Donnerstag, November 15, 2012

Frisch ausgepackt 15.11.2012

Da ich mich lange, lange Zeit in der christlichen Szene herumgetrieben und sogar eine Zeitlang Theologie studiert habe, gibt es bei Shakespeare and more auch eine eigene Abteilung mit christlicher Literatur. Dabei habe ich mich theologisch nie vereinnahmen lassen. Landeskirche, Evangelikale, Charismatiker - überall habe ich mich über Jahre hinweg engagiert, um zu sehen, was es mit den Gemeindeleben dort auf sich hat. Wie Paulus schon sagte: "Prüfet alles, das Gute behaltet". Das führte dazu, dass sich bei mir eben auch zahlreiche Bücher christlicher Autoren anhäufen. Hier eine kleine Auswahl:

Helmut Matthies (Hg.): Die Medien-Herausforderung. Christen und die Publizistik


"Eine Bilanz protestantischen Medienschaffens in den 90er Jahren" nennt der Verlag das Buch. Mittlerweile sind wir zwei Schritte weiter. Die öffentlich-rechtlichen Programme bringen noch immer Sonntagmorgens einen Gottesdienst, und wem das nicht fromm genug ist, der kann entweder bei den Lokalsendern hineinzappen, die oft genug die Gottesdienste örtlicher Freikirchen übertragen. Oder sie können sich von inzwischen mehreren religiösen Vollprogrammen ihre geistige Nahrung holen. In den 90ern war der ERF, der Evangeliumsrundfunk Wetzlar da noch Vorreiter. Mittlerweile ist für viele Christen, nicht zuletzt durch die Verbreitung von Kabelsendern, ein Traum Wirklichkeit geworden.

20 Beiträge zur Medienherausforderung sind in diesem Band versammelt. Evangelikale Urgesteine wie Horst Marquart (dem das Buch übrigens zum 65. Geburtstag gewidmet wurde) finden sich dort ebenso wie Peter Hahne, Ulrich Eggers oder Jürgen Werth. In dem Buch wird über Anspruch und Wirklichkeit der christlichen Medienarbeit nachgedacht, über die teils sonderbaren Blüten im christlichen Büchermarkt (im Beitrag "Glaubensschwund und Medienmüll"), über die christliche Zeitschriftenlandschaft und die Ethik im Journalismus. Ein Rückblick auf die Anfänge des christlichen Privatfunks steht neben Berichten über den ERF und den konservativ-evangelischen Informationsdienst idea.

Macht das Buch heute, fast zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung, noch Sinn? Ich glaube, es ist immer gut, einmal für einen Moment innezuhalten und zu schauen, wo man ursprünglich hinwollte und wo man gelandet ist. Die Grundsatzfragen sind ohnehin die gleichen wie damals: Wo wollen wir hin im Medienbereich? Was wollen wir vermitteln? Wie können wir die Menschen erreichen?

Titel Die Medien-Herausforderung : Christen und die Publizistik / Helmut Matthies (Hrsg.)
Person(en) Matthies, Helmut [Hrsg.]
Verleger Giessen ; Basel : Brunnen-Verl.
Erscheinungsjahr 1994
Umfang/Format 176 S. : graph. Darst. ; 21 cm
ISBN/Einband 3-7655-5724-2 kart.
Schlagwörter Massenmedien ; Evangelische Kirche ; Aufsatzsammlung
Zustand gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/helmut-matthies-die-medienherausforderung-p-1821.html

Jakob Kroeker: Jesaja I (Jesaja 1-39)


"Diese Auslegungsreihe will die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge und die Lebensprinzipien des Alten Testaments für den Bibelleser heute aufschließen und verständlich machen.
Bei den meisten alttestamentlichen Texten wird dabei versweise und unter Benutzung einer eigenen Übersetzung aus dem Grundtext vorgegangen. Das erleichter den Gebrauch der Auslegungsreihe für den Mitarbeiter im Verkündigungsdienst. Andere biblische Bücher werden stärker im Überblick und mit Hinweis auf die geschichtliche Situation der Umwelt dargestellt.
Jeder Band ist in sich abgeschlossen und auch einzeln erhältlich.
«Das lebendige Wort» will zum Bibelstudium anleiten. Es ist ein wertvolles Hilfsmittel für Mitarbeiter in der Gemeinde, im Haus- und Jungendkreis."

So viel zum Rückseitentext des Buches. Ich weiß heute gar nicht mehr genau, warum ich mir die beiden Jesaja-Bände aus der Reihe "Das lebendige Wort" gekauft habe. Wahrscheinlich war irgendein alttestamentliches Seminar dafür verantwortlich. Und wahrscheinlich hat mir irgendjemand von dieser Reihe vorgeschwärmt, denn Jesaja-Kommentare gibt es zuhauf. Die Reihe richtet sich an kirchliche Mitarbeiter, also an fortgeschrittene Laien, ist locker geschrieben, dabei inhaltlich aber sehr dich an der Heiligen Schrift ausgerichtet.

In diesem ersten Band geht es um
  • Das Weltgeschehen zur Zeit der großen Propheten
  • Die prophetische Offenbarungsschau über Juda und Jerusalem
  • Die fremden Völkerschaften und deren Gerichtszukunft
  • Die eschatologische Botschaft und ihre Glaubenserwartung
  • und ein paar geschichtliche Details (Sanherib und Hiskia)
Mehrteiliges Werk Jesaja. - Giessen : Brunnen-Verl.
Teil Teil 1. Jesaja 1 - 39 : Immanuel u.d. Völker / Jakob Kroeker. Überarb. u. erg. von Hans Brandenburg
Person(en) Kroeker, Jakob [Mitverf.] ; Brandenburg, Hans [Bearb.]
Ausgabe 4. Aufl.
Erscheinungsjahr 1982
Umfang/Format VIII, 224 S.
Gesamttitel Das lebendige Wort ; Bd. 5
Zustand gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/jakob-kroeker-jesaja-139-p-1822.html

Hans Brandenburg: Jesaja 40-66 - Das Trostbuch Gottes


Und gleich noch der zweite Band zu Jesaja hinterher. Da über die Reihe selbst schon oben genug gesagt wurde, hier ein paar Zeilen aus dem Vorwort:

"Das prophetische Buch, das wir in den Kapiteln 40-66 des Jesaja haben, gehört zu den reichsten Schätzen des Alten Testaments. Nirgends - auch nicht in den Psalmen - reicht die alttestamentliche Offenbarung so hoch hinauf bis an die Grenze neutestamentlicher Erkenntnis wie hier. Jesus selbst erwähnt oft Worte aus diesem Buch. Rund 170 wörtliche oder angedeutete Zitate aus diesen Kapiteln zählt das griechische Neue Testament (...) Der Prophet, der hier spricht, ist der Evangelist des Alten Testaments. Hier lesen wir jene Vokabeln, die bedeuten: "die frohe Botschaft verkündigen". Hier offenbart sich der Heilige als der Erlöser. Hier erscheint auch das in vieler Hinsicht so rätselhafte Bild des leidenden Gottesknechts. Hier wird schließlich der großartige Ausblick in die vollendete Erlösung durch die Erneuerung der Welt dem Auge des Glaubenden gezeigt."

Aus dem Inhalt:
  • Der Prolog (Kap. 40)
  • Die Erlösung aus der Babylonischen Gefangenschaft durch den Perserkönig Koresch (Kap. 41-48)
  • Die Erlösung aus der Sünde durch den Knecht Gottes (Kap. 49-55)
  • Gottes Schenken weckt die Buße (Kap. 56-59)
  • Die ewige Erlösung (Kap. 60-66)

Mehrteiliges Werk Jesaja. - Giessen : Brunnen-Verl.
Teil Teil 2. Jesaja 40 - 66 : d. Trostbuch Gottes / Hans Brandenburg
Person(en) Brandenburg, Hans [Mitverf.]
Ausgabe 3. Aufl.
Erscheinungsjahr 1982
Umfang/Format VIII, 214 S.
Gesamttitel Das lebendige Wort ; Bd. 6
Anmerkungen Früher als: Das lebendige Wort ; Bd. 5
Zustand gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/hans-brandenburg-jesaja-40-66-trostbuch-gottes-p-1823.html

Theologisch nicht ganz so schwergewichtig geht es weiter mit drei Kurzauslegungen zu den Evangelien. Irgendwo schwirrt auch noch der Lukas-Kommentar herum, ist aber blöderweise nicht in der Kiste, wo er sein soll. Ich reiche ihn ggf. nach.
Los geht es mit Matthäus:

Frederick Fyvie Bruce: Das Matthäus-Evangelium


"Dieser Kurzkommentar will geschichtliche Hintergründe aufzeigen, schwerverständliche Verse erklären und die wichtigsten Aussagen des jeweiligen Abschnittes in den Zusammenhang des gesamten Evangeliums rücken. Er ist als Anleitung für ein dreimonatiges, systematisches Studium des Matthäus-Evangeliums gedacht und möchte zu einem besseren Verständnis dieses Buches der Bibel verhelfen.
Die an jedes Kapitel anschließenden Fragen, Anmerkungen und Denkanstöße können vom einzelnen oder in gemeinsamer Gruppenarbeit verarbeitet werden. Deshalb ist diese Kurzauslegung auch besonders hilfreich für Kinder- und Jugendarbeit, Hausbibelkreis und Bibelstunde.
F. F. Bruce ist Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität von Manchester, England."

So heißt es auf dem Rückumschlag des Bandes, der zusammen mit dem Bibellesebund herausgegeben wurde. Bibelkritisches erwartet man beim Brockhausverlag vergebens. Ziel ist eher, die Evangelien zu harmonisieren und Widersprüche so textimmanent wie möglich zu erklären. Zielgruppe sind somit auch weniger Landeskirchler, als Mitglieder von evangelikalen Freikirchen. Wer aber einen ersten Einblick in das Matthäusevangelium bekommen und sich noch nicht in theologische Untiefen begeben will, ist mit diesem Band gut beraten.

Titel Das Matthäus-Evangelium / F. F. Bruce. [Aus d. Engl. von Fritz Schwan]
Person(en) Bruce, Frederick F.
Verleger Wuppertal : Bibellesebund für Deutschland u. d. Schweiz
Wuppertal : Brockhaus
Erscheinungsjahr 1973
Umfang/Format 127 S.; ; 19 cm
Gesamttitel Kurzauslegung zum Neuen Testament
R.-Brockhaus-Taschenbücher ; 1039 : [Sonderausg.]
Einheitssachtitel Saint Matthew ‹dt›
ISBN/Einband 3-417-00452-7 kart.
Schlagwörter Matthäusevangelium
Sachgruppe(n) Religion, Theologie
Zustand gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/bruce-das-matthaeus-evangelium-p-1824.html

I. Howard Marshall: Das Markus Evangelium


Über das Konzept der Reihe habe ich ja oben schon etwas gesag. Der vorliegende Band zum Markusevangelium soll laut Macher im Rahmen eines zweimonatigen Studiums zu verwenden sein. Bei dem Buch handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen, die im Original in der Reihe "Bible Study Books" der Scripture Union, London, herausgekommen ist. Dr. I. H. Marshall, der Autor dieses Bandes, ist oder war zumindest Lektor für neutestamentliche Exegese an der Universität von Aberdeen, Schottland.

Hier noch ein paar Sätze aus dem Vorwort:
"Dieser Kurzkommentar soll Sie zur Heiligen Schrift hinführen und Sie zur weiteren eigenen Arbeit anregen. Er bietet Ihnen zwei Möglichkeiten: Sie können ihn als leichtverständlichen Kommentar zu bestimmten Fragen des Textes benutzen oder als Anleitung für ein zweimonatiges Studium des Markus-Evangeliums (in diesem Fall sollten Sie jeden Tag einen Abschnitt - bzw. zwei mit * gekennzeichnete Abschnitte - durcharbeiten).
Die meisten Bibelstellen sind der revidierten Lutherübersetzung (1956/64) entnommen. Wir empfehlen Ihnen, daneben noch eine andere Übersetzung heranzuziehen."

Titel Das Markus-Evangelium / I. H. Marshall. [Aus d. Engl. von Gerhard Heinrichs]
Person(en) Marshall, I. Howard
Verleger Wuppertal : Bibellesebund für Deutschland u. d. Schweiz
Wuppertal : Brockhaus
Erscheinungsjahr 1972
Umfang/Format 100 S.; ; 19 cm
Gesamttitel Kurzauslegung zum Neuen Testament
R.-Brockhaus-Taschenbücher ; Bd. 1031 : [Sonderausg.]
Einheitssachtitel Saint Mark ‹dt›
ISBN/Einband 3-417-00379-2 kart.
Schlagwörter Markusevangelium
Sachgruppe(n) Religion, Theologie
Zustand Leichter Randabrieb, sonst gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/marshall-markus-evangelium-p-1825.html

Robin E. Nixon: Das Johannes Evangelium


Auch dieser Band ist wieder entweder für ein zweimonatiges Bibelstudium geeignet oder kann als kurzer Kommentar zu einzelnen Textstellen genutzt werden. Wie auch in den anderen Bänden gibt es hier zu bestimmten Textabschnitten Fragen zum Weiterdenken, die für ein gemeinsames Studium etwa im Hausbibelkreis geeignet sind.

Ansonsten wirkt dieser Band eher wie eine zusammenfassende Nacherzählung denn wie ein Kommentar. Zentrale Bibelstellen sind dabei noch einmal zitiert, die eigentlichen Kommentare befinden sich hier jedoch in den kleingedruckten Anmerkungen, die es zu jedem Abschnitt gibt. Wie gesagt: Für den ersten Einstieg in das Evangelium völlig ausreichend, jedoch nichts für ein ernsthaftes Studium - meiner Meinung nach.

Titel Das Johannes-Evangelium / Robin E. Nixon. [Aus d. Engl. von Fritz Schwan]
Person(en) Nixon, Robin E.
Verleger Wuppertal : Bibellesebund für Deutschland u. d. Schweiz
Wuppertal : Brockhaus
Erscheinungsjahr 1973
Umfang/Format 117 S.; ; 18 cm
Gesamttitel Kurzauslegung zum Neuen Testament
R.-Brockhaus-Taschenbücher ; 1040 : [Sonderausg.]
Einheitssachtitel Saint John ‹dt.›
ISBN/Einband 3-417-00453-5 kart.
Schlagwörter Johannesevangelium
Sachgruppe(n) Religion, Theologie
Zustand gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/nixon-johannes-evangelium-p-1826.html

Und noch einmal ein Sprung zurück ins Alte Testament, zu Abraham:

Johannes Busch: Ausländer auf Befehl


Mit Johannes Busch (1905-1956) sind wir bei den Pietisten gelandet. Im Umschlagstext heißt es über ihn: "Seine Vorfahren waren Lehrer und Pfarrer in Elberfeld und auf der Schwäbischen Alb. Nach dem Theologiestudium erhielt er die erste Pfarrstelle in Witten. Als 29jähriger berief ihn der CVJM-Westbund zu seinem Bundeswart; gleichzeitig wurde er Landesjugendpfarrer der Bekennenden Kirche von Westfalen. Predigverbot während des Dritten Reiches und mehrmalige Verhaftungen durch die Geheime Staatspolizei ließen ihn dennoch nicht die Hände in den Schoß legen. Von 1940 bis 1945 war er als Soldat in Russland. Nach kurzer Gefangenschaft begann Johannes Busch 1945 mit großer Energie und unter vielen Opfern den Neuaufbau der evangelischen Jugendarbeit. Das eigentliche Zentrum seiner Arbeit war die Jungmänner-Evangelisation. Er bediente sich dabei, selbst auf die Gefahr hin, seinen theologischen Ruf zu riskieren, der Sprache der jungen Menschen von heute. Geprägt war seine Theologie von den Vätern des Pietismus, deren Anliegen der Bekehrung und Heiligung er in die veränderte Welt von heute zu übersetzen verstand."

Spannend finde ich in dem Zusammenhang das Vorwort des Buches, weil es viel über die Art zu denken zeigt, mit der Busch auf die Leute zugeht: "Der unerhörte Aufschwung der letzten Jahre kann doch nicht zudecken, dass die schwerste Wunde nicht heilen will. Wir haben keinen festen Grund mehr unter den Füßen; uns ist das Ziel entglitten, das ein Leben lebenswert machen könnte. Wir sind arme Leute geworden. Wir können nicht mehr glauben.
All die leidigen Tröster, die sich uns so lärmend aufdrängen, helfen ja auch nicht. Uns verlangt gar nicht nach neuen Weltanschauungen und Programmen. Leben wollen wir, wirklich leben! Und, wenn es einmal sein soll, getrost sterben.
Es hilft nichts, wir müssen die alten, verschütteten Brunnen wieder aufgraben. Hier quellen Ströme, an denen der so brennende Durst gelöscht wird. Darum ist das Lebensbild des Abraham so köstlich, weil es uns heute und hier den Weg zeigt, wie man im Glauben fröhlich und tapfer leben kann. Es ist eine gewaltige Sache, wie das Leben dieses Mannes dadurch entscheidend bestimmt wurde, daß ihn der Befehl des lebendigen Gottes überwältigte.
Es war eine wahre Entdeckungsreise, in das Leben dieses "Ausländers auf Befehl" einzudringen. Die alten Schwabenväter und heutige Ausleger waren Gehilfen dabei, denen ich viel zu danken habe.
Wie sehr wünsche ich diesen Blättern, daß sie ratlosen Menschen helfen, auch diese Entdeckungsreise zu versuchen. Wenn wir nur wieder wagen wollten, unserem Gott zu glauben und freudig zu gehorchen - ich bin gewiß -, dann hätten wir wieder mehr Mut zum Leben."

Titel Ausländer auf Befehl : Abraham und wir / Johannes Busch
Person(en) Busch, Johannes
Ausgabe 5. Aufl.
Verleger Wuppertal : Aussaat-Verlag
Erscheinungsjahr 1974
Umfang/Format 144 S.; ; 21 cm
ISBN/Einband 3-7615-0178-1 kart.
Schlagwörter Abraham ; Abraham ; Christen
Sachgruppe(n) Religion, Theologie
Zustand Umschlag nachgedunkelt und am Rand leicht stockig. Buch innen aber gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/johannes-busch-auslaender-auf-befehl-p-1827.html

Ode Lambrecht, Christian Baars: Mission Gottesreich

Fundamentalistische Christen in Deutschland


Der Titel führt in die Irre. Egal, wie radikal die Positionen der einzelnen evangelikalen oder charismatischen, bibeltreu freikirchlichen Gemeinden oder Gruppen auch sind: als fundamentalistisch würden sie alle sich nicht bezeichnen. Insofern werden sie sich durch dieses Buch, das einen guten Überblick über die radikal-christliche Szene in Deutschland gibt, auch nicht angesprochen fühlen. Dies ist das Kernproblem des Buches: Oda Lambrecht und Christian Baars sind Journalisten, ihr Blick kommt von außen, wird aber oft den theologischen Positionen und Feinheiten des Gemeindelebens nicht gerecht. Insofern mag "Mission Gottesreich" akribisch dokumentiert sein - doch kaum ein Evangelikaler wird sich darin wiederfinden.

Das Gleiche gilt für einige der Behauptungen des Buches. Sicher, die bibeltreuen Christen proklamieren immer wieder für sich, die Bibel wörtlich zu nehmen. Und dabei kommt es zu ungewöhnlichen Phänomenen wie dem Kreationismus. Aber wenn Baar und Lambrecht die Floskeln der Szene nachbeten, die fundamentalen Christen würden jegliches historisch-kritische Herangehen an die Bibel ablehnen, geben sie lediglich verbreitete Propaganda weiter. Das Problem der evangelikalen Szene ist ja eben, dass sie (mehr oder weniger wahllos) die historisch-kritische Keule immer dort ansetzen, wo diese ihr eigenes Weltbild unterstützt. So wird z.B. Paulus' Verhältnis zu Frauen oft und gern historisch-kritisch relativiert, um die aktive Rolle der Frauen in den Gemeinden zu legitimieren. Dieser pragmatische Umgang mit der Bibel als Legitimation der eigenen Weltanschauung wird von den Autoren leider nicht durchschaut. Statt dessen werden - oft im O-Ton - die Selbsteinschätzungen der Gruppen in den Mittelpunkt gerückt. Und die schrammen leider oft an der Wahrheit vorbei - auch wenn sie diese für sich proklamiert.

Auch ist den beiden Autoren ein gewisser Hang zur Manipulation nicht abzusprechen. Ganz offensichtlich hatten viele Gemeinden kein Interesse an einer Zusammenarbeit bei dem Projekt. Baars und Lambrecht geben oft auch unumwunden zu, keine Stellungnahmen der jeweiligen Gemeinden bekommen zu haben. So weit, so gut. Absurd wird es, wenn in dem Zusammenhang dann bei jedem Absatz neu angefügt wird, dass ein Prediger zu diesem speziellen Problem keine Auskunft gegeben habe. Richtig sicher insofern, da er sich überhaupt nicht geäußert hat. Unsinnig aber, weil es den Sachverhalt verfälscht: den beiden war es eben nicht gelungen, die Person überhaupt zu einem Gespräch oder einem Kommentar zu bewegen. Dies aber ist etwas grundsätzlich anderes als zu einem bestimmten Thema die Aussage verweigert zu bekommen, wie oft im Text suggeriert wird.

Dabei wäre eine tiefere Analyse der evangelikal-charismatischen Szene in Deutschland dringend nötig. Freikirchliche Gemeinden und Gruppen gibt es zuhauf. Über eine Million evangelikale Christen soll es in Deutschland geben. Für jede der Gemeinden gibt es eine ganze Reihe von Ehemaligen, die an den selbstgerechten Kodizees der Gemeindeleitung gescheitert sind - und von daher Übles zu berichten wissen. Diese kommen in "Mission Gottesreich" zahlreich zu Wort. Sie berichten von ihren Erfahrungen, von sozialen und gruppenpsychologischen Prozessen, zuweilen auch von obskuren Praktiken. Hier wäre ein Blick von innen hilfreich, ein Versuch zu verstehen, wie es überhaupt zu solch radikalen Tendenzen kommen kann. Leider fehlt dieser Schritt weitestgehend. Die Autoren begnügen sich im Aufzeigen - und greifen damit zu kurz. Hier wäre es hilfreich gewesen, den Abgrund zwischen Anspruch und Wirklichkeit radikaler Gemeinden aufzuzeigen - eine Diskrepanz, für die bei dem Konzept der Freak-Show, mit dem die Autoren Baars und Lambrecht an das Thema herangehen, kein Platz bleibt. Ihr Ansatz funktioniert nur insoweit, als sie die Auswüchse fundamentalistischen Christentums als rein soziologisches Phänomen betrachten. Die Probleme eines christlichen Fundamentalismus unter der Voraussetzung einer Existenz Gottes bleiben außen vor, und sei es als Gedankenspiel. Aber kann ein Buch funktionieren, wenn es schon die Grundannahme des zu beschreibenden Gebietes nicht ernst nimmt? Insofern wundert es nicht, wenn das Buch für Mitglieder von freikirchlichen Gruppen bzw. deren Angehörigen kaum greifbare Ansatzpunkte bietet.

So wird Lambrecht und Baars "Mission Gottesreich" zu einer vergnüglichen Sight-Seeing-Tour, die auf knapp 250 Seiten eine Menge wirrer Phänomene abgrast, die interessantesten Schauplätze der deutschen evangelikalen Szene ansteuert, mit vielen O-Tönen kurz verweilt, um dann zum nächsten Thema überzugehen. Das ist amüsant, an manchen Punkten auch erschreckend. Aber es bleibt sehr an der Oberfläche. Das Buch reiht sich nahtlos ein in Reportagen wie "Jesus Camp" oder "Religulous". Es verschafft Einblicke, schafft einen gewissen Schauer über nicht nachvollziehbare Praktiken, bleibt dabei aber in der Rolle der Freak-Show stecken. Weder gelingt es ihm, die Positionen der christlichen Fundamentalisten wirklich transparent zu machen, noch reicht es für eine system-immanente Kritik des bibeltreuen Glaubenslebens. Damit grenzt sich die Zielgruppe für dieses Buch enorm ein. Für Angehörige oder Betroffene, die sich zu lösen versuchen, ist es zu oberflächlich, für Aktive fehlt die Auseinandersetzung mit den inneren Widersprüchen und Fachleuten werden den wissenschaftliche Ansatz (egal ob theologisch, soziologisch, psychologisch oder gar inter-disziplinär) vermissen. Gut ist es, um sich einen ersten Einblick über das Thema zu verschaffen. Wer Bill Mahers Film "Religulous" mochte, wird auch hier eine Menge Grund zum Kopfschütteln finden.

Titel Mission Gottesreich : fundamentalistische Christen in Deutschland / Oda Lambrecht ; Christian Baars
Person(en) Lambrecht, Oda ; Baars, Christian
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Berlin : Links
Erscheinungsjahr 2009
Umfang/Format 246 S. ; 21 cm
ISBN/Einband 978-3-86153-512-6 kart.
EAN 9783861535126
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Deutschland ; Fundamentalismus ; Christentum
Zustand sehr gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/lambrecht-baars-mission-gottesreich-p-1828.html

Einen habe ich noch:

C. S. Lewis: Das Gespräch mit Gott


Von C. S. Lewis habe ich neulich ja bereits auf die Perelandra-Reihe hingewiesen. Und dass er der Autor der Narnia-Bücher ist, weiß ohnehin jeder. Weniger bekannt ist, dass er ein enger Freund von Tolkien war und "Der Herr der Ringe" etwa zeitgleich mit den Narnia-Bänden entstand, wobei die beiden Autoren abends oft am Feuer zusammensaßen, um sich über ihre Ideen auszutauschen.

Noch weniger bekannt ist, dass Lewis einst ein Buch über die Psalmen schrieb, das mittlerweile zu den "Klassikern der Meditation" zählt. "In diesem Buch beschäftigt sich der Dichter auf eine unkonventionelle und erfrischende Art mit den Psalmen. Er schildert den Psalmisten als Urbild es Menschen in seinem Gespräch mit Gott: Als einen Menschen, der wie jeder andere sich selbst bemitleidet, der fordert und bittet und sich in seinen Freudesstimmungen und in seiner Verzweiflung, in seiner Bosheit und seiner Güte, au seiner gesamten menschlichen Verstricktheit Gott mitteilt.
Die Bemerkungen Lewis' zu den Psalmen sind Ausdruck echter, aber unkonventioneller Gläubigkeit. Sie geben dem Menschen unserer Zeit in leicht lesbarer Sprache einen schöpferischen Einblick in den tiefen und zeitlosen Sinn der Psalmen", heißt es auf dem Rückumschlag.

Titel Das Gespräch mit Gott : Gedanken zu d. Psalmen / C. S. Lewis. [Aus d. Engl. übers. von Alfred Kuoni]
Person(en) Lewis, Clive S.
Ausgabe Leicht gekürzter Nachdr. d. 1959 erschienenen Ausg.
Verleger Zürich, Einsiedeln, Köln : Benziger
Erscheinungsjahr 1978
Umfang/Format 172 S. ; 19 cm
Gesamttitel Reihe Klassiker der Meditation
Einheitssachtitel Reflections on the psalms ‹dt›
ISBN/Einband 3-545-20510-X kart.
Schlagwörter Psalmen
Sachgruppe(n) Religion, Theologie
Zustand minimaler Randabrieb, sonst gut erhalten
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/lewis-das-gespraech-mit-gott-p-1829.html

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