Freitag, Dezember 14, 2012

Frisch ausgepackt 13.12.2012

Mal wieder eine bunte Mischung, die ich da aus dem Karton holte. Ein paar englischsprachige SF-Romane machten mich neugierig. Da ist zum Beispiel die Geschichte Sea horse in the sky von Edmund Cooper: Eben noch fliegen acht Passagiere von Schweden nach England. Im nächsten Augenblick finden sie sich in Kunststoffsärgen liegend auf einer Straße irgendwo auf einem unbekannten Planeten wieder. Alles, was sie zum Überleben finden, ist ein Hotel ohne Angestellte, ein Supermarkt und die Überreste von zwei Autos. Als wäre all dies nicht sonderbar genug, begegnen ihnen Jäger, die der Steinzeit entsprungen zu sein scheinen, Ritter in mittelalterlicher Rüstung und märchenhafte Wesen - sowie eine Mauer aus eiskaltem Nebel. Da stellt sich die Frage nach den Bedingungen ihrer neuen Realität - aber auch die nach dem Warum. Werden sie bei diesem sonderbaren Experiment beobachtet wie Tiere in einem Zoo? Oder sind sie gar die einzigen Überlebenden der Erde, gerettet in einer komplexen Operation Noah?

Für Freunde der Kurzgeschichte ist ein Band mit Stories vom "vielleicht besten Stilist der Science Fiction überhaupt" dabei, wie Norman Spinrad ihn genannt hat: Neun zum Teil preisgekrönte Novellen des Vielschreibers Jack Vance enthält der Band Verlorene Monde. Bei den Leserratings pendelt der Band meist zwischen drei und fünf Sternen, auf manche Leser wirken die Geschichten ein wenig altmodisch, besonders in Hinblick auf die Geschlechterrollen. Spannend finde ich allein schon die Lebensgeschichte von Vance. So heißt es etwa bei der Phantastik-Couch: "Der Jazz-Liebhaber Vance wohnte einst zusammen mit seinen Kollegen Frank Herbert und Poul Anderson auf einem Hausboot. Er ist heute fast blind und lebt mit seiner Familie in Oakland."

Und gleich noch ein Band mit SF-Kurzgeschichten hintendran: Tales from the Galaxies ist eine Sammlung mit Geschichten unterschiedlicher Autoren, von denen ich bis dato nur Robert Sheckley namentlich kannte, der als einer der humorvollsten Erzähler der Science-Fiction-Literatur gilt. Ich kannte ihn von seiner Victim-Trilogie, die, wenn ich das richtig sehe, auch die Vorlage für Stephen Kings "Running Man" war.
Die anderen im Band versammelten Autoren sind John Wyndham, Amabel Williams-Ellis und Murray Leinster. Das Besondere an dem Band: Neben den vier Stories enthält der Band auch einen Comic names "The heritage", gezeichnet von Malcom Stokes. Wer einen Blick drauf werfen will: David Guy hat sich die Mühe gemacht, die Bilder für pointlessmuseum.com einzuscannen.

Von Robert Louis Stevenson kannte ich bis dato kaum mehr als die "Schatzinsel", habe aber heute erfahren, dass er eine ganze Reihe historischer Romane geschrieben hat. So spielt Der Junker von Ballantrae in Schotland im Jahre 1745: James soll den Besitz Ballantrae erben und die vermögende Allison Graeme heiraten. Als er jedoch nach der Niederlage des jakobitischen Thronprätendenten untertauchen muss, hält sein Bruder Henry ihn für tot, heiratet Allison und tritt das Erbe an. Doch James kehrt nach Schottland zurück, und zwischen den Brüdern kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod. Die Geschichte ist 1975 als Sechsteiler vom BBC verfilmt worden und lief auch bei uns in Deutschland. "Der Junker von Ballantrae"soll das Lieblingsbuch des jungen Bertold Brecht gewesen sein.

Zur Kategorie der Nackenbeißer zählt der Roman Herzen in Flammen von Anne Avery. Avery beschreibt die aufkeimende Liebe zwischen zwei Eheleuten im Jahre 1263, die eigentlich nur eine Zweckehe eingegangen sind: "Während beide vor Sehnsucht und heimlichem Begehren fast vergehen, bleiben sie einander dennoch fern - Robert, weil er sein Herz nach schmerzlichen Erfahrungen ängstlich verschlossen hält, und Alyse, weil sie es nicht erträgt, dass Robert sich politisch so konsequent gegen ihren Vater stellt. Immer größer wird die Kluft zwischen ihnen - immer heißer brennt trotzdem das Verlangen." Für mich war relativ neu, dass Groschenheft-Romane überhaupt auf das stolze Format von 400 Seiten aufgebläht werden können. Allerdings habe ich mich mit dem Genre der Historic Romance auch noch nie ernsthafter beschäftigt. Muss ein ziemlich großer Markt sein, der da bisher völlig an mir vorbeigerauscht ist.

Zurück in der Realität: Der Australier Alan John Villiers (1903-1982) war ein Seefahrer, Abenteurer, Fotograf und Schriftsteller, hat also ein spannendes Leben hinter sich. 42 Bücher zählt Wikipedia auf - in meiner Kiste fand ich eine alte Biographie des Seefahrers James Cook von ihm: Captain Cook, the Seamen's Seaman: In einer umgebauten und schlecht ausgerüsteten Whitby Kohlen-Bark umsegelte Captain Cook Kap Hoorn und fand den weltweit letzten unbekannten Kontinent. Aber er hat nicht nur Australien entdeckt. In drei epische Reisen kartierte der ruhiger und sehr gewissenhafter Meister der Segel die Polynesischen Inseln des Pazifik, erkundete die Berge der Antarktis, und sondierte das arktische Eis auf der Suche nach der lang ersehnten Nord-West-Passage, bevor er bei einem Tumult auf Hawaii eines gewaltsamen Todes starb: Seine Mannschaft hatte sich durch ihr Verhalten auf der Insel äußerst unbeliebt gemacht, so dass eine Meute aufgebrachter Hawaiianer Cook am Strand erwartete, als dieser am 11. Februar 1779 einen im Sturm beschädigten Mast seines Schiffes Resolution ersetzen wollte. Er wurde von hinten niedergestochen, fiel mit dem Gesicht ins Wasser, wurde herausgezerrt und niedergemetzelt. Da Villiers selbst passionierter Segler war, viel es ihm nicht schwer, den Spuren Cooks akribisch zu folgen und eine sehr lebensnahe Biographie über ihn zu verfassen.

Was habe ich ansonsten ausgepackt? Den ersten Band der Cutler-Saga von VC Andrews: Zerbrechliche Träume; daneben die Lebensgeschichte von Gary Gilmore, der 1976 zwei Menschen kaltblütig ermordete und nach seiner Verurteilung auf eigenen Wunsch hingerichtet wurde: Das Herz der Gewalt. Und zwei großformatige Bände: Einmal La Fontaines Fabeln, illustriert von Gustave Doré. Dann einen Bildband über die Achtziger: Das waren die achtziger Jahre. Für letzteren habe ich mal meine OCR-Software rausgekramt, um das Inhaltsverzeichnis zu scannen. Lohnt sich vielleicht, weil allein schon die dort verbratenen Stichwörter auf eine Zeitreise einladen. Wer erinnert sich schon an all das, was die Achtziger ausmachte?

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