Freitag, März 16, 2012

Henning Schöttke: Gulas Menü

Ein Familienroman über drei Generationen, beginnend im Jahr der Liebe 1969 und endend mit einem Schuss Zukunftsprognostik 2031. Das klingt vielversprechend. Besonders dann, wenn kulinarische Genüsse den roten Faden bilden und das ganze Buch aufgebaut ist wie ein großes Menü. Wen wundert es, wenn das Buch bereits kurz nach Erscheinen mit dem GOURMAND WORLD COOKBOOK AWARD 2011 in Deutschland in der Kategorie Best Food Literature Books ausgezeichnet wird.

Im Zentrum des Romans steht Gula, eine junge Frau, die im Sommer 1969 gezeugt wurde. Ihr Vater Charly ist werdender Koch, und er verführt Ulrike mit einem aus Kühlschrankresten zusammengebastelten Amuse-Geule, „Himmel und Erde“. So ist Nahrung von Beginn an von zentraler Bedeutung für das Leben der jungen Frau. Vielleicht auch deswegen, weil Charly sich bald schon aus Hamburg nach Göttingen verkrümelt, wo er von einem Restaurant träumt und währenddessen mit einer Kneipe baden geht. Gula wächst bei Ulrike auf und sieht ihren Vater immer seltener. Sie schreibt ihm Briefe, die nie ankommen, weil die Mutter die Adresse des Erzeugers nicht rausrückt.

Wir sehen Gula heranwachsen, mit Rubiks Zauberwürfel kämpfen, mit Rauschgift experimentieren, ihre erste eigene Wohnung renovieren. Und wir sehen Charly, der versucht, sich seiner verlorenen Tochter wieder anzunähern, der aber Angst vor seiner eigenen Courage hat und letztlich nie den entscheidenden Schritt auf Gula zugeht. So wird das kleine Mädchen erwachsen und schließlich selbst zweifache Mutter.

209 Seiten sind nicht viel für einen Roman, der eine derart lange Zeitspanne abdeckt. Die 209 Seiten sind aufgeteilt in 16 Geschichten und fünf Rezepte. Hier wird deutlich, dass der Verlag „Stories & Friends“ in vielerlei Hinsicht versucht, neue Wege zu gehen. Neben zahlreichen Anthologien mit zumeist sinnlichen Themen von Kaffee Arabica bis Zitronengras etabliert der Verlag auch die Idee der Romane als Sammlung zusammenhängender Kurzgeschichten – Geschichten also, die mit einer Rahmenhandlung versehen sind oder sonstwie zusammenhängen. Diese Art, Short Storys zu einem Roman zu weben ist für den Leser gewöhnungsbedürftig. Und für die Autoren eine Herausforderung.

So auch bei „Gulas Menü“. Gelegentlich wird deutlich, dass eine Geschichte ursprünglich als eigenständiger Text konzipiert war und nun mühsam in das Gefüge der Familiensaga hineingedrückt wurde. Das macht das Lesen zu einem Puzzel. Wer sind die Personen, die hier auftauchen? In welchem Zusammenhang stehen sie zur Familie? Zuweilen sind es nur Nebensätze, die irgendwann das Rätsel klären, etwa bei „Gefressen werden“, einer Geschichte, in der Lena, die Tochter Charlys aus zweiter Ehe, mit ihren Freunden in einer Hamburger Kneipe sitzt und auf dem Nachhauseweg beinahe vergewaltigt wird. Lena spielt sonst im Romanverlauf keine Rolle – und die Idee, in einem Band über Nahrung mittels des Satzes „Ich habe dich zum Fressen gern“ auch die Konnotation von Angst und Lust zu thematisieren, hat zwar einen gewissen Reiz, wirkt auf mich aber im Zusammenhang mit sexueller Gewalt metaphorisch überzogen.

Überhaupt erschließen sich manche Dinge im Roman nur andeutungsweise. So wird Gulas Name nirgendwo thematisiert. Der Leser weiß, dass Charly einen Hang zur indischen Philosophie hat, und so ist es kein Wunder, wenn der junge Mann für seine Tochter den Namen einer asiatischen Göttin wählt. Dass Gula der lateinische Name für die Kehle ist und in der Folge zum Synonym für Völlerei wurde, die in der katholischen Lehre als Todsünde gilt, passt zur Story und zur Art, wie der Autor Henning Schöttke seine Geschichten erzählt: Beim Lesen des Textes fällt nicht auf, dass Schöttke sich zur Vorbereitung mit der Anthropologie von Körper und Nahrung, mit der Frage weiblicher Lebensmittel oder der Ethik des Essens auseinandergesetzt hat. Schöttke zeigt kleine Alltagsbilder, in denen Nahrung zwar immer wieder eine Rolle spielt, diese Rolle jedoch selten reflektiert wird. Wie stimmig seine Bilder in Bezug auf das Thema sind, wird erst im Nachhinein deutlich – und hinterlässt oberflächliche Leser aller Wahrscheinlichkeit nach ratlos.

Nehmen wir Gula selbst. Schöttke charakterisiert sie – in seinen Materialien zum Roman, die er auf Facebook veröffentlicht hat - so: „Mit dem Verlust ihres Vaters hat sie auch den Sinn für Essen verloren und entwickelt eine Hassliebe dazu. Sie ‚verschlingt‘ das Leben seither symbolisch und ist von animalischer Lebenslust.“ Diese psychologisch stimmige Idee lässt sich durch den Roman hindurch verfolgen – drängt sich aber nicht auf. Der Leser sieht, wie Gula immer wieder Nahrung zu sich nimmt: „Sie griff nach dem Kuchen und biss ein Stück ab, wischte sich die Finger an der Serviette ab und kaute, ohne den Geschmack wahrzunehmen“, heißt es etwa in der Geschichte „Rubik‘s Cube“ – und viel mehr als diesen einen Satz gibt es nicht zum Thema Erdbeerkuchen, eingebettet zwischen Gulas Wunsch, den Zauberwürfel zu knacken und der Hassliebe zu ihrem Vater, die sie dazu bringen wird, ihre Briefe an ihn über ein Brückengeländer in die Elbe zu werfen.

„Gulas Menü“ lebt von kleinen Beobachtungen dieser Art. Aber gerade die Leichtigkeit, mit der Henning Schöttke sie zwischen banalen Diskussionen über Filme und andere alltägliche Situationen einbettet, macht es schwer, diese Perlen zu entdecken. Der Leser muss sich, um in den vollen Genuss zu kommen, die Geschichten auf der Zunge zergehen lassen. Das aber ist bei einem Büchlein, das sich selbst als Fast Food geriert, nicht einfach. Zu alltäglich kommt die Sprache, zu gewöhnlich die Bilder daher, um beim oberflächlichen Lesen Faszination auszulösen. Eine herkömmliche Dramaturgie fehlt und wird lediglich durch den roten Faden der Familiengeschichte ersetzt. Das mag dem Konzept des Verlags entsprechen, bleibt als Menü aber nicht lange im Gedächtnis. Schade eigentlich, denn die Idee hat viel Potential.

TitelGulas Menü : ein Roman in 16 Geschichten / Henning Schöttke
Person(en)Schöttke, Henning
Ausgabe1. Aufl.
VerlegerLehrensteinsfeld bei Heilbronn : Stories & Friends
Erscheinungstermin11. Sept. 2011
Umfang/Format208 S. ; 19 cm
ISBN/Einband/Preis978-3-942181-09-9 Pp. : EUR 17.90 (DE), EUR 18.40 (AT), sfr 32.50 (freier Pr.)

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Verlag Stories & Friends, der mir ein Rezensionsexemplar des Buchs Gulas Menü zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls Dank an Blogg dein Buch für die Vermittlung zwischen diesem Blog und dem Verlag.

3sat Buchzeit: Sahra Wagenknecht

Anlässlich der Leipziger Buchmesse führte Gert Scobel gestern für die 3sat Buchzeit ein spannendes Interview mit Sarah Wagenknecht. Wagenknecht ist nicht nur stellvertretende Vorsitzenden der Partei "Die Linke", sondern auch Publizistin. Noch dazu eine mit einer faszinierenden Klarsicht in Bezug auf unser politisches System.

Mehr durch Zufall bin ich die "Buchzeit" hineingezappt. Gerade spricht eine junge Autorin über den Zusammenhang zwischen Ökonomie und Demokratie. Sie vertritt die durchaus spannende These, dass eine starke Ökonomie der Tod jeder Demokratie sei. Ich versuche herauszufinden, wer sie ist. Durch die Website von 3sat erfahre ich, dass sie Sahra Wagenknecht heißt, Politikerin und Literaturwissenschaftlerin ist, und gerade ein Buch auf den Markt geworfen hat: "Freiheit statt Kapitalismus".

Neugierig geworden gehe ich weiter zu wikipedia, während Sarah Wagenknecht mit Gerd Scobel über ihre frühe Faszination an der Literatur redet, über Balsac, Goethe und Thomas Mann. 1969 geboren - ich rechne kurz nach: Ist die Frau auf dem Bildschirm tatsächlich schon über 40 Jahre alt? Während ich ihr zuhöre, spüre ich etwas von diesem ruhigen Wissen, das erst ab einem bestimmten Alter auftreten kann. "Wagenknecht ist seit 2010 stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Linke und seit November 2011 einer der zwei Ersten Stellvertreter des Vorsitzenden der Bundestagsfraktion. [...] Seit Oktober 2009 ist sie Abgeordnete des Deutschen Bundestages und wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion" heißt es bei Wikipedia. Hätte mir klar sein können, bei dem Buchtitel, denke ich mir und bin gespannt, wie sie das Thema in der Sendung verkaufen wird.

Zunächst stellt Gert Scobel zwei Bücher anderer Autoren vor (s.u.), bevor es tatsächlich um das laut Scobel von der Wirtschaftspresse hochgelobte Freiheit statt Kapitalismus geht. Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil findet sich eine Analyse des derzeitigen Wirtschaftssystems, gerade auch im Blick auf die Auswirkung auf die sog. kleinen Leute. Der zweite Teil nennt sich "Kreativer Sozialismus", laut Wagenknecht eine praktikable Alternative zum kapitalistischen System, in dem wir heute leben. Ein positiver Gegenentwurf, den sie nicht als Rückschritt in die Vergangenheit verstanden wissen will. Niemand kann ja verlangen, sich mit der heutigen Gesellschaft einfach abzufinden - und nach funktionsfähigen Alternativen zu suchen, bedeutet eben nicht, zu den ewig Gestrigen zu gehören. Auch wenn konservative Kräfte uns dies gern einreden würden.

Hart kritisiert Wagenknecht die Machtposition der Banken. Zwar habe Angela Merkel bereits 2008 verkündet, die Banken müssten stärker reguliert und das Primat der Politik wiederhergestellt werden - eine Position, die Wagenknecht durchaus teilt -, gleichzeitig hat die reale Macht der Geldinstitute jedoch ständig zugenommen. Statt sie zu verkleinern, fusionieren die Großbanken weiter und verfestigen so ihren Einfluss auf die Politik. Wagenknecht erinnert in diesem Zusammenhang an die Vordenker des Ordoliberalismus und zitiert Walter Eucken: "Wirtschaftsmacht kann man nicht kontrollieren. Man muss verhindern, dass sie entsteht. Wenn sie entsteht, ist die Demokratie und die soziale Gesellschaft überhaupt nicht mehr möglich." Wagenknecht erinnert daran, dass große Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder ganze Staaten erpressen konnten. Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass die Politik nur noch die Interessen einer Oberschicht, einer sehr kleinen Minderheit bedient.

Leichte Kredite zu vergeben, wie es die USA gemacht und damit die Weltwirtschaftskrise letztlich ausgelöst hat, sei das Prinzip, die Bevölkerung statt über Löhne über Schulden zu finanzieren. In den USA sei - wie jetzt in Deutschland - das Lohnniveau immer weiter gesenkt worden. Da aber eine funktionierende Konsumgesellschaft den Geldfluss braucht, seien die immer niedrgieren Löhne kompensiert worden durch eine immer größere Verschuldung der privaten Konsumenten. Dieses Modell, dass die Bevölkerung immer weniger verdiene und dafür immer höhere Schulden aufnehmen müsse, kann natürlich nicht ewig fortgesetzt werden. Derzeit befinden wir uns an genau dem Punkt, an dem das System kollabiert, schließt Sahra Wagenknecht. Zeit also für Alternativen.

Sahra Wagenknechts Überlegungen überzeugen. Längst hat auch der Letzte begriffen, dass es sich beispielsweise beim sogenannten Eurorettungsschirm in Wahrheit nur um einen Rettungsschirm der Banken handelt, die um ihre Kredite bangen. Die Milliardenlasten zahlen die Bürger, von denen ein Viertel mittlerweile unter der Armutsgrenze lebt. Zwar schwafeln Politiker davon, einer Vollbeschäftigung näher zu sein als je zuvor, doch wird dieses Wirtschaftswunder über Billiglöhne und Zeitarbeit bewerkstelligt, führt also dazu, dass viele Bürger trotz Arbeit kein Geld haben - und so in ihren Arbeitsalltag eingespannt sind, dass für die Grundbedürfnisse nach Beziehungen und Freundschaften gar keine Zeit mehr bleibt. Oder sie sind durch das fehlende Geld vom Konsum völlig abgeschnitten und ziehen sich in die Einsamkeit zurück, damit ihr Elend zumindest nicht auffällt. Wagenknecht betont in diesem Zusammenhang, wie elementar für die Menschen Beziehungen sind - und das ein System, das zur Vereinzelung des Menschen führt, eben nur eines ist: unmenschlich.

Die Unterhaltung zwischen ihr und Gert Scobel macht Lust auf das Buch. Vielleicht auch darauf, sich einmal mit den Alternativen zu beschäftigen. Etwa mit Eucken, dem Begründer der Freiburger Schule des Ordoliberalismus. Falls die Idee eines neuen Sozialismus dann doch zu angstbesetzt ist.

Folgende Bücher werden in der Sendung vorgestellt:

Die Sendung ist in der 3sat Mediathek hinterlegt und über 3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=29918 abrufbar.

Donnerstag, März 08, 2012

SWR Bestenliste März 2012


1. (-)

ERNST AUGUSTIN: Robinsons blaues Haus



TitelRobinsons blaues Haus : Roman / Ernst Augustin
Person(en)Augustin, Ernst
VerlegerMünchen : Beck
Erscheinungstermin19. Januar 2012
Umfang/Format319 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis978-3-406-62996-9 Pp. : EUR 19.95
3-406-62996-2
EAN9783406629969
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"Daniel Defoe sagt, er habe eines der unglaublichsten und abenteuerlichsten Leben gelebt. Ich sage: Ich auch.
Mein Vater hatte mich eines Tages beiseite genommen: Du wirst es einmal schwer haben, mein Sohn, du wirst entdecken, dass du allein bist, dass du dich auf einer Insel befindest – inmitten eines Ozeans von Menschen, die alle laut reden und alle etwas anderes meinen. Die ihre Seele daran setzen werden, dich von deiner Insel zu vertreiben, es sind sechs Milliarden, alle miteinander, kannst du das verstehen? Ja, Vater. Nein, sagte er."

Es ist die Fabel vom letzten Robinson in einer Welt nicht mehr vorhandener Freiräume. In Grevesmühlen, in blauer Südsee, im Londoner Kerker, im Spiegelhaus auf dem Wyman Tower. Es gibt einen hochpolierten Freitag, eine Dame mit Schritt, es gibt eine abgesoffene Kirche, ein Imperium von Besenkammern und es gibt Luxus, illuminierte Zahnbürsten, Tangomusik, bernsteinfarbenes Licht. Vor allem gibt es eine Unmenge virtuellen Geldes, mit dem man das alles kaufen kann und das sich auf Knopfdruck „löscht“. Und der beste Freund erweist sich dann als der tödlichste. Eine letzte Robinsonade, ja, aber eine poetische von nie gesehener Farbigkeit, genau so – der Autor ist seit drei Jahren erblindet.


„Meine Phantasie ist zu allem fähig“
Ernst Augustin


2. (-)

PÉTER NÁDAS: Parallelgeschichten


TitelParallelgeschichten / Péter Nádas
Person(en)Nádas, Péter ; Viragh, Christina [Übers.]
Ausgabeneue Ausg.
VerlegerReinbek : Rowohlt
Erscheinungstermin16. Februar 2012
Umfang/Format1728 S. ; 215 mm x 140 mm
GesamttitelBelletristik BV ; 04695
ISBN/Einband/Preis978-3-498-04695-8 Gb. : EUR 39.95 (DE), EUR 41.10 (AT), sfr 53.90 (freier Pr.)
3-498-04695-0
EAN9783498046958
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Bilder und Texte zu den Parallelgeschichten


Zwanzig Jahre nach seinem international gefeierten Buch der Erinnerung legt Péter Nádas sein Opus maximum vor.
Als die Parallelgeschichten 2005 in Ungarn erschienen, wurden sie als ein «Krieg und Frieden des 21. Jahrhunderts» begrüßt. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Joggen im Berliner Tiergarten eine Leiche. Mit dieser kriminalistischen Szene beginnt der Roman, eröffnet zugleich aber auch die weitgespannte Suche nach dem düsteren Geheimnis einer Familie. Es ist die Geschichte der Budapester Familie Demén und ihrer Freunde, deren persönliche Schicksale mit der ungarischen und deutschen Vergangenheit verknüpft werden. Die historischen Markierungen sind die ungarische Revolution 1956, die nachrevolutionäre Zeit, der ungarische Nationalfeiertag am 15. März 1961 und, rückblickend, die Deportation der ungarischen Juden 1944/45 und die Vorkriegszeit der dreißiger Jahre in Berlin.
Der Roman entwirft ein Panorama europäischer Geschichte, in einer überwältigenden Fülle von Geschichten, die keine realistische Konstruktion zu einer Story vereinen könnte. Die eine große Metaerzählung des Romans jedoch bilden die Geschichten der Körper, die für Nádas zum Schauplatz der Ereignisse werden. Der männliche und weibliche Körper und seine Sexualität prägen die Lebenswirklichkeit der Personen, sie sind das «glühende Magma», das «in der Tiefe ihrer Seele oder ihres Geistes ruhende Zündmaterial», das die Parallelgeschichten zur Explosion bringt. Aufgrund seines analytischen Scharfblicks und der Kraft seiner Personengestaltung stellt die internationale Kritik Péter Nádas neben Proust. Wenn dessen großer Roman am Beginn einer literarischen Moderne steht, dann mag diese in den Parallelgeschichten ihre Vollendung finden.

3. (-)

CHRISTIAN KRACHT: Imperium


TitelImperium : Roman / Christian Kracht
Person(en)Kracht, Christian
Ausgabe1. Aufl.
VerlegerKöln : Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungstermin16. Februar 2012
Umfang/Format242 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis978-3-462-04131-6 Hgewebe : EUR 18.99 (DE), EUR 19.60 (AT), sfr 27.90 (freier Pr.)
3-462-04131-2
EAN9783462041316
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Am Kokosnusswesen solle die Welt genesen, meinte August Engelhardt. Der Vegetarier, Utopist und überzeugte Nudist kaufte 1902 eine Plantage in der Südsee und hoffte (vergeblich) auf die Bekehrung der Welt. Das Traurigste an dieser Geschichte ist, dass sie wahr ist. Christian Krachts Roman erzählt von einem so verbohrten wie verlorenen, kurz: einem sehr deutschen Nachfahren Don Quichottes.


4. (-)

WALTER KAPPACHER: Land der roten Steine

TitelLand der roten Steine : Roman / Walter Kappacher
Person(en)Kappacher, Walter
VerlegerMünchen : Hanser
Erscheinungsjahr2012
Umfang/Format157 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis978-3-446-23861-9 Pp. : EUR 17.90 (DE), EUR 18.40 (AT), sfr 25.90 (freier Pr.)
3-446-23861-1
Bestellnummer(n)505/23861
EAN9783446238619
SchlagwörterÖsterreicher ; Älterer Mann ; Reise ; Colorado Plateau ; Cañon ; Erinnerung ; Belletristische Darstellung
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Als nichts mehr ihn in Österreich hält, macht Wessely eine Reise in die USA. Drei Wochen zwischen roten Tafelbergen und gewaltigen Abgründen verändern seinen Blick, sein Denken, seine Sprache. Das macht die Rückkehr nach Hofgastein zum verwirrenden Erlebnis. Ein neuer stiller Roman des Büchner-Preisträgers.


5. (-)

MICHAEL ONDAATJE : Katzentisch


TitelKatzentisch : Roman / Michael Ondaatje. Aus dem Engl. von Melanie Walz
Person(en)Ondaatje, Michael ; Walz, Melanie [Übers.]
VerlegerMünchen : Hanser
Erscheinungsjahr2012
Umfang/Format300 S. ; 21 cm
EinheitssachtitelThe cat's table
ISBN/Einband/Preis978-3-446-23858-9 Pp. : EUR 19.90 (DE), EUR 20.50 (AT), sfr 27.90 (freier Pr.)
3-446-23858-1
Bestellnummer(n)505/23858
EAN9783446238589
SchlagwörterJunge ; Freund ; Außenseiter ; Schiffsreise ; Sri Lanka ; England ; Geschichte 1954 ; Belletristische Darstellung
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Von Ceylon nach England benötigt der Dampfer Oronsay drei Wochen. Unter den Mitreisenden ist auch der 11jährige Michael, der seine Heimat für immer verlassen wird. Sein Platz ist am Tisch 76, dem Katzentisch – ein Pianist, ein Botaniker, ein Schneider und ein Schiffsabwracker gehören zu Michaels abenteuerlicher Reisegesellschaft. Und dann sind da noch seine Freunde, der rauflustige Cassius und der schüchterne Ramadhin.


Eine Geburtstagsausgabe für Tomas Tranströmer:
6. (-)

TOMAS TRANSTRÖMER:
UNGDOMSDIKTER/ JUGENDGEDICHTE

TitelUngdomsdikter = Jugendgedichte / Tomas Tranströmer
Beigefügtes WerkTomas Tranströmers Jugendgedichte / Jonas Ellerström. Aus dem Schwed. von Hannes Grössel. Peter Frie, Arbeiten auf Papier
Person(en)Tranströmer, Tomas ; Frie, Peter [Ill.] ; Grössel, Hanns [Übers.]
Ellerström, Jonas
VerlegerMünster : Kleinheinrich
Erscheinungsjahr2011
Umfang/Format37 S. : Ill. ; 18 cm
AnmerkungenText teilw. dt. und schwed.
ISBN/Einband/Preis978-3-930754-68-7 kart. : EUR 50.00 (DE) (Sonderpr., zs. mit 978-3-930754-69-4)
EAN9783930754687

und:

FREDRIK SJÖBERG: Tomas Tranströmers Insektensammlung von der Insel Runmarö

TitelTomas Tranströmers Insektensammlung von der Insel Runmarö / Frederik Sjöberg
Person(en)Sjöberg, Frederik ; Frie, Peter [Ill.] ; Liedtke, Klaus-Jürgen [Übers.]
Ausgabe1., Aufl.
VerlegerMünster, Westf : Kleinheinrich
Erscheinungsjahr2011
Umfang/Format64 S. : 3 Aquarelle von Peter Frie ; 180 mm x 120 mm
ISBN/Einband/Preis978-3-930754-69-4 Gb. : EUR 50.00 (DE) (Sonderpreis: Wird nur mit dem Band 978-3-930754-68-7 (Tomas Tranströmer: Ungdomsdigter / Jugendgedichte) zusammen abgegeben.)
EAN9783930754694
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Wenn der Alltag aufbricht und aufhört, Alltag zu sein – dann ist das der Augenblick Tomas Tranströmers. „Wer schwimmt / wer das Wasser auf dem Instrument seiner Haut spielen lässt / ist ein weicher Anker / zwischen Strömen.“ Die ersten Gedichte des schwedischen Nobelpreisträgers und ein kommentiertes Verzeichnis seiner umfangreichen Insektensammlung aus den 40er Jahren.


7. (-)

JENNIFER EGAN : Der größere Teil der Welt

TitelDer größere Teil der Welt / Jennifer Egan
Person(en)Egan, Jennifer
VerlegerFrankfurt am Main : Schöffling
Erscheinungsjahr2012
Umfang/Format392 S.
ISBN/Einband/Preis978-3-89561-224-4 : EUR 22.95 (DE), EUR 23.60 (AT), sfr 32.90 (freier Pr.)
3-89561-224-3
EAN9783895612244
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„Die Zeit will einen fertigmachen, oder?“ fragt der Held. Erst war er Musikrebell, dann Musikproduzent. Die New Yorker Schriftstellerin Jennifer Egan macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Punkgefühl. Am Ende stellt Alison im Power Point-Vortrag die ergreifendsten Pausen der Popgeschichte vor. Für ihren formvollendeten Roman hat Jennifer Egan 2011 den Pulitzerpreis bekommen.


8. (-)

OLGA GRJASNOWA: Der Russe ist einer, der Birken liebt

TitelDer Russe ist einer, der Birken liebt : Roman / Olga Grjasnowa
Person(en)Grjasnowa, Olga
VerlegerMünchen : Hanser
Erscheinungsjahr2012
Umfang/Format283 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis978-3-446-23854-1 Pp. : EUR 18.90 (DE), EUR 19.40 (AT), sfr 26.90 (freier Pr.)
3-446-23854-9
Bestellnummer(n)505/23854
EAN9783446238541
SchlagwörterFrankfurt
; Einwanderin ; Aserbaidschan ; Freund ; Tod ; Unbehaustheit ; Belletristische Darstellung
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Aus Baku musste Mascha im Bürgerkrieg fliehen, in Frankfurt stirbt ihr Freund. Wegen ihrer jüdischen Wurzeln geht sie nach Tel Aviv und wird dort in den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gezogen. Die Heldin in Olga Grjasnowas Debüt beherrscht fünf Sprachen und hat Humor – wenn sie lacht, ist das „Trotzdem“ groß wie die Kriegsgebiete der Welt.


9. (8.)

SHERKO FATAH: Ein weißes Land

TitelEin weißes Land : Roman / Sherko Fatah
Person(en)Fatah, Sherko
VerlegerMünchen : Luchterhand
Erscheinungsjahr2011
Umfang/Format477 S. ; 22 cm
Parallele Ausgabe(n)Online-Ausg.: Fatah, Sherko: Ein weißes Land
ISBN/Einband/Preis978-3-630-87371-8 Pp. : EUR 21.99 (DE), EUR 22.70 (AT), sfr 34.50 (freier Pr.)
EAN9783630873718
SchlagwörterBagdad ; Junger Mann ; Faschismus ; Husainī, Muḥammad Amīn, al- ; Reise ; Berlin ; Geschichte 1930-1955 ; Belletristische Darstellung
*

Bagdad in den 30er Jahren – Anwar träumt vom Reisen, von schönen Häusern und von Mirjam. Doch dann muss er 1941 mit dem Großmufti von Jerusalem nach Berlin. Der 1964 in Ost-Berlin geborene Kurde Sherko Fatah verknüpft Abenteuer- und Entwicklungsroman vor einem weltumspannenden Panorama.


10. (3.)

Charles Dickens: Große Erwartungen

TitelGroße Erwartungen : Roman / Charles Dickens. Hrsg. und aus dem Engl. übers. von Melanie Walz
Person(en)Dickens, Charles ; Walz, Melanie [Hrsg.]
VerlegerMünchen : Hanser
Erscheinungsjahr2011
Umfang/Format826 S. ; 19 cm
EinheitssachtitelGreat expectations
AnmerkungenBibliogr.
ISBN/Einband/Preis978-3-446-23760-5 Gewebe Dünndr. : EUR 34.90 (DE)
Bestellnummer(n)505/23760
EAN9783446237605
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Pip liebt die schöne und ziemlich anspruchsvolle Estella. Doch dem angehenden Schmied fehlen Geld und Stil. Dann kommt ein unbekannter Gönner und beschließt, Pip zum wahren Gentleman zu machen. Der reifste und versponnenste aller Dickens-Romane – zum 200. Geburtstag neu übersetzt von Melanie Walz.


Persönliche Empfehlung im März von Denis Scheck (Köln):

JÖRG MAURER: Oberwasser

TitelOberwasser : Alpenkrimi / Jörg Maurer
Person(en)Maurer, Jörg
AusgabeOrig.-Ausg.
VerlegerFrankfurt, M. : Fischer-Taschenbuch-Verl.
Erscheinungsjahr2012
Umfang/Format395 S. ; 19 cm
GesamttitelFischer ; 18895
ISBN/Einband/Preis978-3-596-18895-6 kart. : EUR 8.99 (DE), EUR 9.30 (AT), sfr 13.50 (freier Pr.)
3-596-18895-4
EAN9783596188956

„Kann ein schäbiger Taschenbuchkrimi Literatur sein? Zumal ein Krimi jener Spielart, die das abgeschmackteste und narzisstischste Wiedererkennungs-Bedürfnis geistloser Leser bedient: der Regionalkrimi? In den Händen des Sprachartisten Jörg Maurer unbedingt. Große deutsche Unterhaltungsliteratur: endlich!“ (Denis Scheck)

*** (vermutlich) schwierigere Lektüre
** (vermutlich) mittelschwere Lektüre
* (vermutlich) leichtere Lektüre


Quelle: www.swr.de/bestenliste