Dienstag, Juli 10, 2012

Neuerscheinungen rund um Shakespeare - Juli 2012

Wenn ich die Lage richtig beurteile, tut sich im Juli 2012 relativ wenig in Bezug auf unseren Barden aus Stratford. Gerade drei "Neuerscheinungen" sind gelistet, und bei näherer Betrachtung handelt es sich dabei ausnahmslos um ältere Texte, die neu aufgelegt wurden.

Da ist zum Beispiel

Alois Brandl: Shakespeare. Leben - Umwelt - Kunst


517 Seiten, erscheint am 6. Juli 2012 beim Outlook Verlag. Brandl war Literaturwissenschaftler und Mitbegründern des 1895 entstandenen Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1901 bis 1921 war er Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft in Weimar. So widmete er Shakespeare einen Großteil seiner wissenschaftlichen Studien. Er starb 1940 in Berlin.

Das Buch Shakespeare. Leben - Umwelt - Kunst kam ursprünglich 1922 in Berlin bei Ernst Hofmann & Co. heraus und wurde bereits im darauffolgenden Jahr in Wittenberg bei Ziemsen nachgedruckt.

Brandl gehört zu den Autoren, die 2011 gemeinfrei geworden sind, das heißt, das Urheberrecht ist aufgehoben worden. Der Urheberrechtsschutz endet in Deutschland 70 Jahre (§ 64 UrhG) nach dem Tod des Urhebers. Allerdings stellt sich neben der Frage der Relevanz Brandls für die heutige Shakespeare-Forschung auch die Frage, ob man wirklich 59,90 Euro für einen Nachdruck von 2012 ausgeben muss, wenn das Original (oder ein früher Nachdruck) oft deutlich unter 10 Euro gebraucht zu haben ist.

Titel Shakespeare. Leben - Umwelt - Kunst / Alois Brandl
Person(en) Brandl, Alois
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Bremen : outlook Verlag
Erscheinungstermin 6. Juli 2012
Umfang/Format 548 S. ; 210 mm x 148 mm
ISBN/Einband/Preis 978-3-86403-799-3 Pb. : EUR 59.90 (DE), EUR 61.60 (AT)
EAN 9783864037993


Gleich noch ein paar Tage älter ist folgender Titel:

Ulrich Bräker: Etwas über William Shakespeares Schauspiele


Der Band stammt ursprünglich aus dem Jahr 1780. Bräker ist Sohn einfacher Leute. 1735 wird erin Näbis im Toggenburg (Kanton St. Gallen) als ältestes von elf Kindern eines Tagelöhners, Kleinbauern und Salpetersieders geboren. Er wurde in Preußens dritten Krieg um Schlesien hineingezogen (von Werbern unter falschen Versprechen angelockt), desertierte aber und kehrte in seine Heimat zurück, wo er als Baumwollfergger, also als Mittelsmann zwischen Produktion und Handel, arbeitete. Er nutzte die Literatur, um seinen Horizont zu erweitern und lernte so auch Shakespeares Werke kennen, die er in seinem Tagebuch kommentierte.

Relevant ist das Buch vor allem deswegen, weil es aus dieser Zeit kaum Aufzeichnungen sogenannter kleiner Leute gibt. Die Subjektivität seines Shakespeare-Kommentars wird schon im Untertitel des Buches deutlich: "Von einem armen ungelehrten Weltbürger, der das Glück genoß, ihn zu lesen". Darin feiert er Shakespeare als »Menschenmacher« und »wundertätigen Theatergott«. Er sieht in ihm den größten Dichter überhaupt und bezeichnet ihn als Seelenverwandten.

Lange Zeit wurden Bräkers Schriften weitgehend ignoriert. Wiederentdeckt wurde er duch Herman Grimm, der Sohn von Wilhelm Grimm. Er wies auf die einzigartige Bedeutung der Lebenserinnerungen und der Shakespeare-Studien Bräkers hin.

Titel Etwas über William Shakespeares Schauspiele / Ulrich Bräker
Person(en) Bräker, Ulrich
Verleger Hamburg: Tredition Classics
Umfang/Format 104 S., 13,34 cm x 20,32 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-8424-8868-7, EUR 9,90 (DE)
Schlagwörter Shakespeare, William ; Drama

Last not least ist nun auch eine kostenpflichtige Version der alten Schlegel-Tieck-Übersetzung der "Komödien, Historien und Tragödien" als Kindle eBook erhältlich, versehen mit dem Zusatz "aktiver Index". Leider ist in der Leseprobe auf diesen Index kein Zugriff möglich. Ob der also die 1,78 Euro wert ist, oder ob man letztlich mit der Ausgabe der Gutenberg-Bibliothek genauso gut fährt, kann ich nicht beurteilen.




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