Mittwoch, April 20, 2011

Neuerscheinungen rund um Shakespeare April 2011

Es passiert was in der Verlagswelt. Die neusten Shakespeare-Sonette, wenn man so sagen darf, hat Christa Schuenke für den dtv übersetzt. Nun lässt sich tunlich fragen, ob die Welt eine weitere Neuübersetzung der Sonette braucht. Ich habe mittlerweile den Verdacht, es ist anders herum: Wir Autoren brauchen es, unseren Geist gelegentlich an den Sonetten zu schärfen und unsere ureigenste, persönliche Übersetzung der genialen Texte zu schaffen. Wenn dann ein Verlag freundlich genug ist, uns dafür ein wenig Geld zu geben, lässt sich dagegen ja erst einmal nichts sagen.

Daneben gibt es ab April eine neue zweisprachige Ausgabe der "Lustigen Weiber von Windsor", ebenfalls im dtv, neu übersetzt von Frank Günther. Das ist derjenige, der ins Guiness-Buch will, weil er als erster Deutscher den gesamten Shakespeare im Alleingang übersetzt hat.

Für Shakespeare-Forscher interessanter dürfte da schon der Band "William Shakespeare: Studien und Aufsätze" von Max Josef Wolff sein. Zwar ist Wolff bereits 1941 gestorben und seine Shakespeare-Studien sind daher auch nicht wirklich neu. Aber immerhin hatte er sich vor dem Krieg bereits als Shakespeare-Kenner einen Namen gemacht.

Immerhin erstmals als Taschenbuch erhältlich ist ab April 2011 Kurt Kreilers Biografie "Der Mann, der Shakespeare erfand" über Edward de Vere, Earl of Oxford. Wahrscheinlich gehört es mittlerweile zur Folklore, ab und zu ein neues Buch darüber auf den Markt zu werfen, wer Shakespeare nun wirklich war und wer die Dramen geschrieben hat. Für denjenigen, der keine Lust hatte, sein Geld für die Hardcover-Ausgabe auszugeben, mag das TB nun eine gute Alternative sein.

Last not least, für alle die, die sich beruflich oder aus Studiengründen mit Shakespeare herumschlagen, ist neu Katelyn Edwards Krimi "Der Shakespeare-Mörder" neu herausgekommen, nicht zu verwechseln mit dem hochgerühmten "Die Shakespeare-Morde" von Jennifer Lee Carrell. Ich empfinde es immer wie das Lesen von Asterix-Heften, während ich mich gerade an Latein-Übersetzungen abarbeite: Es bringt mich inhaltlich nicht weiter, liegt aber unterhaltungstechnisch näher, als mich mit einem Buch ganz aus der Materie herauszuziehen.

Hier die Bücher im Einzelnen, mitsamt den wichtigsten bibliografischen Angaben:

William Shakespeare: Die Sonette

Neuübersetzung von Christa Schuenke

Titel: [Sonette] Shakespeares Sonette / hrsg. und mit einem Nachw. von Christa Schuenke
Autoren: Shakespeare, William ; Schuenke, Christa [Übers.]
Ausgabe: Orig.-Ausg.
Verleger: München : Dt. Taschenbuch-Verl.
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 169 S. ; 18 cm
ISBN: 978-3-423-13982-3
EAN: 9783423139823
Einband/Preis: Pp. : EUR 9.90

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Leseprobe beim Deutschen Taschenbuch Verlag

»Eine Übersetzung im bestmöglichen Sinne des Wortes liefert Christa Schuenke, die sich dem Original verpflichtet fühlt und es mit einer glücklichen Mischung aus Respekt und Selbstbewusstsein behandelt.«
Neue Zürcher Zeitung

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor

Zweisprachige Ausgabe, neuübersetzt von Frank Günther

Titel: Die lustigen Weiber von Windsor / William Shakespeare: Neu übers. und mit Anm. vers. von Frank Günther: Mit einem Essay und Literaturhinweisen von Joachim Frenk
Autoren: Shakespeare, William ; Günther, Frank [Übers.]
Ausgabe: Zweisprachige Ausg., Orig.-Ausg.
Verleger: München : Dt. Taschenbuch-Verl.
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 363 S. ; 20 cm
Gesamttitel: dtv ; 12759
Anmerkungen: Literaturangaben. - Text dt. und engl.
ISBN: 978-3-423-12759-2
EAN: 9783423127592
Einband/Preis: kart. : EUR 14.90

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Abschluss der zweisprachigen Shakespeare-Edition in der preisgekrönten Neuübersetzung von Frank Günther

Der Legende nach hat Shakespeare ›Die lustigen Weiber von Windsor‹ im Auftrag von Königin Elisabeth I. in nicht mehr als 14 Tagen verfasst. Die Monarchin wollte den dicken Ritter Falstaff aus ›König Heinrich IV.‹ gerne in der Rolle des Liebhabers sehen. Und tatsächlich dreht sich in dem vor Situationskomik strotzenden Stück alles um den beleibten Rauf- und Trunkenbold.

Auch die Edition SignaThur wirft im April 2011 eine Ausgabe der Sonette auf den Markt, allerdings keine neue, sondern Friedrich Gundolfs Sonetten-Fragmente aus den Nachlässen des Stefan-George-Archivs Stuttgart:

Wilhelm Shakespeare - Sonette

Autoren: Wilhelm Shakespeare, Friedrich Gundolf, Stefan George
Titel: Sonette
Gebundene Ausgabe: 127 Seiten
Verlag: edition signathur
Erscheinungstermin: 28. April 2011
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN-10: 390814180X
ISBN-13: 978-3908141808

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Friedrich Gundolf gehörte seit 1899 dem Kreis um Stefan George an. Eingeführt hatte er sich dort durch ins Deutsche übersetzte Sonette Shakespeares. Der vorliegende Band enthält Gundolfs Sonetten-Fragmente mit dem Vergleichstext von Stefan George (1909), mit dem Originaltext von William Shakespeare (1609) in der Ausgabe von Edward Dowden (1881) und den Varianten der Nachlässe des Stefan-George-Archivs Stuttgart.


Dass die E-Book-Reader sich früher oder später auf Shakespeare stürzen würden, war klar. So erscheinen in der "Kindle Edition" gleich zwei Titel für den amazon-reader:

Romeo und Julia. Neu übertragen von Eric Boerner

Autoren: William Shakespeare, Eric Boerner
Titel: Romeo und Julia
Erscheinungstermin: 27. April 2011
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 174 KB
Sprache: Deutsch
ASIN: B004YFEOQS

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William Shakespeares (1564 -- 1616) klassische Liebestragödie in der Neuübersetzung von Eric Boerner (*1965). Diese Übertragung ergänzt alle als anstößig gestrichenen Stellen und umfasst den vollständigen Text des Dramas. Ein Anmerkungsapparat erleichtert das Verständnis der Tragödie und will zur tiefergehenden Analyse anregen.

Etwas älteren Datums, nämlich aus dem Jahre 1780, stammt der folgende Text:

Ulrich Bräker: Etwas über Shakespeares Schauspiele

Autor: Ulrich Bräker Format: Kindle Edition
Dateigröße: 310 KB
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
Sprache: Deutsch
ASIN: B004YKW122

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Dieser Text - im Original 10 Bände umfassend - ist im Netz auch über etliche andere Portale - und für andere E-Book-Reader kostenlos abrufbar. Computernutzer finden ihn zum Beispiel im Gutenberg-Projekt. Lobenswert, dass amazon.de die Kindle-Ausgabe nicht für teures Geld verkauft, sondern ebenfalls kostenlos als Download anbietet.

Der Schweizer Schriftsteller Ulrich Bräker kam 1735 als Sohn einfacher Bauern zur Welt. Er las die Werke Shakespeares vor allem, um sich selbst die Techniken anzueignen, mit denen Shakespeare seine Schauspiele gestaltete. Seine Überlegungen dazu hielt er in einer Reihe von Kommentare fest, die später in insgesamt zehn Bänden veröffentlicht wurden. Die Bedeutung Bräkers liegt vor allem darin, dass mit ihm jemand aus einer Volksschicht zu Wort kommt, von der es sonst keine eigenen Aufzeichnungen aus dieser Zeit gibt.

Über die Taschenbuchausgabe von Kurt Kreilers "Der Mann, der Shakespeare erfand" habe ich oben ja schon ein paar Takte gesagt. Hier noch einmal die bibliografischen Angaben:

Kurt Kreiler: Der Mann, der Shakespeare erfand

Titel: Der Mann, der Shakespeare erfand : Edward de Vere, Earl of Oxford / Kurt Kreiler
Autor: Kreiler, Kurt
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Insel-Verl.
Erscheinungstermin: 2011
Umfang/Format: 595, [16] S. : Ill. ; 19 cm
Gesamttitel: Insel-Taschenbuch ; 4015
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN: 978-3-458-35715-5
Einband/Preis: kart.: ca. EUR 12.95
Bestellnummer(n): 35715
EAN: 9783458357155
Schlagwörter Shakespeare, William ; Autorschaft ; De Vere, Edward

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Verlagstext: "Shakespeare war nicht der Mann, für den wir ihn lange Zeit hielten. Kurt Kreilers aufsehenerregende Biographie über den Earl of Oxford, der am Hof von Queen Elizabeth I. ein- und ausging, ist die erste, die mit dem langlebigen Mythos »Shakespeare« aufräumt und zeigt, wer der eigentliche Verfasser der weltberühmten Dramen ist."

»Wer schrieb Shakespears Werke? Die Frage geistert seit gut 200 Jahren durch die Welt der Literatur. ... Etwa 50 Zeitgenossen werden verdächtigt, am heftigsten wird darum gestritten, dass Edward de Vere, Earl of Oxford, der Hauptverdächtige ist. Kreiler rollt in seiner gründlichen Biografie des Earls »den Fall« neu auf. Wenn er auch keine unschlagbaren Beweise vorlegt, so hat er doch handfeste Indizien. Sie dürften jedes Schwurgericht überzeugen: Shakespeare ist ein Pseudonym, Edward de Vere ging am Hof Elisabeths I. ein und aus, und die Dramen wurden nicht etwa für das Globe Theatre geschrieben, sondern für die englische Hofbühne.«
Focus

»Ist der weltberühmte Name des Dichters aus Stratford-upon-Avon nur ein Pseudonym? Ja, sagt Kurt Kreiler in einer beeindruckenden Studie. In Wahrheit war der Schöpfer von Hamlet und Macbeth der Graf von Oxford, Edward de Vere. ... [E]ine neue, umfangreiche, mit neuen Funden versehene historisch-biografisch-stilkritische Studie, die sich vor allem mit De Veres Bildungstraditionen, seiner Eigenständigkeit, seiner Dichtkunst befasst. Eine auch als Erstlektüre geeignete Hommage«
Sibylle Mulot, Rheinischer Merkur

»War William Shakespeare nur der Strohmann eines aristokratischen Poeten, der anonym bleiben wollte? Nun tritt ein deutscher Gelehrter mit einer aufregenden neuen Biografie für den »anderen Shakespeare« ein - und beflügelt einen alten Verdacht. ... Auf fast 600 Seiten erzählt eine Biografie die Geschichte des Mannes, der einem Kreis von Wissenschaftlern als Favorit für die Rolle des wahren Autors gilt, und breitet die bekannten sowie überraschend neue Argumente für dessen literarisches Doppelleben als »William Shakespeare« aus: Edward de Vere, Earl of Oxford (1550 bis 1604). ... Kein Zweifel: Kreilers Buch ist spannend und macht nachdenklich. So brillant er mit einer Fülle verblüffender Details für seine These plädiert, so temperamentvoll er über alle Kabalen am elisabethanischen Hof hinaus ein zeitgeschichtliches Panorama entwickelt ... die Debatte wird weitergehen.«
Urs Jenny, Der Spiegel

»Für Kreiler ist die Sache längst entschieden. Er sieht den Zweck seiner Arbeit vor allem darin, dem Menschen de Vere ein literarisch-historisches Gesicht zu geben und herauszuarbeiten, was seinen Protagonisten veranlasste, sich jenes wenig auffälligen, aber als Theatermann legitimierten Shakespeares zu bedienen, um seine dramatischen Meisterwerke (die er möglicherweise nicht einmal als solche selbst erkannt hatte) aufzuführen und später auch drucken zu lassen. Diese selbstgestellte Aufgabe ist Kreiler eindrucksvoll, auch literarisch anspruchsvoll gelungen, nicht zuletzt deshalb, weil er sich auf die ebenso faszinierende wie frustrierende Autorenfrage gar nicht einlässt: De Vere ist für ihn der Autor, der ‚Shakespeare’ hinter Shakespeare.«
Ekkehart Krippendorff, Süddeutsche Zeitung

Einen neuen Krimi, der sich spielerisch mit dem Thema Shakespeare auseinandersetzt, gibt es auch im April:

Katelyn Edwards: Der Shakespeare-Mörder

Titel: Der Shakespeare-Mörder : Kriminalroman / Katelyn Edwards
Autorin: Eisenschenk, Karoline
Verleger: München : Buch & Media
Erscheinungstermin: April 2011
Umfang/Format: 218 S. ; 22 cm
ISBN: 978-3-86520-385-4
Einband/Preis: kart. : EUR 16.90 (DE)
EAN 9783865203854

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Am Strand des schottischen Küstenorts St. Andrews wird eine junge tote Frau gefunden. In ihrer Hand hält sie einen Zettel mit einem rätselhaften Zitat. Es ist, das finden Chief Inspector Patrick Falkirk und seine Kollegin Connie Wraight schnell heraus, ein Auszug aus "Hamlet": die letzten Worte von Ophelia, bevor sie ertrank. Als kurz darauf eine Literaturdozentin der örtlichen Universität in der Bibliothek erstochen wird und sich bei der Toten ein Zitat aus "Romeo und Julia" findet, wird aus dem Anfangsverdacht schaurige Gewissheit: Ein Mörder geht um, der seine Opfer wie weibliche Figuren aus Shakespeare- Dramen ums Leben kommen lässt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn Ophelia und Julia sind nicht die einzigen Frauen, die Shakespeare auf tragische Weise sterben ließ.

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