Samstag, Dezember 01, 2012

SWR Bestenliste Dezember 2012

Die SWR Bestenliste Dezember 2012 ist draußen. Ihr kennt das Spiel: Eine Horde von 30 Literaturkritikerinnen und -kritiker nennt monatlich - in freier Auswahl - vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie "möglichst viele Leser und Leserinnen" wünscht, und gibt ihnen Punkte (15, 10, 6, 3). Die Addition ergab für den Dezember folgendes Resultat (in Klammern die Position der November-Bestenliste).

Da es sich bei der Bestenliste um verlagsneue Bücher handelt, die ich nicht bei mir im Katalog habe, liefere ich hier noch mal die kompletten bibliografischen Daten, mitsamt Hinweis auf parallele Ausgaben, Leseproben und explizitem Amazon-Link für diejenigen, die diesen Blog hier auch finanziell ein wenig unterstützen wollen (von jedem über diese Links gekauften Buch gehen automatisch 5% an Shakespeare and more).

Platz 1 (-) 77 Punkte

PETER HANDKE: Versuch über den Stillen Ort




Peter Handke wird Anfang Dezember 70. Von Rückzug keine Spur. Außer vielleicht in diesem kleinen Buch, das eine Kindheit und ein ganzes Leben auf einen überraschenden Ort konzentriert: "Erstmals war ich es, war es meine Person, um die es ging an dem Stillen Ort."

1989 veröffentlichte Peter Handke den Versuch über die Müdigkeit, ein Jahr danach folgte der Versuch über die Jukebox. Den vorläufigen Abschluß dieser erzählerischen Umkreisungen des Alltags bildete der Versuch über den geglückten Tag. Zwanzig Jahre später legt er einen neuen Versuch vor: Versuch über den Stillen Ort. „Lang lang ist es her, daß ich einen Roman des englischen Schriftstellers A.J. – ‚Archibald Joseph‘, wenn ich mich nicht irre – Cronin gelesen habe, in einer deutschen Übersetzung, mit dem Titel ‚Die Sterne blicken herab‘. Es war ein ziemlich dickes Buch, aber es liegt nicht an dem Autor und seiner Geschichte, die mich damals mitgenommen und begeistert hat, daß ich mich an kaum welche Einzelheiten erinnern kann. Was mir von dem Roman geblieben ist, neben den Sternen, die fortwährend herabblicken: Eine englische Bergwerksgegend und die Chronik einer darbenden Bergleutefamilie, abwechselnd mit jener von betuchten Besitzern (wiederum: ‚wenn ich mich nicht irre‘). Viel später, angesichts des Films ‚Wie grün war mein Tal‘, von John Ford, gaukelten, im guten Sinn, die Bilder der Gesichter und Landschaften mir vor, daß es sich da, obwohl ich’s doch besser wußte, nicht etwa um eine Verfilmung von Richard Llewellyns ‚How Green My Valley was‘, vielmehr von Cronins ‚The Stars Are Looking Down‘ handelte. Dabei habe ich doch von dem Epos der herabblickenden Sterne eine einzige Einzelheit behalten. Aber diese geht mir bis zum heutigen Tag nach, und sie ist es auch, welche den Ausgangspunkt für mein nun fast schon lebenslanges Umkreisen und Einkreisen des Stillen Orts und der stillen Orte bildet, und mit der jetzt hier dementsprechend der Anfang des Versuchs darüber gemacht werden soll.“ (Verlagstext)

Titel Versuch über den stillen Ort / Peter Handke
Person(en) Handke, Peter
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin 13. Oktober 2012
Umfang/Format 108 S. ; 21 cm
ISBN/Einband 978-3-518-42317-2 Pp.
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe bic-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3518423177

Platz 2 (-) 70 Punkte

MASCHA KALÉKO:
Sämtliche Werke und Briefe in vier Bänden

Herausgegeben von Jutta Rosenkranz. Fremdsprachige Briefe und Textstellen übersetzt von Britta Mümmler und Efrat Gal-Ed.

Siebenunddreißig Jahre nach dem Tod der großen Lyrikerin erscheint die erste kommentierte Gesamtausgabe ihrer Werke und Briefe.
Diese Edition macht das Gesamtwerk und die Korrespondenz der Dichterin Mascha Kaléko erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Die zu Lebzeiten und im Nachlass veröffentlichten Werke der Schriftstellerin werden um Zeitungspublikationen und die unveröffentlichten Schriften aus dem Nachlass ergänzt.
Ihre Briefe zeigen eindrucksvoll die literarische Entwicklung der Autorin Mascha Kaléko, aber auch die Dichterin als Privatperson – als Ehefrau, Mutter und Freundin. Ihr regelmäßiger intellektueller Austausch mit Schriftstellerkolleginnen und -kollegen wie Ingeborg Drewitz, Hilde Domin, Hermann Kesten, Walter Mehring, Kurt Pinthus und vielen anderen liefert kostbare literaturgeschichtliche Dokumente. (Verlagstext)




Titel Sämtliche Werke und Briefe in vier Bänden / Mascha Kaléko
Person(en) Kaléko, Mascha ; Rosenkranz, Jutta [Hrsg.] ; Gal-Ed, Efrat [Übers.] ; Mümmler, Britta [Übers.]
Verleger München : dtv
Erscheinungstermin Oktober 2012
Umfang/Format 3984 S. ; 214 mm x 138 mm
Gesamttitel dtv Fortsetzungsnummer 0 ; 59086
dtv Kassettenausgaben
ISBN/Einband 978-3-423-59086-0 Gb.
Leseprobe Webspecial auf dtv.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3423590874

Platz 3 (-) 57 Punkte

CHRISTOPH RANSMAYR: Atlas eines ängstlichen Mannes



Ein großer erzählter Weltatlas. Der ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ ist eine einzigartige, in siebzig Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung. »Ich sah…«, so beginnt der Erzähler nach kurzen Atempausen immer wieder und führt sein Publikum an die fernsten und nächsten Orte dieser Erde: In den Schatten der Vulkane Javas, ins hocharktische Packeis, an die Stromschnellen von Mekong und Donau und über die Paßhöhen des Himalaya bis zu den entzauberten Inseln der Südsee. Wie Landkarten fügen sich dabei Episode um Episode zu einem Weltbuch, das in atemberaubenden Bildern Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen kartographiert. (Verlagstext)

"Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt. In den siebzig Episoden dieses Atlas ist ausschließlich von Orten die Rede, an denen ich gelebt, die ich bereist oder durchwandert habe, und ausschließlich von Menschen, denen ich dabei begegnet bin, Menschen, die mir geholfen, die mich behütet, bedroht, gerettet oder geliebt haben."

Titel Atlas eines ängstlichen Mannes / Christoph Ransmayr
Person(en) Ransmayr, Christoph
Verleger Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungstermin 23. Oktober 2012
Umfang/Format 455 S. ; 22 cm
ISBN/Einband 978-3-10-062951-7 Pp.
EAN 9783100629517
Sprache(n) Deutsch (ger)
Sachgruppe(n) Deutsche Literatur ; Belletristik
Literarische Gattung Erzählende Literatur: Gegenwartsliteratur ab 1945
Parallele Ausgabe(n) Hörbuch
Hörbuch (DAISY Edition)
Hörbuch Download bei audible.de
Kindle eBook
Leseprobe fischerverlage.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3100629515

Platz 4 (-) 46 Punkte

GAITO GASDANOW: Das Phantom des Alexander Wolf



Ein ehemaliger Weißgardist erinnert sich an ein tragisches Erlebnis im Bürgerkrieg in Russland, als er einen Reiter niederschoss. Jahre später, im Exil in Paris, findet er den Vorfall in einem Buch beschrieben. Er versucht den Autor namens Alexander Wolf zu treffen, doch stattdessen begegnet er der rätselhaften Jelena und verliebt sich in sie. Eines Tages erzählt sie ihm von ihrem früheren Geliebten, der dachte, bald sterben zu müssen, weil er dem Tod schon einmal entronnen war. In einem brillanten Spannungsbogen erzählt Gaito Gasdanow, der mit Nabokov, Proust und Camus verglichen wurde, diesen 1947 erschienenen Roman, in dem Liebe und Tod aufs engste verwoben sind. Sein Protagonist Alexander Wolf ist eine der geheimnisvollsten und unvergesslichsten Figuren der Weltliteratur. (Verlagstext)


"Von allen meinen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe." International ist Gaito Gasdanow ein Klassiker. In Deutschland kennt ihn bisher kaum einer. Das ändert sich gerade.

Titel Das Phantom des Alexander Wolf : Roman / Gaito Gasdanow. Dt. und mit einem Nachw. von Rosemarie Tietze
Person(en) Gazdanov, Gajto ; Tietze, Rosemarie [Übers.]
Verleger München : Hanser
Erscheinungstermin 27. August 2012
Umfang/Format 190 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel Prizrak Aleksandra Volʹfa ‹dt.›
ISBN/Einband 978-3-446-23853-4 Pp.
Bestellnummer(n) 505/23853
EAN 9783446238534
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Russisch (rus)
Sachgruppe(n) Slawische Literatur ; Belletristik
Literarische Gattung Erzählende Literatur: Hauptwerk vor 1945
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe hanser.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3446238530

Platz 5 (-) 45 Punkte

MAURICE CHAPPAZ:
In Wahrheit erleben wir das Ende der Welt

Ein Lesebuch


Erstmals erhält das deutschsprachige Lesepublikum die Chance, den faszinierenden Kosmos des Dichters Maurice Chappaz in seiner ganzen Fülle und Tiefe kennenzulernen: dank einer umfassenden Auswahl seiner Prosatexte, Gedichte und Briefe - die mit wenigen Ausnahmen noch nie auf Deutsch zu lesen waren! - und dank einer reich bebilderten Biografie, die sein Leben in seiner Dramatik und in seiner bewegenden inneren Konsequenz Revue passieren lässt. Von der keuschen Liebeseuphorie des Gedichts "Das Wunder der Frau", mit dem der Neunzehnjährige 1939 Charles-Ferdinand Ramuz überzeugte, bis zur Altersmelancholie des Prosastücks "Auch beim Lachen kann das Herz trauern" von 2008 umfasst das Lesebuch alle Phasen und Wandlungen von Maurice Chappaz reichem literarischem Werk. Dazu gehören die frühen Lobpreisungen der Walliser Landschaft ebenso wie die zornigen Pamphlete gegen die Umweltzerstörung und die humorvoll-satirische Aufarbeitung der Walliser Geschichte. Den berührenden Zeugnissen der Liebe zu Corinna Bille folgen Texte aus der Spätzeit: Texte, die den Schauplatz ausweiten bis nach Spitzbergen und New York und nicht zuletzt auch der dunklen Prophezeiung Nahrung geben, "in Wahrheit erlebten wir das Ende der Welt". (Verlagstext)


Ein Mann tauscht seinen Geschäftsanzug gegen die Kleidung der Bohème und lebt fortan auf einer Bank liegend. Mit dieser kurzen programmatischen Erzählung beschrieb Maurice Chappaz, was es für ihn hieß, Schweizer Dichter zu werden. "Das Wallis meines Herzens ist größer als das andere. Seit aller Ewigkeit besteht es. Ich habe es gekannt, als es Scheunenholz hatte und Enzianblut."

Titel In Wahrheit erleben wir das Ende der Welt : ein Lesebuch / Maurice Chappaz. In der Übertr. von Hilde und Rolf Fieguth zsgest. und mit einem biogr. Nachw. vers. von Charles Linsmayer
Person(en) Chappaz, Maurice ; Fieguth, Hilde [Übers.] ; Linsmayer, Charles [Hrsg.]
Verleger Frauenfeld ; Stuttgart ; Wien : Huber
Erscheinungstermin September 2012
Umfang/Format 350 S. : Ill. ; 22 cm
Gesamttitel Reprinted by Huber ; Nr. 29
ISBN/Einband 978-3-7193-1582-5 Pp. 
EAN 9783719315825
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Chappaz, Maurice
Sachgruppe(n) Französische Literatur ; Belletristik
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3719315827

Platz 6 (-) 43 Punkte

HELMUT HÖGE: Pferde


Eingedenk "der Tatsache, dass früher dem die Welt gehörte, der ein gutes Pferd und eine Stunde Vorsprung hatte", zog Helmut Höge sich in den 70ern mit seinem Pferd aufs Land zurück und führte in politisch turbulenten Zeiten Tagebuch eines Lebens mit Tier. Erst waren es die Spatzen, dann die Gänse, jetzt die Pferde: Die Reihe "Kleiner Brehm" sammelt Tiergeschichten, weil Genetik und Molekularbiologie nicht alles erkennen, was wir von der Natur wissen wollen.

Spatzen, Gänsen, Pferden sind die ersten drei, soeben im fränkischen Peter Engstler Verlag erschienen Hefte gewidmet. "Pferde" ist das Tagebuch von Höges "Flucht ins Leben", die er 1977 zu Fuß mit seinem Pferd nach Italien antrat, um sich danach der Neugier des Esels zu verschreiben, " Gänse " und " Spatzen"  hingegen sind fußnotenreiche Essays von nahezu faustischem Universalismus. Für 2013 sind schon mal Abhandlungen zu Schwänen, Hunden, Affen geplant. 2014 folgen Fische, Elefanten, und Kolibakterien. Genau, das Große und das Kleine hängen nämlich wie immer bei diesem Jongleur des wildesten Denkens, aufs Allerfeinste zusammen
Sabine Vogel in der Berliner Zeitung

"Kleiner Brehm" heißt die Reihe sehr kurzer Bücher, in der Höge von "Spatzen" (Band 1) bis "Kolibakterien" (Band 9, geplant für 2014) in schöner Prosa zusammenträgt, was ihm interessant und wissenswert erscheint. Der Effekt bei der Lektüre: eine Art säkulärer Andacht vor dem tierisch Lebendigen. Und, im Falle dieses literarischen Tagebuchs: eine sanfte und lichte Entschleunigung.
Der Spiegel Nr. 38 / 2012

Mehrteiliges Werk Höge, Helmut: Reihe kleiner Brehm. - Ostheim/Rhön : Engstler
Teil 3. Pferde
Ausgabe 1. Aufl.
Erscheinungstermin     April 2012
Umfang/Format 43 S.
ISBN/Einband 978-3-941126-35-0 geh. 
EAN 9783941126350
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3941126350

Platz 7 (3) 41 Punkte

THOMAS HETTCHE: Totenberg



Der Totenberg, das ist die Vergangenheit. Bei Thomas Hettche stimmt das
mehr als bei den meisten anderen, denn der Totenberg ist sein Hausberg im oberhessischen Treis. In Essays und Gesprächen umkreist der Autor seine eigene Biographie und stellt die Frage: Was verlieren wir, wenn sich alles ändert?

Eine intellektuelle Autobiographie in zehn Begegnungen Dieses Buch ist eine Einladung: Thomas Hettche führt den Leser zu den Themen seines Lebens, indem er ihn zu Menschen mitnimmt, die ihm etwas bedeuten. Zehn Begegnungen, die ebenso viel über den Autor wie über unsere Zeit erzählen.Als kunstvoller Erzähler und kluger Essayist hat Thomas Hettche sich einen Namen gemacht. In »Totenberg«, wie der Hausberg seines Heimatortes tatsächlich heißt, erweist er sich nun als brillanter Wanderer zwischen den Welten, der radikal ehrliche autobiographische Skizzen mit theoretischen Diskursen verbindet. »Totenberg« ist ein Buch ganz unterschiedlicher Tonfälle, in dem es treffende Beschreibungen deutscher Landschaften, lebendige Porträts und scharfsinnige Auseinandersetzungen mit Positionen gibt, die den Autor beschäftigen. Mit Hans-Jürgen Syberberg spricht Hettche über die Bindung der Kunst an Landschaft, mit Christa Bürger über die Verantwortung des Intellektuellen, mit Henriette Fischer über die vergessene Ausdruckstänzerin Valeska Gert, mit Anita Albus über die Möglichkeit einer religiösen Kunst, mit Michael Klett über Ernst Jüngers Haltung und das Soldatische in unserer Gegenwart. Als Leitmotiv erweist sich dabei Hettches Gefühl der Heimatlosigkeit, das sich im leeren Koffer seiner sudetendeutschen Mutter auf dem Dachboden des hessischen Elternhauses manifestierte und sich erst in der Literatur beruhigte, die es dort nicht gab.Anschaulich, bildreich, spannend und reich an Dialogen mit überraschenden Wendungen – ein Lesegenuss!  (Verlagsinfo)

»Ein wirklich aufregendes, ein zufrieden machendes Buch.« (Denis Scheck, 3sat Kulturzeit)

»[...] das vielleicht lesenswerteste Buch dieses Herbstes.« (Wiener Zeitung, Extra)

Titel Totenberg / Thomas Hettche
Person(en) Hettche, Thomas
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Köln : Kiepenheuer und Witsch
Erscheinungstermin 10. September 2012
Umfang/Format 213 S. ; 21 cm
ISBN/Einband 978-3-462-04463-8 Gewebe
EAN 9783462044638
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Hettche, Thomas ; Autobiographie
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe bic-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/346204463X

Platz 8 (-) 31 Punkte

WSEWOLOD PETROW: Die Manon Lescaut von Turdej



Vera ist eine Wiedergängerin Manon Lescauts, Sinnbild der Frau, die für die Liebe lebt. Doch Veras Geschichte spielt auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs: „Lieben Sie mich denn schon ein bisschen, Verotschka?“ fragte ich. „Ich weiß es jetzt noch nicht. Aber ich fühle schon, dass ich Sie lieben werde“. 60 Jahre lag das Manuskript in der Schublade, bis es 2006 in Russland erstmals erschien.

Ein sowjetischer Spitalzug auf dem Weg von einer Front zu anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum.
Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden:
"Wir fuhren schon so lange, daß wir nach und nach die Vorstellung von der Zeit verloren hatten ... Niemand wußte, wohin wir geschickt wurden. Wir fuhren von Station zu Station, als hätten wir uns verlaufen. Man hatte uns wohl vergessen."
Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, anders als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm, und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine "sowjetische Manon" und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.
"Manon Lescaut von Turdej", entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer Zeitschrift "Novyj Mir".
"Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, daß es nicht so war, daß ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsachlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, daß ich Vera liebte.
Ich legte mich so auf die Pritsche, daß ich gleich den ganzen Waggon sehen konnte. Wo Vera auch auftauchte, ich konnte sie sehen. Wie ein Somnambuler drehte ich mich zu der Seite, wo sie war."
(Verlagstext)

Titel Die Manon Lescaut von Turdej / Wsewolod Petrow. Aus dem Russischen von Daniel Jurjew. Stellenkommentar von Olga Martynova. Nachwort von Oleg Jurjew
Person(en) Petrov, Vsevolod N. ; Jurjew, Daniel [Übers.] ; Martynova, Olga [Hrsg.] ; Jurjew, Oleg [Nachr.]
Verleger Bonn : Weidle
Erscheinungstermin August 2012
Umfang/Format 124 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel Turdejskaja Manon Lesko ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-938803-48-6 kart.
EAN 9783938803486
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Russisch (rus)
Sachgruppe(n) Slawische Literatur ; Belletristik
Leseprobe weidle-verlag.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3938803487

Platz 9 (-) 30 Punkte

NORA BOSSONG: Gesellschaft mit beschränkter Haftung



Eine Frotteefabrik, ein Jahrhundert, drei Generationen. Nora Bossong erzählt die Wirtschaftskrise als Generationenproblem: "Kurt Tietjen hatte es sich zum Prinzip gemacht, zu zerstören, was nach ihm kam, um loszuwerden, was vor ihm gewesen war, und Luise, 27 Jahre alt, war die Haupterbin ihres Vaters." Ein neuer politischer Roman der Peter Huchel-Lyrikpreisträgerin.

Ein Vermögen überdauert drei Generationen: Die erste verdient es, die zweite bewahrt es, die dritte bringt es durch. Was aber passiert in der vierten? Luise Tietjen, 27 Jahre alt, erbt das, was sie nie gewollt hat: Tietjen und Söhne, Jahresumsatz 38 Millionen, Tendenz stark rückläufig. Luise muss die Firma retten, die mit ihren Handtüchern einst das kaiserliche Heer ausstattete, deren alten Werte heute aber niemanden mehr interessieren. Und sie muss ihren in New York untergetauchten Vater nach Hause holen. Doch als sie ihn endlich gefunden hat, ist es bereits zu spät. Nora Bossong, eine herausragende junge Autorin aus Deutschland, erzählt vom Aufstieg und Fall eines Familienunternehmens. (Verlagstext)

Titel Gesellschaft mit beschränkter Haftung : Roman / Nora Bossong
Person(en) Bossong, Nora
Verleger München : Hanser
Erscheinungstermin 27. August 2012
Umfang/Format 296 S. ; 21 cm, 10 g
ISBN/Einband 978-3-446-23975-3 Pp. 
Bestellnummer(n) 505/23975
EAN 9783446239753
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Essen ; Familienbetrieb ; Management ; Tochter ; Konflikt ; Vater ; Belletristische Darstellung
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe hanser.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3446239758

Platz 10 (-) 25 Punkte

JENNY ERPENBECK: Aller Tage Abend



Jenny Erpenbecks jetzt schon gefeierte Heldin hat fünf Leben – und fünf Tode: Als kränkelnder Säugling in Galizien, als lebensmüder Teenager in Wien, als vom Straflager bedrohte Kommunistin in Moskau, als gefeierte Schriftstellerin in der DDR und als gebrechliche Greisin im Westen.

Wie lang wird das Leben des Kindes sein, das gerade geboren wird? Wer sind wir, wenn uns die Stunde schlägt? Wer wird um uns trauern? Jenny Erpenbeck nimmt uns mit auf ihrer Reise durch die vielen Leben, die in einem Leben enthalten sein können. Sie wirft einen scharfen Blick auf die Verzweigungen, an denen sich Grundlegendes entscheidet. Die Hauptfigur ihres Romans stirbt als Kind. Oder doch nicht? Stirbt als Liebende. Oder doch nicht? Stirbt als Verratene. Als Hochgeehrte. Als von allen Vergessene. Oder doch nicht? Meisterhaft und lebendig erzählt Erpenbeck, wie sich, was wir »Schicksal« nennen, als ein unfassbares Zusammenspiel von Kultur- und Zeitgeschichte, von familiären und persönlichen Verstrickungen erweist. Der Zufall aber sitzt bei alldem »in seiner eisernen Stube und rechnet«. (Verlagstext)
 

Titel Aller Tage Abend : Roman / Jenny Erpenbeck
Person(en) Erpenbeck, Jenny
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger München : Knaus
Erscheinungstermin 20. August 2012
Umfang/Format 282 S. ; 22 cm
ISBN/Einband 978-3-8135-0369-2 Pp. 
EAN 9783813503692
Parallele Ausgabe(n) Hörbuch
Hörbuch Download bei audible.de
Kindle eBook
Leseprobe bic-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) schwierigere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3813503690

Persönliche Empfehlung

im Dezember von Hajo Steinert (Köln):

CORINNA T. SIEVERS: Schön ist das Leben und Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung



„Ich empfehle einen kurzen Roman, der in einem gottverlassenen Nest an der Ostsee in den siebziger Jahren spielt und von einem verstoßenen und missbrauchten Mädchen handelt, das mit sechs Fingern und Hasenscharte geboren wurde. Die ungeheure Spannung beim Lesen von Corinna T. Sievers' nach "Samenklau" (Frankfurter Verlagsanstalt) zweitem Roman "Schön ist das Leben und Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung" resultiert aus der Strenge des Sprach- und Erzählstils auf der formalen, der Zügellosigkeit beim Ausleben sexueller Begierden auf der inhaltlichen Seite einer Geschichte, deren Szenen einem noch lange nach zweistündiger Lektüre im Kopf herum spuken wie Bilder in einem Schwarz-Weiß-Film von Michael Haneke.“ (Hajo Steinert)

Die Autorin erzählt in düsterer Knappheit, frei von Larmoyanz und Schockeffekten, Utes Geschichte: In trostloser Armut wächst sie in den Siebziger Jahren in einem westdeutschen Ostseebad auf, geboren mit Hasenscharte und sechs Fingern an jeder Hand, unerwünscht, vom Stiefvater sexuell missbraucht. Schön ist das Leben erzählt aber auch von Utes Widerstand und von der zarten Liebe zum türkischen Mitschüler Volkan. Schließlich rächt sich Ute an ihren Peinigern, den hänselnden Mitschülern, dem Stiefvater, der stillschweigend duldenden Mutter. Ein Buch, das bestürzt und zornig macht, aber trotz allem auch hoffen lässt. (Verlagstext)

Titel Schön ist das Leben und Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung : Roman / Corinna T. Sievers
Person(en) Sievers, Corinna T.
Ausgabe Orig.-Veröff., Erstausg., 1. Aufl.
Verleger Hamburg : Ed. Nautilus
Erscheinungstermin 22. August 2012
Umfang/Format 93 S. ; 22 cm
ISBN/Einband 978-3-89401-760-6 Pp. 
EAN 9783894017606
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Deutschland ; Küstenstadt ; Mädchen ; Außenseiterin ; Armut ; Sexueller Missbrauch ; Belletristische Darstellung ; Geschichte 1966-1981
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Leseprobe edition-nautilus.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3894017600


Literatur im Fernsehen

Donnerstag, 6. Dezember um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 16. Dezember um 10.15 Uhr in 3sat
„Literatur im Foyer“ mit Felicitas von Lovenberg
Gäste: Clemens J. Setz und Stephan Thome

Sonntag, 9. Dezember um 10.15 Uhr in 3sat
(Wiederholung: Sendung vom 29. November, SWR Fernsehen)
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
Gäste: Karen Duve und Florian Weber

Donnerstag, 13. Dezember um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
Das Klassiker-Quartett
Gäste: Felicitas von Lovenberg, Ijoma Mangold, Denis Scheck


Literatur im Hörfunk

SWR2 Literatur
Dienstag, 4. Dezember um 22.03 Uhr
über die Bücher der Dezember-Bestenliste diskutieren
Sigrid Löffler und Kirsten Voigt; Moderation: Helmut Böttiger

Quelle der SWR Bestenliste Dezember 2012: http://www.SWR.de/bestenliste

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