Donnerstag, Dezember 27, 2012

SWR Bestenliste Januar 2013

Jetzt geht es endgültig los mit dem Jahr 2013. Wird einen Moment dauern, bis ich mich dran gewöhnt habe. Den Anfang macht die SWR Bestenliste mit ihrer Januar-Auswahl. Ihr kennt das Spiel: 30 Literaturkritikerinnen und -kritiker nennen monatlich - in freier Auswahl - vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie "möglichst viele Leser und Leserinnen" wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3). Die Addition ergab für den Januar folgendes Resultat (in Klammern die Position der Dezember-Bestenliste).
Wie immer wird die Bestenliste an dieser Stelle von mir angereichert um die vollständigen bibliografischen Angaben, Hinweise auf andere Ausgaben, auf Lese- und Hörproben und die Verlagsangaben zum Buch. Und natürlich gibt es zu jedem Titel auch einen Link für diejenigen, die die Bücher online bei amazon.de kaufen - und damit diesen Blog finanziell unterstützen - wollen.

Platz 1 (-) 155 Punkte

PETER HANDKE / SIEGFRIED UNSELD: Der Briefwechsel

Einen feierlichen Ton wählt Siegfried Unseld im Eingangssatz seines ersten Briefs an Peter Handke: „ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß wir nach genauer Lektüre Ihres Manuskriptes uns entschieden haben, Ihre Arbeit in den Suhrkamp Verlag zu übernehmen.“ Mit diesem Schreiben vom August 1965 setzt eine Korrespondenz ein, in der nach annähernd 600 Briefen Peter Handke dem Verleger zum 75. Geburtstag gratuliert: „Du bist und warst wie selten einer zum stillen, wohltätigen Dasein und Mitgehen (und Vorausschwimmen) fähig.“

Über einen Zeitraum von mehr als 35 Jahren besprachen Peter Handke und Siegfried Unseld das ihnen Wichtigste schriftlich: die Literatur, die Bücher, unterrichtete der Autor den Verleger von seinen Vorhaben, hielt Unseld schriftlich seine Eindrücke über die neuen Manuskripte fest, diskutierten beide Erscheinungstermin und Ausstattung von Büchern, Publikationsstrategien und Kritikerrezensionen.

Am Leitfaden der intensiven Arbeit an und für Literatur eröffnet dieser Briefwechsel völlig neue Einsichten in die Bedingungen des Schreibens und der Verbreitung von Büchern, zeichnet die intellektuelle Biographie beider Korrespondenten, ihr unablässiges Arbeiten an neuen Ausdrucksformen sowie deren materiellen, geographischen, politischen und persönlichen Begleitumstände. Konflikte zwischen beiden sind unausweichlich – ebenso unausweichlich ist es, daß sie beigelegt werden, denn für Peter Handke wie für Siegfried Unseld gilt: allein die Literatur schafft Möglichkeiten eines freien Lebens, in dem Phasen des Glücks vorherrschen können.

Titel Der Briefwechsel / Peter Handke - Siegfried Unseld
Person(en) Handke, Peter ; Unseld, Siegfried ; Raimund Fellinger (Hrsg.) ; Katharina Pektor (Hrsg.)
Verleger Berlin : Suhrkampf Verlag
Erscheinungstermin 10. Dezember 2012
Umfang/Format 798 S. ; 20,4 cm
ISBN/Einband 978-3518423394 Pp.
EAN 3518423398
Parallele Ausgabe(n) Audio-Book
Suhrkamp eBook
Leseprobe big-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3518423398

Platz 2 (-) 55 Punkte

KURT DRAWERT: Schreiben


Mit diesem Buch legt Kurt Drawert nicht nur ein Handbuch zum Schreiben vor, sondern auch einen Versuch über das, was Schreiben im radikalen Sinne bedeutet. Ebenso bietet er Einblicke in die Praxis des Schreibens und bespricht Probleme poetischer Techniken anhand von Beispielen und Exkursen. Autorinnen und Autoren, die tiefer in das Geschehen ihrer Arbeit eindringen wollen, aber auch alle anderen, die Einsichten in die Entstehungsgeschichte literarischer Texte suchen, über ihre Wirkung und Kriterien zu ihrer Beurteilung nachdenken möchten, werden hier reich belohnt. Es geht auch um das Verhältnis von Talent und Handwerk, Schreibanlass und Schreibumgebung und immer um die Frage: Wie wird aus Normalsprache ein poetischer Text, was wird unter welchen Bedingungen Literatur? Und da die ganze Person in allen ihren Beziehungen im Akt des Schreibens anwesend ist, muss, um gut oder besser oder anders schreiben zu können, auch die ganze Person in Betracht gezogen werden.

Titel Schreiben. Von Leben der Texte / Kurt Drawert
Person(en) Drawert, Kurt
Verleger München : C.H. Beck Verlag
Erscheinungstermin 19.10.2012
Umfang/Format 288 S. ; 22 cm
ISBN/Einband 978-3-406-63945-6 , geb.
Sprache(n) Deutsch (ger)
Leseprobe chbeck.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) schwerere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3406639453

Platz 3 (-) 49 Punkte

KEVIN VENNEMANN: Sunset Boulevard

Vieles von dem, was wir von unserer Welt wissen, wissen wir aus den Bildern Hollywoods. Doch welches Bild machen wir uns von der Stadt Los Angeles? Es scheint, als habe sie schon immer als amoralisches Nichts gegolten, als Ersatzparadies für wenige. Nahezu vergessen ist, daß L. A. einmal die vielleicht modernste aller Städte war, die beinahe ein Paradies geworden wäre für alle.
Entlang des Sunset Boulevard hat sich Kevin Vennemann auf die Suche begeben nach dem, was von dieser egalitären Moderne übriggeblieben ist. So entstand ein Essay über die großen Films Noirs, über das Ende der modernen Architektur und über die Bemühungen so unterschiedlicher Figuren wie Sophokles, Roman Vishniac, Billy Wilder und Raphael Soriano, nicht nur ein »Wir« ins Bild zu setzen, sondern auch die anderen, die Opfer der Geschichte, ein »Sie«.

Titel Sunset Boulevard. Vom Filmen, Bauen und Sterben in Los Angeles / Kevin Vennemann
Person(en) Vennemann, Kevin
Verleger Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin 21.05.2012 
Umfang/Format 184 Seiten
ISBN/Einband 978-3-518-12646-2  , Broschur
Parallele Ausgaben
Kindle edition
Reihentiteledition suhrkamp 2646
Leseprobe bic-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3518126466

Platz 4 (3) 39 Punkte

CHRISTOPH RANSMAYR: Atlas eines ängstlichen Mannes



Ein großer erzählter Weltatlas. Der ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ ist eine einzigartige, in siebzig Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung. »Ich sah…«, so beginnt der Erzähler nach kurzen Atempausen immer wieder und führt sein Publikum an die fernsten und nächsten Orte dieser Erde: In den Schatten der Vulkane Javas, ins hocharktische Packeis, an die Stromschnellen von Mekong und Donau und über die Paßhöhen des Himalaya bis zu den entzauberten Inseln der Südsee. Wie Landkarten fügen sich dabei Episode um Episode zu einem Weltbuch, das in atemberaubenden Bildern Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen kartographiert. (Verlagstext)

"Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt. In den siebzig Episoden dieses Atlas ist ausschließlich von Orten die Rede, an denen ich gelebt, die ich bereist oder durchwandert habe, und ausschließlich von Menschen, denen ich dabei begegnet bin, Menschen, die mir geholfen, die mich behütet, bedroht, gerettet oder geliebt haben."

Titel Atlas eines ängstlichen Mannes / Christoph Ransmayr
Person(en) Ransmayr, Christoph
Verleger Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungstermin 23. Oktober 2012
Umfang/Format 455 S. ; 22 cm
ISBN/Einband 978-3-10-062951-7 Pp.
EAN 9783100629517
Sprache(n) Deutsch (ger)
Sachgruppe(n) Deutsche Literatur ; Belletristik
Literarische Gattung Erzählende Literatur: Gegenwartsliteratur ab 1945
Parallele Ausgabe(n) Hörbuch
Hörbuch (DAISY Edition)
Hörbuch Download bei audible.de
Kindle eBook
Leseprobe fischerverlage.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) einfachere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3100629515


Platz 5 (-) 35 Punkte

SIEGFRIED LENZ: Amerikanisches Tagebuch 1962


"Am 16. Oktober, 9.15 a.m. erstes Appointment mit Mr. Milos O. Ptak im Department of State, Telefonat mit Dr. Schött von der Deutschen Botschaft, der bereits Nachricht hinterlassen hatte."

Vierundvierzig Tage reist Siegfried Lenz im Jahre 1962 durch die USA. Er notiert allabendlich das Erlebte in ein Notizbuch. Genau fünfzig Jahre danach erscheint dieses Dokument einer Reise durch Amerika.

Zur selben Zeit als Siegfried Lenz am Morgen nach seiner Ankunft in Washington und noch mit Jetlag seinen ersten Verabredungen nachkommt, trifft sich der amerikanische Präsident John F. Kennedy mit seinen Militärberatern und wichtigsten Beamten zur Besprechung der Kubakrise. Amerika steht vor seiner größten Krise seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Diese bedrohliche Atmosphäre empfindet Siegfried Lenz bereits nach wenigen Tagen seiner Amerikareise. Der Ost-West-Konflikt, die Kubakrise, die Diskussion um die Atombombe, das Engagement der Vereinigten Staaten in Vietnam - von diesen Stimmungen ist Siegfried Lenz Reisetagebuch 1962 bestimmt.

Dabei war der junge Schriftsteller, der seine ersten Bücher bei Hoffmann und Campe verlegt hatte, doch eingeladen worden, die amerikanische Demokratie kennenzulernen. Der deutsche Seekadett, Journalist und Literat war, wie Martin Walser, Günter Grass, Ingeborg Bachmann oder auch Marcel Reich-Ranicki ein überaus wichtiger Gast aus Deutschland, der dem sich findenden Deutschland Bericht erstatten sollte aus dem Land der Sieger. Siegfried Lenz war von vielem begeistert, von der amerikanischen Literatur wusste er viel, ihr wollte er weiter auf die Spur kommen. Fast hätte er Faulkner noch getroffen. Es war sein Wunsch. Es hat nicht mehr sollen sein.

Titel Amerikanisches Tagebuch 1962 / Siegfried Lenz
Person(en) Lenz, Siegfried
Verleger Hamburg. : Verlag Hoffmann und Campe
Erscheinungstermin 4. Oktober 2012
Umfang/Format 160 S. ; 21,5 cm
ISBN/Einband 978-3-455-40422-7 ; gebunden.
Parallele Ausgabe(n) Hörbuch (2 CDs, ungekürzte Lesung, 152 Minuten)
kindle edition
Leseprobe bic-media.com
Hörprobehoffmann-und-campe.de/.../lenz_amertagebuch_hp.mp3
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3455404227

Platz 6 (-) 33 Punkte

WULF SEGEBRECHT (Hg.): Deutsche Balladen

So viel Spannung auf engstem Raum bietet nur die Ballade. Dieses Buch handelt von 365 Katastrophen und anderen dramatischen Vorfällen, von Liebesglück und Lebensleid, Heldentum und Misere, Schuld und Sühne, Mord und Totschlag - literarischer Nervenkitzel pur. Wulf Segebrecht sprengt mit seiner Auswahl den herkömmlichen Bestand deutscher Balladen und tritt eine spannende Entdeckungsreise in die Literatur der Gegenwart an. Ausgehend von Texten der Gegenwart - seien es Chansons, Flugblätter, Poetry-Slam-Lyrik oder Rap-Songs - verfolgt er die Entwicklung der Ballade in Deutschland zurück bis zu den Volksliedern des 16. Jahrhunderts.

Ein Lesebuch, ein Vorlesebuch, Balladen von .... bis, man liest und staunt: ... von der Musikgruppe Tocotronic.
Die Ballade ist tot! Es lebe die Ballade!

Titel Deutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen / Wulf Segebrecht (Hg.)
Person(en) Segebrecht, Wulf
Verleger München : Carl Hanser Verlag
Erscheinungstermin 24.09.2012
Umfang/Format 888 S. ; 19 cm; mit Abbildungen und Lesebändchen
ISBN/Einband 978-3-446-23995-1 ; Fester Einband
Leseprobe hanser.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) einfachere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3446239952

Platz 7 (-) 30 Punkte

DANTE ALIGHIERI: La Commedia / Die Göttliche Komödie - III. Paradiso

Nachdem er Hölle und Läuterungsberg durchschritten hat, gelangt Dante ins Paradies. Von seinen Führern Vergil und Statius hat er sich verabschiedet; im Paradies wird Beatrice seine Begleiterin sein. Mit ihr schwebt er durch die himmlischen Sphären – es sind wieder neun – empor bis in den höchsten Himmel. Zuerst erreicht er die Sphäre des Mondes und begegnet dort den Seelen derer, die ein hohes Gelübde nicht eingehalten haben. Die anschließende Merkursphäre wird zum Lobesort des antiken Rom. Der Venushimmel nimmt starke Liebende auf, der ›Planet‹ Sonne die großen Weisheitslehrer, im Mars finden Glaubenskrieger und Märtyrer ihre Plätze, zu Jupiter gehören die gerechten Herrscher, im Saturnhimmel berichten die Meister der Kontemplation von ihrem geistlichen Wirken. Nach den sieben Wandelsternen spannen die Fixsterne den achten Himmel auf, wo die wichtigsten Apostel Dante einer Glaubensprüfung unterziehen. Im neunten Himmel, dem Kristallhimmel, wird der Weltenpilger das Licht Gottes erblicken. Eine letzte Vision versetzt ihn in das immaterielle Empyreum, womit das Werk inhaltlich wie dichterisch seinen Höhepunkt erreicht. - Der Band enthält ein Personen- und Sachregister.

Jetzt das Paradies - was noch keiner geschaut hat, Dante erzählt es im letzten Teil seiner "Göttlichen Komödie", Wissenschaft, Philosophie, Theologie seiner Zeit und das, was sie mit den Menschen macht; kurz: geniale science-fiction, übersetzt und verschwenderisch kommentiert von Hartmut Köhler, der am 9. Dezember verstorben ist - am Ende das Paradies.

Titel Dante Alighieri: La Commedia / Die Göttliche Komödie. III. Paradiso / Paradies
Person(en) Dante Alighieri ; Köhler, Hartmut (Übs.)
Verleger Stuttgart : Reclam Verlag
Erscheinungstermin 01. Oktober 2012
Umfang/Format 828 S. ; 19 cm
ISBN/Einband 978-3-15-010796-6 ; Pp.
Leseprobe book2look.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) schwerere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3150107962

Platz 8 (4) 28 Punkte

GAITO GASDANOW: Das Phantom des Alexander Wolf

Ein ehemaliger Weißgardist erinnert sich an ein tragisches Erlebnis im Bürgerkrieg in Russland, als er einen Reiter niederschoss. Jahre später, im Exil in Paris, findet er den Vorfall in einem Buch beschrieben. Er versucht den Autor namens Alexander Wolf zu treffen, doch stattdessen begegnet er der rätselhaften Jelena und verliebt sich in sie. Eines Tages erzählt sie ihm von ihrem früheren Geliebten, der dachte, bald sterben zu müssen, weil er dem Tod schon einmal entronnen war. In einem brillanten Spannungsbogen erzählt Gaito Gasdanow, der mit Nabokov, Proust und Camus verglichen wurde, diesen 1947 erschienenen Roman, in dem Liebe und Tod aufs engste verwoben sind. Sein Protagonist Alexander Wolf ist eine der geheimnisvollsten und unvergesslichsten Figuren der Weltliteratur.

"Von allen meinen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe." International ist Gaito Gasdanow ein Klassiker. In Deutschland kennt ihn bisher kaum einer. Das ändert sich gerade.

Titel Das Phantom des Alexander Wolf / Gaito Gasdanow
Person(en) Gasdanow, Gaito ; Tietze, Rosemarie (Übs.)
Verleger München : Hanser Verlag
Erscheinungstermin 27. August 2012
Umfang/Format 192 S. ; 21 cm
ISBN/Einband 978-3-446-23853-4 ; Pp.
Parallele Ausgabe(n) kindle edition
Leseprobe hanser.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3446238530

Platz 9 (-) 26 Punkte

MICHAIL BULGAKOW: Meister und Margarita

Bulgakows Meisterwerk und das Lieblingsbuch ganzer Generationen – so frech, klug, aberwitzig und frisch wie nie zuvor!

Ohne Frage: Michail Bulgakows Meister und Margarita ist Kult! Schon als der Roman – 26 Jahre nach dem Tod des Autors – stark zensiert erstmals in den 60er Jahren erschien, lernten viele seiner Landsleute ihn auswendig; heimlich angefertigte Kopien der herausgestrichenen Stellen kursierten und die verhexte Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja – der zentrale Handlungsort des Romans, von dem aus der Teufel namens Woland, der Riesenkater Behemoth und viele andere die Stadt Moskau auf den Kopf stellen – wurde zur Pilgerstätte. Und bis heute ist die Zahl der Verehrer für den inzwischen in den Kanon der Weltliteratur als Geniestreich und Meisterwerk der russischen Moderne aufgenommenen Roman unendlich groß: Ob Mick Jagger, Anna Netrebko, Wladimir Kaminer, Maximilian Brückner, Alina Bronsky, Gabriel García Márquez – sie alle haben Meister
und Margarita verschlungen. Kaum ein anderes Buch hat ganze Generationen so geprägt, viele der Fans sagen: bis heute.
Radikal modern übersetzt Alexander Nitzberg diese aberwitzige Satire auf ein erstarrtes System und übertriebenen Atheismus. Ein Großstadtroman, magisch, verrückt und gegenwärtig. Und in eine Sprache übertragen, die vor allem eins ist: frisch und zupackend.

12 Jahre schrieb Michail Bulgakow an seinem Opus Magnum, am Anfang von der literarischen Elite der Sowjetunion noch gelitten, aber dann in Misskredit geraten. Sein Roman ist eine schwindelerregende Geschichte um falsche Propheten, Erlöserfiguren, den Teufel, Hexen, Dämonen, Faustische Pakte.

Titel Meister und Margarita / Michael Bulgakow
Person(en) Bulgakow, Michail ; Nitzberg, Alexander (Übs.); Felicitas Hoppe (Nachwort) ; Wolfgang und Ekaterina Shapiro-Obermair (Ill.)
Verleger Berlin : Verlag Galiani
Erscheinungstermin 16. August 2012
Umfang/Format 601 S. ; 21 cm
ISBN/Einband 978-3-86971-058-7 ; Halbleinen, Lesebändchen, feinste Ausstattung
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3869710586

Platz 10 - 11 (-) 25 Punkte

HOWARD JACOBSON: Liebesdienst

Obwohl Felix Quinn mit der Liebe seines Lebens verheiratet ist, hat er eine große Obsession: die Eifersucht. Eines Tages lernt er zufällig Marius kennen – und plötzlich ist Felix wie besessen von diesem Mann und plant sein eigenes Betrogenwerden, das Fremdgehen seiner Frau mit Marius. Anfangs malt er ihn sich nur als Hauptfigur in einer Fiktion voller Wollust aus – Marius‘ Hände auf dem Körper seiner eigenen Frau Marisa –, doch dann wünscht er sich, dass die Fiktion Wirklichkeit wird. Über viele Monate hinweg studiert er den Auserwählten, seine Interessen, Gewohnheiten, Vorlieben, bis der Tag kommt, an dem Felix die beiden einander endlich begegnen lässt …

Ein Roman über die Eifersucht, über Tabus und Tabubrüche, schockierend offen, schamlos leidenschaftlich und herrlich ironisch!

Titel Liebesdienst / Howard Jacobson
Person(en) Jacobson, Howard ; Stegers, Thomas
Verleger München : Deutsche Verlags-Anstalt (DVA)
Erscheinungstermin 12. November 2012
Umfang/Format 400 S. ; 21,5 cm
ISBN/Einband 978-3-421-04406-8 ; Pp.
EinheitssachtitelThe act of love ‹dt.›
Leseprobe randomhouse.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3421044066

Platz 10-11 (8) 25 Punkte

WSEWOLOD PETROW: Die Manon Lescaut von Turdej



Vera ist eine Wiedergängerin Manon Lescauts, Sinnbild der Frau, die für die Liebe lebt. Doch Veras Geschichte spielt auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkriegs: „Lieben Sie mich denn schon ein bisschen, Verotschka?“ fragte ich. „Ich weiß es jetzt noch nicht. Aber ich fühle schon, dass ich Sie lieben werde“. 60 Jahre lag das Manuskript in der Schublade, bis es 2006 in Russland erstmals erschien.

Ein sowjetischer Spitalzug auf dem Weg von einer Front zu anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum.
Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden:
"Wir fuhren schon so lange, daß wir nach und nach die Vorstellung von der Zeit verloren hatten ... Niemand wußte, wohin wir geschickt wurden. Wir fuhren von Station zu Station, als hätten wir uns verlaufen. Man hatte uns wohl vergessen."
Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, anders als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm, und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine "sowjetische Manon" und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.
"Manon Lescaut von Turdej", entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer Zeitschrift "Novyj Mir".
"Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, daß es nicht so war, daß ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsachlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, daß ich Vera liebte.
Ich legte mich so auf die Pritsche, daß ich gleich den ganzen Waggon sehen konnte. Wo Vera auch auftauchte, ich konnte sie sehen. Wie ein Somnambuler drehte ich mich zu der Seite, wo sie war." 

Titel Die Manon Lescaut von Turdej / Wsewolod Petrow. Aus dem Russischen von Daniel Jurjew. Stellenkommentar von Olga Martynova. Nachwort von Oleg Jurjew
Person(en) Petrov, Vsevolod N. ; Jurjew, Daniel [Übers.] ; Martynova, Olga [Hrsg.] ; Jurjew, Oleg [Nachr.]
Verleger Bonn : Weidle
Erscheinungstermin August 2012
Umfang/Format 124 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel Turdejskaja Manon Lesko ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-938803-48-6 kart.
EAN 9783938803486
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Russisch (rus)
Sachgruppe(n) Slawische Literatur ; Belletristik
Leseprobe weidle-verlag.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3938803487

Persönliche Empfehlung - im Januar von Kirsten Voigt (Baden-Baden):

RICHARD YATES: Eine gute Schule

Das Haar hängt ihm fettig in die Stirn, sein fadenscheiniges Hemd ziert ein Muster aus Flecken. William Grove, fünfzehn Jahre alt und gerade als Stipendiat an der Dorset Academy angenommen, wird schnell der Stempel aufgedrückt: Mit diesem »Zigeuner« möchte keiner der Jungen im Internat etwas zu tun haben. Denn Grove kann nicht verbergen, dass er aus proletarischen Verhältnissen stammt. Doch genau das soll er an der Dorset, Hort englischer Erziehungstraditionen, lernen – seine Mutter hofft, dass ihrem Sohn sich so die Türen zur höheren Gesellschaft öffnen, die ihr, der großen Künstlerin, verschlossen geblieben sind, trotz aller Bemühungen.

Glaubwürdig und mit viel Feingefühl gelingt es Richard Yates, dem Meister der klaren Worte, das psychologische Porträt eines Jungen zu zeichnen, der seinen Platz in der Gesellschaft noch finden muss.

"Karg, klar, großartig: Richard Yates erzählt mit psychologischem Scharfblick vom Unglück, ein Mensch zu sein. Auch in "Eine gute Schule", seinem stark autobiographischen Roman aus dem Jahr 1978.
Ein Internat: Man sucht, findet, liebt, quält und betrügt sich. Die großartigste Szene: der misslingende Suizid eines behinderten Lehrers. So illusionslos es hier im Schatten des Zweiten Weltkriegs um Einsamkeit und Gefährdung geht, man empfindet wieder – wie bei allen anderen Romanen des zu
Lebzeiten tragisch erfolglosen Autors – das Glück, ein Leser zu sein."
(Kirsten Voigt)

Titel Eine gute Schule / Richard Yates
Person(en) Yates, Richard ;
Verleger München : Deutsche Verlags-Anstalt (DVA)
Erscheinungstermin 3. September 2012
Umfang/Format 240 S. ; 20 cm
ISBN/Einband 978-3-421-04394-8 , Hardcover (Pp.) mit Schutzumschlag
Einheitssachttitel A good school ‹dt.›
Leseprobe randomhouse.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre
Katalog-Linkhttp://www.amazon.de/gp/product/3421043949


Literatur im Fernsehen

Donnerstag, 10. Januar um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 20. Januar um 10.15 Uhr in 3sat

"Literatur im Foyer" mit Felicitas von Lovenberg
Gäste: Péter Nádas und Ijoma Mangold

Donnerstag, 24. Januar um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 27. Januar um 10.15 Uhr in 3sat

"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Gast: Karl Heinz Bohrer


Literatur im Hörfunk

SWR2 Literatur
Dienstag, 15. Januar um 22.03 Uhr

über die Bücher der Januar-Bestenliste diskutieren
Ursula März und Hajo Steinert; Moderation: Helmut Böttiger

Quelle: http://www.SWR.de/bestenliste


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