Dienstag, Juli 12, 2011

Neue Schachbücher eingetroffen

Summertime. Die Menschen sitzen wieder draußen, vor ihren Häusern, in den Parks. Die Stimmung ist aufgelockert. Mich faszinieren zwei ältere Herren, die an einem Tisch im Park Schach spielen. Neben ihnen steht eine Flasche Cognac. Sie sind ganz in ihr Spiel vertieft, reden nicht viel. Gelegentlich nimmt einer von ihnen einen Schluck. Ich habe Lust zu kiebitzen. Bleibe einen Moment bei ihnen stehen. Sie schauen kurz auf, lächeln, beachten mich aber nicht weiter. Der leichte Geruch von Cognac vermischt sich mit den Düften von blühenden Blumen und gemähtem Gras.

So könnte ich mir auch meinen dritten Lebensabschnitt vorstellen. Fern der Hektik, die Spielekonsolen verbreiten, auf einer Bank im Freien sitzen und Schach spielen. Oder im Winter im Wohnzimmer, während im Hintergrund klassische Musik läuft und das Feuer im Kamin prasselt. Leider sind meine Schachkenntnisse nur rudimentär entwickelt. Seit Jahren nehme ich mir vor, das zu ändern.

Falls es Ihnen genauso geht, empfehle ich Ihnen, ein wenig in den frisch hereingekommenen Schachbüchern bei Shakespeare and more (hier klicken) zu blättern. Dort ist zu allen Spezialgebieten des Schachs etwas dabei, von Anfängerbänden bis zur Analyse von Meisterpartien, von Theorien zur Eröffnung bis hin zu Damengambit und dem Zauber des Endspiels. Vielleicht ist ja auch für Sie etwas dabei.

Neuerscheinungen rund um Shakespeare, Juli 2011

Ein paar ev. interessante Neuerscheinungen rund um Willy, the bard. Zwei Bücher, über die die im Netz noch so gut wie gar nichts zu erfahren ist, sind Karl Tekners "Zur Shakespeare-Bacon-Theorie" und die Neuübersetzung des Sommernachtstraums durch Christian Leonard anlässlich der Aufführung im Sommer 2011 im Natur-Park Schöneberg. Daneben beginnt auch der Kindle-Reader sich für den Barden aus Stratford zu interessieren. Die "Dover-Thrift-Edition" des Hamlet ist jetzt als E-Book verfügbar, ebenso Bastian Conrads dicker Wälzer "Christopher Marlowe: Der wahre Shakespeare". Hier die kompletten bibliografischen Daten:

William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum

Titel: Ein Sommernachtstraum / William Shakespeare
Person(en): Shakespeare, William ; Leonard, Christian [Übers.] ; Schleyer, Susanne [Ill.]
Verleger: Berlin : Lettrétage Moritz Malsch
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 200 S. : 31 Ill. ; 172 mm x 112 mm
Gesamttitel: Shakespeares Dramen
Einheitssachtitel: A Midsummer Night's Dream <dt.>
ISBN/Einband/Preis: 978-3-9812062-5-8 Gb. : EUR 8.00
EAN: 9783981206258

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Da der Verlag sich darauf beschränkt, die hinlänglich bekannte Inhaltsangabe der Komödie als Info zum Buch zu verbreiten, hilft auch hier nur eine kleine Recherche. Christian Leonard, der sich für die Neuübersetzung verantwortlich zeichnet, gehört zu einer Theatertruppe, die sich verheißungsvoll "SHAKESPEARE COMPANY BERLIN" nennt. Auf der zur Company gehörenden Website zeigt sich, dass der Sommernachtstraum im Juli 2011 in einer sehr farbenfrohen Inszenierung im Giardino Secreto des Natur-Park Schönebergs in eben jener Übersetzung von Christian Leonhard zu sehen sein wird. Die Bilder auf der Website machen Lust auf mehr. Hier ein kurzer Auszug aus dem Inhalt: "Shakespeares meistgespielte Komödie fasziniert auch nach über 400 Jahren mit ihrer kunstvollen Verknüpfung der unterschiedlichsten Figuren aus den drei Welten. [...] Aus Anlass ihres 10-jährigen Bühnenjubiläums taucht die Shakespeare Company Berlin in diesen festlichen Reigen voll Liebe und Eifersucht, geheimnisvollen Mächten und magischen Verführungen ein. Die Inszenierung stellt das Spannungsfeld zwischen Traum, Alptraum, Fantasie und Wirklichkeit ins Zentrum, während das Ensemble mit Leichtigkeit und Intensität zwischen den Charakteren der Liebenden, Handwerker und Elfen wechselt.
Wie in allen Inszenierungen der Shakespeare Company Berlin erlebt das Publikum Shakespeares Volkstheater in seinem besten, ursprünglichen Sinne: komödiantische Darsteller, virtuose Live-Musik, ansprechende Ausstattung, phantasievolle Kostüme & eine neue Übersetzung voll Poesie und Wortwitz.
"

Übersetzung, Produktion & Künstlerische Leitung des 2 1/2 Stunden dauernden Stücks: Christian Leonard

Spannend ist übrigens auch der Verlag, in dem die Neuübersetzung erscheint. Eigentlich ist die Lettrétage ein Veranstaltungsort für literarische Lesungen und Inszenierungen in Berlin-Kreuzberg. Der Verlag ist anscheinend nur ein kleines Nebengleis des anspruchsvollen Konzepts. Auch hier lohnt ein Blick auf deren Website - zumal, wenn man ohnehin in Berlin oder dessen Umgebung lebt.

Karl Tenkner: Zur Shakespeare-Bacon-Theorie

Titel: Zur Shakespeare-Bacon-Theorie / Karl Tenkner
Autor: Tenkner, Karl
Verleger: Paderborn : Salzwasser Verlag
Erscheinungstermin: Juli 2011
Umfang/Format: 52 S. ; 210 mm x 148 mm
ISBN/Einband/Preis: 978-3-943185-96-6 Pb. : EUR 12.90
EAN: 9783943185966

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Inhaltlich ist über das Buch im Augenblick gar nichts zu erfahren. Auffällig ist jedoch, dass es im Salzwasser-Verlag erscheint, einem Verlag, der sich eigentlich vor allem mit Nautik beschäftigt und nebenbei zahlreiche Reprints zu allen möglichen Themen im Programm hat. Auch der Umfang von 52 Seiten lässt darauf schließen, dass hier mit einem dünnen Bändchen mal eben Geld gemacht werden soll. Denn der Preis von 12,90 Euro ist für die Seitenzahl ziemlich hoch. Ursprünglich war wohl geplant, das Buch auf 80 Seiten anzulegen, jedenfalls ist auf der Verlags-Seite zum Buch noch von so vielen Seiten die Rede. Aber das kann auch ein Marketing-Gag sein.

William Shakespeare: Hamlet, Prinz von Dannemark

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 141 KB
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch (?)
ASIN: B005AIOTXQ

Bin mir bei dieser Ausgabe nicht sicher, ob die Verantwortlichen bei amazon nur beim Foto geschlampt haben und deswegen von der Dover-Thrift-Edition die Rede ist, die ja englischsprachig sein dürfte. Denn der Titel "Prinz von Dannemark" lässt ja auf eine alte deutsche Übersetzung schließen. Wie auch immer, die Kindle-E-Books sind ja ohnehin vor allem deswegen ins Gerede gekommen, weil so mancher meint, mit ihnen eine schnelle Mark zu generieren. Mehr zum Thema hier: Warum der Kindle-Bookshop mit ungewollten Inhalten kämpft von Michael Moorstedt.

Bastian Conrad: Christopher Marlowe - Der wahre Shakespeare

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 16701 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Buch&Media; Auflage: 1 (8. Juli 2011)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B005C5RWYA

Leseprobe auf issuu.com

Verlagstext:
Schrieb William Shakespeare seine Werke wirklich selbst? An dieser Frage entzünden sich seit Jahrhunderten heftige Diskussionen. Das Buch will zeigen , dass wir das Paradigma, dass William Shakespeare aus Stratford mit dem Autor der Werke William Shakespeares identisch war, aufgeben müssen zugunsten der Einsicht, dass in Shakespeare nur das Dramatiker-Pseudonym von Christopher Marlowe erkannt werden kann. Shakspeare aus Stratford wurde dafür honoriert, dass er ab 1593 bereit war, zu Rettung des tödlich bedrohten Dichtergenies Marlowe nach dessen endgültiger Aufgabe von Name und Identität seinen maskierenden Namen für die Aussenwelt zu Verfügung zu stellen. Conrads Ausführungen mit Auswertung zahlloser unberücksichtigter oder vernachlässigter Quellen sind in ihrer Detailliertheit einzigartig und liefern einen völlig veränderten, bislang verdrängten Einblick in die literarische Welt des Elisabethanischen Zeitalters.
Bastian Conrad, 1941 in Marburg/Lahn geboren, war ein Jahrzehnt Abteilungsleiter und Professor für Klinische Neurophysiologie an der Universität Göttingen. Die letzten 20 Jahre seines aktiven Berufslebens leitete er die Neurologische Klinik der Technischen Universität München (Rechts der Isar). Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Artikel und ist Autor und Herausgeber verschiedener Fachbücher. Er ist heute freiberuflich tätig und lebt in München. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Urheberschaft der Shakespeareschen Werke.

Montag, Juli 11, 2011

KrimiZeit Bestenliste Juli 2011

Diesmal ein wenig zeitnaher hier im Shakespeare-Blog: Die neue KrimiZeit Bestenliste von DIE ZEIT, ARTE und NordwestRadio. Die besten Krimis im Juli 2011, ausgewählt von 17 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neu dabei diesmal Roger Smith mit seinem "Staubige Hölle" - durchgestartet von Null auf eins - und Mechtild Borrmann mit "Wer das Schweigen bricht". Ansonsten die üblichen Verdächtigen des Vormonats, leicht umgruppiert. Es ist Sommer. Lesezeit. Wie immer habe ich die Liste mit den Links zu den Leseproben, sowie - falls vorhanden - zu Hörbuchausgaben und anderen Infos angereichert. Viel Spaß beim Schmökern!

1 (-)

Roger Smith: Staubige Hölle

Titel: Staubige Hölle : Thriller / Roger Smith
Aus dem Engl. von Jürgen Bürger und Peter Torberg
Autor: Smith, Roger ; Bürger, Jürgen [Übers.] ; Torberg, Peter [Übers.]
Verleger Stuttgart : Tropen
Erscheinungstermin: Mai 2011
Umfang/Format 330 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel Dust devils <dt.>
ISBN/Einband/Preis 978-3-608-50210-7 Pp. : EUR 19.95
EAN 9783608502107

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Leseprobe beim Verlag Klett-Cotta

Rezension zum Buch auf arte.tv

Kapstadt/KwaZulu-Natal: Robert Dell ist auf der Flucht. Seine Frau und Kinder sind auf grausame Weise umgebracht worden, er selbst steht plötzlich unter Mordverdacht.Dells einziger Verbündeter ist sein verhasster Vater, ein ehemaliger CIA-Killer und überzeugter Rassist, der gerade aus dem Gefängnis entlassen ist. Auf einem blutigen Roadtrip, der sie tief ins Landesinnere führt, machen Dell und sein Vater Jagd auf den wirklichen Mörder - und decken dabei eine Verschwörung auf, die bis in die höchsten Regierungskreise reicht. Immer weiter eskalieren Gewalt und Vergeltung, denn im Zeitalter der Post-Apartheid scheint ein Menschenleben nicht mehr viel wert zu sein.

2 (2)

James Sallis: Der Killer stirbt

Titel: Der Killer stirbt : Roman / James Sallis
Aus dem Engl. von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt
Autor: Sallis, James ; Bürger, Jürgen [Übers.] ; Bielfeldt, Kathrin [Übers.]
Verleger: München : Liebeskind
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 250 S. ; 20 cm
Einheitssachtitel: The killer is dying <dt.>
Einband/Preis: Pp. : EUR 18.90
ISBN: 978-3-935890-78-6
EAN: 9783935890786

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Leseprobe auf books2look.de

Rezension zum Buch auf arte.tv

Phoenix, Arizona: Nichts ist so, wie es scheint. Ein ausgebrannter Cop jagt ein Phantom, und ein Auftragskiller wird kurz vor Ende seiner letzten Mission von der Vergangenheit eingeholt. Mit traumwandlerischer Sicherheit inszeniert James Sallis ein Spielüber Leben und Sterben, virtuos erzählt, hart und melancholisch zugleich.

Ein todkranker Killer erhält einen letzten Auftrag. Er soll einen unscheinbaren Buchhalter zur Strecke bringen. Langsam umkreist der Killer seine Beute, um im richtigen Moment zuzuschlagen – doch ein anderer kommt ihm zuvor. Der Buchhalter wird von einem Unbekannten niedergeschossen, überlebt jedoch den Anschlag und wird schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Alles deutet darauf hin, dass der Mordversuch das Werk eines Profis war. Aber warum sollte gerade ein Profi an dieser scheinbar leichten Aufgabe scheitern? In der Hoffnung, mehr herauszufinden über seinen geheimnisvollen Konkurrenten, nimmt der Killer heimlich Kontakt zur Polizei auf ... und macht eine furchtbare Entdeckung.

3 (4)

Dominique Manotti: Roter Glamour

Titel: Roter Glamour / Dominique Manotti
Aus dem Franz. von Andrea Stephani Autorin: Manotti, Dominique ; Stephani, Andrea [Übers.]
Ausgabe: Dt. Erstausg.
Verleger: Hamburg : Argument-Verl.
Erscheinungstermin: März 2011
Umfang/Format: 245 S. ; 18 cm
Gesamttitel: Ariadne-Krimi ; 1192
Einheitssachtitel: Nos fantastiques années fric <dt.>
ISBN: 978-3-86754-192-3
Einband/Preis: kart. : EUR 12.90 (DE)
EAN 9783867541923

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Rezension zum Buch auf arte.tv

Paris/Libanon 1985. Die junge Polizistin Noria Ghozali ermittelt gegen den mächtigen Präsidentenberater François Bornand. Ein Politthriller der Extraklasse über eine authentische Staatsaffäre: Manotti ist eine kaltblütige Chronistin des Verbrechens, literarisch brillant, gnadenlos realistisch und unbeirrbar parteilich.Staatsaffäre Sie heißt Noria Ghozali und ist der Arsch der Truppe. Wenn Kinder auf Montmartre Hundehaufen mit Böllern zum Explodieren bringen, darf sie "ermitteln". Und auf dem Revier ist die Jungpolizistin Zielscheibe rassistischer Mobbingattacken. Doch dann wird eine unbekannte Tote auf einem verlassenen Parkplatz zum Katalysator für ihre Karriere. Noria verbeißt sich sofort in ihren ersten echten Fall, und bald wird eine konkurrierende Polizeibehörde auf sie aufmerksam, der Zentrale Nachrichtendienst. Noria lässt sich anwerben für eine streng geheime Ermittlung, der die politische Elite zum Straucheln bringen könnte.

Indessen arbeitet François Bornand, Sonderberater des sozialistischen Präsidenten Mitterand, an der Befreiung französischer Geiseln im Libanon. Der Gründer der berüchtigten Antiterrorzelle des Élysée steht unter Druck, denn kurz vor den Parlamentswahlen sind die Umfragewerte der Sozialisten denkbar schlecht. Ein geheimes Waffengeschäft mit dem Iran verheißt eine schnelle Lösung und fette Beute für die Parteikasse wie für Bornands Privatschatulle. Doch das mit Raketen beladene Flugzeug stürzt ab, und die Presse bekommt Wind von der Affäre. Machtgier und Überheblichkeit treiben Bornand in eine Spirale der Gewalt bis Noria Ghozali seinen Weg kreuzt.

4 (5)

Giancarlo de Cataldo: Schmutzige Hände

Titel: Schmutzige Hände : Politthriller / Giancarlo de Cataldo
Person(en): Cataldo, Giancarlo de ; Fleischanderl, Karin [Übers.]
Ausgabe: 1. Auflage
Verleger: Wien : Folio
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 400 S. ; 210 mm x 135 mm
Einheitssachtitel: Nelle mani giuste <dt.>
Einband/Preis: Gb. : EUR 22.90
ISBN: 978-3-85256-554-5
EAN: 9783852565545
Stichworte: De Cataldo, Giancarlo, Mafia, Krimi, Politik, Italien, Macht, Spannung, ermitteln, Tod, Unterwelt, Gewalt, Zeitgeschichte

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Rezension zum Buch auf arte.tv

Italien 1992-93. In Rom, Florenz und Palermo explodieren Bomben, die Richter Falcone und Borsellino fallen grausamen Attentaten zum Opfer. Die Mafia agiert skrupelloser denn je, entschlossen, die Regierung zu einem neuen Pakt zu zwingen. Kommissar Scialoja ist müde und zynisch geworden. Er verwaltet das Erbe Vecchios, der fleischgewordenen Grauzone des Staates. Er verhandelt mit der Mafia, um dem Terror ein Ende zu bereiten und dem Staat zu einem wenn auch prekären Gleichgewicht zu verhelfen.

Seine Geliebte, die ehemalige Edelnutte Patrizia, gängelt ihn im Auftrag ihres Mannes, des Gladioveterans Stalin Rossetti. Dieser will mithilfe der neuen Generation der sizilianischen Mafia das Machtvakuum zu seinem Vorteil besetzen.

Ihre Schicksale kreuzen sich mit alten Unternehmerdynastien, deren Tage gezählt sind, mit wendigen Glücksrittern, Geheimlogen und skrupellosen Profiteuren von Siziliens Gnaden: Italien soll nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch des traditionellen politischen Systems in neue Hände gelegt werden.

De Cataldo gelingt es meisterhaft – wie schon in seinem Bestseller Romanzo Criminale –, mit seinen Charakteren den Unterschied zwischen dem „alten“ und dem „neuen“ Italien sichtbar zu machen.

5 (1)

Friedrich Ani: Süden

Titel: Süden : Roman / Friedrich Ani
Autor: Ani, Friedrich
Verleger: München : Droemer
Erscheinungstermin: 14. März 2011
Umfang/Format: 363 S. ; 22 cm
ISBN: 978-3-426-19907-7
EAN: 9783426199077
Einband/Preis: Pp. : EUR 19.99
Schlagwörter: München ; Detektiv ; Gastwirt ; Verschwinden ; Ermittlung ; Belletristische Darstellung

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Leseprobe beim Droemer Verlag

Rezension zum Buch auf arte.tv

Zurück in München erhält Tabor Süden als Detektiv den Auftrag, nach dem Wirt Raimund Zacherl zu suchen. Der Fall ist genau das Richtige für den ehemals so erfolgreichen Ermittler: Ein Mann verlässt sein Durchschnittsleben, und jeder fragt sich, warum. Mit seinen besonderen Methoden findet Süden die Spur des Wirts und verfolgt sie bis nach Sylt – und schon längst hat er begriffen, dass niemand den Mann wirklich kannte.

6 (6)

Reginald Hill: Der Tod und der Dicke

Titel: Der Tod und der Dicke : Kriminalroman / Reginald Hill
Aus dem Engl. von Karl-Heinz Ebnet
Autor: Hill, Reginald ; Ebnet, Karl-Heinz [Übers.]
Verleger: München : Droemer
Erscheinungstermin: 2011
Umfang/Format: 553 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: The death of Dalziel <dt.>
ISBN: 978-3-426-19781-3
Einband/Preis: Pp. : EUR 22.99 (DE)
EAN: 9783426197813


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Leseprobe beim Droemer Verlag

Rezension zum Buch auf arte.tv

Mid-Yorkshire/Manchester. Weil er wieder mal auf seine große Klappe und die Überzeugungskraft seiner gut zwei Zentner Lebendgewicht vertraut, fliegt Superintendent Andy Dalziel eine Bombe um die Ohren. Schwer verletzt liegt der Dicke nun im Koma und schlägt sich mit dem Sensenmann herum. Chief Inspector Peter Pascoe will die Schuldigen dingfest machen und stößt dabei auf vermeintliche Islamisten, einen merkwürdigen Tempelritter-Orden und eine Anti-Terror-Einheit, die ihn kaltstellen will. Wäre doch bloß der Dicke mit von der Partie ...

7 (10)

Patrick Pécherot: Belleville-Barcelona

Titel: Belleville-Barcelona : Kriminalroman / Patrick Pécherot
Aus dem Franz. übers. von Cornelia Wend
Autor: Pécherot, Patrick ; Wend, Cornelia [Übers.]
Ausgabe: Dt. Erstausg., 1. Aufl.
Verleger: Hamburg : Ed. Nautilus
Erscheinungstermin: 2. März 2011
Umfang/Format: 223 S. : Ill. ; 21 cm
Einheitssachtitel: Belleville-Barcelone <dt.>
http://www.blogger.com/img/blank.gif ISBN: 978-3-89401-735-4
Einband/Preis: kart. : EUR 14.90 (DE)
EAN: 9783894017354

Belleville - Barcelona: Kriminalroman

Leseprobe bei der Edition Nautilus

Rezension zum Buch auf arte.tv

Paris 1938. Der scheinbar leichte Auftrag, eine Fabrikantentochter, die mit einem Arbeiter durchgebrannt ist, wieder zur Familie zurückzuführen, erweist sich als Pulverfass. In Pécherots zweitem Band der Krimi-Trilogie aus dem Paris der Zwischenkriegszeit tritt wieder ein bemerkenswertes Personal auf: Neben Nestor Burma sind das ein Zauberkünstler, im Zivilstand Bestatter, ein glatzköpfiger, Rinderblut trinkender Schmuggler, eine Leiche ohne Kopf, die sich als Trotzkis ehemaliger Sekretär entpuppt und kein Geringerer als André Breton höchstpersönlich, der Waffen nach Spanien schmuggeln hilft. In Frankreich sind die Tage der Volksfront gezählt. Das Land wird erschüttert durch Attentate der rechtsextremen Cagoule, deren versuchter Staatsstreich nur wenige Monate zuvor vereitelt wurde. Die Lage in Europa wird immer angespannter. Hitler hat Österreich annektiert. Die Völkergemeinschaft schweigt, als Mussolini in Äthiopien einmarschiert. Auf der anderen Seite der Pyrenäen tobt der Spanische Bürgerkrieg. Patrick Pécherot beherrscht die Kunst, Zeit und Figuren auferstehen zu lassen wie ein Panoptikum und sie in eine spannende Krimihandlung einzubetten.

8 (-)

Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht

Titel: Wer das Schweigen bricht / Mechtild Borrmann
Autorin: Borrmann, Mechtild
Ausgabe: Orig.-Ausg.
Verleger: Bielefeld : Pendragon
Erscheinungstermin: 7. Februar 2011
Umfang/Format: 224 S. ; 19 cm
Gesamttitel: Krimi bei Pendragon
ISBN/Einband/Preis: 978-3-86532-231-9 kart. : EUR 9.95
EAN: 9783865322319
Schlagwörter: Vater ; Nachlass ; Nationalsozialismus ; Geschichte 1939 ; Belletristische Darstellung

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Rezension zum Buch auf arte.tv

Niederrhein 1939-1952/Mallorca 1998. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges verlieren sich sechs junge Menschen im Netz aus Freundschaft, inniger Liebe und tiefgreifendem Hass. Was aber hat das mit Robert Lubisch zu tun, der beinahe 60 Jahre später im Nachlass seines Vaters, einem Industriemagnaten der Nachkriegszeit, den SS-Ausweis eines Unbekannten und das Foto einer schönen Frau findet. Lubisch´ Neugierde ist geweckt: Was sein Vater doch nicht so makellos, wie er immer angenommen hatte? Wund wer ist die Fremde?

Auf der Suche nach Antworten stößt Robert Lubisch auf die ehrgeizige Journalistin Rita Albers, die sofort eine große Story wittert. Doch die Wahrheit lockt die Geister der Vergangenheit wieder hervor und zieht grausame Folgen nach sich. Lubisch ahnt, dass die Geschichte seines Vaters noch viel dunkler ist, als er befürchtet hat. Danach ist nichts mehr, wie es einmal war.

9 (9)

Malla Nunn: Lass die Toten ruhen

Titel: Lass die Toten ruhen : Kriminalroman / Malla Nunn
Aus dem Engl. von Armin Gontermann
Autor: Nunn, Malla ; Gontermann, Armin [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Rütten & Loening
Erscheinungstermin: 23. April 2011
Umfang/Format: 383 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: Let the dead lie <dt.>
ISBN:Einband/Preis: 978-3-352-00800-9 Pp. : EUR 19.95
EAN: 9783352008009

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Leseprobe beim Aufbau Verlag

Rezension zum Buch auf arte.tv

Durban 1952. Ex-Detective und Schauermann Cooper wird Zeuge des Mordes an einem elfjährigen weißen Jungen. Cop bleibt Cop. Cooper buddelt und wühlt üblen Dreck auf: Rassistischer Terror der Apartheid, Kalter Krieg, Paranoia. Authentisch und zornig. Südafrika aus Underdog-Sicht. Nunn zum Zweiten!

10 (7)

Leif GW Persson: Der sterbende Detektiv

Titel: Der sterbende Detektiv : Roman / Leif GW Persson
Aus dem Schwed. von Lotta Rüegger und Holger Wolandt
Autor: Persson, Leif G. W. ; Rüegger, Lotta [Übers.] ; Wolandt, Holger [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: München : btb
Erscheinungstermin: 25. April 2011
Umfang/Format: 540 S. ; 22 cm
Gesamttitel: btb ; 75307
Einheitssachtitel: Den döende detektiven <dt.>
ISBN:Einband/Preis: 978-3-442-75307-9 kart. : EUR 14.99
EAN: 9783442753079

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Leseprobe auf randomhouse.de

Rezension zum Buch auf arte.tv

Ein brutaler Mord in den Schären. Und ein Ermittler, dem nicht mehr viel Zeit bleibt

Stockholm 2010, vor einer Würstchenbude: Der pensionierte Lars Martin Johansson, legendärer Mordermittler und bei seinen ehemaligen Kollegen als der Mann bekannt, der um die Ecke denken kann, erleidet einen Schlaganfall. Gerade noch rechtzeitig wird er in ein Krankenhaus eingeliefert. Als er dort drei Tage später wieder aus dem Koma erwacht, rechtsseitig gelähmt, steht eines fest: von Johannson, wie man ihn einst kannte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Seine Lebensgeister werden erst wieder geweckt, als ihm seine behandelnde Ärztin von einem brutalen Mord an einem kleinen Mädchen erzählt, der 25 Jahre zurückliegt und nie aufgeklärt wurde. Vom Krankenbett aus beginnt Johansson mit den Ermittlungen. Er will Gerechtigkeit, und er ahnt, dass das womöglich sein letzter Fall sein wird ...

Quelle der KrimiZeit Bestenliste Juli 2011: arte.tv/krimiwelt

"An jedem ersten Donnerstag des Monats geben 17 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT, ARTE und NordwestRadio"

Wie immer weise ich an dieser Stelle explizit darauf hin, dass die KrimiZeit Bestenliste lediglich aus einer Liste von zehn Büchern mit Platzierungen und Kurzbeschreibungen besteht (zur Erinnerung: hier einsehbar). Die längeren Buchbeschreibungen hier im Blog, die sich zumeist auf die Verlagsangaben beziehen, sowie die kompletten bibliographischen Angaben, die Links zu Leseproben der Verlage oder Verweise auf Hörbucheditionen sind ein Service dieses Blogs und nicht Bestandteil der in Kooperation von DIE ZEIT, ARTE und NordwestRadio veröffentlichten Bestenliste.

Samstag, Juli 09, 2011

SWR Bestenliste Juli/August 2011

Platz 1 (-) 48 Punkte

PIERRE MICHON: Die Grande Beune

Titel: Die Grande Beune / Pierre Michon. Aus dem Franz. von Katja Massury
Mit einem Nachw. von Jürg Laederach
Autor: Michon, Pierre ; Massury, Katja [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin: 17. April 2011
Umfang/Format: 102 S. ; 18 cm
Gesamttitel: Bibliothek Suhrkamp ; Bd. 1463
Einheitssachtitel: La Grande Beune <dt.>
ISBN/Einband/Preis: 978-3-518-22463-2 Pp. : EUR 12.90
Bestellnummer(n): 22463
EAN: 9783518224632
Schlagwörter: Frankreich ≶Südwest> ; Dorf ; Lehrer ; Geschichte 1961 ; Belletristische Darstellung
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Der Erzähler dieser packenden, knappen Geschichten erinnert sich an die erste Stelle als Lehrer, die er 1961 an dem Fluß der Grande Beune, in einem Dorf in Frankreichs Südwesten antrat. Er begegnet zwei Frauen, der älteren Hélène und der jungen Yvonne. Von Yvonne träumt er Tag und Nacht, ihr stellt er nach. Pierre Michon, einer der Meister der französischen Gegenwartsliteratur, hat »Die Grande Beune« in einer unerhört sinnlichen und kunstvollen Sprache geschrieben. Bereits das Motto Andrej Platonovs schlägt den Ton an: »Die Erde schlief nackt und gepeinigt wie eine Mutter, der die Decke herabgeglitten war.«

„1961. Der Icherzähler ist 20 Jahre alt, Junglehrer in einem Provinznest am Ufer der Beune, in der Nähe der Höhlen von Lascaux. In der Erde die altsteinzeitlichen Felsmalereien, auf der Erde die Tabakverkäuferin, eine ‚Königin‘, deren ‚Nylonstrümpfe meinen Geist erfüllten‘. Michon erzählt die Geschichte eines von brutalen Sexualfantasien übermächtigten Mannes.“ (Agnes Hüfner)

Platz 2 (-) 43 Punkte

MARC FISCHER: Hobalala

Titel: Hobalala : auf der Suche nach João Gilberto / Marc Fischer
Autor: Fischer, Marc
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Rogner & Bernhard
Erscheinungstermin: April 2011
Umfang/Format: 197 S. : Ill. ; 21 cm
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis: 978-3-8077-1072-3 Pp. : EUR 17.90
EAN: 9783807710723
Schlagwörter: Gilberto, João ; Biographie
Mittelschwere Lektüre

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Leseprobe beim Verlag Rogner & Bernard

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Girl from Ipanema, Chega de Saudade, Corcovado -- diese Klassiker der Bossa Nova sind täglich in den Cafés, Clubs und Radios dieser Welt zu hören. Sie sind berühmt, weil sie so sind, wie Musik sein sollte: ewig gültig und trotzdem immer wieder neu. Erfunden wurde ihr einzigartiger leiser Klang von einem Mann, dessen Gitarre und Gesang alle kennen, mit dem aber kaum jemand geredet hat, weil er sich seit dreißig Jahren in einem Hotelzimmer in Rio de Janeiro versteckt, erst um 8 Uhr abends aufsteht und nie Interviews gibt: Joao Gilberto. Wer ist dieser Joao Gilberto - warum verlässt er sein Zimmer nie, warum spielt er jede Nacht stundenlang nur für die Wände, wenn er vor Zehntausenden auftreten könnte, warum halten ihn fast alle, die je was mit ihm zu tun hatten, für verrückter als Howard Hughes und Thomas Pynchon zusammen? Wer darf zu ihm, wer nicht? In HOBALALA macht sich Marc Fischer auf die Suche nach der letzten großen Musikerlegende unserer Zeit. Er trifft Freunde, Frauen, Weggefährten, um herauszufinden, wie das Herz der Bossa im Innersten tickt und was Lohn und Preis der Kunst sind. Eine Detektivgeschichte zum 80. Geburtstag des großen geheimnisvollen Mr. Joao Gilberto.
Kurz nach dem Erscheinen seiner Lebensrecherche ist Marc Fischer verstorben.

Platz 3 (-) 37 Punkte

ANNA KIM: Invasionen des Privaten

Titel: Invasionen des Privaten / Anna Kim
Autorin: Kim, Anna
Verleger: Graz ; Wien : Literaturverl. Droschl
Erscheinungstermin: 2011
Umfang/Format: 106 S. ; 18 cm
Gesamttitel: Essay ; 63
ISBN/Einband/Preis: 978-3-85420-781-8 kart. : EUR 15.00
EAN: 9783854207818
Schlagwörter: Godthåb ; Eskimo ; Kulturelle Identität ; Soziokultureller Wandel ; Assimilation <Soziologie>> ; Geschichte
Leichtere Lektüre

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Leseprobe beim Droschl Verlag

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Nach Grönland fahren, um sich selbst zu finden? In den Inuit, den Ureinwohnern dieses Landes, die Paradigmen der eigenen Existenz entdecken? Genau das beschreibt Anna Kim in ihrem Bericht über diese polare Insel, deren landschaftliche Schönheiten so weit weg sind von allem, was die Touristik uns als schön anpreist: die Kargheit, die Leere, die Farben und Formen von Eis, Schnee und Wasser.

Anna Kim blättert die Kolonialgeschichte dieses Landes auf, eine Kolonialgeschichte, die so unerbittlich und so erniedrigend für seine Bewohner ablief wie jede andere koloniale Geschichte auf der Erde und die zu extrem beschädigten Identitäten führte und zu einem, bevölkerungspolitisch gesehen, großen Anteil an dänisch-grönländischen »Mischlingen« – eine Mischkultur, die unter Zwang und unter großen Verlusten zustande kam. Was es bedeutet, hier Dänisch oder Grönländisch zu sprechen, was es bedeutet, anders auszusehen, als Teil welcher der beiden Kulturen man durchgeht oder eben nicht, welcher Preis an Geborgenheit bzw. Fremdheit zu bezahlen ist, wenn man sich in die Identitäts-Maschinerie von Einschluss/Ausschluss begibt – das zeigt Anna Kim, die in Südkorea geborene österreichische deutschsprachige Schriftstellerin, auf beklemmende Weise anhand von Beobachtungen und Gesprächen auf, die sie in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, führte.

Und noch etwas rückt dieser wichtige Essay zurecht: dass Reisen auch das Ventil für die Sehnsucht sein kann, als eine existenziell Fremde endlich in adäquater Umgebung zu sein, endlich mit Fug und Recht fremd zu sein, freiwillig.

Platz 4 (-) 34 Punkte

ALBERT OSTERMAIER: Schwarze Sonne scheine

Titel: Schwarze Sonne scheine : Roman / Albert Ostermaier
Autor: Ostermaier, Albert
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin: 18. Mai 2011
Umfang/Format: 287 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis: 978-3-518-42220-5 Pp. : EUR 22.90
Bestellnummer: 42220
EAN: 9783518422205
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Unauflöslich und ungeheuerlich erscheint das Dilemma, das dem zweiten Roman von Albert Ostermaier seine aufs äußerste gehende existentielle, moralische und gesellschaftliche Dimension verleiht. Ein junger Mann, aufgewachsen in einem katholischen Internat in Bayern, der sein Leben darauf ausgerichtet hat, Schriftsteller, Dichter zu werden, muß sich entscheiden zwischen sicherem Tod und ungewissen Überleben, für das er sich allerdings zwei völlig unbekannten Menschen überlassen muß. Eine ausgewiesene prominente Ärztin stellt ihm die Diagnose, er leide an einer nur von ihr diagnostizierbaren tödlichen Krankheit, die eine sofortige Therapie im amerikanischen Texas erfordere. Der väterliche Mentor, ein katholischer Priester, rät, der Ärztin zu vertrauen und in die USA zu reisen.

Wie soll sich der angehende Schriftsteller entscheiden? Andere Diagnosen einholen, obwohl sie laut Ärztin die Krankheit nicht aufspüren können? Dem Rat der Eltern folgen und sich sofort dem Krankenhaus ausliefern? Statt dessen rekapituliert er sein Leben und die Ereignisse, die zu dieser dramatischen Situation geführt haben.

Diese Recherche der vergangenen und verlorenen Jahre eines jungen Mannes weitet sich durch die detailgetreue, nüchterne Schilderung der Internatsjahre zu einem umfassenden, erschütternden Panorama moralisch-politischer Strukturen im Süden Deutschlands, in dem der einzelne wenig, die Kirche alles zählt. Und nur wer sich gegen die miteinander verzahnten Hierarchien stellt, ist, wie Albert Ostermaier, in der Lage, souverän vom Leiden, dem eigenen wie dem anderer, einfühlsam und zugleich distanziert, spannend und mitreißend, anklagend und erklärend zu erzählen.

" 'Schwarze Sonne scheine' ist das Werk eines Verstoßenen, der denen, die ihn verletzt haben, seine Wunden endlich zeigen will. Mehr als eine Anklage ist der Roman eine flehende Frage: Wie konntest du mir das antun? Die Antwort darauf liegt nicht in der Literatur." (Felicitas von Lovenberg)

Der Roman "Schwarze Sonne scheine" ist auch als Hörbuch erhältlich: 5 CDs in Hardcover Verpackung mit Buchnägeln
Spieldauer ca. 360 Minuten
Gekürzte Lesung
gelesen von Albert Ostermaier
mit Musik von Hans Platzgumer Regie: Wolfgang Stockmann
Verlag: Griot Hörbuch
Auflage: 1
Erscheinungstermin: 1. August 2011
ISBN-13: 978-3941234321

Platz 5 (-) 32 Punkte

HENRY ROTH: Ein Amerikaner

Titel: Ein Amerikaner : Roman / Henry Roth
Aus dem Amerikan. von Heide Sommer Autor: Roth, Henry ; Sommer, Heide [Übers.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Hamburg : Hoffmann und Campe
Erscheinungstermin: 12. Mai 2011
Umfang/Format: 382 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: An American type
ISBN/Einband/Preis: 978-3-455-40321-3 Pp. : EUR 23.00
3-455-40321-2
EAN: 9783455403213
Schlagwörter: New York ; Schriftsteller ; Juden ; Sinnkrise ; Verlieben ; Pianistin ; Belletristische Darstellung
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»Ein Amerikaner liest sich wie das Kaleidoskop einer Reise durch die Seele Amerikas, ein unabwendbares Schicksal, derart reich an Entdeckungen und Kontrasten, dass Roths moderne Interpretation des wandernden Juden selbst Tocqueville geblendet zurückgelassen hätte.« Los Angeles Times

Henry Roth, der 1995 starb, hatte eine ungewöhnliche Schriftstellerkarriere. Sein erster Roman Nenn es Schlaf (1934) wurde in Amerika zu einem großen Erfolg und zum Klassiker. Es folgten sechs Jahrzehnte der Schreibblockade, bis er mit über achtzig Jahren nach dem Tod seiner Frau zum Schreiben zurückkehrte und in einem Schaffensrausch Tausende von Manuskriptseiten verfasste, die später in einen vierbändigen Romanzyklus einflossen. Romanheld und Alter Ego in all seinen Werken ist die jüdisch-amerikanische Figur des Ira Stigman, dessen Lebens- und Leidensweg fast ein ganzes Jahrhundert umfasst. Ein Amerikaner ist der krönende Abschluss seines Werks, in dem Roth nicht nur die dreißiger Jahre in Amerika wiederaufleben lässt, sondern auch seiner Ehefrau, der Pianistin und Komponistin Muriel Parker, ein Denkmal setzt.

Platz 6 (-) 31 Punkte

INGEBORG BACHMANN : Die Radiofamilie

Titel: Die Radiofamilie / Ingeborg Bachmann
Hrsg. und mit einem Nachw. von Joseph McVeigh
Autor: Bachmann, Ingeborg ; McVeigh, Joseph [Hrsg.]
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin: 23. Mai 2011
Umfang/Format: 410 S. : Ill. ; 21 cm
Anmerkungen: Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis: 978-3-518-42215-1 Pp. : EUR 24.90
Bestellnummer: 42215
EAN: 9783518422151
Schlagwörter: Wien ; Familie ; Alltag ; Geschichte 1950 ; Belletristische Darstellung
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Im Herbst des Jahres 1951 tritt eine »kettenrauchende Meerfrau mit Engelhaar, die mehr flüsterte als sprach« in die Hörspielabteilung des amerikanischen Besatzungssenders Rot-Weiß-Rot in Wien ein. Ingeborg Bachmann, so der Name der jungen Frau, wird für die nächsten beiden Jahre das Unterhaltungsprogramm des Senders prägen und die Radiofamilie Floriani zur bekanntesten und beliebtesten Sendung der Nachkriegszeit machen.

Sie sind bürgerlich, und sie sind verschroben, die Florianis: Da ist Hans, der Paterfamilias, Oberlandesgerichtsrat und ehrenhaft bis in die Knochen. Von den rotzfrechen Kindern wird er um den Finger gewickelt: »Ich bin eine komische Figur in meiner Familie«, beklagt er sich bei seiner Frau Vilma, Generalstochter aus dem Ersten Weltkrieg, »also ein bisserl etwas Höheres«, und in dieser Frage nicht gewillt, dem Herrn Gemahl zu widersprechen. Strenger geht sie da schon mit dem Onkel Guido ins Gericht, dem Halbbruder des Oberlandesgerichtsrats. Er war ein Nazi, aber ein kleiner, der sonst nichts angestellt hat. »Nur ein Trottel, der auf den Hitler hereingefallen ist.« Woche für Woche kommen sie zusammen und verhandeln mit viel Witz und Ironie den Kalten Krieg, die Entnazifizierung, den beginnenden Wiederaufbau – und neben dem großen auch das kleine Geschehen im Nachkriegsösterreich.

Lange galten die von Ingeborg Bachmann verfaßten Skripte als verloren. In diesem Band sind sie nun, zusammen mit einem ausführlichen editorischen Nachwort des Herausgebers, erstmals publiziert.

Platz 7-8 (7-8) 21 Punkte

ALEXANDER KLUGE: Das Bohren harter Bretter

Titel: Das Bohren harter Bretter : 133 politische Geschichten / Alexander Kluge
Mit einem Gastbeitr. von Reinhard Jirgl
Autor: Kluge, Alexander
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Suhrkamp
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 336 S. : Ill. ; 21 cm
Einband/Preis: Pp. : ca. EUR 24.90
ISBN: 978-3-518-42219-9
Bestellnummer(n): 42219
EAN: 9783518422199
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Von Max Weber stammt der berühmte Satz, die Politik sei »ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich«. Von ihm ausgehend, untersucht Kluge in 133 Geschichten jene Werkzeuge, die politisch agierenden Menschen im harten Kampf um die Macht zur Verfügung stehen. Für intelligente Zähigkeit als Voraussetzung politischer Veränderung ist Max Webers Bohrer gewiß ein geeignetes Bild. Was ist aber ein Hammer im politischen Geschäft? Was heißt 'Feingriff'? Und zuletzt führen alle Fragen auf die eine: Was ist dieses 'Politische' überhaupt?

Inmitten der aufgeregten Debatten über Stuttgart 21 und Sarrazin behält Kluge kühlen Kopf. Ihn als Literaten interessiert die Frage: »Wie erzählt man davon?« Politik, sagt er, ist ein besonderer Aggregatzustand alltäglicher Gefühle. Sie ist überall. Sie bewegt private Lebensläufe ebenso wie die Öffentlichkeit. Und so behaupten sich in seiner Geschichte neben den Großen auch die Kleinen, Unbekannten, fast Namenlosen: Elfriede Eilers neben Perikles und Putin und die in 700 Meter Tiefe versunkenen chilenischen Bergleute neben Napoleon, Obama und Angela Merkel, der »Kanzlerin am falschen Ort«.

Platz 7-8 (-) 21 Punkte

ANGELA KRAUSS: Im schönsten Fall

Titel: Im schönsten Fall / Angela Krauß
Autorin: Krauß, Angela
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin: 14. März 2011
Umfang/Format: 99 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis: 978-3-518-42173-4 Pp. : EUR 14.90
Bestellnummer(n): 42173
EAN: 9783518421734
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Heimlich arbeitet diese Frau wie jeder Mensch am Glück. »Das Weltgebäude will errichtet werden! Man muß ja irgendwo wohnen.« Die Welt indes zeigt sich als die, die sie ist: als Erschütterte, von Datenmengen Überwucherte, Sich-Verlierende. Geräte, Weltgipfel, Stilettos und ein sagenhafter ungenutzter Raum im Hirn – die Frau hält allabendlich den Kopf ins Freie, um sich der Standfestigkeit des Ganzen zu vergewissern. Tagsüber gehen Erschütterungen durchs Haus. Karel arbeitet an der Überwindung der Materie durch Information. Unter den Absätzen der Nachbarin und der lose herumfliegenden Zukunft steigt der Druck. »Jemand muß das zusammenhalten!« Irgendwo unter dem Gebirge aus hochaktuellen Zerfallserscheinungen ruht das Urmuster vollkommener Harmonie. Wie die Liebe in einer Zeit der Worst-case-Szenarien bewahrt werden kann, als allerschönster Fall, dem ist in diesem Buch alles auf der Spur.

Mit ihrer »einzigartigen Melange aus Naivität der Empfindung und erzählerischer Raffinesse« (Wolfgang Emmerich) umfängt Angela Krauß die Unfaßbarkeit der Welt. Esprit, Zärtlichkeit, Ermutigung und große poetische Kraft fließen in einen warmen Beschwörungston. Beschworen wird nichts Geringeres als die Liebe, das Weltall, die Zukunft.

Platz 9-11 (-) 20 Punkte

ELISABETH FILHOL: Der Reaktor

Titel: Der Reaktor : Roman / Elisabeth Filhol
Aus dem Franz. von Cornelia Wend Autor: Filhol, Élisabeth ; Wend, Cornelia [Übers.]
Ausgabe: Dt. Erstausg., 1. Aufl.
Verleger: Hamburg : Ed. Nautilus
Erscheinungstermin: 25. Mai 2011
Umfang/Format: 121 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: La centrale <dt.>
ISBN/Einband/Preis: 978-3-89401-740-8 Pp. : EUR 16.00
EAN: 9783894017408
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Drei Selbstmorde hat es gegeben unter den Arbeitern im Atomkraftwerk. Einer der Toten ist Lo ïc, Yanns bester Freund, mit dem zusammen er schon seit Jahren als Zeitarbeiter im Rhythmus der jährlichen Wartungen von Reaktor zu Reaktor zieht. »Neutronenfutter« nennen sich diese Leute selbst, denn für jeden, der wegen zu hoher Strahlenbelastung ausfällt, gibt es sofort willigen Ersatz.

Die Arbeiter leben im Wohnwagen oder im Hotel, vereint durch eine gewisse Solidarität, die sich aber bei der fehlenden Arbeitsplatzsicherheit und dem Stress unter der nuklearen Bedrohung schnell verbraucht. Dieser Roman macht die Bedrohung ebenso fühlbar wie die Faszination für das Kraftwerk und die Angst davor.

Filhol schreibt in einem nüchternen, lakonischen Stil, der die Atmosphäre unter den Beschäftigten, die physikalischen Prozesse sowie die Arbeitsabläufe kunstvoll verdichtet. Der Reaktor ist auch ein Symbol für die Gesellschaft.

Der Roman ist in Frankreich von einem großen Medienecho begleitet und mit dem Prix France Culture Télérama ausgezeichnet worden und war zeitweise auf Platz 6 der französischen Bestsellerlisten.

"Filhols Roman beleuchte einen Aspekt, der bei der Ausstiegsdebatte bisher keine Rolle gespielt hat und der mit Zahlen und Vorschriften nicht erfasst werden kann. Die Arbeiter an der "Front" der Energiegewinnung stellen keine Risikoabwägung an. Es ist ihr Körper, der ihnen mit Schweißausbrüchen, mit Schwäche- und Panikanfällen signalisiert, dass sie für diese Technologie nicht geeignet sind - und umgekehrt diese Technologie nicht für sie, nicht für uns." (Martin Ebel) [mehr zu: ELISABETH FILHOL: Der Reaktor]

Platz 9-11 (1) 20 Punkte

PETER KURZECK: Vorabend

Titel: Vorabend / Peter Kurzeck
Autor: Kurzeck, Peter
Verleger: Frankfurt, M. ; Basel : Stroemfeld
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 1015 S. ; 21 cm
Gesamttitel: Kurzeck, Peter: Das alte Jahrhundert ; 5
ISBN: 978-3-86600-079-7
EAN: 9783866000797
Einband/Preis: Pp. : EUR 39.80 (DE)
Schlagwörter: Oberhessen ; Schriftsteller ; Erinnerung ; Geschichte 1946-1975 ; Belletristische Darstellung
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Seit Mitte der neunziger Jahre arbeitet Peter Kurzeck an dem großen autobiographisch-poetischen Projekt „Das alte Jahrhundert“. Die ersten vier Bände sind bereits erschienen: Übers Eis (1997), Als Gast (2003), Ein Kirschkern im März (2004) und Oktober und wer wir selbst sind (2007). Über das Autobiographische hinaus entsteht eine faszinierende Zeitgeschichte. (Norbert Wehr im WDR)"Im Jahr 1982 in Frankfurt-Eschersheim ein langes Wochenende im Herbst. Der Erzähler ist mit Frau und Kind bei Freunden zu Besuch. Vielleicht das letzte Wochenende, bevor die Freunde nach Südfrankreich ziehen. Der Erzähler ist müde. Will schlafen. Um ihn her der Nachmittag und die vertrauten Stimmen und dazu die Stimmen in seinem Kopf. Und dann muß er erzählen! Eine lange Reise. Und wir begleiten ihn in das Land seiner Kindheit. Das Oberhessen aus der Zeit nach dem Krieg und bis in die Siebziger Jahre. Gestern noch hier und jetzt ein versunkenes Land, eine Sage. Man muß die ganze Gegend erzählen, die Zeit! Und dazu die Menschen. Kleinbauern, Handwerker und Gießereiarbeiter. Die Oberdorfwitwen, die alten Leute und ihre Geschichten. Und die Kinder, als wir alle noch Kinder waren. Die alten Kaufläden. Flohmarkt- und Flüchtlingsgeschichten. Wie es bei der Arbeit zugeht.

Lebensläufe, Vergangenheiten, die Zeit. Was die Zeit mit uns macht. Das Fernsehen. Die Liebe. Drei Paargeschichten. Wie man mitten im Pferdefuhrwerk- und Dampflokzeitalter als Sechsjähriger in Lollar am Güterbahnhof bei der amtlichen Waage steht (neben einer großen Pfütze) und weiß vom Hörensagen, die Erde ist eine Kugel. Ein langer Herbstnachmittag und er ist sechs und muß sich alle Stimmen und Farben und jede Einzelheit merken. Und hat keine Wahl, wird ein Dichter. Wenn man auf einem Berg wohnt, führt jeder Heimweg am Ende mühsam bergauf.

Die Nachkriegs-, die Not-, die Hunger-, die Hamster-, die Schwarzmarkt- und dann die neue und immer noch eine neuere neue Zeit. Der Fortschritt. Und fängt dann zu fahren an. Baustellen, der Straßenbau, Autobahnen, Schnellstraßen und Autobahnzubringer. Staatssekretäre, Ehrenjungfrauen und das Weltbild der Igel. Eine vergessene alte Landstraße, die leer in der Sonne liegt. Supermärkte, Einkaufsfahrten, Räubergeschichten, ein gelungener Amoklauf und die langen Sommer der späten Sechziger Jahre. Ein ganzes Zeitalter und jeder Augenblick fängt zu reden an."

„Der Proust der Bundesrepublik heißt Peter Kurzeck. [...] Die Entfaltung des Augenblicks war immer die Kurzeck-Spezialität. Das stete Murmeln der Zeit, die Ausfaltung des Bewußtseins, der vergebliche Wettlauf mit der Komplexität des Hörens, Fühlens, Tastens und Schmeckens, des Sehens und der Erinnerung: so viel in einem Moment!“ (Elke Schmitter)

Der Roman ist für Oktober 2012 als Hörbuch angekündigt:

4 Audio CDs
Sprecher: Peter Kurzeck
Verlag: Stroemfeld
Erscheinungstermin: Oktober 2012
ISBN-13: 978-3866000896

Platz 9-11 (-) 20 Punkte

PEGGY MÄDLER: Legende vom Glück des Menschen

Titel: Legende vom Glück des Menschen : Roman / Peggy Mädler
Autorin: Mädler, Peggy
Ausgabe: 1. Aufl.
Verleger: Berlin : Verl. Galiani
Erscheinungsjtermin: 7. Februar 2011
Umfang/Format: 211 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis: 978-3-86971-032-7 Pp. : EUR 16.95
EAN: 9783869710327
Schlagwörter: Deutschland <DDR> ; Familie ; Generationsbeziehung ; Lebensführung ; Belletristische Darstellung
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Ziemlich viel, scheint es, hat sich Peggy Mädler mit ihrem Debütroman vorgenommen – denn in ihrem von Geschichten prallen Buch geht es darum, wie Glück entsteht, wie Gesellschaft funktioniert und wie private Erinnerung und die große Geschichte zueinander stehen. Die bescheidene, gewitzte und elegante Art, mit der sie die Anmaßung der Fragestellungen erzählerisch unterläuft, macht ihren Erstling zu einem Kabinettstück der deutschen Literatur.

Knapp fünfzehn Jahre nach der Wende findet die junge Erzählerin im Nachlass der Großeltern ein Buch, das ihr Großvater zu einem Betriebsjubiläum geschenkt bekommen hat. Ein Fotoband von 1968, der Vom Glück des Menschen heißt, komponiert und betextet von Rita Maahs und Karl Eduard von Schnitzler. Die Anmaßung eines politisch verordneten Glücks irritiert die Enkelin. Wie kann ein Staat auf die Idee kommen, seinen Bürgern vorzuschreiben, wie sie glücklich werden? Anhand weiterer Fundstücke aus dem Nachlass beginnt sie zu rekonstruieren, wie sich ihre Großeltern kurz vor dem Zweiten Weltkrieg kennenlernten, heirateten und sich nach dessen Ende fast wie Fremde wieder gegenüberstanden, wie ihr Vater und ihre Mutter sich in der DDR kennenlernten und durchschlugen und wie sie, die Erzählerin selbst, und ihr älterer Bruder die Wende und die Zeit danach erlebten.

Dabei überschreibt Peggy Mädler je ein Kapitel aus dem Propagandaband mit »Legenden« aus der Familiengeschichte ihrer Erzählerin. So entstehen die »Legende vom Glück der Arbeit«, die »Legende vom Glück des Miteinanders« usw. , und plötzlich wird klar: Ob und wie Menschen das Glück finden, hat oft weniger mit den großen Rahmenbedingungen zu tun, als mit privaten Begegnungen, kleinen Gesten und unspektakulären Zufällen. Und: Die besten Geschichten schreibt nicht die Geschichte, sondern das Leben selbst. Peggy Mädler ist dabei ein enorm warmherziger, reicher und sprachlich immens variabler Romanerstling gelungen.

Ein Buch, das irgendwie glücklich macht.

Persönliche Empfehlung im Juli/August von Elmar Krekeler (Berlin):

THOMAS WOLFE : Die Party bei den Jacks

Titel: Die Party bei den Jacks / Thomas Wolfe
Aus dem Amerikan. Engl. übers. von Susanne Höbel. Nachw. von Kurt Darsow
Autor: Wolfe, Thomas ; Höbel, Susanne [Übers.] ; Darsow, Kurt [Nachr.]
Verleger: Zürich : Manesse-Verl.
Erscheinungsjahr: 2011
Umfang/Format: 347 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel: The party at Jack's <dt.>
ISBN/Einband/Preis: 978-3-7175-2234-8 Gewebe : ca. EUR 24.95
EAN: 9783717522348
Schlagwörter: New York- Manhattan ; Oberschicht ; Bühnenbildnerin ; Juden ; Geschichte 1928 ; Belletristische Darstellung

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Dieses erstmals ins Deutsche übersetzte Prosajuwel führt uns empor in die höchsten Sphären von Manhattan – mitten hinein in die Glamourwelt der Schönen und Reichen. Starlets und Damen von Welt, Broker und Magnaten, Privatiers und Parvenüs geben sich auf einer Penthouse-Party die Ehre. In stakkatohaften Sequenzen fängt Thomas Wolfe den Rhythmus einer rastlosen Metropole ein, in der der Tanz ums goldene Kalb immer ausgelassenere Formen annimmt.

Alles, was Rang und Namen hat, findet sich im Art-déco-Ambiente von Esther und Frederick Jack ein: sie eine gefeierte Broadway-Künstlerin, er ein aus Koblenz stammender Jude und Selfmade-Millionär. Die Roaring Twenties sind auf ihrem Höhepunkt angelangt, schon wirft die Große Depression ihre Schatten voraus. Doch vom drohenden Ende der Sause will man bei den Jacks noch lange nichts wissen … Mit seiner Innenansicht einer New Yorker Luxusadresse – von der Dachterrasse bis hinab in den Untergrund, von wo die Subway feine Vibrationen durchs Gebäude schickt – zeichnet Wolfe das Panoptikum einer faszinierenden Stadt und einer faszinierenden Epoche.

„Wir schreiben das Jahr 1925 und die Jacks geben eine Party. Hoch über der Park Avenue. Ganz New York kommt, lässt sich bedienen. Die Gesellschaft tanzt. Ein Land entblößt sich in seiner sozialen Zerrissenheit. Thomas Wolfe – das zeigt dieser schmale Roman von 1937 - konnte mehr als bloß unförmige, unendliche Romane einzig über sich selbst schreiben. Er war ein garstiger Gesellschaftsanalyst. Er zeichnet hinreißend böse Porträts, schreibt süchtig machende Sätze, entwirft ein Fegefeuer der Eitelkeiten und der Träume. Und schießt es los.“ (Elmar Krekeler)

Quelle der SWR Bestenliste Juli/August 2011: www.swr.de/bestenliste

Wie immer weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass die SWR Bestenliste Juli/August 2011 lediglich aus einer Liste von zwölf Büchern mit Platzierungen und Kurzbeschreibungen besteht. Die längeren Buchbeschreibungen hier im Blog, die sich zumeist auf die Verlagsangaben beziehen, sowie die kompletten bibliographischen Angaben, die Links zu Leseproben der Verlage oder Verweise auf Hörbucheditionen sind ein Service dieses Blogs.