Samstag, November 24, 2012

Frisch ausgepackt 24.11.2012

Wo decken sich eigentlich Science-Fiction-Freunde mit Stoff ein? Deren Welt ist mir ziemlich fremd. Deswegen erscheint mir jeder SF-Roman, den ich aus einer einer Kisten ziehe, als unbekannte Welt, in die ich mich erst einmal einfuchsen muss. Manchmal stoße ich beim Lesen des Klappentextes oder den weitergehenden Recherchen auf kleine Perlen, manchmal bin ich auch nur irritiert. Ziemlich spannend finde ich die Story, die David Walker in seinem Roman The Lord's Pink Ocean erzählt, von einer Zukunft auf der Erde, in der die Meere verseucht und das ganze Ökosystem aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dystopie nennt sich so ein Entwurf wohl. Zwei Familien, die in einem der letzten bewohnbaren Täler in Nordamerika wohnen, bekriegen sich bis aufs Blut, nicht zuletzt im Kampf um die Ressourcen.

Über das Genre des Romans Helliconia Winter von Brian Aldiss kann ich überhaupt nichts sagen. Das Buch ist der dritte Teil einer insgesamt 1700 Seiten starken Trilogie, die Aldiss in den Jahren 1981 bis 1985 verfasste. Es  beschreibt eine Welt in einem Doppelsternsystem mit jahrhundertelangen Jahreszeiten. Hauptthema ist der Aufstieg und Fall von Zivilisationen im Verlauf dieser Klimazeiten; es gibt Hinweise auf ein zyklisches Wiederkehren der immer gleichartigen Kulturkreise. Dieses Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem da es einen neuen Maßstab in der Erfindung einer phantastischen Welt darstellt. Im dritten Teil kehrt der Winter in Helliconia ein - was aus naheliegenden Gründen der Anbruch einer neuen Eiszeit ist. Trotz des Settings soll Aldiss ein gutes Gespür für Figurenzeichnungen haben. Vielleicht also tatsächlich eine spannende Lektüre für lange Winterabende.

Spannend fand ich auch die Cover-Beschreibung von  James A. Micheners Roman Die Bucht. Über Michener bin ich schon häufiger gestolpert. Was er anpackt, scheint immer spannend und gründlich recherchiert zu sein. Und die meisten Rezensenten sind von seinen Büchern nach wie vor begeistert. In diesem Roman beschreibt er die Geschichte der Chesapeake-Bucht an der Ostküste der Vereinigten Staaten - und zwar über vier Jahrhunderte hinweg, von der Zeit der Indianer über das Eintreffen der weißen Siedler bis zum Watergate-Skandal. Ein Unternehmen, an dem man sich leicht die Finger hätte verbrennen können, das Michener jedoch ziemlich bravourös gemeistert zu haben scheint. 925 Seiten nimmt er sich Zeit - und auch das klingt nach idealer Lektüre, um für eine Zeitlang in eine andere Welt abzutauchen.

Irving Wallace  (1916-1990) war US-amerikanischer Bestseller- und Drehbuchautor. Die Story von Der Preis klingt ein wenig aufgesetzt. Es geht um die Entführung eines Nobelpreisträgers, um den Einsatz eines Doubles und überhaupt wirkt alles sehr verworren, mit einer Menge Hauptfiguren, deren Erlebnisse im Umfeld der Preisverleihung beschrieben werden. Soll aber unglaublich spannend sein, wenn man dem Gros der Rezensenten glauben will. Und informativ noch dazu. In Zusammenarbeit mit bekannten Nobelpreisträgern und dem Nobelpreiskomitee hat Wallace eine Fülle von Fakten verarbeitet, die der frei erfundenen Romanhandlung den authentischen Hintergrund geben. Offizielle Bankette und geheime Intrigen, die Auswahl von Kandidaten und der Ablauf einer Preisverteilung beschreibt er, liefert Exkurse über den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel und die Geschichte des von Nobel gestifteten Preises und kritisiert die Entscheidungen der Schwedischen Akademie, die beispielsweise in den ersten 60 Jahren der Nobelpreisgeschichte 31 Skandinavier ausgezeichnet und jahrzehntelang antiamerikanisch und prodeutsch votiert habe. Warum also nicht? Ein wenig Hintergrundwissen um einen der weltweit wichtigsten Preise, spannend verpackt mit der typischen Mischung aus Sex and Crime.

Und sonst? Zahlreiche Sachbücher, unter anderem zu Psychologie und Gesundheit. Etwa zwei Titel zum Thema Wechseljahre der Frauen, eins über mentale Techniken für Krebspatienten (Wieder gesund werden) und noch mal eines von Joseph Murphy über Die Macht Ihres Unterbewußtseins. Daneben die berühmte Sammlung Hühnersuppe für die Seele mit kurzen Texten, die das Herz erwärmen sollen. Solche Titel eben. Wer will, kann wie immer unter Frisch eingestellt einen Blick auf alle Bücher werfen, die heute neu reingekommen sind und ein wenig weiterstöbern. Euch einen schönen Sonntag!

Kommentare:

  1. Als SF-Fan ist es gar nicht so schwer, sich mit neuem Stoff zu versorgen - kaum ein Genre ist von den Fans bibliografisch so gut erschlossen worden... bis in die kleinsten Heftreihen hinein.
    Problematisch ist es vielmehr, die Spreu vom Weizen zu trennen. Da gibt es ganze Buchreihen verschiedener Verlage, die jedenfalls ich nicht mehr vorurteilsfrei anrühren kann.
    BTW: Danke für den Hinweis auf 'The Lord's Pink Ocean'. Der Roman ist zu den 800 anderen Titeln auf unsere Liste dystopischer Romane gewandert :)

    AntwortenLöschen
  2. Gern :-) Hast du denn einen Tipp für mich, an welche Verlage zu halten sich als SF-Neuling lohnt und von welchen man sich lieber fernhalten sollte?

    AntwortenLöschen
  3. Das ist natürlich Geschmackssache... aber ich finde z.b. die "Science Fiction"-Reihe des Heyne Verlags aus den 80ern echt unterirdisch (ok... auch da findet sich manchmal eine Perle dazwischen...). Da wird einem deutlich, dass alle Vorurteile, die man gegen SF so gemeinhin hat, tatsächlich nicht ohne Grund existieren. Dann haben sie aber später eine Reihe "Bibliothek der Science Fiction Literatur" aufgelegt, die ist sehr, sehr viel besser sortiert
    Ebenfalls die Finger lassen sollte man von "Unterwegs in die Welt von Morgen". Die Bücher aus dieser Reihe finden sich sehr häufig auf Flohmärkten etc. Obwohl sie als "ungekürzt" bezeichnet werden, sind sie dieses augenscheinlich (ich würde da auf jeden Fall auch Geld drauf wetten) nicht. Schade eigentlich, weil mal im Hardcover, was es bei SF nicht so oft gibt.

    AntwortenLöschen
  4. Danke für die Warnung :-) Werde drauf achten.

    AntwortenLöschen