Montag, Dezember 10, 2012

Der Zeit entgegen - Shakespeares Vanitas Sonette

Dass ein kleiner, rühriger Verlag sich ernsthaft um die Promotion seiner Bücher kümmert und von sich aus Kontakt zu Bloggern aufbaut, passiert auch nicht jeden Tag. In diesem Fall ist der NOANOA Hörbuchedition und Theaterverlag an mich herangetreten, nachdem er gesehen hatte, dass ich in meiner monatlichen Übersicht "Neuerscheinungen rund um Shakespeare" kurz über das Hörbuch "Der Zeit entgegen - Shakespeares Vanitas Sonette: Jacques Breuer liest Shakespeare" berichtet hatte.

Leider gibt es leichte Verzögerungen beim Erscheinungstermin. Den zunächst angekündigten VÖ 1.12. konnte NOANOA nicht halten, versprach aber, zumindest noch rechtzeitig vor Weihnachten zu liefern.


Mittlerweile ist auch das Hintergrundmatierial da, unter anderem eine knapp 4 Minuten lange Hörprobe. Ich bin vom ersten Augenblick an fasziniert, was vielleicht daran liegt, dass schon mit den ersten Sätzen der Konflikt zwischen Shakespeare und seiner Angebeten aufbricht: "Wenn meine Liebste schwört, sie sei mir treu, so glaub' ich ihr, wohlwissend, dass sie lügt." Vorgetragen in einer Stimme, die dunkel ist, rau und brüchig, wie ich es von einem gebrochenen Liebenden erwarten würde. Dir Hörprobe macht Lust auf mehr.

Vanitas, das ist lateinisch, übersetzt etwa „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“. Und Vanitas-Sonette sind eben jene, die sich diesem Lebensgefühl widmen. Eine ganze Kunsttradition hängt an diesem Vanitasgedanken, angeblich ausgelöst duch die Bibel, Prediger 1,2, wo es heißt: " Eitelkeit der Eitelkeiten! spricht der Prediger; Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist Eitelkeit." - in einer weniger wörtlichen Übersetzung: "Nichtig und flüchtig, sagte der Prediger, / nichtig und flüchtig - alles ist nichtig."

Wir begegnen in diesen Sonetten dem Barden aus Stratford in keiner Sternstunde. Er hadert mit sich, dem Leben und der Liebe. Erinnert mich ein wenig an den stets leicht depressiven Kurt Wallander - und ist mir spontan sympathisch. Von Gryphius kennen wir Ähnliches: "Es ist alles eitel", seine berühmte Klage über die Nichtigkeit des menschlichen Lebens. Shakespeare, rund hundert Jahre zuvor, fühlt ganz ähnlich und bringt dies in kunstvollen Sonetten zum Ausdruck, die von Jacques Breuer stimmig umgesetzt wurden.

Hier der Text des CD-Inlays:

„NICHT MARMOR NOCH DAS GOLD DER KÖNIGSSÄULEN
WIRD MEINER DICHTUNG MACHTWORT ÜBERSTEHN“
Der Zeit entgegen – Shakespeares Vanitas Sonette

Der größte Dramatiker des Abendlandes hat uns 154 Sonette hinterlassen, von denen dieses Hörstück jene 52 Sonette versammelt, die uns in die Abgründe der menschlichen Sterblichkeit entführen,
in die ein jeder von uns zu seiner Zeit hinab muß.
Der renommierte Schauspieler und preisgekrönte Synchronsprecher Jacques Breuer geleitet seine Zuhörer flüsternd, flehend und fluchend durch Claus Eckermanns bildgewaltige Neuübersetzung, und
er beweist eindrucksvoll, daß er ein Virtuose der Verzweiflung ist. William Shakespeares Vanitas Sonette sind weit mehr...
(Verlagstext)



Titel Der Zeit entgegen - Shakespeares Vanitas Sonette [Tonträger] : Jacques Breuer liest Shakespeare / Claus Eckermann ; William Shakespeare
Person(en) Eckermann, Claus ; Shakespeare, William ; Eckermann, Claus [Vorr.] ; Eckermann, Jörg [Ill.] ; Baldvinsson, Sveinn [Ill.] ; Matheos, Jim ;
Verleger München : NOANOA Hörbuchedition und Theaterverlag
Erscheinungstermin (~17.) Dezember 2012
Umfang/Format 1 CD mit Booklet (12 Seiten), Gesamtlaufzeit: 55:17 Minuten DDD Stereo
ISBN/Einband 978-3-932929-79-3
EAN 9783932929793
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3932929799 (ab Januar)
http://www.ebay.de/.../nkw=shakespeares+vanitas+sonette (ab sofort)
http://www.abebooks.de/.../tn=shakespeares+vanitas+sonette (ab sofort)

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