Sonntag, August 21, 2011

Richard Horne: A wie Apokalypse

„A wie Apokalypse“ ist der Titel des großen Buchs - und Hörbuchs - der Katastrophen des Londoner Autors Richard Horne, erschienen am 22. März 2011 bei Eichborn. Darin listet er eine große Zahl von Weltuntergangsszenarien auf, von denen einige durchaus realistisch scheinen. Er tut das in unterhaltsamen Plauderton und mit einem gewissen Augenzwinkern. Und bleibt dabei erstaunlich sachlich.

Unsere Welt bewegt sich auf einen Abgrund zu. Bereits in der desaströsen Studie „Global 2000“ aus dem Jahr 1977 - in Auftrag gegeben von keinem geringeren als dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter - zeigten sich die Grenzen der Belastbarkeit unseres Planeten in apokalyptischen Zukunftsvisionen. Vieles von dem, was darin vorausgesagt wurde, hat sich in dieser Form nicht bewahrheitet. Und das ist gut so, wenn auch kein Trost.

Nun hat sich der Brite Richard Horne darangemacht, die schillerndsten Endzeitszenarien in einem Buch zusammenzustellen. Von A wie Aussterben bis Z wie Zyklone reicht das apokalyptische Spektrum, das wohl nicht zufällig ein wenig an den „Global 2000“-Report erinnert. Von Kohlendioxidsenke und Methansenke ist bei Horne ebenso die Rede wie von Bestäubungskrise und Zoonosen. Und er präsentiert all dies, als bräuchten wir uns nur zu ducken, wenn es denn eskaliert. Denn begonnen haben viele der denkbaren Szenarien längst - nur das wir bis jetzt relativ gelassen zuschauen.

Seine Fakten sind nicht tief recherchiert, aber oft überraschend. Wussten Sie, dass viele öffentliche Grünflächen weltweit bereits dafür reserviert sind, im Falle einer Hungersnot zu Gemüsegärten umfunktioniert zu werden? So zumindest Horne: Im Londoner Greenpark zum Beispiel sollen Gemüsesorten von G bis O gepflanzt werden, solche von P bis Z im Peace Park. An anderer Stelle weist er auf den Plastikmüll hin, der sich im nordpazifischen Wirbel aufgrund der dortigen Kreisströmung sammelt und mittlerweile den Umfang der Vereinigten Staaten angenommen hat. Als Fisch sollte man dort nicht alles aufschnappen, was bunt schillert.

Vieles von dem, das er beschreibt, scheint mir zwar bedenklich, doch zumindest in der Hörbuchversion nicht zu Ende gedacht. Wo ist das apokalyptische Potential des Klonschafes Dolly, an das ich seit seiner Geburt 1997 nicht mehr erinnert wurde? Auch seine Spekulationen, Hacker könnten einen Atomangriff simulieren und damit einen Großkrieg auslösen, sind zwar als Option denkbar, wahrscheinlich aber nicht einmal das Worst-Case-Szenario im Blick auf die Computerabhängigkeit unserer Gesellschaft.

So hinterlässt das (Hör-)Buch den Konsumenten mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite weckt es ein Bewusstsein für die Fragilität unseres Daseins, auf der anderen versetzt es in eine gutgelaunte Gleichgültigkeit. Was tun, wenn das Ende kommt? Eine gute Platte auflegen, vielleicht „The End“ von den Doors. Noch einmal mit seiner Liebsten schlafen. Oder - wie Horne beim Anblick eines Atompilzes empfiehlt - einfach das Gehirn ausschalten.


Titel: A wie Apokalypse [Tonträger] : das große Buch der Katastrophen ; inszenierte Lesung mit Soundeffekten / Richard Horne
Gesprochen von Oliver Rohrbeck und Franziska Pigulla
Aus dem Engl. übertr. von Hans Kantereit
Person(en): Horne, Richard ; Rohrbeck, Oliver ; Pigulla, Franziska ; Kantereit, Hans [Übers.]
Verleger: Frankfurt, M. : Eichborn
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 2 CDs (ca. 110 Min.) : DDD ; 12 cm, in Behältnis 13 x 14 x 2 cm + Booklet ([9] S. : Ill.)
Einheitssachtitel: A is for Armageddon <dt.>
ISBN/Einband/Preis: 978-3-8218-6350-4 : EUR 16.95
Bestellnummer(n): 006350
EAN: 9783821863504
Schlagwörter: Katastrophe ; Weltuntergang ; CD

Gesprochen wird das Hörbuch von Oliver Rohrbeck, über weite Strecken kongenial, gegen Ende hin zuweilen ein wenig theatralisch. Bekannt wurde Rohrbeck vor allem durch seine Rolle des ersten Detektivs Justus Jonas in der Europa-Hörspielserie "Die drei Fragezeichen". Seit 1998 ist Rohrbeck die feste deutsche Synchronstimme des US-amerikanischen Schauspielers Ben Stiller.

Für die wesentlichen Fragen, die sich angesichts der Faktensammlung Hornes stellen - wie "Wann wird es passieren?", "Worauf muss ich achten?" oder "Was kann ich tun?" - ist Franziska Pigulla zuständig. Bekannt wurde sie Mitte der 1990er Jahre als Moderatorin für den Nachrichtensender n-tv.Gleichzeitig synchronisierte sie die US-amerikanische Schauspielerin Gillian Anderson in der deutschen Fassung der Fernsehserie "Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI". Sie synchronisierte auch Schauspielerinnen wie Demi Moore, Sharon Stone und Naomi Campbell.
Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Eichborn-Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar des Hörbuchs A wie Apokalypse zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls Dank an Blogg dein Buch für die Vermittlung zwischen diesem Blog und dem Eichborn-Verlag.

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