Dienstag, Februar 15, 2011

Wolfgang A. Gogolin: Schlafen bei Licht

Titel: Schlafen bei Licht / Wolfgang A. Gogolin
Autor: Gogolin, Wolfgang A.
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Goldebek : Mohland
Erscheinungsdatum: 10.01.2011
Umfang/Format: 137 S. ; 21 cm, 185 g
ISBN: 978-3-86675-145-3
Bestellnummer(n): 1724
EAN: 9783866751453
Einband/Preis: kart. : EUR 9.00 (DE)

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Nach der Veröffentlichung seiner letzten Kurzgeschichtensammlung "Geist der Venus" riefen viele Rezensenten, sie würden sich auf den nächsten Roman von Wolfgang Gogolin freuen, um einmal länger bei einer seiner skurrilen Figuren bleiben zu können. Mit Thomas Burmester, dem Protagonisten des neuen Romans "Schlafen bei Licht" haben sie dazu die Gelegenheit. Bereits der erste Satz des Romans ist Programm: "Wie schafft man es eigentlich, einen knallroten Linienbus zu übersehen?" Burmester schafft so etwas, und als Konsequenz liegt er jetzt im Krankenhaus. Als wäre das nicht Unglück genug, nutzt seine Langzeitbeziehung Silke die Situation, um ihm mitzuteilen, ihre Lebensstile seien bei näherer Betrachtung vollkommen inkompatibel. Das war ihm auch bereits aufgefallen, für den Beamten mit Hang zur nebelverklärten Romantik eines Caspar David Friedrich jedoch kein Grund zur Trennung. Nun jedoch steht er allein da, gefangen im Spannungsfeld zwischen den unerreichbaren Schönheiten der letzten Playboy-Ausgabe und den grünen Augen seiner Krankenschwester. Und wie es sich für eine klassische Liebesgeschichte gehört, dreht sich in dem folgenden Roman alles um Annäherung, Distanzierungsversuche, Einsamkeit und Liebe.

"Alle Liebesgeschichten ähneln sich", bin ich in Anlehnung an Tolsoi geneigt zu sagen. "Jede unglückliche Liebe jedoch ist auf ihre eigene Art unglücklich." Gogolin hält hier die Balance. Er hat einen kleinen Roman geschrieben, leicht zu lesen, mit den für eine RomCom derzeit üblichen Seitenhieben auf "Fisch sucht Fahrrad"-Partys und Internet-Partnerbörsen. Der Wiedererkennungswert ist hoch, der Erkenntnisgewinn bescheiden. Auch das Ende ist - ich verrate hier nicht zu viel, weil die Überraschung im Detail liegt - vorhersehbar. Will sie? Will sie nicht? Will er überhaupt? Und wenn ja, um welchen Preis?

Die Konflikte bewegen sich auf einem oberflächlichen Niveau, vielleicht auch das typisch für eine RomCom, aber trotzdem schade. Die einzige wirkliche Untiefe, die den Protagonisten ausmacht, ist gleichzeitig der titelgebende Grund, warum er immer bei Licht schläft. Zwar erleben wir, wie sich seine Freundin von ihm trennt, wie er sich daraufhin an eine neue Frau heranmacht, wie sie ihn zunächst auf Distanz hält, dann aber, als sie einen Vater für ihr Kind braucht, doch an sich heranlässt. Aber motiviert ist hier wenig, sieht man einmal von Burmesters Unlust ab, die Zukunft ohne Freundin zu verbringen.

Der Roman ist nicht frauenfeindlich im engeren Sinn, wie man es von Gogolins früheren Romanen her erwarten könnte. Thorsten Burmester will ja gerade eine Beziehung zu Anja aufbauen, und er wäre auch mit Silke durchaus zufrieden gewesen, auch wenn sie einen völlig anderen Lebensstil prägt als er. Allein durch die Art, wie Gogolin den Plot aufbaut und die Beziehung von Thorstens Sidekick Mark an die Wand fahren lässt, aber auch die Art, in der Gogolin Anjas Verhalten motiviert, zeigt, wo der Autor steht. Und so wird aus "Schlafen bei Licht", der harmlosen Liebesgeschichte, beim näheren Betrachten etwas völlig anderes, nämlich eine hintergründige Kritik am Gesellschaftsmodell Paarbeziehung, mit all seinen Kriegsschauplätzen.

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