Donnerstag, August 16, 2012

Dialog als Opener für Kurzgeschichten?

Beim Schmökern in meinen Lieblingsblogs bin ich auf einen spannenden Beitrag von Benjamin Percy gestoßen, der sich Gedanken über Dialoge als Opener für Kurzgeschichten macht. Um es gleich zu sagen: Er ist bös dagegen.

Percy hat langjährige Erfahrungen als Autor hinter sich. "The Wilding" erschien bereits 2010, sein neuer Roman "Red Moon" soll nächstes Jahr herauskommen und wird jetzt schon wild beworben. Angefangen hat er jedoch mit zwei Bänden mit Kurzgeschichten, "Refresh, Refresh" und "The Language of Elk". Im Deutschen liegt er bisher nicht vor, dafür haben ihn die Franzosen bereits entdeckt.

Aber zurück zum Thema: Für Percy sind Leser von Kurzgeschichten ähnlich gestrickt wie Leute, die gerade aus einem längeren Koma aufwachen. Bevor sie klar sehen können, schwirren ihnen schon eine ganze Reihe Fragen durch den Kopf: "Wo bin ich? Welchen Tag haben wir heute? Wer bin ich?" Percys Ansicht nach liegt es in der Aufgabe eines Autoren, diese Fragen möglichst zügig zu beantworten und dem Leser so Orientierung zu geben.

Also geht es darum, erst einmal mit allen fünf Sinnen ein Setting einzurichten. Percy zeigt das eindrucksvoll am Beispiel eines kleinen Teenagers, der auf einem Mähdrescher sitzt, ein Handy am Ohr, und sich unterhält. Sobald der Leser weiß, wer der Junge ist, wie er aussieht, was er tut, kann durch einen Dialog Spannung aufgebaut werden. Derselbe Dialog am Anfang eines Textes würde verpuffen.

Auch wenn viele, gerade junge Autoren der Ansicht sind, mit einem Dialog gleich mitten in die Geschichte hineinzuspringen, rät Benjamin Percy also dringend davon ab. Sich aus der realen Welt mit ihren unzähligen Ablenkungen in die kleine Welt einer Kurzgeschichte zu begegebn, sei immerhin schon schwierig genug. Machen wir es den Lesern nicht komplizierter als unbedingt nötig.

Hier geht's zum (englischsprachigen) Originalpost von Benjamin Percy: glimmertrain.com/b67percy.html

Kommentare:

  1. Hey,
    die Idee finde ich sehr interessant.
    Ich schreibe ja selbst und stelle fest, dass ich mit einem Dialog auch oft leichter in die Geschichte komme. Oftmals finde ich es gerade gut, wenn am Anfang nicht gleich alle Fragen geklärt werden. Gerade Dialoge machen Kurzgeschichten oft witzig, spritzig und keinesfalls langweilig.
    Natürlich bin ich dankbar für die Infos, frage mich aber trotzdem, ob du keine rechtlichen Probleme bekommst, wenn du die Sachen hier übersetzt und veröffentlichst.
    liebe Grüße deine Emma

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  2. Übersetzen und einfach neu posten geht nicht. Im Sinne des Urheberrechts muss eine "eigenständige schöpferische Leistung" des Textes im Vordergrund stehen. Was ich hier im Blog aber machen kann, ist, andere Blogs vorzustellen, deren Kernthemen weiterzugeben (das macht ja auch z.B. nach etlichen Rechtsstreits noch immer perlentaucher.de) und zu diskutieren. Wenn ich wirklich zitierend übersetze und nicht nur Fakten weitergebe, setze ich die meist kursiv. Aber solche wörtlichen Zitate müssen in einen eigenständigen Gesamttext eingebettet sein, in dem es aber eben um den original Blogbeitrag geht.
    Nicht anders funktioniert ja wissenschaftliches Arbeiten: Ideen (auf die es kein Copyright gibt) werden weitergetragen, im besten Fall ausdiskutiert und mit Quellenbelegen versehen.
    Da ich die Originalquellen ja angebe, kriegt der jeweilige Autor das im Normalfall schnell mit. Wenn ihm also meine "eigenständige Leistung" zu gering wäre, kann er mich schnell kontaktieren. Im Normallfall aber wird er sich über die Verlinkung wahrscheinlich freuen, da sie den Pagerank seiner Seite ebenso erhöht wie seinen Bekanntheitsgrad. (Zumal, wenn ich gleichzeitig noch Werbung für seine Bücher mache :-))

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