Samstag, Oktober 27, 2012

SWR Bestenliste November 2012

Platz 1 (-) 61 Punkte

JEAN-PHILIPPE TOUSSAINT: Die Dringlichkeit und die Geduld



"Für die Recherchen zu seinem Roman Die Wahrheit über Marie stieg er sogar zum ersten Mal in seinem Leben auf ein Pferd; für den gleichfalls in dem Buch beschriebenen Herzinfarkt wollte er es dann doch nicht so weit treiben, es auf einen Selbstversuch ankommen zu lassen", schreibt Bernard Pivot, Frankreichs Literaturpapst, in seiner begeisterten Kritik über dieses neue Buch Jean-Philippe Toussaints, das im März anlässlich seiner aktuellen Ausstellung im Pariser Louvre Toussaint: La Main et le Regard Livre/Louvre erschien: luzide Aufsätze über Literatur, Lesen und das eigene Schreiben, eine charmante Hommage an die Literatur, brillante Texte, anekdotisch-unterhaltsame Miniaturen, die mit großer intimer Kenntnis und Wissen über große Literatur sprechen.

Wie beiläufig, unterhaltsam und doch so ungeheuer scharfsinnig führt Toussaint den Leser in sein literarisches Universum, erzählt von seinen Lektüren, von seinen ersten Schritten als junger Autor, von den berühmtesten der berühmten Autoren der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts und blickt humorvoll-analytisch hinter die Kulissen der Weltliteratur. Die literarischen Begegnungen mit Proust, Kafka und Dostojewski und die Erweckungserlebnisse, die diese Lektüren zur Folge hatten, runden das Bild ab. Und dann natürlich die folgenschwerste Begegnung, die Begegnung mit dem Werk Becketts, dem er dann eines Tages in einem dunklen Flur persönlich gegenübersteht.

"Jean-Philippe Toussaint ist in Frankreich mit allen großen Literaturpreisen ausgezeichnet worden, es liegt an uns, ihn endlich zu entdecken". (Verena Auffermann)

Titel Die Dringlichkeit und die Geduld: Essays / Jean-Philippe Toussaint. Aus dem Franz. von Joachim Unseld
Person(en) Toussaint, Jean-Philippe ; Unseld, Joachim [Übers.]
Ausgabe Dt. Erstausg., 1. Aufl.
Verleger Frankfurt, M. : Frankfurter Verl.-Anst.
Erscheinungstermin Oktober 2012
Umfang/Format 87 S. ; 20 cm
Einheitssachtitel L´urgence et la patience ‹dt.›
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
ISBN/Einband/Preis 978-3-627-00186-5 Pp. : EUR 14.90 (DE), EUR 15.30 (AT), sfr 22.90 (freier Pr.)
EAN 9783627001865
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Französisch (fre)
Schlagwörter Toussaint, Jean-Philippe ; Autobiographie
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 2 (-) 60 Punkte

FRITZ RUDOLF FRIES: Der Weg nach Oobliadooh


»I knew a wonderful princess in the land of Oo-bla-dee.« Einer lautmalerisch verfremdeten und verspielten Songzeile des Bebop-Jazzers Dizzy Gillespie entstammt das Sehnsuchtsmotiv der jugendlichen Rebellen Arlecq und Paasch: Die Außenseiter träumen von »dekadenter« Musik und von Westlektüre, von einem Land, das nicht die DDR der Jahre 1957/58 ist. Phantasie ohne Grenzen; Arlecchino und Pasquariello.

Der Weg nach Oobliadooh, das fulminante literarische Debüt des damals 31-jährigen Fritz Rudolf Fries, spanisch aufgewachsener polyglotter und phantastisch verspielter Einzelgänger in der Leipziger Provinz, führte nicht auf den Weg nach Bitterfeld – in die sozialistische Literatur, vielmehr in die sprachartistische Moderne der Weltliteratur. Das virtuose Romanschelmenstück von Fritz Rudolf Fries kam – natürlich – nicht durch die Zensur, es erschien auf Vermittlung Uwe Johnsons in Frankfurt am Main.

Titel Der Weg nach Oobliadooh / Fritz Rudolf Fries
Beigefügtes Werk Mit einem Essay über "Fritz Rudolf Fries, den Jass und die DDR" / beigegeben von Helmut Böttiger
Person(en) Fries, Fritz Rudolf
Böttiger, Helmut
Verleger Berlin : AB - Die Andere Bibliothek
Erscheinungstermin Juli 2012
Umfang/Format 351 S. ; 22 cm
Gesamttitel Die andere Bibliothek ; Bd. 331
ISBN/Einband/Preis 978-3-8477-0331-0 Pp. in Schuber : EUR 34.00 (DE), EUR 35,00 (AT)
EAN 9783847703310
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Leipzig ; Jugend ; Geschichte 1950-1957 ; Belletristische Darstellung
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 3 (-) 52 Punkte

THOMAS HETTCHE: Totenberg



Eine intellektuelle Autobiographie in zehn Begegnungen

Dieses Buch ist eine Einladung: Thomas Hettche führt den Leser zu den Themen seines Lebens, indem er ihn zu Menschen mitnimmt, die ihm etwas bedeuten. Zehn Begegnungen, die ebenso viel über den Autor wie über unsere Zeit erzählen.Als kunstvoller Erzähler und kluger Essayist hat Thomas Hettche sich einen Namen gemacht. In "Totenberg", wie der Hausberg seines Heimatortes tatsächlich heißt, erweist er sich nun als brillanter Wanderer zwischen den Welten, der radikal ehrliche autobiographische Skizzen mit theoretischen Diskursen verbindet.

"Totenberg" ist ein Buch ganz unterschiedlicher Tonfälle, in dem es treffende Beschreibungen deutscher Landschaften, lebendige Porträts und scharfsinnige Auseinandersetzungen mit Positionen gibt, die den Autor beschäftigen. Mit Hans-Jürgen Syberberg spricht Hettche über die Bindung der Kunst an Landschaft, mit Christa Bürger über die Verantwortung des Intellektuellen, mit Henriette Fischer über die vergessene Ausdruckstänzerin Valeska Gert, mit Anita Albus über die Möglichkeit einer religiösen Kunst, mit Michael Klett über Ernst Jüngers Haltung und das Soldatische in unserer Gegenwart. Als Leitmotiv erweist sich dabei Hettches Gefühl der Heimatlosigkeit, das sich im leeren Koffer seiner sudetendeutschen Mutter auf dem Dachboden des hessischen Elternhauses manifestierte und sich erst in der Literatur beruhigte, die es dort nicht gab.Anschaulich, bildreich, spannend und reich an Dialogen mit überraschenden Wendungen ein Lesegenuss!

Titel Totenberg: Essays / Thomas Hettche
Person(en) Hettche, Thomas
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Köln : Kiepenheuer und Witsch
Erscheinungsjahr 10. September 2012
Umfang/Format 213 S. ; 21 cm
Parallele Ausgabe(n) KiWi eBook / Kindle edition
ISBN/Einband/Preis 978-3-462-04463-8 Gewebe : EUR 18.99 (DE), EUR 19.60 (AT)
3-462-04463-X
EAN 9783462044638
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Hettche, Thomas ; Autobiographie
Leseprobe bic-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 4 (-) 51 Punkte

CLEMENS J. SETZ: Indigo



Im Norden der Steiermark liegt die Helianau, eine Internatsschule für Kinder, die an einer rätselhaften Störung leiden, dem Indigo-Syndrom. Jeden, der ihnen zu nahe kommt, befallen Übelkeit, Schwindel und heftige Kopfschmerzen. Der junge Mathematiklehrer Clemens Setz unterrichtet an dieser Schule und wird auf seltsame Vorgänge aufmerksam: Immer wieder werden Kinder in eigenartigen Maskierungen in einem Auto mit unbekanntem Ziel davongefahren. Setz beginnt, Nachforschungen anzustellen, doch er kommt nicht weit; er wird aus dem Schuldienst entlassen. Fünfzehn Jahre später berichten die Zeitungen von einem aufsehenerregenden Strafprozess: Ein ehemaliger Mathematiklehrer wird vom Vorwurf freigesprochen, einen Tierquäler brutal ermordet zu haben.

Und jetzt noch einmal von vorne. Vergessen Sie die Zusammenfassung einer Romanhandlung, die sich jeder Zusammenfassung entzieht, und lesen Sie das Buch. »Indigo« von Clemens J. Setz. Sein viertes insgesamt. Sie werden feststellen: Das »radikale Gegenprogramm zur hübsch verkasteten Literaturwerkstättenliteratur« (»Die Welt«) geht weiter. Rasend spannend und so erholsam wie eine gute Massage. Hinterher spüren Sie jeden Muskel.

Titel Indigo: Roman / Clemens J. Setz
Person(en) Setz, Clemens J.
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Berlin : Suhrkamp
Erscheinungstermin 9. September 2012
Umfang/Format 475 S. : Ill. ; 22 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-518-42324-0 Pp. : EUR 22.95 (DE), ca. EUR 23.60 (AT), ca. sfr 32.90 (freier Pr.)
3-518-42324-X
Bestellnummer(n) 42324
EAN 9783518423240
Leseprobe bic-media.com
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) schwierigere Lektüre

Platz 5 (3) 50 Punkte

A. L. KENNEDY: Das blaue Buch


Elizabeth Barber überquert den Atlantik auf einem Kreuzfahrtschiff mit ihrem mehr als vorbildlichen Freund Derek. Ihrer großen Liebe Arthur hat sie den Rücken gekehrt - und damit auch ihrem Leben als Betrügerin. Auf Séancen hatten die beiden vorgegeben, Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen, und dabei reiche Klienten erleichtert. Mit Derek will sie nun den Weg in ein geregeltes Leben finden. Doch während er seekrank im Bett liegt, taucht plötzlich Arthur auf. Wird sie sich seinem Bann entziehen können? Die Antwort steht im „Blauen Buch“, das Elizabeth ihm schenkt und das eine magische Geschichte erzählt, die wahrhafter ist als alle Wirklichkeit. A. L. Kennedy wagt sich mit ihrem neuen Roman an das höchste der Gefühle. Ein buchstäblich zauberhaftes Buch.

"Dein Buch – jetzt fängt es an, es ist berührt und aufgeschlagen. Du könntest es anheben, wenn du wolltest, überlegen, ob es wohl mehr wiegt als eine Taube, oder ein Turnschuh, oder wahrscheinlich ein gutes Stück weniger als ein Laib Vollkornbrot. Diese Möglichkeiten bietet es dir."

Titel Das blaue Buch: Roman / A. L. Kennedy. Aus dem Engl. von Ingo Herzke
Person(en) Kennedy, Alison L. ; Herzke, Ingo [Übers.]
Verleger München : Hanser
Erscheinungstermin 27. August 2012
Umfang/Format 364 S. ; 22 cm
Einheitssachtitel The Blue Book ‹dt.›
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Hörbuch
ISBN/Einband/Preis 978-3-446-23981-4 Gewebe : EUR 21.90 (DE), EUR 22.60 (AT), sfr 29.90 (freier Pr.)
3-446-23981-2
Bestellnummer(n) 505/23981
EAN 9783446239814
Leseprobe hanser.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 6 (5) 43 Punkte

ALAIN CLAUDE SULZER: Aus den Fugen


Dieses Konzert wird ihr Leben verändern!

Ein grandioser polyphoner Roman über die bizarren Wendungen des Schicksals, über den Zufall und die unvermutete Eingebung, etwas zu ändern.

Die plötzliche Stille ist lauter als ein Paukenschlag: Mitten in einer atemberaubenden Interpretation der Hammerklaviersonate bricht der international gefeierte Starpianist Marek Olsberg abrupt sein Spiel ab. Mit den Worten "Das war's" schließt er den Klavierdeckel und verlässt den Saal.

Olsbergs unvorhergesehene Tat wird allerdings nicht nur sein eigenes Leben in neue Bahnen lenken. Er ist eine von vielen Hauptfiguren in Alain Claude Sulzers neuem Roman. Da ist z. B. Olsbergs Agent, der sich mit seinem neuen Freund schon auf dem Weg zur Philharmonie in die Haare bekommt. Da ist Sophie, die erst während des Konzerts begreift, dass ihre letzte Liebe inzwischen mit ihrer Nichte Klara angebändelt hat, und die sich deswegen ein Gläschen zu viel gönnt. Da ist Esther, die ihre frisch geschiedene Freundin mit dem Olsberg-Konzert aufmuntern will und die bei der außerplanmäßig frühen Rückkehr vom Konzert bemerken muss, dass ihr Mann nicht daheim ist. Dafür aber sein Handy mit einer befremdlichen Nachricht seiner Assistentin Sabine.

Alain Claude Sulzer gelingt ein bewegender Roman, in dem sich auf engstem Raum eine Fülle menschlicher Schicksale entfaltet. Ein Buch voll unvermuteter Wendungen und existentieller Tiefe. Als habe das abgebrochene Klavierspiel eine Schwingung ausgelöst, die das Leben aller, die dabei waren, in Bewegung bringt.

Titel Aus den Fugen : Roman/ Alain Claude Sulzer
Person(en) Sulzer, Alain Claude
Ausgabe 1. Aufl.
Verleger Berlin : Galiani
Erscheinungstermin 16. August 2012
Umfang/Format 230 S. ; 21 cm
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
ISBN/Einband/Preis 978-3-86971-059-4 Pp. : EUR 18.99 (DE), EUR 19.60 (AT)
3-86971-059-4
EAN 9783869710594
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre


Platz 7 (-) 40 Punkte

MARK TWAIN: Meine geheime Autobiographie


100 Jahre unter Verschluss - 100 Jahre mussten wir warten, denn Mark Twain hatte verfügt, dass seine Autobiographie, sein letztes, größtes Werk, erst 100 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden darf – und er kreierte damit einen Sensationserfolg. Das Buch landete bei Erscheinen sofort an der Spitze der amerikanischen Bestsellerlisten, bislang wurden in den USA über eine halbe Million Exemplare verkauft. »Mir schien, ich könnte so frank und frei und schamlos wie ein Liebesbrief sein, wenn ich wüsste, dass das, was ich schreibe, niemand zu Gesicht bekommt, bis ich tot und nichtsahnend und gleichgültig bin.« (Mark Twain)

Leidenschaftlich und radikal lässt der größte amerikanische Schriftsteller in seiner Autobiographie vieles in neuem Licht erscheinen, oft klingt es, als kritisierte er die aktuellen Ereignisse, die uns heute mehr denn je bewegen. Aber auch lustig, liebevoll oder mit großen Gefühlen erzählt er von seiner Familie und von Schicksalsschlägen, von skurrilen Begegnungen mit den Großen und mit den verachtenswerten »Zwergen« seiner Zeit. Die deutsche Erstausgabe der Jahrhundertedition erscheint in bibliophiler Ausstattung: 2 Bände im Schmuckschuber ...

»Auf jeder Seite findet der Leser ein brillant geschliffenes Kleinod, etwas, worüber er lachen kann.« (Literarische Welt)

»Dieser Twain ist unverschämt modern.« (The New York Times)

Mehrteiliges Werk Meine geheime Autobiographie / Mark Twain. Hrsg. von Harriet Elinor Smith. Unter Mitarb. von Benjamin Griffin ...
Person(en) Twain, Mark ; Smith, Harriet Elinor [Hrsg.]
Verleger Berlin : Aufbau
Erscheinungstermin 1. Oktober 2012
Umfang/Format 24 cm
Parallele Ausgabe(n) Hörbuch (gekürzt)
Hörbuch Download (gekürzt)
Kindle Textedition
Kindle Gesamtedition
Gesamttitel Die Jahrhundert-Edition
Einheitssachtitel Autobiography of Mark Twain ‹dt.›
Anmerkungen Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis 978-3-351-03513-6 in Kassette : EINFÜHRUNGSPREIS 49,90 €* (*Preis ab 1.1.2013: 59,90 €), EUR 51.30 (AT, 2 Bd.), sfr 66.90 (freier Pr., 2 Bd.)
3-351-03513-6
Leseprobe aufbau-verlag.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) leichtere Lektüre

Platz 8 (-) 33 Punkte

URSULA KRECHEL: Landgericht


Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch "Shanghai fern von wo" geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman "Landgericht" noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt.

Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaasschen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna.

Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt "Landgericht" den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. "Landgericht", der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

Titel Landgericht : Roman / Ursula Krechel
Person(en) Krechel, Ursula
Verleger Salzburg ; Wien : Jung und Jung
Erscheinungstermin August 2012
Umfang/Format 494 S. ; 19 cm
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
Hörbuch
ISBN/Einband/Preis 978-3-9902702-4-0 Pp. : ca. EUR 29.90 (DE), ca. EUR 29.90 (AT), ca. sfr 36.90 (freier Pr.)
EAN 9783990270240
Leseprobe brigitte.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 9-10 (-) 30 Punkte

GUSTAVE FLAUBERT: Madame Bovary

Emma Bovary ist eine der faszinierendsten Frauen der Weltliteratur. Sie lebt in der Provinz und träumt von großer Leidenschaft, großer Liebe und großem Leben. Gelangweilt von ihrer Ehe mit dem Landarzt Charles, sucht sie die ersehnten Erregungen bald im Ehebruch, doch sie scheitert an ihrem Verlangen und ihrer Umwelt.

Als das Buch 1857 in Frankreich erschien, wurde Flaubert wegen „Unmoral“ der Prozess gemacht. Zugleich begann „Madame Bovarys“ Ruhm als der vollkommenste Roman der Geschichte und Gründungsroman der literarischen Moderne. Elisabeth Edl hat eine Neuübersetzung geschaffen, die zeigt, worin Flauberts unvergleichliche Modernität liegt.

Titel Madame Bovary - Sitten in der Provinz: Roman
/ Gustave Flaubert. Hrsg. und übers. von Elisabeth Edl
Person(en) Flaubert, Gustave ; Edl, Elisabeth [Hrsg.]
Verleger München : Hanser
Erscheinungsjahr 2012
Umfang/Format 758 S. ; 19 cm
Einheitssachtitel Madame Bovary ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-446-23994-4 Gewebe : EUR 34.90 (DE), EUR 35.90 (AT), sfr 46.90 (freier Pr.)
3-446-23994-4
Bestellnummer(n) 505/23994
EAN 9783446239944
Leseprobe hanser.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Platz 9-10 (-) 30 Punkte

ANNE WEBER: Tal der Herrlichkeiten


Wer nicht sucht, der findet: So geht es Sperber, der auf einem Kai in der Bretagne seiner großen Liebe begegnet. Der großen Liebe, in ihrer Heftigkeit und Macht absolut neu, unerwartet und Jahrtausende alt. Zwei herrliche Tage und Nächte sind Sperber und Luchs gegeben, Tage und Nächte, die staunen machen und die in Teile zerfallene Welt wieder zusammenfügen. Aber dann werden Sperber und Luchs auseinandergerissen. Und Sperber wird seiner Geliebten an einen Ort folgen, von dem es eigentlich keine Wiederkehr gibt. Denn die Liebe, Wunde und Heilung zugleich, verleiht Kräfte, über die der Mensch sonst nicht verfügt. Anne Weber erzählt die Geschichte einer Liebe, die wie ein wilder nächtlicher Traum den Leser durch den Tag begleiten wird.

"Noch war das erste Wort nicht gesprochen. Noch standen sie auf einer Brücke im Nichts und hielten sich mit den Augen. Dann trennten sich zwei Lippen, und Luchs sprach: Gehen wir? Und Sperber sagte: Ja."

TitelTal der Herrlichkeiten: Roman / Anne Weber
Person(en) Weber, Anne
Verleger Frankfurt, M. : S. Fischer
Erscheinungsjahr 17. August 2012
Umfang/Format 252 S. ; 21 cm
Parallele Ausgabe(n) Kindle eBook
ISBN/Einband/Preis 978-3-10-091062-2 Pp. : EUR 18.99 (DE), EUR 19.60 (AT), sfr 28.90 (freier Pr.)
3-10-091062-1
EAN 9783100910622
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Bretagne ; Zufallsbekanntschaft ; Leidenschaft ; Tod ; Jenseits ; Belletristische Darstellung
Leseprobe fischerverlage.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre

Persönliche Empfehlung - im November von Hubert Spiegel (Frankfurt):

NATHANAEL WEST: Miss Lonelyhearts


Eine schwarze Komödie im New York der 20er-Jahre

Scheinheiligkeit, Scheinmoral, Scheinentrüstung – das ging im Medienzirkus schon immer zusammen und tut es bis heute. Nathanael West zeigt in seiner flammenden Satire, wie dreist im modernen Pressewesen getäuscht und geheuchelt wird. Mit seiner »Miss Lonelyhearts« präsentiert er eine wunderbar ambivalente Schlüsselfigur des großen Bluffs.

»Haben Sie Sorgen? Schreiben Sie an Miss Lonelyhearts!« – Die Leserschaft des New Yorker Post-Dispatch macht regen Gebrauch von der Offerte, und die Briefe in der Redaktion stapeln sich höher und höher. Ob es um Pubertätsnöte geht, um Inzest oder gebrochene Herzen – Miss Lonelyhearts hat garantiert die passenden Worte auf Lager. Dass die beliebte Trostspenderin in Wahrheit eine durch und durch trostlose Existenz ist, wissen nur die feixenden Kollegen.

Schonungslos deckt der Roman den faulen Zauber eines Systems auf, das auf billigsten Illusionismus setzt und Menschen vorsätzlich für dumm verkauft. »‘Miss Lonelyhearts’ ist aus dem Stoff, aus dem unsere Zeitungen sind – bloß dass West die Wahrheit erzählt.« (Dashiell Hammett)

"Er wollte nicht das Epos, sondern die Explosion. Für alles andere habe Amerika ohnehin keine Zeit, meinte Nathanael West. Wie sein Freund F. Scott Fitzgerald zeigt er sich in seinen Romanen als gnadenloser Chronist der amerikanischen Gesellschaft zwischen Roaring Twenties und Großer Depression. In "Miss Lonelyhearts" erzählt er die Geschichte einer männlichen Kummerkastentante, die in der Flut der Leserbriefe untergeht. Ungeheuer heutig in unserer von Klatschsucht und Selbstdarstellungsbedürfnis geprägten Zeit." (Hubert Spiegel)

Titel Miss Lonelyhearts: Roman / Nathanael West. Aus dem amerikan. Engl. übers. und hrsg. von Dieter E. Zimmer
Person(en) West, Nathanael ; Zimmer, Dieter E. [Übers.]
Verleger Zürich : Manesse
Erscheinungstermin 3. September 2012
Umfang/Format 165 S. ; 21 cm
Einheitssachtitel Miss Lonelyhearts ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-7175-2274-4 Pp. : EUR 19.95 (DE), EUR 20.60 (AT), sfr 28.50 (freier Pr.)
3-7175-2274-4
EAN 9783717522744
Leseprobe randomhouse.de
Schwierigkeitsgrad (vermutlich) mittelschwere Lektüre


Literatur im Fernsehen

Sonntag, 4. November um 10.15 Uhr in 3sat
(Wiederholung: Sendung vom 25. Oktober, SWR Fernsehen)
"Literatur im Foyer" mit Felicitas von Lovenberg
Gäste: Daniel Kehlmann und Detlev Buck

Donnerstag, 8. November um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Gäste: Jenny Erpenbeck und Alain Claude Sulzer

Donnerstag, 15. November um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 25. November um 10.15 Uhr in 3sat
"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Gäste: Sibylle Berg und Denis Scheck

Sonntag, 18. November um 10.15 Uhr in 3sat
(Wiederholung: Sendung vom 18. Oktober, SWR Fernsehen)
"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Literaturtage Badenweiler
Gäste: Sibylle Lewitscharoff, Rüdiger Safranski und Peter Sloterdijk

Donnerstag, 29. November um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen
Sonntag, 9. Dezember um 10.15 Uhr in 3sat
"Literatur im Foyer" mit Thea Dorn
Gäste: Karen Duve und Florian Weber


Literatur im Hörfunk

SWR2 Literatur
Dienstag, 6. November um 22.05 Uhr
über die Bücher der November-Bestenliste diskutieren
Ursula März und Hubert Spiegel; Moderation: Helmut Böttiger



Quelle: http://www.SWR.de/bestenliste

Dienstag, Oktober 23, 2012

Hörproben aus dem "Ende der Leichtigkeit"

Bei der letzten Lesung im Barmbek Basch ist ein Video mitgeschnitten worden, dass ich in den letzten Tagen auf Youtube gepostet habe.

Früher konnten die Leute in den Buchhandlungen in den Büchern blättern, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Diese Rolle haben Lese- und Hörproben übernommen.

Worum geht es in der Geschichte "Das Ende der Leichtigkeit"? Die französische Studentin Suzanne wird während eines Korfu-Urlaubs vergewaltigt. Als sie merkt, dass ihr Pariser Freundeskreis zunehmend verständnislos auf ihr Trauma reagiert, wagt sie in Hamburg einen Neuanfang. Hier lernt sie den Filmkritiker Stephan kennen. Eine komplizierte Beziehung bahnt sich an.

Wie erlebt Suzanne die Zeit nach der Vergewaltigung? Welchen Einfluss hat das Trauma auf ihre Beziehung? Und wie reagiert Stephan auf die Mauern, die sie aus Selbstschutz aufgebaut hat? Nur langsam erfährt der Protagonist des Romans, was sich drei Jahre zuvor auf Korfu abgespielt hat. Und er beschließt, auf die Insel zu fahren, um dort nach Antworten zu suchen, die ihm Suzanne nicht geben will oder kann.

Mehr auf der Website zum Buch: www.das-ende-der-leichtigkeit.de oder direkt bei Amazon.

Hier der Beginn des Romans:


Um mehr über die erste gemeinsame Nacht der beiden zu erfahren, müssen Sie schon den Roman kaufen. Dafür hier der Morgen danach:


Suzanne lädt Stephan ein. Sie überwindet sich, ihm von Korfu zu erzählen. Eigentlich beginnt alles ganz schön:


Bertrand deutet die Signale, die von Suzanne ausgehen, völlig anders als sie. Als er eines Morgens zu ihr nach oben kommt, ist er von ihrer entrüsteten Abwehrhaltung verärgert, sieht sich betrogen und vergewaltigt sie schließlich.


Stefan macht seiner Wut über das Gehörte Luft. Ihm ist danach, irgendetwas kaputtzuhauen. Irgendwann beruhigt er sich und taucht wieder bei Suzanne auf:


Stephan sucht auf Korfu die Galerie, in der Larbaud ausstellen soll. Und vor einem Bild der Blauen Grotte von Paleokastritsa stehend begreift er langsam, worauf er sich eingelassen hat:


Die erste Begegnung zwischen Stephan und Larbaud. Noch ist Stephan sehr vorsichtig, weil er nicht abschätzen kann, was Larbaud weiß:


Während Stephan sich bisher von Larbauds Auftreten hat blenden lassen, blickt er nun zum ersten Mal hinter die Fassade des selbstsicheren Wirkens. Larbauds jüngste Eroberung, Isabelle, wird zum Indikator:

Montag, Oktober 08, 2012

Stendhal: Über die Liebe

Liebeskummer treibt bisweilen seltsame Blüten. Marie-Henri Beyle, genannt Stendhal etwa, trieb sie dazu, seine Überlegungen und Beobachtungen zur Liebe zu Papier zu bringen: Er hatte sich 1814 unsterblich in die Bankierstochter Mathilde Dembowski verliebt, eine selbstbewusste junge Frau, die zwar offiziell noch verheiratet war, aber seit vier Jahren von ihrem Mann getrennt lebte. Leider erwiderte sie diese Liebe nicht. Die Jahre der fortgesetzten Werbung und Ablehnung wurden zu Stendhals großem Trauma, das er ab dem Jahr 1819 versuchte, mit einem groß angelegten Essay über die Liebe zu verarbeiten.

Das Buch brachte ihm kein Glück. Stendhal selbst sagt, das Buch habe in ca. 20 Jahren „kaum hundert Leser“ gefunden. Immerhin vier Versuche machte er, mit neuen Ausgaben die Verbreitung zu fördern. Jedes Mal fügte er dem Werk eine neue Vorrede hinzu, mit der er das Desaster aus seiner Sicht zu erklären versuchte. Darin macht er sehr deutlich, dass dieses Buch nur für einen bestimmten Schlag Menschen überhaupt verständlich sein könne und der Rest der Leser sich notwendig zu Recht darüber aufrege. Das klingt nach Apologie, nach Selbstverteidigung, ein wenig peinlich nach Rechtfertigung. Und war wahrscheinlich wenig dazu angetan, die Leser neugierig zu machen.

Der Erfolg kam erst deutlich später, im Fin de Siècle. Der französische Philosoph, Historiker und Kritiker Hippolyte Taine wiederentdeckte Stendhal. Er schätzte dessen unverfälschten, unprosaischen Stil, der ganz natürlich aufs Papier zu fließen schien und damit eine Frische und extreme Ehrlichkeit mit sich brachte, die für die Zeit neu war. Taine, der sich auch auf dem Gebiet der historischen Psychologie behauptete, rückte Stendhal so ins Zentrum einer Zeit, die ohnehin stark um sich selbst kreiste. Autoren wie Marcel Proust oder Maurice Barrès wurden so auf ihn aufmerksam.

Ohnehin hatte Stendhal sich inzwischen durch seine Romane „Rot und Schwarz“ und „Die Kartause von Parma“ einen Namen gemacht, so dass nun auch sein Essay „Über die Liebe“ mit anderen Augen gesehen wurde. Die Begeisterung für Stendhal wirkt bis in die Gegenwart nach. Serge Gainsbourg zitierte Stendhal in „Anna“ ebenso wie Eric Rohmer in „Pauline am Strand“. Wobei es heute zumeist das Bild der Kristallisation ist, das sich mit Stendhal verbindet.

Diesen Ausdruck hat Stendhal ursprünglich geprägt, und er ist anfangs stark dafür angefeindet worden. Es geht zurück auf das Bild vom „Salzburger Zweig“, das im Anhang an den Essay in dem vom Fischer TB Verlag jetzt neu veröffentlichten Band mit abgedruckt ist: „In den Salzbergwerken von Hallein bei Salzburg werfen die Bergleute in die verlassenen Gruben einen vom Winter entblätterten Baumzweig; zwei oder drei Monate später finden sie ihn durch die Einwirkung der salzhaltigen Wasser, die den Zweig tränken und dann im Versickern trocknen lassen, ganz bedeckt mit schimmernden Kristallisationen. [...] Man kann den ursprünglichen Zweig nicht mehr erkennen; es ist ein Kinderspielzeug, reizend anzusehen.“

Letztlich dürfte es sich bei der Kristallisation um nichts anderes handeln als das, was Jahre später von Freud als Projektion bezeichnet wurde. Stendhal betont immer wieder, dass gerade in der Abwesenheit des Liebesobjekts diese Kristallisation sich vollzieht; d.h., dass unser Gegenüber für uns mit Wert überzogen wird, nicht durch seinen wahren Charakter, sondern durch die Eigenschaften, die wir ihm in Abwesenheit andichten. Brecht hat das im „Herrn K.“ einmal so ausgedrückt: „Wenn ich einen Menschen liebe, mache ich einen Entwurf von ihm und sorge, dass er ihm ähnlich wird.“ - „Wer, der Entwurf?“ - „Nein“, sagte Herr K., „Der Mensch.“

Im ersten Band seines zweibändigen Werks widmet sich Stendhal sehr ausführlich dieser Kristallisation, wenn auch aus seiner damaligen, sehr praxisorientierten Sicht, deskriptiv. Er versucht die Phänomene der Liebe, von ihrer Entstehung über die Intimität bis hin zu Eifersucht und Streitliebe, zu kategorisieren. Das war damals Mode. Wissenschaftlich zu arbeiten bedeutete zu seiner Zeit in erster Linie, die Dinge, die man in der Natur entdeckte, zu klassifizieren. Und so beginnt auch Stendhal damit, vier Arten der Liebe voneinander zu trennen und gegeneinander abzugrenzen: die leidenschaftliche, die galante, die sinnliche und die Liebe aus Eitelkeit.

Der zweite Band enthält hingegen eher Beobachtungen regionaler Unterschiede im Umgang mit der Liebe, ist aber ansonsten deutlich weniger strukturiert. Besonders erwähnenswert hier die Gegenüberstellung von Don Juan und Werther in Kapitel 59, allein weil Stendhal hier die Liebe des gelangweilten Draufgängers gegen die eigene Erfahrung mit seiner Méthilde setzt, ohne sie namentlich zu erwähnen. Seine Solidarität mit dem schmachtenden Werther ist unübersehbar. Es ist die „Seligkeit eines Schülers, der ein Trauerspiel schreibt, nur tausendmal stärker.“ Auf die Frage, wie aus einer Verliebtheit eine reife, langjährige Liebe werden kann, hat allerdings auch Stendhal keine Antwort.

„Über die Liebe“ ist zum schnellen Genuss völlig ungeeignet. Meine Versuche, den Text zunächst einmal komplett zu lesen, um mich dann en détail noch einmal näher mit den einzelnen Abschnitten zu beschäftigen, ist grandios gescheitert. Wir leben deutlich in einer Zeit nach Freud. Unser Bild der Liebe ist anders geprägt. So war ich bei jedem Absatz, den ich las, versucht, das eben Gelesene zu übersetzen und mit eigenen Erfahrungen zu füllen. Dazu kommt, dass Stendhal sehr belesen war. Ständig zitiert er Zeitgenossen und frühere Autoren, wobei ihm Andeutungen offensichtlich häufig genügten, um ein bestimmtes Bild entstehen zu lassen. Um aber wirklich zu erfassen, was Stendhal da von sich gibt, wäre eine begleitende Lektüre eben dieser Autoren unerlässlich.

So ist der Band „Über die Liebe“ eher Einstiegstor in eine Zeitreise, als ein Werk, das für sich stehend dem Phänomen Liebe gerecht würde. Lesenswert allein schon, um der Idee der Kristallisation mehr Zeit zu widmen, ansonsten aber eher Ausgangspunkt für eine eigene Suche, noch völlig unbefleckt von Psychoanalyse, Hirnforschung und ähnlichen Disziplinen, die heute für das Verständnis der Attraktion eine zentrale Rolle spielen. Wer einen historischen Überblick gewinnen will, kommt mit Stendhal weit, sollte aber unbedingt Zeit einplanen und die Lust, eben nicht nur ihn, sondern eine ganze Bibliothek an Autoren kennenzulernen, die sich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt haben.

Titel Über die Liebe / Stendhal. Aus dem Franz. von Franz Hessel
Person(en) Stendhal ; Hessel, Franz [Übers.]
Verleger Frankfurt, M. : Fischer-Taschenbuch-Verl.
Erscheinungstermin 13. Januar 2012
Umfang/Format 372 S. ; 19 cm
Gesamttitel Fischer ; 90298 : Fischer Klassik
Einheitssachtitel De l'amour ‹dt.›
ISBN/Einband/Preis 978-3-596-90298-9 kart. : EUR 9.50, sfr 16.90 (freier Pr.)
EAN 9783596902989
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Französisch (fre)
Schlagwörter Liebe

Herzlichen Dank an den Fischer TB Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar hat zukommen lassen und an lovelybooks.de für die Vermittlung im Rahmen einer Leserunde.

Freitag, Oktober 05, 2012

Lesung aus dem "Ende der Leichtigkeit"

Weil sonst Fotos in diesem Blog relativ kurz kommen, poste ich heute zur Abwechslung mal ein paar Bilder von meiner gestrigen Lesung in Harburg. Location war das Café WattenbergAcht in Harburg-Heimfeld.

Ich las - in zwei Blöcken mit einer Pause - acht Abschnitte aus meinem Roman "Das Ende der Leichtigkeit", in dem es um sexuelle Gewalt, ihre Wirkung auf die Überlebenden und den Umgang der Täter damit geht. Von daher war ich überrascht, eine relativ große Gruppe an Zuhörern vorzufinden, die sich dafür interessierte und die bereit war, sich damit auseinanderzusetzen.

Sehr berührt hat mich die anschließende Diskussion. Anwesend war unter anderem eine Frau, die über viele Jahre hinweg in einem Frauenhaus gearbeitet hat - und die mir sagte, wie notwendig mein Buch sei, und dass es längst überfällig gewesen ist. Ebenfalls anwesend die Mutter einer vergewaltigten Tochter, die von ihren Erfahrungen mit dem Gerichtsprozess gegen den Täter erzählte. Und eine Frau, die jahrelang als Schöffin am Gericht tätig war. Einige der Zuhörer waren erstaunt über die Zahlen, die ich präsentierte. Denn wer weiß schon, dass in Deutschland alle sieben Minuten eine Frau vergewaltigt wird? Und viele betonten, sie seien immer wieder überrascht gewesen, wie unerwartet und unterhaltsam der Fortgang der Geschichte trotz des ernsten Themas für sie war.

Alles in allem ein voller Erfolg für den ersten Leseabend. Weitere Termine sind in Planung. Interessierte Veranstalter können sich gern weiterhin an mich wenden. Ich denke, Lesungen sind eine gute Art, dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen und Menschen dafür zu sensibilisieren.