Sonntag, Oktober 30, 2011

Reto Stuber: Erfolgreiches Social Media Marketing

Reto Stubers Standardwerk „Erfolgreiches Social Media Marketing“ geht mittlerweile in die vierte Auflage. Grund genug, sich einmal ein wenig genauer mit diesem Buch zu beschäftigen. Gegliedert ist es in zwei Teile: Stuber beginnt mit zweihundert Seiten Hintergrundwissen, sehr fundamental. Eigentlich habe ich hier nur den Verweis auf Konrad Zuses Z1 vermisst. Wer schon immer wissen wollte, wie Social Media funktionieren und wie man sein eigenes Projekt am besten an die Wand fährt, wird mit Fakten und Zahlen ebenso gefüttert, wie mit den Geschichten um Online-Auftritte verschiedener Firmen, von Honda über Vodafon bis zum Otto-Versand. Das liest sich kurzweilig und schafft einen guten Einblick in die Welt von Facebook, Twitter und Co.

Eine Offenbarung sucht man in diesen ersten zweihundert Seiten jedoch vergebens. Stubers Stärke liegt m.E. nicht in der Analyse. Sonst würde er sich nicht mit vordergründigen Anekdoten zufrieden geben und ihnen einen derart breiten Raum zugestehen. Ist es wirklich verwunderlich, dass das Ansehen einer Pizzakette darunter leidet, wenn bei Youtube Bilder auftauchen, wie Mitarbeiter sämtliche Hygienestandards verletzen? Oder das Nestle sich ins eigene Fleisch schnitt, als es eine Social Media-Kampagne von Greenpeace gerichtlich zu unterbinden versuchte? Wie gesagt: Solche Anekdoten sind kurzweilig und machen deutlich, welche Wirkung mittlerweile vom Netz ausgeht. Wirklich hilfreich bei der Planung einer eigenen Strategie sind sie hingegen nicht.

Auch der Abschnitt „Erfolgreicher Praxiseinsatz von Social Media – So geht’s“ bleibt größtenteils auf Anekdoten-Niveau. Bei Charlie Sheen begnügt sich Stuber mit ein paar Boulevard-Notizen. Nebenbei erfährt der Leser, dass Sheen derzeit den Weltrekord im Sammeln von Followern auf Twitter hält: die „Benötigte Zeit, um 1 Million Follower zu erreichen“. Wobei man der Fairness halber sagen muss, dass die ersten 60.000 Follower standen, bevor Sheen auch nur einen Tweet geschrieben hatte. Eine schöne Geschichte – aber unter „So geht’s“ hätte ich hier eine Analyse erwartet, die den Faktoren dieses Erfolgs nachspürt. Als Tipp ist die Headline „Charlie Sheen war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“ nur mäßig informativ.

Bei Justin Biber versucht sich Stuber wenigstens in einer Analyse, kommt aber über "Es ist wichtig, den Kontakt mit den Fans zu halten" nicht hinaus. Was unterscheidet den Erfolg von Biber von dem weniger erfolgreicher Musiker, die ebenfalls "den Kontakt halten"? Kein Wort darüber. Dabei wird Bieber von ihm als der „Superstar dank Social Media“ geführt. Der Sänger wurde via youtube bekannt und unter Vertrag genommen. So weit, so gut. Wir erfahren, dass Bieber zu Spitzenzeiten 50.000 Follower pro Tag bei Twitter hinzubekam. Zum Rezept hinter dem Erfolg zitiert er ein Interview mit Manager Scooter Braun: Biebers Debütsingle sei so erfolgreich gewesen, weil er sich bereits eine Fanbase aufgebaut habe. „Man muss den Fans geben, was sie verlangen.“ Das nenne ich tiefgehend.

Genug des Bashing. Der zweite Teil des Buchs ist wunderbar praxisorientiert. Anhand zahlreicher „How to“-Tutorials führt Reto Stuber in die Möglichkeiten der Social Media ein. Facebook, Twitter, Xing, Youtube – alle relevanten Kanäle bis hin zu Foursquare werden behandelt. Hier wird das Handbuch zum Arbeitsbuch, dass man gut links des Computers liegen lassen und Seite für Seite praktisch ausprobieren kann.

Dabei stellt sich allerdings das Problem, dass sich die sozialen Netzwerke ständig verändern und anpassen. So sind einige Tutorials nicht direkt umsetzbar, weil sich Terminologie, Buttons, Funktionalitäten einfach schon wieder geändert haben. Ein Versuch meinerseits, in der linken Spalte von Facebook einen Bereich „Hervorgehobene Personen“ zu installieren, scheiterte einfach daran, dass Facebook mittlerweile die Listen-Funktion von Google+ übernommen hat und es „hervorgehobene Personen“ einfach nicht mehr gibt. Hier hilft dann nur eine ausführliche Google-Recherche zum Thema, die ich notfalls aber auch ohne Stuber hätte anstellen können.

Wohlwissend, dass das Netz ständigen Veränderungen unterworfen ist, hat der Verlag eine eigene Website für Aktualisierungen ins Leben gerufen: socialmediabuch.com. Dort findet sich eine Menge Material, das in der im Buch geschilderten Weise nicht funktioniert – oder darüber hinaus wichtig ist. So enthält es Hinweise zur Impressumspflicht kommerzieller Facebook-Seiten, über die im Handbuch kein Wort verloren wird.

Um es kurz zu machen: Das Buch hat seine Macken, seine Stärken und Schwächen. Unterm Strich ist es noch immer eines der besten Bücher zum Thema, ungeheuer praktisch zumindest im zweiten Teil und als Ausgangspunkt für die eigene Beschäftigung mit Sozialen Netzwerken bestens geeignet. Es lohnt sich, den Rechner bei der Lektüre laufen zu haben – sei es, um die Tipps zeitnah umzusetzen, sei es, um bei google zu recherchieren, wie die beschriebenen Abläufe nun tatsächlich funktionieren. Aber damit ist man schon mitten im Networking. Und mehr kann man von einem Buch zum Thema nicht verlangen.

Titel: Erfolgreiches Social-Media-Marketing mit Facebook, Twitter, XING & Co. / Reto Stuber
Autor: Stuber, Reto
Verleger: Düsseldorf : Data Becker
Erscheinungstermin: Juli 2011
Auflage: 4. Vollständ. überarb.
Umfang/Format: 492 S. : Ill., graph. Darst. ; 24 cm
Gesamttitel: Webselling
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis: 978-3815830635 kart. : EUR 29.95
Schlagwörter: Online-Marketing ; World Wide Web 2.0 ; Soziales Netzwerk ; Soziale Software

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Verlag Data Becker, der mir ein Rezensionsexemplar des Buchs webselling: Erfolgreiches Social Media Marketing zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls Dank an Blogg dein Buch für die Vermittlung zwischen diesem Blog und dem Verlag.



Kommentare:

  1. Hallo Herr Krüger

    Danke für Ihre Rezension und das Feedback.

    Beste Grüße
    Reto Stuber

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  2. Nichts zu danken. :-) Ein brauchbares Arbeitsbuch mit vielen hilfreichen Tipps - empfehle ich guten Gewissens weiter.

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