Dienstag, Dezember 18, 2012

Frisch ausgepackt 18.12.2012

Ein paar "heitere Erwachsenen-Romane" finden sich auf den Stapel, den ich heute einsortiert habe, dann aber auch ein paar Klassiker der Abenteuerliteratur, Sherlock Holmes und die Geschichten aus 1001 Nacht. Aber fangen wir mit den "heiteren Erwachsenen-Romanen" an. Sicher bin ich mir nicht, aber ich denke, dieses Genre grenzt sich von der heutigen ChickLit dadurch ab, dass sie weniger frech und provozierend geschrieben ist. Ihr Ziel ist die Unterhaltung, und ich erinnere mich, dass ich als Teenager einige von diesen Büchern verschlungen habe. Ihr Effekt ist ähnlich wie heute wohl der einer Nachmittags-Soap: Sie tun nicht weh, lassen einen gelegentlich auflachen und die Protagonisten sind zumeist einfach sympathisch.

Da ist zum einen "Kopfsalat und Liebeskummer" von Doris Jannausch. Bezeichnenderweise ist die Autorin nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Theater-Schauspielerin und Kabarettistin. Damit ist sie für dieses Genre prädestiniert. Das Thema dieses ursprünglich 1977 erschienenen Romans ist das Gleiche wie in der heutigen ChickLit: Angelika ist hübsch, erfolgreich (als Grafikerin) und Single. Seit acht Jahren nun hat sie ein Auge auf den leicht stoffeligen Cornelius geworfen, der jedoch ist "kein Mann, sondern eine Zumutung", wie ihre Freundin Marion behauptet. Um sie abzulenken, schickt Marion Angelika aufs Land, zu ihrer Tante Melanie in ein Zweihundert-Seelen-Dorf namens Kunkelsbeuren. Dort soll sie über viel Arbeit und frischer Landluft Cornelius vergessen.

Auch Paul Gallicos Romane kann man heute auf vielen Flohmärkten finden. Er ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, geboren 1897, der seine Karriere als Sportberichterstatter begann. So sehr stürzte er sich in seinen Job, dass er zahlreiche Sportarten selbst aktiv betrieb, um mit mehr Einsicht darüber schreiben zu können. Besonders bekannt wurde seine Romanfigur Ada Harris, die er in mehreren Büchern auftreten ließ. Ihren ersten Auftritt hat sie 1959 in "Ein Kleid von Dior". Sie ist eine Londoner Reinmachefrau und wünscht sich nichts sehnlicher als eben so ein Kleid, das sie bei einer ihrer Kundinnen im Schrank gesehen hat. Kleines Nebenproblem: So ein Dior-Kleid kostet mal eben so viel, wie die Gute in einem Jahr verdient. Wie es die patente Frau trotzdem schafft, nach Paris zu fahren und sich ein solches Kleid zu kaufen, erzählt dieser warmherzige und humorvolle Roman.

Ich habe noch einen zweite Ada Harris-Band aus meiner Kiste gezogen: "Freund mit Rolls-Royce" von 1969. Frau Harris hat es mit ihrer lebensklugen Art irgendwie ins britische Unterhaus geschafft, und das aus gutem Grund. Wer sonst könnte wie sie die Interessen der kleinen Leute vertreten? Sie hält sich eigentlich relativ gut auf dem politischen Parkett, obwohl das Interesse der Medien an ihrem Werdegang groß ist. Leider hat sie von der politischen Etikette und den damit verbundenen Ränkespielen erst einmal wenig Ahnung. Zum Glück gehört der Chauffeur John Bayswater zu ihrem Freundeskreis, und er hilft nicht nur,  ihre Wahl haushoch zu gewinnen, sondern auch die Intrigen einiger Parteifunktionäre aufzudecken.

Und noch eine Zeitreise in die späten 70er. Einer der Vorläufer der heutigen Serie "Frühstück bei Stefanie" war damals "Papa - Charly hat gesagt". Jeden Samstagmorgen um 10 Uhr gab es auf NDR einen neuen Dialog zwischen Vater und Sohn - und meist ging es darin um etwas, was entweder der Freund des Sohnes, Charly, oder dessen Papa gesagt hat. Freche Texte verschiedener Autoren, immer als kleines Hörspiel inszeniert, zu allen Fragen des Alltags. Cultural Clash zwischen Mittel- und Unterschicht, kommentiert aus der Sicht eines gesettelten Vaters, klug hinterfragt von seinem Sohn. Im hier vorliegenden zweiten Band geht es etwa ums Thema Taschengeld, Mode, Arbeitsgeber, Adoption, Hausarbeit und Sexualität. - Das Exemplar, das ich aus meiner Kiste gezogen habe, sieht sehr nach altem Dachbodenfund aus: Zerknittert und so, als habe es Feuchtigkeit gezogen. Zum einfach nur Wegschmeißen trotzdem zu schade. Für wenig mehr als die Porto- und Verpackungskosten zu haben. Für diejenigen, die die Serie nicht kennen, ein Geheimtipp, als "read and delete" sozusagen - für alle anderen eine schöne Erinnerung.

Und noch so ein "read and delete" habe ich in meiner Sammlung. Sollte ich mal an ein besser erhaltenes Exemplar kommen, werde ich dieses mit Sicherheit entsorgen. Aber solange die Seiten gebunden und sauber sind, schmeiße ich nur sehr ungern Bücher weg. Martin Beheim-Schwarzbach hat einmal die Geschichten aus 1001 Nacht auf ihren Kern hin abgeklopft. Wer von denen, die mit "Aladdin und die Wunderlampe", "Sindbad, der Seefahrer" oder "Ali Baba und die vierzig Räuber" aufgewachsen sind, weiß schon, dass dieses Buch ursprünglich überhaupt nicht für Kinderhände gedacht war? Im Gegenteil. Der Sassaniden-König Scheherban entdeckt, dass seine Frau ihn mit einem anderen betrügt. Voller Hass beschließt er, sich jede Nacht eine andere Frau seines Harems als Gespielin zu nehmen und ihr am nächsten Morgen den Kopf abzuhacken. Er zieht diesen Plan auch eine Weile konsequent durch, bis er an die gewitzte Schirasade gerät, die Tochter des Wesirs. Sie ist die Erfinderin des Cliff Hangers und verwöhnt ihn in den Nächten mit Geschichten, die alle mit einem solch offenen Ende aufwarteten, dass Scheherban sie am Leben lässt, um in der folgenden Nacht die Fortsetzung zu hören. Martin Beheim-Schwarzbach hat in seiner Nacherzählung für Erwachsene diesen ursprünglich sehr umfangreichen Erzählband auf das Wesentliche zusammengekürzt und leicht modernisiert: "Schirasades Nächte. Liebes- und Wundergeschichten aus 1001 Nacht" heißt das Ergebnis.

Dann habe ich noch einen ziemlich gut erhaltenen Sherlock Holmes aus meiner Wunderkiste gezogen. Nachdem die BBC ihre geniale Verfilmung mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman als Sherlock Holmes und Doktor Watson auf den Weg brachte, hatte ich mir immer vorgenommen, mich mal ans Original zu wagen. Der Band "The Return of Sherlock Holmes" ist eine Sammlung von Erzählungen, die nach einer zehnjährigen Pause Arthur Conan Doyles 1903-1904 entstand. Eigentlich hat Doyle Holmes ja 1893 den Reichenberg-Fall hinunterstürzen lassen und damit der Serie seinen Todesstoß versetzt. Mit der im vorliegenden Band enthaltenen Geschichte "The empty house" erklärt Doyle, wie es Holmes in letzer Sekunde geglückt ist, mittels seiner Fähigkeiten in der japanischen Kampfsportart Baritsu lediglich Moriaty in den Abgrund zu stürzen, selbst aber unversehrt aus dem Kesselsystem des Reichenberg-Falls zu entkommen. 13 "neue" Fälle enthält die Sammlung insgesamt.

Zur Kategorie mittlerweile fast wieder vergessener deutscher Autoren gehört sicher Alice Ekert-Rotholz (1900-1995) Sie veröffentlichte seit den fünfziger Jahren bis kurz vor ihrem Tod. Ihr Geld verdiente sie als Journalistin, dürfte aber auch aus ihren diversen Büchern, die meist auch als Buchclub-Ausgaben zu haben waren, einiges Geld für ihre ausgedehnten Reisen gezogen haben. Bereist als junge Frau emigrierte sie mit ihrer Familie zunächst nach London und von dort aus nach Thailand, um dem antijüdischen Klima in Deutschland zu entkommen. Viele ihrer Romane spielen daher auch in Asien. "Strafende Sonne - lockender Mond" etwa beginnt in Singapur und spielt größtenteils in Indonesien kurz nach Ende der Kolonialzeit. Gerade das Großbürgertum, das sich als Kolonialherren aufspielte und vom Handel gut leben konnte, gerät durch die politischen Umwälzungen in einen gefährlichen Strudel. Auch hier (ähnlich wie oben bei "Papa -Charly hat gesagt") geht es um einen cultural clash: um den Konflikt Ost gegen West, Einheimische gegen Kolonialmacht. Alice Ekert-Rotholz schreibt mit Witz, mit viel Gespür für Lokalkolorit und mit der Fähigkeit, viele verschiedene Schicksale zu einem ergreifenden Plot zusammenzustricken. Wer Indonesien mag oder sich für Kolonialgeschichte interessiert, sollte sich das Buch gönnen.

Ein Abenteuerromane von Jules Jules Verne: Der Kurier des Zaren. Ich erinnere mich noch gut an die Verfilmung mit Raimund Harmstorf. Das war in den 70ern einer dieser kuriosen Weihnachtsvierteiler, mit denen uns das ZDF erfreute. Insofern passt das Buch ganz gut in diese Zeit. Die Handlung spielt in Russland. Der Offizier Michael Strogoff erhält den Auftrag, nach einem Tartarenaufstand in Sibirien eine Depesche nach Irkutsk zu bringen, um den Großfürsten vor einem Anschlag zu warnen. Sein Gegenspieler Ogareff ist ein degradierter Offizier, der nun am Großfürsten Rache nehmen will. Durch zahllose Abenteuer hindurch versucht Strogoff seinen Auftrag auszuführen, verliebt sich zwischenzeitlich und kann am Ende Ogareff besiegen. Action pur, dicht verwoben - hat schon seinen Grund, warum Jules Vernes zu den Klassikern der Abenteuerliteratur zählt.

Da wir nun schon bei den Abenteuerromanen angekommen sind, hier einer aus der Schmiede Alexandre Dumas. "Zehn Jahre später" ist der dritte Teil der Musketier-Trilogie: Ludwig XIV sitzt in Versaille auf dem Thron und feiert rauschende Feste. Aramis hat es inzwischen zu den Jesuiten verschlagen. Als Generaloberst heckt er den Plan aus, den politisch unliebsamen Ludwig gegen seinen willfährigen Zwillingsbruder einzutauschen. Allein, der Plan wird aufgedeckt und d'Artagnan, der als Hauptmann im Dienst Ludwigs steht, bekommt den Auftrag, die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Dumm nur, dass neben seinem einstigen Gefährten Aramis auch Porthos sich hat in die Affäre verwickeln lassen.

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