Freitag, November 30, 2012

Neuerscheinungen rund um Shakespeare Dezember 2012

Gerade sah ich, dass ich mich lange nicht mehr um die Shakespeare-Neuerscheinungen gekümmert habe. Für Dezember gibt es eine ganze Reihe von Vorankündigungen der Verlage - leider haben die meisten von ihnen noch kein Coverfoto bereitgestellt. Teilweise warten sie nicht einmal mit Verlagsinfos zum Inhalt auf, was mich immer ein wenig skeptisch macht.

Für Leute, die sich gern vorlesen lassen: Jacques Breuer, österreichischer Filmschauspieler, Synchronsprecher und Filmregisseur, liest für den NOANOA Hörbuchedition und Theaterverlag Shakespeares Vanitas-Sonette ein. Coverfoto ist noch nicht vorhanden, aber als Erscheinungstermin wird derzeit der 1. Dezember angegeben. Titel des Ganzen: Der Zeit entgegen - Shakespeares Vanitas Sonette: Jacques Breuer liest Shakespeare. Klingt doch nach einem schönen Weihnachtsgeschenk für Fans.
[Nachtrag 07.12.: Eben kam eine Info vom Verlag rein: Das Shakespeare-Hörbuch von Jacques Breuer ist etwa ab dem 17.12. erhältlich. Die Produktion hat sich etwas verzögert. Es soll aber definitiv vor Weihnachten erscheinen.]

Bei Diesterweg tut sich in der Neusprachlichen Bibliothek - Englische Abteilung ebenfalls etwas. Drei Bände sind für Dezember angekündigt: Das Textbook "Romeo and Juliet" für die Übergangsstufe und Sekundarstufe II ist für den 3. Dezember angekündigt. Das Buch scheint auf der Website des Verlags noch nicht eingefügt zu sein. Der dort vorhandene "Reader" "Romeo and Juliet" hat eine andere ISBN als das bei Amazon für Dezember angekündigte Textbook. Zu diesem Textbook gibt es auf der Website aber immerhin die Info: "Ungekürzte Texte, die mit Annotationen und Materialien zu Autor und Werk versehen sind". Parallel wird ebenfalls für Dezember ein Textbook The Merchant of Venice and Romeo and Juliet in derselben Diesterweg-Abteilung angeboten ("Die sorgfältig annotierte Ausgabe konzentriert sich auf die wichtigsten Szenen in den beiden Shakespeare-Stücken "The Merchant of Venice" und "Romeo and Juliet" . Die Auszüge werden durch Erklärungen verbunden, um das Gesamtverständnis zu fördern. Interpretatorische Arbeitsansätze werden optimal mit lebendigen Aufgaben und detailliertem Hintergrundmaterial kombiniert.").  Zum letztgenannten Band gibt es dann neben dem Textbook auch einen Study Guide: Merchant of Venice und Romeo and Juliet: Study Guide (Diesterwegs Neusprachliche Bibliothek - Englische Abteilung) soll ab 11. Dezember lieferbar sein.


Eher wissenschaftlich orientiert ist der von Björn Quiring herausgegebene Band: Theatrum Mundi: Die Metapher des Welttheaters von Shakespeare bis Beckett. Ich bin ja mittlerweile ein wenig vorsichtig, was sogenannte Neuerscheinungen angeht, weil im Augenblick (s.u.) haufenweise Nachdrucke alter Titel in Umlauf gebracht werden. Und bei ciao.de fand ich auch bei diesem Buch die Info "Neuausgabe", was eher auf Nachdruck schließen ließe. Da es sich aber bei Quiring um einen höchstlebendigen Autoren handelt, gehe ich erst einmal davon aus, das auch dieses Buch tatsächlich neu ist. Hier die Verlagsinfos: «Das „Welttheater“ kann als eine der langlebigsten „absoluten Metaphern“ im Sinne Hans Blumenbergs gelten: Sie entwickelt sich, sobald sich das Theater selbst als Institution herausbildet, und sie wirkt bis heute nach. In dieser langen Karriere lassen sich mehrere Höhepunkte ausmachen, von denen der wohl prominenteste in der Frühen Neuzeit liegt – der „Shakespeare-Zeit“, in der sich das Problem der politischen, theologischen und ästhetischen Repräsentation besonders akut stellte.
Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Metapher zur Unterstützung diametral entgegengesetzter Standpunkte eingesetzt: Als ‚theatrum mundi‘ kann sowohl die gesellschaftliche Ordnung als auch die kosmische Ordnung bezeichnet werden; und die Metapher kann eingesetzt werden, um die Spannung zwischen diesen beiden zu verschleiern oder zu betonen. Die Bühne kann einerseits als evidenzschaffende und enthüllende, andererseits als täuschende, verbergende Instanz fungieren, und entsprechend kann die Metapher das Theater auf- oder abwerten. Diese Anthologie widmet sich den Fragen: Was gibt dieser Figur ihre Überzeugungskraft? Wie hat sie sich in verschiedenen Texten (speziell der Frühen Neuzeit) ausgeprägt? Und was hat von ihr überlebt?
Björn Quiring ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Freie Universität Berlin) und am Sonderforschungsbereich „Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit“ (LMU München). Zuletzt ist vom ihm erschienen: Shakespeares Fluch. Die Aporien ritueller Exklusion im Königsdrama der englischen Renaissance (2009).»

Gleich drei mal Shakespeare hat der Paderborner Salwasserverlag angekündigt: Einmal Edwin Bormanns Der Shakespeare-Dichter und dann Alfred von Mauntz' Heraldik in Dienste der Shakespeare-Forschung. Auf der Website des Verlages ist über beide Bücher nichts zu erfahren. Allerdings scheint die Website auch lange nicht mehr gepflegt worden zu sein. Unter der Rubrik "Ausgewählte Neuerscheinungen" hängen sie immer noch im Jahr 2011 fest. So lässt sich nur argwöhnen. Der Titel von Bormanns Buch klingt ein wenig nach einer Neuauflage der Verfasser-Diskussion der Shakespeare'schen Schriften. Mittlerweile ist ja bekannt, dass es ernsthafte Zweifel gibt, ob der Schauspieler aus Straford upon Avon tatsächlich mehr getan hat, als seinen Namen hinzuhalten. Und was die Wappenkunde, die Heraldik, im Dienste der Shakespeare-Forschung bewirken kann, erschließt sich mir ohne weitere Informationen auch nicht. Und dann gibt es noch für teueres Geld den letzten Teil der Sämtlichen Dramatische Werke in drei Bänden: Dritter Band in der alten Schlegel/Brenda/Voß-Übersetzung - als Faksimile, wie ein Blick ins Buch bestätigt.

Bei genauerer Recherche wird schnell klar, dass auch Salzwasser lediglich auf den Zug aufspringt, alte Titel, deren Rechte abgelaufen sind, als Reprint neu auf den Markt zu werfen. So ist der Mauntz ursprünglich 1908 erschienen, also alles andere als eine aktuelle Untersuchung. Bei Google Books fand ich über den Titel folgendes: "Die Heraldik mit den ihr eigenen Gesetzen und der ihr eigenen Sprache wurde zu Shakespeare's Zeiten sehr hoch gehalten. Indem Alfred von Mauntz dies aufzeigt und beweist, dass auch in Shakespeare's Werken eine Reihe von heraldischen Bildern und heraldiktypischen Worten zu finden sind, gelingt ihm ein völlig neuer Blick auf das Leben und die Persönlichkeit des berühmten englischen Dramatikers."

Ist es jetzt noch verwunderlich, dass auch der Bormann sich als Titel erweist, der bereits 1902 einmal erschienen war, damals mit dem klangvollen Namen "Der Shakespeare-Dichter. Wer war's? Und wie sah er aus?" Für diejenigen, die mit der Forschung nicht so vertraut sind, hier ein kleiner Auszug aus der Wikipedia zu Bormann: "In mehreren Publikationen trat er außerdem für die sogenannte Shakespeare-Bacontheorie ein, die Francis Bacon für den Verfasser der unter dem Namen des Schauspielers William Shakespeare veröffentlichten Werke hält. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Theorie versuchte er - nach eigenem Bekunden - den Nachweis zu erbringen, indem er einen "unauflöslichen Zusammenhang" zwischen den Shakespeare-Dichtungen und den naturwissenschaftlich-philosophischen Werken Bacons aufzeigte. So sei der Sturm eine Parabel zu Bacons Naturphilosophie, Lear zur Ökonomie und Hamlet zur Anthropologie."

Ich persönlich finde, es macht den Markt ein wenig unübersichtlich, wenn uralte Titel jetzt von Verlagen kommentarlos neu angeboten werden. Aber das scheint ein Trend zu sein, dem nicht nur Salzwasser erlegen ist. Heißt im Gegenzug aber, dass man vor dem Kauf immer mal schauen sollte, ob das Buch nicht auch bereits kostenfrei als Download im Netz verfügbar ist, weil irgendeine Bibliothek es längst gescannt hat. Die Nachfahren der Autoren dürften aufgrund der Rechtslage von den Neuausgaben ohnehin nichts haben.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Krüger,

    das Shakespeare-Hörbuch von Jacques Breuer ist in etwa 10 Tagen erhältlich. Die Produktion hat sich leider etwas verzögert. Es erscheint aber definitiv vor Weihnachten.

    Herzliche Grüße und schöne Feiertage

    Claus Eckermann

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  2. Danke für die Info. Ich habe sie oben im Haupttext nachgetragen, da die Kommentare hier unten nicht immer ausgeklappt sind und somit nicht immer wahrgenommen werden.
    Toll wäre es, wenn Sie das Coverfoto nachliefern könnten - bzw. Bescheid geben, sobald es von Ihrer Website downloadbar ist.

    Herzliche Grüße,
    Norbert Krüger

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