Freitag, September 14, 2012

Fröhlich lesen vom 13.09.2012

"Fröhlich lesen" ist die Büchersendung des MDR, die jeden Donnerstag zu später Stunde gesendet wird. Gastgeberin ist Susanne Fröhlich, daher der Name der Sendung. Diese Woche sind bei ihr Gunther Müller und Dr. Eckart von Hirschhausen zu Gast. Beide natürlich mit neuen Büchern.

Der neue Band von Hirschhausen heißt "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?" Kein Medikament ist wirksamer als die Liebe, so eine der Kernthesen Hirschhausens. Denn wir leben von der Zuwendung anderer. Wird uns diese versagt, gehen wir ein wie Blumen, die nicht gegossen werden. Doch Hirschhausen ist Realist genug, um zuzugeben, dass auch das Zusammenleben mitunter seine Tücken hat. So macht er von dem romantischen Ideal, dem viele immer noch anhängen, einige deutliche Abstriche. Natürlich mit dem bei ihm üblichen Augenzwinkern.

Auch Gunther Müller, der mit dem sonderbar klingenden Band "Fette Vögel gehen öfter fremd" reüssiert, kennt einige ungewöhnliche Fakten zur Liebe. So zitiert er eine Studie, welche die Gemeinsamkeiten von Liebe und Drogensucht herauszufinden versuchte. Mittlerweile ist die Wissenschaft ja so weit, dass sie sich zunehmend der Hirnforschung zuwendet. So wurden auch Gehirnscans von Liebenden genommen - und es stellte sich heraus, das - gerade in den Anfängen der Liebe - ganz ähnliche Zentren dabei angesprochen werden wie eben bei der Sucht.

Übrigens funktioniert das auch andersherum. So ist es laut Hirschhausen durchaus möglich, an gebrochenem Herzen zu sterben. Den die Symptomatik nach einer Trennung kann durchaus die gleiche sein wie bei einem Herzinfarkt, selbst wenn das Herz völlig in Ordnung ist. Und letztlich, so unterstreicht auch er, sei Liebe eben zunächst ein wahnhafter Zustand, der zwar für die Liebenden angenehm, für alle anderen aber meist ziemlich nervig ist. Denn natürlich erkennt die Umwelt, dass da jemand dem schönen Schein aufsitzt und den Bezug zur Realität ein ganzes Stück weit ausgeblendet hat.

Um es kurz zu machen: Frisch Verliebte sind im wahrsten Sinne des Wortes gedopt. Die Ausschüttung des Hormons Dopamin ist für ihren wahnhaften Zustand verantwortlich. Daneben gibt es noch das Oxytocin, das mehr für das Kuschlige, das stille Glück zuständig ist. Aber macht es deswegen Sinn, gegen den Wahn ein wenig Serotonin einzuwerfen, fragt Müller. In Antidepressiva beispielsweise befindet sich solches Serotonin. Und es ist mittlerweile durch Studien belegt, dass darunter nicht nur das Sexualleben leidet, sondern eben auch die romantische Liebe.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse Hirschhausens: Die Liebe, wie wir sie kennen, war entwicklungspsychologisch nicht für die partnerschaftliche Liebe gedacht, sondern sollte den Zusammenhang Mutter-Kind sicherstellen. So wird auch relativ leicht erklärbar, warum wir mit Liebe immer wieder Vorstellungen bedingungsloser Annahme verbinden, paradiesische Bilder, die in der Realität erwachsener Beziehungen wenig Platz finden. Denn wer ist schon bereit, sich langfristig derart bedingungslos hinzugeben und für das Wohlbefinden seines Partners zu sorgen wie eine durchschnittliche Mutter das tut.

Von dem Klischee, ein Gewitter reinige die Luft, hält Hirschhausen in der Liebe übrigens gar nichts. Meist kommen bei solchen Streitereien Dinge ans Licht, die langfristig die Beziehung belasten. Vieles von dem, was wir in solchen Situationen sagen, ist letztlich wenig reflektiert und tut uns schon wenig später leid. Deswegen sein wichtigster psychologischer Tipp: Es gar nicht erst bis zu dieser Eskalation kommen lassen!



Homepage der Sendung: http://www.mdr.de/froehlich-lesen/index.html

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