Montag, September 24, 2012

Lesezeichen vom 23.09.2012

"Lesezeichen" ist das Büchermagazin des Bayerischen Rundfunks. Der große Vorteil: Diese Sendung erscheint wöchentlich. Diesmal hänge ich leider komplett hinterher. Werde versuchen, mich zu bessern.

Ähnlich wie Denis Scheck bei "Druckfrisch" versuchen auch die Macher von "Lesezeichen" mit den Leuten von der Straße in Kontakt zu kommen und von ihnen zu erfahren, was diese gerade lesen. In der Sendung vom 23.09.2012 kamen so folgende Titel als zufälliger Querschnitt durch die Lesegewohnheiten heraus:

E.L.James: Shades of Grey

Ein etwas älterer Bericht, den ich schon in einem anderen Literaturmagazin gesehen habe. Aber da gerade der zweite Band der Trilogie auf den Markt kam und der dritte für den 24. Oktober angekündigt ist, hat die Redaktion von "Lesezeichen" noch einmal zugeschlagen. Sie stellt die alte Frage, warum ein Buch, das eigentlich keiner wirklich mag, es schaffen kann, sich derart in die Spitzen der Bestsellerlisten zu katapultieren. Am gewagten Sex kann es nicht liegen, denn auf den ersten dreihundert Seiten passiert diesbezüglich so gut wie gar nichts. Und auch danach ist die Erotik eher verhalten beschrieben. Im Filmbericht zitiert wird unter anderem Denis Scheck, der meint: "Dieses Machwerk ist so blöd und so strunzdumm" und im Original, das für diesen Bericht leider gekappt wurde, hofft, das Buch möge in Deutschland möglichst keine Leser finden. Stefan Gieck von der Thalia-Buchhandlung hingegen prognostiziert einen langanhaltenden Erfolg: Drei Bände, eine mögliche Verfilmung - da ist langanhaltende Publicity vorprogrammiert. Zumal es ein Buch ist, über das sich die Medien das Maul zerreißen.

Mehrteiliges Werk James, E. L.: Shades of Grey. - München : Goldmann
Teil Shades of Grey - Gefährliche Liebe: Band 2 - Roman
Ausgabe 3. Aufl.
Erscheinungsjahr 2012
Umfang/Format 603 S.
Gesamttitel Goldmann ; 47896
ISBN/Einband/Preis 978-3-442-47896-5 kart. : EUR 12.99 (DE), EUR 13.40 (AT), sfr 18.90 (freier Pr.)
3-442-47896-0
EAN 9783442478965
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Hörbuch
Hörbuch Download
Leseprobe randomhouse.de

Ingo Schulze: Unsere schönen neuen Kleider

Laut Angela Merkel leben wir in einer marktorientierten Demokratie. Ingo Schulze hält tatkräftig dagegen: Wenn wir das Volk sind - warum richtet sich dann die Demokratie nicht auf uns, sondern auf die wenigen Großkapitalisten aus, die unseren Markt beherrschen? Wie wäre es also mit demokratiekonformen Märkten? Offensichtlich ist unser Gemeinwesen doch längst durch die Ökonomie fremdbestimmt. Kann es richtig sein, dass Gewinne privatisiert, Verluste jedoch auf die Gemeinschaft umgelegt werden, wie es derzeit bei der Finanzkrise geschieht? Ingo Schulze hinterfragt in seinem Buch ein paar dieser augenscheinlichen Selbstverständlichkeiten. Und nicht umsonst wählt er für seine Kampfschrift einen dem Märchen entlehnten Titel. Es ist an der Zeit, dass endlich mal jemand den Mund aufmacht und sagt, was alle längst denken: Wir sitzen Schwindlern auf, die behaupten, sie würden etwas Hochwertiges produzieren. Dabei besteht ihr ganzes Tun darin, ökonomische Luftblasen entstehen zu lassen. Das schöne neue Gewand, dass sie uns weben, lässt uns nackt.

Die Tricks, die Hans Christian Andersen bloßlegt, funktionieren in der heutigen Finanzkrise noch genauso, sagt Schulze. Seine Analyse fördert wenig Neues zutage, das weiß er selber. Ob Bankenrettung oder Lobbyismus - unser politisches System ist eigentlich völlig absurd geworden, zumindest aus der Sicht des Bürgers. Aber es ist gut, dass ab und zu jemand diesen Wahnsinn hinterfragt.

Titel Unsere schönen neuen Kleider: Gegen eine marktkonforme Demokratie - für demokratiekonforme Märkte / Ingo Schulze
Person(en) Schulze, Ingo
Verleger München : Hanser Berlin
Erscheinungstermin 30. Juli 2012
Umfang/Format 79 S. ; 19 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-446-24091-9 kart. : EUR 10.00 (DE), EUR 10.30 (AT), sfr 14.90 (freier Pr.)
3-446-24091-8
Bestellnummer(n) 516/24091
EAN 9783446240919
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe hanser.de

Peter Probst: Im Namen des Kreuzes


Ein Krimi um den sexuellen Missbrauch von Jugendlichen, die sich in einer kirchlichen Verwahranstalt befinden. Das klingt sehr zeitnah, so, als würde da ein Autor auf ein tagesaktuelles Thema aufspringen und dieses zu einem Roman verbraten. De facto haben die jüngsten Fälle von Missbrauch Peter Probst fast dazu gebracht, sein Romanprojekt abzubrechen. Denn begonnen hatte er sein Buch, noch bevor diese Fälle bekannt wurden. Aber seine Lektorin überzeugte ihn davon, dass mit dem Krimi etwas geleistet werden konnte, was die Medien so nicht schafften: Nämlich einen Blick zu werfen auf Hintergründe und Befindlichkeiten, auf Zusammenhänge und Einzelschicksale.

Nun ist das kirchliche Internat, in dem Probst die Handlung ansiedelt, tatsächlich nur eine Erfindung, jedoch als Mosaik zusammengesetzt aus diversen fundamental-christlichen Anstalten, die es auch in realita gibt. Bei seinen Recherchen hat er mit verschiedenen Betroffenen gesprochen und so ein gutes Gespür für die Nöte der Opfer bekommen. Auch im Hinblick auf die Strafvereitelung leistet der Roman Aufklärungsarbeit. Er zeigt Strukturen auf, die es den ermittelnden Beamten sehr schwer machen, Licht ins Dunkle zu bringen. Denn gerade Ordensgeistliche sehen sich oft zuerst ihren Vorgesetzten verantwortlich und nicht der weltlichen Obrigkeit. Natürlich lassen sich auf diesem Wege Ereignisse leicht vertuschen.

Ganz nebenbei zeigt Peter Probst auch die absolute Abhängigkeit der Jugendlichen auf, die sich in solch konservativ-fundamentalistischen Kreisen aufhalten. Er zeigt, wie charismatische Menschen die Jugendlichen instrumentalisieren und über solch weltfremde Strukturen den Missbrauch so einfach machen. Damit wird das Buch auch zu einem Statement über den christlichen Fundamentalismus, der bei der aktuellen Debatte so gern ausgespart wird.

Titel Im Namen des Kreuzes: Schwarz ermittelt ; Kriminalroman / Peter Probst
Person(en) Probst, Peter
Ausgabe Orig.-Ausg.
Verleger München : Dt. Taschenbuch-Verl.
Erscheinungstermin 1. März 2012
Umfang/Format 252 S. ; 20 cm
Gesamttitel dtv ; 21350
Anmerkungen Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis 978-3-423-21350-9 kart. : EUR 8.95 (DE), EUR 9.20 (AT), sfr 13.90 (freier Pr.)
EAN 9783423213509
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe dtv.de

Michael Lange: Wald


Ruhige Fotos sind das Markenzeichen von Michael Lange. Der Überflutung durch Gewalt auf Bildern steht er sehr skeptisch gegenüber. Deswegen hat es ihn in den Wald gezogen. Drei Jahre lang hat er sich dort auf die Suche nach der Ruhe gemacht. So schaffte er sich einen Gegenpol gegen die Unsicherheit der Zeit. Stille als kleine Flucht. Am liebsten fotografiert der Odenwäldler, der heute in Hamburg lebt, bei trüben Wetter. Denn bei Sonne wird ihm der Wald bereits wieder zu aufregend. So entstehen die meisten seiner Bilder in der Dämmerung, viele sogar im Regen. Die Farben treten zurück, die Stimmung bekommt etwas Weiches, erinnert ein wenig an Nebelgemälde der Romantik. So überträgt sich etwas von dieser Ruhe auch auf den Betrachter des Bildbandes. Zeit abzuschalten, wenn gerade keine Zeit für einen Spaziergang im Wald zur Verfügung steht.

Titel Michael Lange. Wald. Text: Wolfgang Denkel ; Christoph Schaden [Hrsg. Markus Hartmann. Übers.: Mignon Remé ; Hans Meierhuber]
Person(en) Lange, Michael ; Denkel, Wolfgang [Mitarb.]
Verleger Ostfildern : Cantz
Erscheinungsjahr 2012
Umfang/Format [80] S. : überw. Ill. ; 27 x 35 cm
Anmerkungen Text dt. und engl.
ISBN/Einband/Preis 978-3-7757-3355-7 Pp. : EUR 45.00 (DE) (freier Pr.)
3-7757-3355-8
Bestellnummer(n) 317/03355
EAN 9783775733557
Sprache(n) Deutsch (ger), Englisch (eng)
Schlagwörter Lange, Michael ; Naturphotographie ; Deutschland ; Wald ; Dämmerung ; Geschichte 2009-2011 ; Bildband

Homepage der Sendung: http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/lesezeichen/index.html


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen