

"Auf die Gipfel deutscher Erzählkunst spaziert Martin Mosebach mit unnachahmlicher Eleganz und Leichtigkeit. In seinem Roman erzählt er davon, dass mitunter zwei Paare auseinandergehen müssen, damit ein drittes entstehen kann, während ein weiteres über der rückblickenden gemeinsamen Betrachtung dieser Commedia dell`Arte zusammenfindet." (Felicitas von Lovenberg)

Platz 8 (-) 25 Punkte

FRITZ RUDOLF FRIES : Alles eines Irrsinns Spiel

Titel: Alles eines Irrsinns Spiel / Fritz R. Fries
Autor: Fries, Fritz R.
Ausgabe: 1. Auflage
Verleger: Leipzig : Faber & Faber
Erscheinungstermin: August 2010
Umfang/Format: ca. 336 S. ; 213 mm x 134 mm
ISBN: 978-3-86730-115-2
EAN: 9783867301152
Einband/Preis: Festeinband mit Schutzumschlag : EUR 19.00

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Alles sei eines Irrsinns Spiel, faßt der Erzähler in einem Ausruf das zu Ende gehende Jahrhundert zusammen, das er von einer Leipziger Bombennacht im Dezember 1944 bis zu einem Augusttag des Jahres 1999, einem Tag der Sonnenfinsternis, begleitet. Im Verein mit einer üppig besetzten Figurengalerie von Mitschülern, Lehrern, Soldaten, treuen und untreuen Frauen und Männern, Politikern, Kirchenmännern, Personen aus Literatur und Kunst, Verbrechern und Helden vollzieht sich, zwischen wechselnden Ideologien, die Erkundung unserer merkwürdigen Welt. Zwei Protagonisten haben es dem Erzähler besonders angetan. Eine Großmutter aus Spanien, die in ihrer Sprachlosigkeit über die opernreifen Kriege ihrer Jugend zur Ikone der Trauer wird. Und Alfredo, einer ihrer Söhne, ein Mann zwischen den Fronten: Legion Condor, Doppelagent, der nach dem Kriege mit Adolf Galland sich in abenteuerlicher U-Bootfahrt nach Argentinien absetzt, nach seiner Rückkehr nach Europa verhaftet wird, durch Vermittlung des Liebhabers seiner Schwester entkommt und von allen verlassen stirbt.

Grandiose Doppelspiele, wechselnde Zeiten und Plätze begleiten das alte Spiel von der Suche nach der verlorenen Zeit in darf man so dazu sagen? einem amerikanischen Jahrhundert, das von sowjetischen Truppen flankiert wird.

Platz 9-10 (-) 24 Punkte

DINAW MENGESTU: Die Melodie der Luft

Titel: Die Melodie der Luft : Roman / Dinaw Mengestu
Aus dem Amerikan. von Volker Oldenburg
Autor: Mengestu, Dinaw ; Oldenburg, Volker [Übers.]
Verleger: Berlin : Ullstein
Erscheinungstermin: 20. August 2010
Umfang/Format: 319 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel: How to read the air [dt.]
ISBN: 978-3-550-08823-0
EAN: 9783550088230
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.95

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Um seine Ehe zu retten und endlich sich selbst zu verstehen, fährt Jonas von Illinois nach Nashville, Tennessee. Dreißig Jahre zuvor machten sich seine Eltern, Einwanderer aus Äthiopien, in dieselbe Richtung auf − eine verspätete Hochzeitsreise, nach vielen Jahren der Trennung. Wonach suchten sie damals, mitten im Herzen Amerikas? Wovon träumten sie und weshalb haben sie sich nicht geliebt? Was wird bleiben von ihrer gemeinsamen Zeit? Ort für Ort erobert sich Jonas das mögliche Leben seiner Eltern, eine Melodie der Erinnerung, die ihm niemand mehr nehmen kann.

In dichten poetischen Bildern erzählt Dinaw Mengestu von der Sehnsucht des Menschen nach Heimat und danach, nicht verloren zu gehen.

Platz 9-10 (-) 24 Punkte

ALAIN CLAUDE SULZER: Zur falschen Zeit

Titel: Zur falschen Zeit : Roman / Alain Claude Sulzer
Autor: Sulzer, Alain Claude
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Galiani
Erscheinungstermin: 22. Juli 2010
Umfang/Format: 229 S. ; 21 cm
ISBN: 978-3-86971-019-8
EAN: 9783869710198
Einband/Preis Pp. : EUR 18.95
Schlagwörter Schweiz ; Ehemann ; Coming-out ; Selbstmord ; Geschichte 1952 ; Belletristische Darstellung

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Leseprobe beim Galiani Verlag

Wer zur falschen Zeit den Falschen liebt ...

Mit der Wucht einer griechischen Tragödie erzählt Alain Claude Sulzer einen großen Roman über Liebe und Verrat und die Unausweichlichkeit des Schicksals.

Es ist die Uhr am Handgelenk seines Vaters, die ihn aus unerfindlichen Gründen plötzlich interessiert. Siebzehn Jahre lang hatte das Foto, auf dem der Vater sie trägt, wenig beachtet im Regal in seinem Zimmer gestanden. Gekannt hatte er seinen Erzeuger nicht, die Mutter hatte ungern von ihm erzählt. Doch jetzt, mit siebzehn, erwacht seine Neugier. Es ist das Bild eines professionellen Fotografen, die Uhr aber steht auf Viertel nach sieben. Welcher Berufsfotograf macht zu solch einer Zeit Bilder?

Der Erzähler beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Auf der Rückseite des Porträts findet er eine Pariser Adresse – und stellt mit Erstaunen fest, dass der Fotograf sein mysteriöser Patenonkel ist, der sich seit der Taufe nie mehr gemeldet hat. Ohne die Mutter oder den Stiefvater in seine Pläne einzuweihen, hebt er all sein Geld ab, hinterlässt einen knappen Abschiedsbrief und reist nach Paris. Dort gerät er auf die Spur der wahren Geschichte seines Vaters. Einer Geschichte, die den Boden unter seinen Füßen zum Wanken bringt.

Mit großer Dezenz und dennoch mit der Wucht einer griechischen Tragödie entfaltet Alain Claude Sulzer in seinem Roman die Geschichte eines Mannes, der an sich selbst und an den Zeitumständen, in denen er lebt, scheitert. Die Geschichte eines Mannes, der erkennen muss, dass die Heirat mit seiner Frau, die ihm selbst lange wie die Rettung schien, ein Fehler war. Und dass er sie betrügen und hintergehen muss, um die wahre Liebe seines Lebens zu leben.

»Mit seiner Erzählweise, die Nah- und Fernsicht gekonnt vereint, ist Sulzer ein Meisterwerk psychologischen Erzählens gelungen.«
spiegel-online

Persönliche Empfehlung im Oktober von Martin Ebel (Zürich):

CHRISTOPH SIMON: Spaziergänger Zbinden

Titel: Spaziergänger Zbinden : Roman / Christoph Simon
Autor: Simon, Christoph
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Zürich : Bilgerverl.
Erscheinungsjahr: Februar 2010
Umfang/Format: 180 S. ; 19 cm
ISBN: 978-3-03-762005-2
Einband/Preis: kart. : EUR 19.80
Schlagwörter: Altenheim ; Witwer ; Erinnerung ; Jugendliebe ; Belletristische Darstellung

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Christoph Simons kluger und filigran komponierter Roman Spaziergänger Zbinden ist eine hinreissende Liebesgeschichte. Am Arm des Zivildienstleistenden Kâzim begibt sich der 87-jährige Lukas Zbinden auf seine Weltenreise durchs Betagtenheim. Treppe um Treppe, Stockwerk um Stockwerk zieht es den leidenschaftlichen Spaziergänger Zbinden hinaus auf die Wege, auf denen er ein Leben lang an der Seite seiner Emilie dem Sinn des Lebens nachgespürt hat. Nach und nach lernen wir einen sanftmütigen und geistreichen Mann kennen, der glaubt, seinem Begleiter die Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens anzuvertrauen, in Wahrheit aber die stille, herzbewegende Geschichte der Liebe zu seiner verstorbenen Emilie erzählt.

«Lukas Zbinden, 87-jähriger Altenheimbewohner, steigt am Arm eines Zivildienstleistenden eine lange Treppe herunter. Noch länger ist allerdings sein Monolog, er füllt das ganze Buch. Es ist eine so kuriose wie lebenskluge Plauderei über die Menschen, die Liebe und das Spazierengehen, welches letzteres für ihn das wahre Humanum darstellt. Damit stellt sich der junge Berner Autor Christoph Simon in eine Schweizer Tradition, die bis zu Robert Walser zurückreicht.»Martin Ebel

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