Dienstag, Juli 03, 2012

Klaus Barski: Prügel für den Hausbesitzer

Wieder so ein Tag, an dem ich beim Abendbrotessen zufällig in eine Sendung reinzappe, die mich fasziniert. Da sitzt ein älterer, grauhaariger Kerl mit weißem Hemd und rot geblühmtem Halstuch bei Inka Schneider auf dem Sofa von "DAS!". Er redet über sein Leben. Darüber, wie er aus nichts ein Imperium aufgebaut hat. Wie er vor Jahren angefangen hat, billige Immobilien zu kaufen, vollkommen auf Pump, ohne Geld, aber mit einem realistischen Finanzplan, den er der Bank vorlegte. Ich finde den Kerl ein wenig versponnen. Er redet mir zu gern, ist zu selbstverliebt. Aber er geht mir nicht aus dem Kopf. Tage später versuche ich zu recherchieren, wer das eigentlich war. Aber es dauert, bis ich auf die Idee kommen, in der NDR Mediathek nachzuschauen, ob sie die DAS-Sendung vom 29.06.2012 abrufbar haben. Haben sie.

Klaus Barbi heißt der Mann. Millionär ist er. Und etliche Bücher hat er geschrieben. Über sich und seinen Werdegang, und immer wieder über die Welt der Reichen und Schönen, in der er sich jetzt bewegt. Sein aktueller Roman, der im März 2012 erschien, heißt Prügel für den Hausbesitzer und soll der Tatsachenroman eines Immobilienspekulanten sein. Im Interview mit Inka Schneider wird immer deutlicher, dass dies die verkappte Autobiografie Barskis ist. Vielleicht etwas stärker geschönt, als es bei Autobiografien sonst üblich ist. Es ist die typische Geschichte eines Mannes, der erst von der Sozialhilfe lebt, dann aber irgendwann das System durchschaut und sich zum Millionär hocharbeitet. Das Schlimmste sei für ihn in jungen Jahren gewesen, jeden Monat die Miete zusammenzubekommen. Deswegen habe er beschlossen, sich ein Haus zu kaufen. Darüber, wie er das von seiner Sozialhilfe bewerkstelligt hat, schweigt er allerdings. Dafür erzählt er, wie er sein erstes Haus später mit 50% Profit wieder verkauft, neue, teurere Immobilien erworben und so schließlich eine ganze Reihe Häuser erworben hat. Er ist bekennender Schnäppchenjäger, auch heute noch. Immerhin verrät er in der Sendung seinen Tipp, um mit Nichts in der Tasche Millionen zu machen.

Dieser Reichtum hat auch seine Schattenseiten. Offen erzählt Klaus Barski, dass er vor drei Monaten überfallen worden sei. Die Einbrecher hätten seiner Frau und ihm gedroht, die Knochen zu brechen und den Kopf einzuschlagen, wenn sie ihnen nicht sagten, wo Geld und Schmuck lägen. So hätten sie von ihm den Schlüssel zum Safe erpresst. Bulgaren oder Rumänen seien es gewesen, der Sprache nach. Seiner Meinung nach baue sich derzeit in Deutschland eine gigantische Welle von Einbruchsserien auf. Grund sei das Schengener Abkommen. "Jeder, der dort aus dem Knast kommt, klaut sich ein Auto und kommt rüber." Inka Schneider versucht einzulenken.

Als ich erst einmal raus habe, wer Barski ist, finde ich Berichte über ihn auch in anderen Sendungen. Etwa beim BR Lesezeichen. Leider ist der Beitrag nicht über die Mediathek abrufbar. Oder bei Hauptsache Kultur. Der Beitrag dort ist deutlich kompakter als die DAS-Sendung, für den Einstieg ins Thema daher vielleicht besser geeignet. Er beschränkt sich auf die Immobiliengeschäfte Barskis, beginnt im Frankfurt der 50er Jahre, als man mit Haus- und Grundbesitzer leicht eine halbe Million mit einem Deal verdienen konnte. Die Spekulantenszene gebiert Milliardäre, als die Hochhaustürme in Mode kommen und auf wenig Platz riesige Bürogebäude hochgezogen werden.

Mittlerweile spielen die Steuergesetze den Grundsstücksspekulanten nicht mehr so in die Hände. Aber auch für die hat Barski im HR-Beitrag Tipps parat: Umwandlung von maroden Gewerbeimmobilien in Miet- oder Eigentumsobjekte seien im Augenblick das große Geschäft. Ich bin geneigt, ihm zu glauben.

Abschließend hier noch das, was der Verlag über Barskis Roman "Prügel für den Hausbesitzer" sagt: "Klaus Barskis neuer Roman ist ein Muss für Hausbesitzer und Mieter. Und für Freunde süffig wegzulesender Abenteuergeschichten sowieso. Ein unterhaltsamer, schriller Wirtschaftsroman, der in das Reich von Maklern, Investoren und Spekulanten führt. Aber auch Zocker, Mietbetrüger und Immobilienabstauber kommen nicht zu kurz.

Dem Leser wird eine rasante Abenteuergeschichte eines Mannes aufgetischt, der sich erst mit eigens im Bulli aus England importierten Antiquitäten, dann mit immer größeren Immobiliengeschäften von ganz unten nach oben arbeitet. En passant lernt der Leser die Tricks auf beiden Seiten der Tür kennen: wie gewiefte Mieter ihre Vermieter über den Tisch ziehen und wie pfiffige Vermieter darauf reagieren. Diese filmreife Lebensgeschichte, die nicht von ungefähr Parallelen zum Leben des Autors aufweist, ist gleichzeitig ein Zeitdokument deutscher (Immobilien-)Nachkriegsgeschichte: vom Leben in den Nissenhütten der Nachkriegsjahre bis hin zu den heutigen Nobeletagen Frankfurter Hochhäuser und Taunusvillen.

Am Ende wird aus dem Protagonisten Jörg Baron ein reicher, satter Häuser-Hai. Doch reichen Geld und Besitz wirklich für das perfekte Glück? Baron zieht die Sehnsucht am Ende weiter Richtung Palmen und Meer. Und ein schickes Cabrio darf natürlich auch nicht fehlen. Motto: Immer der Sonne entgegen.
"

Titel Prügel für den Hausbesitzer : Tatsachenroman eines Immobilienspekulanten / Klaus Barski
Person(en) Barski, Klaus
Ausgabe Orig.-Ausg., 1. Aufl.
Verleger Münster : Solibro-Verl.
Erscheinungsjahr 2012
Umfang/Format 298 S. : Ill. ; 22 cm
Anmerkungen Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis 978-3-932927-48-5 kart. : EUR 12.80 (DE), EUR 13.20 (AT), sfr 22.90 (freier Pr.)
EAN 9783932927485
Leseprobe solibro.de

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