Freitag, Januar 20, 2012

Soli-Note zum Bücherzeit-Blog

Gerade wollte ich die KrimiZeit Bestenliste durcharbeiten, bin aber - warum lasse ich auch facebook nebenher laufen? - an dem durchaus faszinierenden Streit zwischen der Bloggerin Astrid Prüger (Myriel) und dem Autoren John Asht, bzw. dessen Verlegerin hängengebliebe. Spannende Fragen tun sich auf: Muss man ein Buch ganz gelesen haben, um darüber eine Meinung zu verbreiten? Und: Kann ein Autor eine Bloggerin abmahnen, die öffentlich gesteht, ein Buch nicht zu mögen?

Hier die beiden Fronten: buecherzeit.wordpress.com/2011/11/16/john-asht-twin-pryx-zwillingsbrut/ (wobei hier vor allem die Lektüre der Kommentare lohnt, in denen sich der Zwist abspielt) und die Blog-Erwiderung des Autors: john-asht.blogspot.com/2012/01/literatur-kriminalitat-im-internet.html

Interessant finde ich, dass Antje Roder, Geschäftsführerin des Verlags, in dem der Roman "Twin-Pryx. Zwillingsbrut" von John Asht erschienen ist, sofort mit rechtlichen Konsequenzen droht. Zwar mag die Veröffentlichung eines 900-Seiten-Romans wie "Zwillingsbrut" ein gewisses geschäftliches Risiko darstellen, das es zu minimieren gilt. Auf eine Rezension aber derart heftig zu reagieren, wirkt auf mich wie ein Kamikaze-Akt.

Spannend auch, dass Astrids Blog ohne jegliche Werbung auskommt, also eine reine Nonprofit-Aktivität ist. Monitäres Denken lässt sich da also nur schwerlich unterstellen. Dass sie unter dem Namen "Myriel" postet, mag ein Spleen sein - aber da in ihrem Blog selbstverständlich auch ein Impressum vorhanden ist, kann niemand behaupten, sie würde aus dem Hinterhalt auf wehrlose Autoren schießen. Bzw. wie Frau Roder sagt, "sich hinter einem anonymen Decknamen (zu) verstecken und einfach ein Buch (zu) verreißen".

Kurzum: Hier stellt sich die Frage nach der Meinungsfreiheit - und zwar, so wie ich das sehe - auf beiden Seiten. Wie das Ganze ausgehen wird, kann ich nicht beurteilen. Ich merke jedoch, dass es wichtig ist, für ein solches Vorgehen von Verlagen Öffentlichkeit zu schaffen. Astrid mit ihrem Bücherzeit-Blog hat meine volle Solidarität. Rezensionen-Blogs schaffen eine wichtige Öffentlichkeit gerade für kleinere Verlage und wirken damit ein wenig dem Werbeetat-Overkill der Großen entgegen. Und solange Meinungen - und sei es auch nur zu den ersten zehn Prozent eines Buches - begründet werden, so dass der Leser nachvollziehen kann, wie eine Position entstanden ist, bin ich gegen jede Form von Zensur. Damit, den Rezensenten die Lust am Bloggen zu nehmen, schadet sich die Verlagswelt mit solchen rechtlichen Aktionen in meinen Augen nur selbst.

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