Samstag, November 10, 2012

Sabine Reber: Meine Gärten zum Glück

Ein Buch über Gärten, eine Liebeserklärung gar, hat die Schweizer Autorin Sabine Reber nun vorgelegt. Die 1970 geborene Reber hat an der Universität Freiburg Journalistik und Kommunikationswissenschaft studiert, danach als Reporterin und Kolumnistin gearbeitet und 1998 ihren ersten Roman herausgebracht: Die Schwester des Schattenkönigs. Spielte dieser erste Roman noch in Westafrika, kündigte sie bereits bei Erscheinen an, ihr neues Werk würde von ihrer neuen Heimat Irland handeln. Und vom Meer.

De facto war Sabine Reber mit ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Schriftsteller Hansjörg Schertenleib, 1996 nach Irland gezogen und blieb dort acht Jahre. Ebenso übrigens wie die namenlose Ich-Erzählerin des stark autobiographisch anmutenden Erzählbandes "Meine Gärten zum Glück", der jetzt bei Callwey erschien. Da mutet es ein wenig sonderbar an, wenn auf Seite 2 bereits ein Vermerk zu lesen ist: "Alle Figuren sind frei erfunden. Dies ist ein fiktiver Text, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig."

Also keine Biographie. Aber was dann? Die Erzählsituation ist einfach: Die Protagonistin macht mit ihrer neuen Liebe Urlaub in Venedig. Und während sie so über Plätze und entlang der Kanäle schlendern, erzählt sie ihm, angestachelt durch seine Fragen, von ihrer Biographie, vor allem von ihren diversen Gärten, aber auch von ihren Partnern, von kleinen und großen Desastern.

So war sie anfangs, frisch in Donegal/Nordirland angekommen, noch relativ blauäugig, was Gartenplanung angeht. Ein typisches altes Steinhaus mit meterdicken Mauern und windschiefem Schieferdach ist ihr neues Zuhause. Der Geruch von Meerluft dringt die Hügel hinauf. Brennesseln, Binsen und Brombeeren überwuchern den Platz, der einmal ihr Garten werden wird.

Eine Kolumne in der "Sunday Times" weckt ihre Lust, sich mit der Gestaltung ihres Grundstücks zu beschäftigen. Bald schon liest sie alle Gartenseiten, derer sie habhaft werden kann. Jede Zeitung in Irland hat so eine Seite mit Tipps zur Gartengestaltung. Angestachelt von den Ideen überredet sie einen Nachbarn, ihr mit der Motorsense beim Roden zu helfen.

Die drei Tannen, die sie als Windschutz pflanzte, entwurzelten die gefräßigen Raupen der Schnaken. Die japanischen Azaleen, die sie an ihrer Stelle pflanzte, resignierten angesichts des salzigen Windes. Ähnlich erging es den frisch erworbenen Apfelbäumen. Schnell merkt sie, dass ihr das Hintergrundwissen fehlt, um wirklich effektiv einen Garten planen und umsetzen zu können. So liest sie alles, was ihr an Gartenbüchern in die Finger kommt. Und tatsächlich gelingt es ihr mit der Zeit zu verstehen, was in ihrem Garten funktioniert und was nicht.

Sie tritt der "Donegal Garden Society" bei und ist irgendwann übermütig genug, sich und ihren immer schöner werdenden Garten bei der "Shamrock All Ireland Gardening Competition" anzumelden. Und tatsächlich gibt es einen Preis: eine Urkunde und einen Gutschein eines mittelmäßiges Gartencenters.

Als sie acht Jahre später aus Irland aufbricht, um zurück in die Schweiz zu ziehen, ist sie anerkannte Expertin, mit Visitenkarte und eigener Broschüre, und nennt sich "Garden Consultant". Mehrere Gärten hat sie in Irland geplant und designt. Sie weiß mittlerweile, was sie tut.

Soweit die Geschichte, die noch ein wenig weiter reicht, die Zeit in der Schweiz beschreibt, mit ein paar Umzügen dort, um schließlich wieder zurückzuführen nach Venedig, zu ihrer neuen Liebe, mit der sie zusammenziehen möchte, auch ohne Garten. Immerhin wohnt er in einem Hochhaus, hat einen großen Balkon mit Blick auf den Bieler See. Sie braucht keinen Garten mehr, sagt sie. Frei von Verantwortung zu sein ist zuweilen auch ganz schön.

Obwohl die Erzählung immer wieder um das Thema Garten kreist, liest sich das Buch wie ein Frauenroman der frühen achtziger Jahre. Es ist relativ ehrlich, gerade in der Beschreibung der eigenen Niederlagen. Und davon gibt es einige, zumal im Kampf mit der Natur. Die Männer kommen im Buch nicht gut weg, zumindest diejenigen nicht, mit denen sie zuammenlebt. Fast muss man zwischen den Zeilen lesen, um zu begreifen, dass für Sabine Reber ein Abschied von einem Garten immer auch der Abschied von einem Mann ist, einem, der ihr Anliegen nicht versteht, mit dem sie sich auseinandergelebt hat. Und nahezu naiv wirkt dagegen die Skizzierung ihres neuen Partners, dessen Gedanken nur um sie zu kreisen scheinen, der alles von ihr wissen will und für den sie bereit ist, alles aufzugeben.

Gartentipps hingegen sind rar in diesem Band. Die hat sie mit anderen Büchern im gleichen Verlag hinlänglich geliefert: mit Endlich gärtnern! So bringen Sie Ihren Garten zum Blühen etwa, mit Traumpaare im Beet: Wer mit wem im Garten - die schönsten Pflanzenkombinationen oder mit Ein Gartenzimmer für mich allein: Den eigenen Garten gestalten und genießen. Ihr neues Buch,  Meine Gärten zum Glück: Eine Liebeserklärung, ist da persönlicher, privater. Ich bin geneigt zu sagen, es ist ein Frauenbuch und ich als männlicher Leser kann zwar vieles nachvollziehen, jedoch wenig herausziehen. Denn bei den meisten Pflanzen, von denen sie redet, bleibt es beim Namedropping. Selten einmal erwähnt sie, wie genau es ihr gelingt, die Blumen und Sträucher heimisch werden zu lassen. Und selbst, wenn sie den Kampf gegen die Schnecken beschreibt, redet sie mehr von dem, was nicht funktioniert.

Angereichert ist der schön gestaltete Band mit zahlreichen Fotos, von denen ich zunächst annahm, sie stammten aus ihrem Garten. Erst in der nachgefügten Danksagung sah ich, dass sie vom Bieler Fotografen Stöh Grüning kommen: Großaufnahmen einzelner Blüten zumeist, losgelöst, ohne Umfeld. Keine Bilder von Rebers Gärten, wie ich es sinnvoller gefunden hätte. [Nachtrag, 15.11.2012: Inzwischen weiß ich von Frau Reber, dass die Bilder durchaus in ihren Gärten aufgenommen wurden. Siehe dazu unten ihren Kommentar]

So lege ich das Buch mit gemischten Gefühlen aus der Hand. Was habe ich erwartet? Tipps? Konkrete Ideen? Ich habe den Eindruck, dass sie gerade beim Thema Garten an der Oberfläche kratzt. Weder beschreibt sie, welche konkreten Ideen sie bei der Gestalt ihrer Gärten verfolgt, noch wie sie mit den Pflanzen umgeht. Eine Gartenphilosophie fehlt ebenso wie ein psychologischer Ansatz. Heißt es im Umschlagtext: "In diesem Callwey Buch berichtet sie von ihren Erfahrungen und beschreibt, wie ihr das Gärtnern, die Natur und die Leidenschaft zum Grünen in
schweren Zeiten die Freude am Leben zurückgegeben haben", habe ich den Eindruck, dass sie genau das nicht tut. Es mag sein, dass sie es damals so empfunden hat. Beschrieben, ausdekliniert hat sie es nicht. Nur zwischen den Zeilen lässt sich ahnen, was die oft anekdotenhaft vorgetragenen Episoden psychisch mit ihr gemacht haben.

Erst langsam geht mir auf, dass mit dem Untertitel "Eine Liebeserklärung" wahrscheinlich weniger die Liebe zur Gärtnerei als die zum neuen Mann der Autorin gemeint war, zu dem, der die Rahmenhandlung dieses Buches bildet und zu dem es die Ich-Erzählerin am Ende zieht. Wenn er denn tatsächlich existiert. Denn wie schon auf Seite 2 bekanntgegeben: "Dies ist ein fiktiver Text."

Titel Meine Gärten zum Glück: Eine Liebeserklärung / Sabine Reber. Mit Bildern von Christoph Stöh Grünig
Person(en) Reber, Sabine
Verleger München : Callwey
Erscheinungsjahr 2012
Umfang/Format 152 S. : Ill. ; 24 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-7667-1978-2 Pp. : EUR 19.95 (DE), EUR 20.60 (AT), sfr 28.50 (freier Pr.)
3-7667-1978-5
Bestellnummer(n) 1978
EAN 9783766719782
Schlagwörter Garten ; Erlebnisbericht

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Callwey Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar des Buchs Meine Gärten zum Glück zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls Dank an Blogg dein Buch für die Vermittlung zwischen diesem Blog und dem Verlag.

Kommentare:

  1. Hey, natürlich sind die Bilder aus meinen Gärten! Ich arbeite immer mit Stöh Grünig zusammen, der seit drei Jahren alle Fotos für meine Kolumnen und Gartenbücher macht. Gruss Sabine Reber

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  2. Hey, danke für die Info!
    Leider habe ich Ihre anderen Bücher und die Kolumnen nicht gelesen. Und sollte es in dem Buch selbst einen Hinweis darauf gegeben habe, nehme ich sofort alle Schuld auf mich :-)
    Ich persönlich fand es einfach schade, dass auf den Bildern so wenig von den Gärten zu sehen gab. Das machte die Fotos, so hübsch die Close-ups sind, irgendwie beliebig. Ein Garten wirkt ja immer auch durch die Zusammenstellung und das Nebeneinander.
    Herzlichen Gruss, Norbert Krüger

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