Freitag, Juni 29, 2012

SWR Bestenliste Juli/August 2012

Frisch reingekommen ist die SWR Bestenliste für Juli/August 2012. Fast alle Titel sind neu dabei - eine lobenswerte Leseleistung der 30 Literaturkritikerinnen und -kritiker, die sich monatlich daran setzen, den Wust der Neuerscheinungen nach empfehlenswerten Büchern abzugrasen. Gleich zwei Titel sind dabei, die sich mit der Situation in Nigeria auseinandersetzen. Und, von Null auf Hundert, Sten Nadolnys neuer Roman, nicht ganz unumstritten. Wolfgang Herles hatte im letzten "Blauen Sofa" das Buch ja ziemlich zerrissen.


Platz 1 (-) 93 Punkte

STEN NADOLNY: Weitlings Sommerfrische


Wie wäre es, in die eigene Vergangenheit zu reisen? Sten Nadolny versetzt seinen verblüfften Helden zurück in dessen Jugend – und öffnet ihm nicht nur die Augen über sich selbst, sondern greift auch in seinen scheinbar vorgezeichneten Lebenslauf ein.

In einem Sommergewitter kentert das Segelboot des angesehenen Berliner Richters Wilhelm Weitling. Er kommt nur knapp mit dem Leben davon, muss aber feststellen, dass ihn sein Unfall fünfzig Jahre in die Vergangenheit zurückgeworfen hat. Neugierig, aber auch mit sanfter Kritik begleitet er den Jungen, der er einmal war, durch die Tage nach dem Sturm. Wer ist er damals gewesen? Und wie konnte aus diesem Menschen der werden, der er heute ist? Muss er die Erinnerung an seine Eltern, seine erste Liebe, seine Berufswahl, sein ganzes Leben revidieren? Und wird er zu seiner Frau und in sein altes Leben zurückkehren dürfen?

Sten Nadolny entführt uns auf eine philosophische Zeitreise, die seinen scharf beobachtenden Helden zu unverhofften Erkenntnissen führt.

Ein Roman vom Erwachsenwerden, ein Alterswerk vom Entdecker der Langsamkeit.

Titel Weitlings Sommerfrische: Roman
/ Sten Nadolny
Person(en) Nadolny, Sten
Verleger München ; Zürich : Piper
Erscheinungsjahr 14. Mai 2012
Umfang/Format 218 S. ; 22 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-492-05450-8 Pp. : EUR 16.99 (DE), EUR 17.50 (AT), sfr 24.90 (freier Pr.)
3-492-05450-1
EAN 9783492054508
Schlagwörter Richter ; Mittleres Lebensalter ; Schiffsunfall ; Zeitreise ; Jugend ; Belletristische Darstellung
Parallele Ausgabe(n) Buch
Kindle eBook
Hörbuch
Leseprobe piper-verlag.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre

Platz 2 (10.) 51 Punkte

VIRGINIA WOOLF: Augenblicke des Daseins


Autobiographische Skizzen

Die Kunst des Erinnerns: Fünf hinreißende und bewegende Skizzen aus einem schwierigen Leben

Neben ihren Tagebüchern und Briefen hat Virginia Woolf einige Memoiren hinterlassen, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren. Den ersten dieser Texte schrieb sie mit 26 Jahren, lange bevor sie als Schriftstellerin hervortrat; an dem letzten arbeitete sie bis wenige Monate vor ihrem Tod. Mit fast analytischer Genauigkeit hält sie den Zauber, aber auch die Schrecken und Abgründe ihrer Kindheit fest. Sie berichtet von der allmählichen Befreiung aus der Enge ihres viktorianisch-prüden Elternhauses und von den Anfängen der legendären "Bloomsbury Group". Nicht ohne Witz und Ironie schildert sie diesen unkonventionellen Freundeskreis aus Künstlern und Schriftstellern, der ihr Denken und Schreiben entscheidend mit beeinflusst hat.

Titel Augenblicke des Daseins: Autobiographische Skizzen / Virginia Woolf. Dt. von Brigitte Walitzek
Person(en) Woolf, Virginia [28.03.1941] ; Walitzek, Brigitte [Übers.]
Verleger Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungsjtermin 2. März 2012
Umfang/Format XVI, 251 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel Moments of being ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-10-092522-0 Gewebe : EUR 26.00 (DE)
3-10-092522-X
EAN 9783100925220
Schlagwörter Woolf, Virginia ; Autobiographie
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 3 (-) 45 Punkte

PATRICIA GÖRG: Handbuch der Erfolglosen


Das Jahr, in dem der deutsche Ausstieg vom Ausstieg aus dem Atomausstieg beschlossen wurde, der Euro gerettet werden sollte und Nordafrika sich umkrempelte. Aufgefordert dazu, ein Tagebuch zu schreiben, notierte Patricia Görg wöchentlich die hereinflutenden Medialitäten und ergänzte sie um Erlebnisse mit Künsten und Wissenschaften sowie um fast erfundene Fallgeschichten, deren Helden, wie wir alle, letztlich erfolglos bleiben müssen.

Entstanden ist nicht nur die Chronik eines bewegten Jahres, sondern auch ein lehrreiches Brevier des Normalen, in dem sich Revolutionen, Rücktritte, Unfälle und Finanzmarktpaniken abwechseln. Also: ein Handbuch. Während Teilchenbeschleuniger versuchen, ins Innerste der Materie vorzustoßen, Hirnforscher Illusionen entlarven, Archäologen alte Götter zusammenkleben und Osama bin Laden erschossen wird, überlegt eine Figur namens Großmann unverdrossen, ob sie die ganze Wirklichkeit nicht einfach für zwei Pfennige kaufen soll.

Titel Handbuch der Erfolglosen : Jahrgang zweitausendundelf / Patricia Görg
Person(en) Görg, Patricia
Verleger Berlin : Berlin-Verl.
Erscheinungstermin 10. März 2012
Umfang/Format 223 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-8270-1082-7 Pp. : EUR 19.90 (DE) (freier Pr.), ca. EUR 20.50 (AT) (freier Pr.), ca. sfr 28.50 (freier Pr.)
3-8270-1082-9
EAN 9783827010827
Parallele Ausgabe(n) Buch
Kindle eBook
Leseprobe berlinverlage.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 4 (-) 43 Punkte

HELON HABILA: Öl auf Wasser


Port Harcourt, Nigeria, im Delta des Niger. Eine Frau verschwindet.Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, handelte es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, die im Delta und vor der Küste Öl bohren.

Die Entführung ist offensichtlich das Werk einer Rebellengruppe, die gegen die Ölgesellschaften kämpfen, die das Land ausbeuten und zerstören. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer großen Story und macht sich mit dem gealterten Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten. Es wird eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins Herz der Finsternis , in eine apokalyptische Welt.

Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die je eigenen Profitinteressen, die die widerstreitenden Kräfte Ölgesellschaften, Polizei und Armee, Politiker und lokale Würdenträger auf der einen Seite, die Rebellen mit ihren Sympathisanten auf der anderen in den Auseinandersetzungen verfolgen, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. Opfer sind in jedem Fall die einfachen Menschen, Fischer zumeist, die im Delta des Flusses leben. Sie haben nicht die Mittel, sich zur Wehr zu setzen, ihre Dorfgemeinschaften werden zwischen den Fronten zerrieben, sie verlieren ihre Lebensgrundlage, werden vertrieben, müssen fortziehen, hin zur großen Stadt, an deren Rand sie stranden.Hoffnung vermittelt einzig ein Dorf auf der kleinen Insel Irikefe, das einen humanistischen, egalitären Gegenentwurf lebt, ähnlich dem, den Wole Soyinka in Zeit der Gesetzlosigkeit beschreibt: im Einklang mit der Natur, ihren Rhythmen und Gesetzen folgend.

Hier findet Rufus nach einem Brand körperlich und seelisch schwer verletzte Schwester Boma Ruhe, hier findet Rufus eine Liebe, hier schließt Zaq seinen Frieden Doch auch hier ist nicht alles so, wie es scheint. Wie überhaupt nichts so ist, wie es an der Oberfläche aussieht. Das Grab der Britin ist leer. Nur ein Stein ist darin begraben Öl auf Wasser ist Bildungsroman und Umweltkrimi zugleich, Politthriller und anrührende Liebesgeschichte.

"Auf der Suche nach der großen Story gerät ein nigerianischer
Journalist in die brutale Unübersichtlichkeit der afrikanischen Gegenwart:
Rebellentruppen, Ölkonzerne, Fischer im Nigerdelta und lokale Politiker
kämpfen mit ungleichen Waffen. Habilas Sprache ist reich und präzise,
seine Geschichte spannungsgeladen, berührend und klug erzählt. Ein
aufklärender Roman in der Tradition Graham Greenes." (Elke Schmitter)

Titel Öl auf Wasser : Roman / Helon Habila. Aus dem Engl. von Thomas Brückner
Person(en) Habila, Helon ; Brückner, Thomas [Übers.] ; Wussow, Indra [Hrsg.]
Verleger Heidelberg : Verl. Das Wunderhorn
Erscheinungstermin 20. April 2012
Umfang/Format 231 S. ; 22 cm
Gesamttitel Afrika Wunderhorn
Einheitssachtitel Oil on water ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-88423-391-7 Pp. : EUR 24.80 (DE), EUR 25.50 (AT)
3-88423-391-2
EAN 9783884233917
Schlagwörter Nigeria ; Erdölkonzern ; Britin ; Entführung ; Journalist ; Suche ; Belletristische Darstellung
Leseprobe issuu.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre



Platz 5 (-) 39 Punkte

ARTHUR SCHNITZLER: Träume

Das Traumtagebuch 1875-1931

Zu seinem 150. Geburtstag am 15. Mai 2012: Arthur Schnitzlers gesammelte Traumnotate aus dem Nachlass.Dass der Dichter von "Fräulein Else", "Traumnovelle" und anderen Meisterwerken, in denen die Figuren kunst- und sinnvoll träumen, auch selbst ein reges Traumleben führte, fällt bei der Lektüre seines großen Tagebuchwerks sofort auf: Arthur Schnitzlers Aufzeichnungen der eigenen Träume gehören zu den erzählerisch reizvollsten Eintragungen seines Diariums.Schnitzler hat zwischen 1921 und 1931 seine Traumnotate exzerpiert, stilistisch überarbeitet und drei substantielle Traumtexte, die nicht im Tagebuch stehen, hinzugefügt. Das Ergebnis ist eine faszinierende Chronik seines Innenlebens, ein Werk, das zur Konfrontation mit Freuds "Traumdeutung" herausfordert.

Obwohl die Traumtexte natürlich Schnitzlers ureigene Leiden und Leidenschaften widerspiegeln, enthalten sie auch seltsame Szenarien, in denen berühmte Zeitgenossen auftreten: neben Freud auch Herzl, Klimt, Hofmannsthal, Mahler und viele andere. Schnitzlers "Träume" sind das tiefste "Nachtbuch" der Epoche, sowohl eine "unbewusste" Autobiographie des Autors als auch ein dunkles Spiegelbild seiner Zeit.

Dieses Typoskript aus dem Nachlass wird nun erstmals als Einheit veröffentlicht und mit einem umfassenden Kommentar versehen.

"Wenn sich ein Mensch entschließen könnte, alle seine Träume ohne Unterschied, ohne Rücksicht ... niederzuschreiben, so würde er der Menschheit ein großes Geschenk machen."Friedrich Hebbel

Titel Träume: Das Traumtagebuch 1875-1931 / Arthur Schnitzler. Hrsg. von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing
Person(en) Schnitzler, Arthur ; Braunwart, Peter Michael [Hrsg.] ; Lensing, Leo A. [Hrsg.]
Verleger Göttingen : Wallstein
Erscheinungstermin 6. März 2012
Umfang/Format 320 S. ; 21 cm
Parallele Ausgabe(n) Online-Ausg.: Schnitzler, Arthur: Träume
ISBN/Einband/Preis 978-3-8353-1029-2 Pp. : EUR 34.90 (DE)
EAN 9783835310292
Schlagwörter Schnitzler, Arthur ; Traum ; Tagebuch 1875-1931
Parallele Ausgabe(n) Buch (gebunden, mit Schutzumschlag)
eBook (pdf)
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 6 (-) 37 Punkte

ROR WOLF: Die Vorzüge der Dunkelheit


Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen

Es beginnt mit verschwundenen Körperteilen, explodierenden Straßen, einem Knistern, Knacken, Zischen und Schaben. »Plötzlich begann sich die ganze Welt zu bewegen, sie begann zu dampfen und lautlos zu zittern.« Ror Wolf, der große Sprachartist und Meister der grotesken Komik, legt zu seinem 80. Geburtstag einen neuen Roman vor. Er berichtet vom Aufbruch des Ich-Erzählers in eine entfesselte Wirklichkeit, von seiner Reise durch wuchernde, apokalyptisch anmutende Landschaften, bevölkert von namenlosen, gefräßigen Kreaturen, seinen Begegnungen mit geheimnisvollen Damen in Bahnhofshotels und Bierkneipen.

Innerhalb eines Lidschlags wechseln die Kontinente. Losgelöst von Raum und Zeit entsteht ein Stück des einzigartigen Kosmos von Ror Wolf: ein zugleich alptraumhaftes und faszinierendes Panoptikum voll doppelter Böden, Tapetentüren und plötzlich aufreißender Abgründe. Ror Wolf schreibt kraftvoll, wortmächtig und verstörend komisch - aber niemals gefällig. Abseits jeder Regel konventioneller Literatur führt er seine Leser in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang, auf eine Expedition in die unberechenbaren Welten jenseits unserer Realität.

Titel Die Vorzüge der Dunkelheit : neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen ; Horrorroman / Ror Wolf. [Mit Collagen des Autors]
Person(en) Wolf, Ror
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Frankfurt, M. : Schöffling
Erscheinungstermin 24. April 2012
Umfang/Format 266 S. : zahlr. Ill. ; 22 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-89561-307-4 Gewebe : EUR 24.95 (DE), EUR 25.70 (AT)
3-89561-307-X
EAN 9783895613074
Parallele Ausgabe(n) Buch (Leinen)
Kindle eBook
Leseprobe schoeffling.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 7 (-) 35 Punkte

HELMUT KUHN: Gehwegschäden


Thomas Frantz ist Schachboxer, Flaneur aus Instinkt, freier Journalist ohne Aufträge. Die Motivation, dem Leben noch eine feste Struktur abzuringen, ist begrenzt. Frantz lässt sich durchs Großstadtleben treiben, von den Kabbalisten zu schlaflosen Swingern, von der Demo der Prekarianer in die Wettbüros Neuköllns und den alten Westen, der wortwörtlich abkackt. Unbarmherzig kommentiert er, was er sieht: das Heer derer, die sich mit Diplom und Aushilfsjobs direkt in die internationalen Märkte hineinträumen und dabei in Streetart, Esoterik und Pecha-Kucha-Nächten einen Rest von Lebenssinn suchen.

Er recherchiert die Geschichte der ehemaligen SED-Verwaltungszentrale, zuvor Hauptquartier der Hitlerjugend und davor Kaufhaus jüdischer Geschäftsleute, die von Londoner Heuschrecken mit großzügiger Ignoranz gegenüber den Grausamkeiten der Geschichte in einen Society-Club und Wellnesstempel umgebaut wird. Wie Berlin überhaupt zu einem gewaltigen Spielplatz mutiert ist und sich aufteilt in Zonen von Invitrokindern und verwahrlosten Jugendlichen. Frantz, der notorische Chronist, seziert mit wachsender Wut, was ihn tagtäglich an Lügen umgibt.

Als schließlich die bezaubernde junge Doktorandin Sandra durch sein Leben fegt wie der Hurricane Katrina, könnte alles noch einmal anders werden. Mit brillanter fragmentarischer Ästhetik, in scharfsinnigen und grotesken Miniaturen beschreibt Gehwegschäden die schleichende, gewaltige Veränderung einer Gesellschaft, in der gradlinige Lebensgeschichten längst der Vergangenheit angehören. Mit literarischen Vorbildern wie Döblins Berlin Alexanderplatz und Musils Der Mann ohne Eigenschaften nimmt es dieses Buch mit einem Thema auf, das keine klassische Form mehr zulässt, und das evident wird in einer Stadt, in der die auf Gehwegschäden hinweisenden Schilder an jeder Ecke zur Normalität geworden sind: Es wird hier nichts mehr repariert, wir haben uns abgefunden.

Titel Gehwegschäden: Roman / Helmut Kuhn
Person(en) Kuhn, Helmut
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Frankfurt, M. : Frankfurter Verl.-Anst.
Erscheinungstermin 1. März 2012
Umfang/Format 443 S. ; 21 cm
Parallele Ausgabe(n) Buch
Kindle eBook
ISBN/Einband/Preis 978-3-627-00180-3 Pp. : EUR 22.90 (DE), EUR 23.60 (AT), sfr 34.50 (freier Pr.)
3-627-00180-3 (falsch)
EAN 9783627001803
Schlagwörter Berlin ; Flaneur ; Gentrification ; Desillusion ; Belletristische Darstellung
Leseprobe schnupperbuch.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre

Platz 8 (-) 33 Punkte

CHINUA ACHEBE: Alles zerfällt


Der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete und die Weltliteratur prägte endlich in neuer Übersetzung!

Chinua Achebe erzählt von Verrat und Rache, von Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und von Sehnsüchten, die keine Zukunft haben. Okonkwo, stark und jähzornig, stösst sich an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Kolonialherren.

In seinem Meisterwerk beschreibt Achebe den Konflikt einer archaischen Kultur in einer Sprache, die rituell-sprichwörtlich, dokumentarisch und wunderbar poetisch ist: Mit diesem Roman erhielt der Kontinent eine Stimme.

Titel Alles zerfällt : Roman / Chinua Achebe. Aus dem Engl. von Uda Strätling. Mit einem Vorw. von Chimamanda Ngozi Adichie
Person(en) Achebe, Chinua ; Strätling, Uda [Übers.] ; Böhnke, Reinhild [Übers.]
Verleger Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungstermin 2. April 2012
Umfang/Format 236 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel Things fall apart ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-10-000540-3 Pp. : EUR 19.99 (DE), EUR 20.60 (AT), sfr 30.50 (freier Pr.)
3-10-000540-6
EAN 9783100005403
Schlagwörter Nigeria ; Dorf ; Mann ; Kolonialismus ; Konflikt ; Geschichte 1890 ; Belletristische Darstellung
Parallele Ausgabe(n) Buch (Hardcover)
Kindle eBook
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 9 (-) 30 Punkte

ARNO CAMENISCH: Ustrinkata


Es ist der letzte Abend in der Helvezia, der Alkohol fliesst in Strömen wie der junge Rhein, und wes des Herzen voll ist, des geht der Mund über: Jetzt heisst es Austrinken! Noch einmal sitzen sie um den runden Tisch, der Otto, die Tante, der Luis, der Giachen und mit ihnen all die andern, die noch leben oder schon lange tot sind. Arno Camenisch hört ihren tragischen und zugleich komischen Geschichten genau zu, mit seinem präzisen Sinn für den Klang und die Eigentümlichkeiten ihrer Sprache hält er diese von Tod und Vergessen, von Naturgewalten und menschlichen Abgründen, von Hochwassern und Liebeswirren, von Steinschlägen und Händeln bedrohte Welt lebendig. Auf unverkennbar eigenwillige Art beschliesst Arno Camenisch mit "Ustrinkata" nach "Sez Ner" und "Hinter dem Bahnhof" seine äusserst erfolgreiche Bündner Trilogie - es geht alles zu Ende, aber so lange einer noch erzählt, ist das letzte Glas nicht ausgetrunken.

Titel Ustrinkata
/ Arno Camenisch
Person(en) Camenisch, Arno
Verleger Holderbank SO : Urs Engeler Editor
Erscheinungstermin 1. Februar 2012
Umfang/Format 96 S. ; 185 mm x 120 mm
ISBN/Einband/Preis 978-3-03-303028-2 Gb. : EUR 17.00 (DE), EUR 17.00 (AT), sfr 25.00 (freier Pr.)
EAN 9783033030282
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 10-11 (-) 28 Punkte

RAYMOND CARVER: Beginners

Uncut – Die Originalfassung

Raymond Carver ist vielleicht der berühmteste Autor amerikanischer Short Stories im zwanzigsten Jahrhundert. Die Lakonie der Aussparung, die minimalistischen Details und wortkargen Dialoge prägten eine ganze Generation von Autoren - besonders durch Carvers zweiten, Kult gewordenen Erzählband "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden". Dieses Buch wurde jedoch in einer Version veröffentlicht, in der sein Lektor teilweise extreme Eingriffe vorgenommen hatte. Raymond Carver wünschte sich selbst eine Ausgabe des ungeschnittenen Manuskripts. Dieses wird nun zum ersten Mal auf Deutsch publiziert wird: eine Weltsensation.

„Der echte, unlektorierte Carver ist umwerfend - weniger cool, dafür viel lebendiger, dramatischer, widersprüchlicher als der Kultautor, den wir bisher kannten.“ (Iris Radisch)

Titel Beginners: Uncut - Die Originalfassung von Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden / Raymond Carver. Aus dem Amerikan. von Manfred Allié ...
Person(en) Carver, Raymond ; Allié, Manfred [Übers.]
Verleger Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungstermin 2. April 2012
Umfang/Format 360 S. ; 21 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-10-010150-1 Pp. : EUR 21.99 (DE), EUR 22.70 (AT), sfr 33.50 (freier Pr.)
3-10-010150-2
EAN 9783100101501
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Persönliche Empfehlung

Im Juli/August von Rainer Schmitz (München):

ELISABETH TOVA BAILEY: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen



Durch eine Krankheit ist die Journalistin Elisabeth Bailey ans Bett gefesselt. Als sie von einer Freundin eine Topfpflanze geschenkt bekommt, unter deren Blättern eine Schnecke sitzt, beginnt sie diese zu beobachten. Nachts wird ihr neues Haustier aktiv, fährt seine Fühler aus, geht auf die Jagd und vollführt seltsame Rituale. Fasziniert beschäftigt sich Bailey mit Biologie und Kulturgeschichte der Schnecke und erfährt Verblüffendes über ein unterschätztes Lebewesen. Nun hat sie die Geschichte dieser besonderen Freundschaft aufgeschrieben - ein Buch der Entschleunigung und darüber, wie sich in einem kleinen Detail der Natur die Vielfalt des Lebens finden lässt.

„Eine kleine Schnecke in einem Blumentopf fesselt die Aufmerksamkeit der Autorin, die durch eine tückische Infektion für lange Zeit ans Bett gefesselt ist. In der ihr aufgezwungenen Perspektive entdeckt sie mit wachsendem Staunen deren Individualität, ja Persönlichkeit. Ihr Erfahrungsbericht, in dem ein zarter, dem Leben zugewandter Ton herrscht, ist eine selten glückliche Verbindung zwischen naturwissenschaftlicher und poetischer Weltbetrachtung.“ (Rainer Schmitz)

Titel Das Geräusch einer Schnecke beim Essen / Elisabeth Tova Bailey. Aus dem Engl. von Kathrin Razum
Person(en) Bailey, Elisabeth Tova
Verleger München : Nagel und Kimche
Erscheinungstermin 6. Februar 2012
Umfang/Format 169 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel The sound of a wild snail eating ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-312-00498-0 Pp. : EUR 16.90 (DE), EUR 17.40 (AT), sfr 23.90 (freier Pr.)
3-312-00498-5
Bestellnummer(n) 547/00498
EAN 9783312004980
Parallele Ausgabe(n) Buch (HC)
Kindle eBook
Leseprobe hanser.de




Literatur im Fernsehen

Donnerstag, 5. Juli um 23.45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 8. Juli um 10.15 Uhr in 3sat
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
Gäste: Jan Caeyers und Klaus Wallendorf

Donnerstag, 12. Juli um 23.45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 19. August um 10.15 Uhr in 3sat
„Literatur im Foyer“ mit Thea Dorn
Gäste: Hellmuth Karasek, Evi Simeoni und Albert Ostermaier

Sonntag, 5. August um 10.15 Uhr in 3sat
(Wiederholung vom 24. April im SWR Fernsehen)
„Literatur im Foyer“ mit Felicitas von Lovenberg
Thema: Hermann Hesse
Gäste: Jo Baier, Peter Härtling, Bärbel Reetz, Heimo Schwilk

Sonntag, 26. August um 10.15 Uhr in 3sat
(Wiederholung vom 9. Februar im SWR Fernsehen)
„Literatur im Foyer“ mit Felicitas von Lovenberg
Thema: Charles Dickens
Gäste: Thomas Böhm, Norbert Lennartz, Melanie Walz


Literatur im Hörfunk

SWR2 Literatur
Dienstag, 3. Juli um 22.05 Uhr
über die Bücher der Juli/August-Bestenliste diskutieren
Martin Ebel und Martin Lüdke; Moderation: Helmut Böttiger



Quelle:  http://www.SWR.de/bestenliste


Donnerstag, Juni 28, 2012

Lesezeichen - vom 25. Juni 2012

Leider habe ich erst sehr spät in die letzte Wiederholung dieser Woche hineingezappt. Daraufhin dann heute zur Homepage der Sendung "LeseZeichen" der Bayerischen Fernsehens gesurft und zumindest noch mal die Zusammenfassung der aktuellen Sendung gefunden. Wenn auch leider nicht die ganze Folge in der Mediathek abrufbar ist.

Lediglich das Interview mit Oliver Bottini lässt sich noch dort einmal nachsehen. Er hat einen Krimi geschrieben, der sich mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien auseinander setzt. "Der kalte Traum" heißt das Buch und es liefert tiefe Einblicke in einen Konflikt, der sich in den 90er Jahren direkt vor unserer Haustür abgespielt hat, mitten in Europa. Massenmorde, Vergewaltigungen - die schlimmten Greueltaten, verarbeitet zu einem hintergründigen, spannenden Roman, zumindest wenn man Armin Kratzer glauben darf, der das Gespräch führte. Bottini, der selbst eine Zeitlang zu Recherchezwecken in Kroatien gelebt hat, relativiert die Geschichten vom Brüdermord, die damals bis zu uns nach Deutschland schwappten. Der Krieg sei von allen Parteien instrumentalisiert worden - und was nun wirklich geschah, lässt sich von außen schlecht beurteilen. Bottini sagt selbst, er habe sich bereits Anfang der 90er gedanklich ausgeblendet, weil er das Gefühl hatte, die Zusammenhänge auf dem Balkan nicht wirklich zu begreifen. Und erst jetzt, bei der Recherche, seien ihm viele Dinge klar geworden. Auch Kratzer bestätigt, dass er beim Lesen plötzlich etliches verstanden habe, was ihm vorher nicht bewusst war.

Anderes Thema: Das Feuilleton streitet sich ja derzeit ein wenig, ob es eine gute Idee war, schon so früh ein Buch über die NSU auf den Markt zu werfen. Christian Fuchs und John Goetz haben das getan. "Die Zelle" ist das Ergebnis gründlicher Studien von Polizeiunterlagen und ausführlicher Zeugenbefragungen. Betont sachlich legen sie ihre detaillierten Fakten dar und enthalten sich dabei weitestgehend aller Kommentare. Anders im Interview, in dem zumeist der Engländer John Goetz spricht und aus seiner Kritik, etwa an der akzeptierenden Jugendarbeit in Jena, kein Hehl macht. Nun waren die Taten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" in der letzten Zeit ohnehin ständiges Thema in allen Medien. Und das Buch leidet ein wenig darunter, dass es zu einem Zeitpunkt auf den Markt kam, wo die Untersuchungen etwas über die Rolle des Staatsschutzes noch in vollem Gange war. Daher sagt das Buch mehr über die Entwicklung dreier Jugendlicher in die rechtsextreme Gewalt als über die Funktion der Gruppe im gesamtpolitschen Bild Deutschlands. Schade. Denn so interessant die Biografien der Drei sein mögen, bleiben doch zu viele Fragen offen, um die Lektüre wirklich befriedigend zu gestalten.

Über "Renoir und seine Frauen" hat Karin Sagner jüngst ein Buch veröffentlicht. Im Interview erzählt sie von der Rolle der Modelle am Montmartre, die sich kaum von der der Prostituierten unterscheide. Sie redet von Aline Charigot, jenem Modell, das Renoir schließlich geheiratet hat. Und von Gabrielle, dem Kindermädchen im Haus, das Renoir über 200 Mal auf Leinwand gebannt hat. Natürlich zumeist nackt. Denn, so wird Renoir zitiert, wenn es die Brüste nicht gäbe, wüsste er überhaupt nicht, wozu er malen solle. Frauen jedoch, die Bücher lasen, schätzte er nicht allzu seh. Ihm lag nichts an einer intellektuellen Auseinandersetzung mit ihnen, sagt Karin Sagner, und fährt fort, Frauen hätten seiner Meinung nach eher zu Kindern und Küche gepasst. Das klingt ein wenig, als habe sie die postfeministische Sicht auf einen Künstler des späten neunzehnten Jahrhunderts gedrückt. Und auch die Redakteure des Beitrags fügen an, dass Sagners Buch wahrscheinlich eher eine Hommage als eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema sei.

Da in zwei Tagen die Tour de France beginnt, haben die Redakteure auch ein Buch zum Thema Radsport mit in die Sendung aufgenommen. Es handelt allerdings nicht von der großen Frankreichschleife, sondern von einer Fahrt, die seit den 90ern immer mehr in Vergessenheit geriet: die große Friedensfahrt, die zu DDR-Zeiten jedes Jahr zwischen Berlin, Prag und Warschau ausgetragen wurde. Rainer Sprehe, Leiter des in Radsportkreisen bekannten Covadonga-Verlags, ist mit dem Rad die Tourstrecke von 1952 abgefahren und hat über seine Erlebnisse ein Buch geschrieben: "Alles Rower? Ein Wessi auf Friedensfahrt". Irritiert vom Titel? Rower ist das polnische Wort für Fahrrad. Ich gebe hier einfach mal den sehr schönen Verlagstext zum Buch wieder: "Sein Ziel: grenzenlosen Spaß mit praktischem Nachhilfeunterricht in Körperertüchtigung und Slawistik zu verweben. Das Ergebnis: eine stürmische Reiseerzählung von einer Polka der Pedale, von Carboloading mit Pilsener und Piroggen, von viel Fahrt und ein bisschen Frieden.
Berichte von Land und Leuten wechseln sich ab mit Lobliedern auf die Leidenschaft für das Velo. Mit bisweilen aberwitzigen Ausflügen in die Historie der Friedensfahrt. Und mit ungefilterten Eindrücken, wie es heute denn so bestellt ist mit der Freundschaft zwischen Polen, Deutschen und Tschechen. Denn wie könnte man sich einer Antwort auf diese Frage trefflicher nähern als aus der Perspektive des Radwanderers? Mit rasselnder Lunge im Herzen Europas ..."