Freitag, November 30, 2012

Neuerscheinungen rund um Shakespeare Dezember 2012

Gerade sah ich, dass ich mich lange nicht mehr um die Shakespeare-Neuerscheinungen gekümmert habe. Für Dezember gibt es eine ganze Reihe von Vorankündigungen der Verlage - leider haben die meisten von ihnen noch kein Coverfoto bereitgestellt. Teilweise warten sie nicht einmal mit Verlagsinfos zum Inhalt auf, was mich immer ein wenig skeptisch macht.

Für Leute, die sich gern vorlesen lassen: Jacques Breuer, österreichischer Filmschauspieler, Synchronsprecher und Filmregisseur, liest für den NOANOA Hörbuchedition und Theaterverlag Shakespeares Vanitas-Sonette ein. Coverfoto ist noch nicht vorhanden, aber als Erscheinungstermin wird derzeit der 1. Dezember angegeben. Titel des Ganzen: Der Zeit entgegen - Shakespeares Vanitas Sonette: Jacques Breuer liest Shakespeare. Klingt doch nach einem schönen Weihnachtsgeschenk für Fans.
[Nachtrag 07.12.: Eben kam eine Info vom Verlag rein: Das Shakespeare-Hörbuch von Jacques Breuer ist etwa ab dem 17.12. erhältlich. Die Produktion hat sich etwas verzögert. Es soll aber definitiv vor Weihnachten erscheinen.]

Bei Diesterweg tut sich in der Neusprachlichen Bibliothek - Englische Abteilung ebenfalls etwas. Drei Bände sind für Dezember angekündigt: Das Textbook "Romeo and Juliet" für die Übergangsstufe und Sekundarstufe II ist für den 3. Dezember angekündigt. Das Buch scheint auf der Website des Verlags noch nicht eingefügt zu sein. Der dort vorhandene "Reader" "Romeo and Juliet" hat eine andere ISBN als das bei Amazon für Dezember angekündigte Textbook. Zu diesem Textbook gibt es auf der Website aber immerhin die Info: "Ungekürzte Texte, die mit Annotationen und Materialien zu Autor und Werk versehen sind". Parallel wird ebenfalls für Dezember ein Textbook The Merchant of Venice and Romeo and Juliet in derselben Diesterweg-Abteilung angeboten ("Die sorgfältig annotierte Ausgabe konzentriert sich auf die wichtigsten Szenen in den beiden Shakespeare-Stücken "The Merchant of Venice" und "Romeo and Juliet" . Die Auszüge werden durch Erklärungen verbunden, um das Gesamtverständnis zu fördern. Interpretatorische Arbeitsansätze werden optimal mit lebendigen Aufgaben und detailliertem Hintergrundmaterial kombiniert.").  Zum letztgenannten Band gibt es dann neben dem Textbook auch einen Study Guide: Merchant of Venice und Romeo and Juliet: Study Guide (Diesterwegs Neusprachliche Bibliothek - Englische Abteilung) soll ab 11. Dezember lieferbar sein.


Eher wissenschaftlich orientiert ist der von Björn Quiring herausgegebene Band: Theatrum Mundi: Die Metapher des Welttheaters von Shakespeare bis Beckett. Ich bin ja mittlerweile ein wenig vorsichtig, was sogenannte Neuerscheinungen angeht, weil im Augenblick (s.u.) haufenweise Nachdrucke alter Titel in Umlauf gebracht werden. Und bei ciao.de fand ich auch bei diesem Buch die Info "Neuausgabe", was eher auf Nachdruck schließen ließe. Da es sich aber bei Quiring um einen höchstlebendigen Autoren handelt, gehe ich erst einmal davon aus, das auch dieses Buch tatsächlich neu ist. Hier die Verlagsinfos: «Das „Welttheater“ kann als eine der langlebigsten „absoluten Metaphern“ im Sinne Hans Blumenbergs gelten: Sie entwickelt sich, sobald sich das Theater selbst als Institution herausbildet, und sie wirkt bis heute nach. In dieser langen Karriere lassen sich mehrere Höhepunkte ausmachen, von denen der wohl prominenteste in der Frühen Neuzeit liegt – der „Shakespeare-Zeit“, in der sich das Problem der politischen, theologischen und ästhetischen Repräsentation besonders akut stellte.
Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Metapher zur Unterstützung diametral entgegengesetzter Standpunkte eingesetzt: Als ‚theatrum mundi‘ kann sowohl die gesellschaftliche Ordnung als auch die kosmische Ordnung bezeichnet werden; und die Metapher kann eingesetzt werden, um die Spannung zwischen diesen beiden zu verschleiern oder zu betonen. Die Bühne kann einerseits als evidenzschaffende und enthüllende, andererseits als täuschende, verbergende Instanz fungieren, und entsprechend kann die Metapher das Theater auf- oder abwerten. Diese Anthologie widmet sich den Fragen: Was gibt dieser Figur ihre Überzeugungskraft? Wie hat sie sich in verschiedenen Texten (speziell der Frühen Neuzeit) ausgeprägt? Und was hat von ihr überlebt?
Björn Quiring ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Freie Universität Berlin) und am Sonderforschungsbereich „Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit“ (LMU München). Zuletzt ist vom ihm erschienen: Shakespeares Fluch. Die Aporien ritueller Exklusion im Königsdrama der englischen Renaissance (2009).»

Gleich drei mal Shakespeare hat der Paderborner Salwasserverlag angekündigt: Einmal Edwin Bormanns Der Shakespeare-Dichter und dann Alfred von Mauntz' Heraldik in Dienste der Shakespeare-Forschung. Auf der Website des Verlages ist über beide Bücher nichts zu erfahren. Allerdings scheint die Website auch lange nicht mehr gepflegt worden zu sein. Unter der Rubrik "Ausgewählte Neuerscheinungen" hängen sie immer noch im Jahr 2011 fest. So lässt sich nur argwöhnen. Der Titel von Bormanns Buch klingt ein wenig nach einer Neuauflage der Verfasser-Diskussion der Shakespeare'schen Schriften. Mittlerweile ist ja bekannt, dass es ernsthafte Zweifel gibt, ob der Schauspieler aus Straford upon Avon tatsächlich mehr getan hat, als seinen Namen hinzuhalten. Und was die Wappenkunde, die Heraldik, im Dienste der Shakespeare-Forschung bewirken kann, erschließt sich mir ohne weitere Informationen auch nicht. Und dann gibt es noch für teueres Geld den letzten Teil der Sämtlichen Dramatische Werke in drei Bänden: Dritter Band in der alten Schlegel/Brenda/Voß-Übersetzung - als Faksimile, wie ein Blick ins Buch bestätigt.

Bei genauerer Recherche wird schnell klar, dass auch Salzwasser lediglich auf den Zug aufspringt, alte Titel, deren Rechte abgelaufen sind, als Reprint neu auf den Markt zu werfen. So ist der Mauntz ursprünglich 1908 erschienen, also alles andere als eine aktuelle Untersuchung. Bei Google Books fand ich über den Titel folgendes: "Die Heraldik mit den ihr eigenen Gesetzen und der ihr eigenen Sprache wurde zu Shakespeare's Zeiten sehr hoch gehalten. Indem Alfred von Mauntz dies aufzeigt und beweist, dass auch in Shakespeare's Werken eine Reihe von heraldischen Bildern und heraldiktypischen Worten zu finden sind, gelingt ihm ein völlig neuer Blick auf das Leben und die Persönlichkeit des berühmten englischen Dramatikers."

Ist es jetzt noch verwunderlich, dass auch der Bormann sich als Titel erweist, der bereits 1902 einmal erschienen war, damals mit dem klangvollen Namen "Der Shakespeare-Dichter. Wer war's? Und wie sah er aus?" Für diejenigen, die mit der Forschung nicht so vertraut sind, hier ein kleiner Auszug aus der Wikipedia zu Bormann: "In mehreren Publikationen trat er außerdem für die sogenannte Shakespeare-Bacontheorie ein, die Francis Bacon für den Verfasser der unter dem Namen des Schauspielers William Shakespeare veröffentlichten Werke hält. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Theorie versuchte er - nach eigenem Bekunden - den Nachweis zu erbringen, indem er einen "unauflöslichen Zusammenhang" zwischen den Shakespeare-Dichtungen und den naturwissenschaftlich-philosophischen Werken Bacons aufzeigte. So sei der Sturm eine Parabel zu Bacons Naturphilosophie, Lear zur Ökonomie und Hamlet zur Anthropologie."

Ich persönlich finde, es macht den Markt ein wenig unübersichtlich, wenn uralte Titel jetzt von Verlagen kommentarlos neu angeboten werden. Aber das scheint ein Trend zu sein, dem nicht nur Salzwasser erlegen ist. Heißt im Gegenzug aber, dass man vor dem Kauf immer mal schauen sollte, ob das Buch nicht auch bereits kostenfrei als Download im Netz verfügbar ist, weil irgendeine Bibliothek es längst gescannt hat. Die Nachfahren der Autoren dürften aufgrund der Rechtslage von den Neuausgaben ohnehin nichts haben.

Nachtrag zum Chat Noir

Ein Autor, dessen Name mir gestern nicht mehr einfiel, der aber auch zwei Romane geschrieben hat, in denen das Chat noir durchaus vorkommen könnte, ist Pierre La Mure. Seinen Debussy-Roman "Clair de Lune - Sinfonie einer Leidenschaft" habe ich in einer meiner unzähligen Kisten, werde ihn aber dieser Tage rauskramen und hier noch mal gesondert vorstellen. Sein anderes Buch, das etwa zur gleichen Zeit spielt, ist der Toulouse-Lautrec-Roman "Moulin Rouge", den ich glaube ich nicht besitze, der aber derzeit noch in einer Ausgabe des Herbig-Verlags zu bekommen ist. Moulin Rouge war sein erster durchschlagender Erfolg, noch vor Clair de Lune. Der Roman wurde 1952 - zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung - von John Huston verfilmt, und der Film später mit zwei Oscars ausgezeichnet. Die Rezensionen zum Roman, die ich gelesen habe, sind allesamt völlig begeistert von Moulin Rouge: "An keiner Stelle langweilig und sehr gelungen" - "ein frappierend reichhaltiges Zeitgemälde der achtziger und neunziger Jahre mit einer subtilen Erhellung des künstlerischen Werdegangs und insbesondere der menschlichen Heimsuchung, der Toulouse-Lautrec bereits siebenundreißigjährig erlag” - "ein spannendes Buch voller Wirklichkeit und mit Menschlichkeit durchtränkt. Man lernt den Künstler und Paris in ihren grossen so wie kleinen Aspekten kennen". Macht Lust auf das Buch. Letztlich genau der Titel, nach dem ich gesucht habe, um in diese Zeit abzutauchen.

Auf audible.de habe ich heute eine Hörprobe aus dem Hörbuch: Conductor's Guide to Debussy's Prelude, Nocturnes and La Mer von Gerad Schwarz angehört, die mich auch ziemlich begeistert hat. Schwarz erzählt in der Hörprobe von der Kindheit und Jugend Debussys und von seiner Zeit auf dem Konservatorium. Vielleicht lag es nur daran, dass ich gerade in der richtigen Stimmung war, aber ich hatte das Gefühl, dass Schwarz sehr plastisch ein Bild jener Zeit zum Leben erwecken kann.

Auf audible gibt es übrigens auch die ungekürzte Hörversion von Christopher Moores aktuellem Roman Verflixtes Blau!, von dem ich gestern ja schon ein wenig erzählt habe. Wer also keine Lust hat, auf das Buch zu warten, oder wer sich ohnehin lieber vorlesen lässt, sollte mal einen Abstecher zu audible machen. Allerdings fand ich die Hörprobe erst einmal nicht sonderlich überzeugend. Ich werde mir trotzdem in den nächsten Tagen das komplette Hörbuch runterladen und euch erzählen, wie es mir damit ging.

Ist es ein Wunder, dass ich mir heute Abend nach langer Zeit mal wieder ein Glas Absinth gegönnt habe? Könnte mich dran gewöhnen. À bientôt!

Donnerstag, November 29, 2012

Le Chat Noir - Boheme in Paris

Nur mal kurz zwischendurch, weil ich gerade beim Surfen drüber gestolpert war: Das Bild mit der schwarzen Katze, das in meinem Blog links der Textspalte hängt, stammt von Théophile-Alexandre Steinlen und war ursprünglich ein Veranstaltungsplakat für das Kabarett "Le chat noir" („Die schwarze Katze“) am Fuß des Montmartre. Es öffnete seine Tore am 18. November 1881. Gegründet hatte es Rodolphe Salis (1851-1897), der eigentlich als Maler und Graphiker lebte.

"Le Chat Noir", das seinen Namen Edgar Allan Poes gleichnamiger Geschichte verdankt, gilt das als erstes literarisches Kabarett überhaupt, war aber deutlich mehr als das. Die gesamte künstlerische Elite der Stadt gab sich damals dort ein Stelldichein. Von dort gingen viele neue Impulse aus. Die schwarze Katze war nicht nur ihr Treffpunkt, sondern auch ihr Symbol: nachtaktiv, geheimnisvoll, verführerisch, verspielt und unabhängig - so sah sich die Boheme jener Tage.

Viele illustre Kreative jener Tage verkehrten dort: Adolphe Willette, Caran d’Ache, André Gill, Emile Cohl, Paul Bilhaud, Sarah England, Paul Verlaine, Henri Rivière, Claude Debussy, Erik Satie, Charles Cros, Jules Laforgue, Charles Moréas, Albert Samain, Louis Le Cardonnel, Coquelin Cadet, Emile Goudeau und Jane Avril waren dort regelmäßig zu Besuch.

Dass "Le chat noir" 1897 schloss, dürfte am Tod seines Besitzers gelegen haben, den die Tuberkulose dahinraffte. Aber das ist nur eine Vermutung aufgrund der Jahreszahl. Falls einer von euch zufällig eine Biographie von Salis hat und Näheres weiß, würde ich mich über eine Info freuen.

Andrea Jennert: La mer. Die Liebe der Emma Debussy



Romane aus der Zeit des "Chat noir" sind selten. Bei meinen Recherchen bin ich eben über den relativ neuen Roman La Mer. Die Liebe der Emma Debussy von Andrea Jennert gestoßen (erschienen Okt. 2011). Über den heißt es im Verlagstext: "Emma und Claude trafen sich das erste Mal 1904. Die Liebe zur Musik führte ihre Wege von da an immer wieder zusammen. Nur wenige Jahre später, ließen Sie schließlich ihr bisheriges Leben hinter sich, entgegen aller Widrigkeiten fest entschlossen, ihr Leben fortan gemeinsam zu verbringen. Doch was sie verband, stellt sich den beiden plötzlich in den Weg. Claudes musikalisches Genie bestimmt sein Leben und bald auch das Ihrige. Während Claude sich immer mehr in einem Schaffensrausch verliert und auf Konzertreisen geht, zieht sich Emma weiter zurück. Ihre Liebe steht vor einer harten Prüfung, selbst die Geburt ihres gemeinsamen Kindes Chouchou kann daran nichts ändern. Nur in der Musik, so scheint es, liegt die Hoffnung auf eine neue Liebe. Andrea Jennert hat mit ihrem Buch ein einfühlsames Porträt einer Beziehung, einer Zeit und einer Musik geschaffen, die den Leser in ihren Bann ziehen.
Vor Claude Debussys 150. Geburtstag 2012 erscheint dieses Buch mit Auszügen aus seinen Originalbriefen und zeigt einen der bedeutensten Komponisten Frankreichs von seiner schönsten Seite."

Ihr merkt, ich bin sehr an dieser Zeitepoche interessiert. Falls ihr also einen Tipp für einen spannenden Pariser Fin de Siècle-Roman habt, in dem der Montmartre und vielleicht sogar das "Chat noir" eine Rolle spielt (und ich meine jetzt nicht Bücher wie "Interview mit einem Vampir"), dann immer her damit!

Ein Geheimtipp zum Thema, wenn auch ein nicht ganz ernst zu nehmender, scheint mir folgender gerade erschienener Roman von Christopher Moore zu sein:

Christopher Moore: Verflixtes Blau



Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber es kommt wohl ebenso wie La mer auf meine Weihnachtsleseliste. Christopher Moore ist ja spätestens seit "Die Bibel nach Biff" auch hier in Deutschland bekannt. Nicht alle seine Romane finde ich genial, aber wenn er sich die impressionistischen Maler vom Montmartre um 1890 vorknöpft, will ich zumindest wissen, was dabei herauskommt. Und die ersten Leserrezensionen klingen vielversprechend: "Es enthält wieder diesen für Moore typischen schwarzen Humor, beißenden Sarkasmus und einfach herrlich lustige Metaphern!", heißt es etwa.

Inhaltlich geht es um den Tod Vincent van Goghs. Henri Toulouse-Lautrec ist entsetzt und macht sich auf die Suche nach den Hintergründen. Und stößt - historisch eher spekulativ - auf Gerüchte, dass ein rätselhafter Farbenmann arglose Künstler verfolge. Zusammen mit dem Bäcker Lucien Lessard versucht Toulouse-Lautrec, das blaue Mysterium aufzuklären. Klingt ein wenig, als würde man parallel zu Caesars "Gallischem Krieg" eine Runde "Asterix" lesen: Zeit und Hauptpersonen stimmen irgendwie, der Rest ist einfach nur amüsant. Aber der Roman Verflixtes Blau! ist zumindest ein Versuch zu erklären, warum die Farbe Blau in van Goghs Bildern derart rar ist.

Bin übrigens gespannt, ob das Kabarett "Le chat noir" in dem Roman vorkommt.


Emile Zola: Nana

Kurz vor Eröffnung des "Chat noir", im Jahr 1880, erscheint einer der wichtigsten Romane Emile Zolas. "Nana" beginnt in unmittelbarer Nähe des Cabarets am Montmartre, im Théâtre des Variétés am Boulevard Montmartre 7. Dort wird die Premiere des Stücks „Die Blonde Venus“ aufgeführt, mit Nana in der Titelrolle:
"Noch ist sie in Paris eine Unbekannte, die noch dazu weder über eine schöne Stimme noch über schauspielerisches Talent verfügt. Doch sie besitzt etwas, das die Herren ihre Operngläser auf sie zu richten zwingt, wenn sie beim Singen ihren Körper wiegt: sie verbreitet um sich einen Duft des Lebens, der Allmacht des Weibes, und berauscht das Publikum, bis dieses erregt und erschöpft scheint, von einem Rausch ergriffen und von Verlangen erfüllt. Und angesichts dieser fünfzehnhundert unterejochten, erschöpften Menschen steht nana siegreich da in der Allmacht ihres Marmorleibes, um diese ganze Welt in Trümmer zu legen und inmitten des allgemeinen Verderbens allein aufrecht zu  bleiben. Dies ist der Beginn der steil aufsteigenden 'Karriere' einer talentlosen kleinen Schauspielerin, die sich zur Kurtisane großen Stils entwickelt, die mit der naiven Selbstverständlichkeit eines Kindes, das zu früh mit der Verderbtheit der Welt bekannt wurde, ihre Liebhaber wechselt." (Klappentext)

»Ich habe gestern den ganzen Tag bis halb 11 Uhr nachts damit zugebracht, ›Nana‹ zu lesen und ich habe die ganze Nacht darüber nicht schlafen können ... Es wimmelt nur so von echten Ausdrücken, und zum Schluß der Tod ist ganz Michelangelo! Ein enormes Buch, mein Lieber!«, schrieb Gustave Flaubert seinerzeit begeistert an den Autor Emile Zola.

Obwohl der Roman von Zeit und Ort her zum Thema dieses Threads passt, spielt er doch die meiste Zeit über nicht im Künstlermilieu, sondern im Großbürgertum, in dem sich Nana zu behaupten sucht. Eindrucksvoll jedoch auch die Passage, in der sie sich mit dem Schauspieler Fontan zusammentut und für kurze Zeit versucht, wahre Liebe zu leben. Da taucht sie kurz auf, die Bohème jener Tage mit ihrer alles verschlingenden Armut und den großen Hoffnungen. Ein Künstlerroman ist das Buch hingegen nicht. Würde ich behaupten.


Henri Murger: Das Leben der Bohème


Über die Künstlerclique  in Paris gibt es eine Menge schöner Bücher. Allen voran natürlich "Boheme" von  Henri Murger, die Geschichte vierer befreundeter Künstler, die in einer Dachkammer in Paris versuchen, mit einigen Tricks den Winter zu überstehen. Pfiffig erzählt, mit einem Schalk im Nacken, der mich ein wenig an den Stil Gábor von Vaszarys erinnerte. Und lange nicht so düster wie die Oper, die Puccini aus dem Stoff gemacht hat.
Im Klappentext heißt es: "Murger (1822-1861) war selbst einer jener hungernden und liebenswürdig verbummelten Künstler und Liebhaber des Pariser Quartier Latin, die die Hauptpersonen seines Buches sind: Der Musiker Schaunard, der Philosoph und Bücherfreund Colline, der Dichter Rudolf und der Maler Marcel. Sie alle 'gehören zur Rasse der eigenwilligen Träumer, für die die Kunst einen Glauben und nicht ein Handwerk bedeutet'." Natürlich gibt es in dem Buch auch eine Liebesgeschichte, eigentlich sogar zwei. Aber Beziehungen in Künstlerkreisen stehen unter keinem guten Stern, zumal, wenn diese von Luft und Liebe leben müssen.
(Bei genauerem Betrachten der Jahreszahlen wird euch auffallen, dass Murgers Roman natürlich entstand, bevor das "Le Chat noir" aufmachte. Und genaugenommen spielt die Geschichte auch nicht am Montmarte, sondern im Studentenviertel, dem Cahier Latin. Trotzdem ist es wohl nicht möglich, über die Pariser Künstlerszene des 19. Jahrhunderts zu reden, ohne zumindest auf Murger hinzuweisen.)


Grob in diesem Millieu, wenn auch nicht passgenau in dieser Zeit spielen auch folgende Titel:

Stephen Longstreet: Montmartre - ein Utrillo-Roman

Der 1883 geborene Maurice Utrillo war ein französischer Maler, ganz Künstlernatur, früh schon dem Suff ergeben. Lange trieb er sich unter den Künstlern am Montmartre herum. In dem Roman Montmartre hat der amerikanische Autor Stephen Longstreet (1907-2002) ihm ein Denkmal gesetzt.

"Als er am 5. November 1955 starb, im Alter von 72 Jahren und erfüllt von tiefer Frömmigkeit hatten seine eigentümlich leuchtenden, genial-einfachen Bilder der Straßen, Plätze, Häuser und Treppen von Montmartre die Welt erobert.
Wie es aber einst dazu kam, wie aus dem scheuen, von seltsamen Traumbildern verfolgten Knaben der große Maler Utrillo wurde, davon erzählt dieses Buch. In kühn herausgegriffenen , mit raschem Pinselstrich hingeworfenen Szenen wird die in ihrem Glanz und ihrem Elend einzigartige Welt der Bohème rings um die Kirche Sacré Coeur auf dem Montmartre lebendig: mit ihren Malern und Dichtern, mti all denen, die damals jung, unbekannt und hungrif waren und heute zu den Meistern des Jahrhunders gehören.
Den Mittelpunkt im Leben des Malers Utrillo wie in diesem Buch nimmt immer wieder die faszinierende Persönlichkeit der Suzanne Valadon ein; mit den Wehen bei der Geburt ihres vaterlosen Kindes beginnt es, und mit ihrem schweren Sterben endet es. Die Kunstgeschichte kennt nur wenige so erschütternde Augenblicke wie jenen, da die Malerin Suzanne, Freundin und ehemaliges Modell der Impressionisten Renoir, Degas, Toulouse-Lautrec, ihrem Sohn den Pinsel in die Hand drückt, um ihn vor dem Alkohol zu retten. Dem verstörten jungen Maurice öffnet sich dadurch langsam das Tor in seine eigene Welt; er lernt die einzige Sprache, in der er sich ausdrücken, sich bereien kann.
Er, der Einsame, findet Gefährten. Der junge Picasso verhilft einer neuen Kunst zum Leben, und der rauschsüchtige Modigliani läßt auf seiner Fahrt in den Abgrund des Todes Bilder von überraschendem, nie gesehenen Reiz hinter sich: leuchtende Spur eines Meteors.
Dem oberflächlichen Betrachter mag manches im leben dieser Menschen abstoßend erscheinen: die Übersteigerung ihrer Gefühle, die jähen Stimmungswechsel, ihr wirres Liebesleben, ihre Triebhaftigkeit, die Absage an die bürgerliche Ordnungen. Aber wenn wir tiefer hineinblicken in diese Gesichter, gewinnt uns der rührende Zug nackter Ehrlichkeit, der darin offenbar wird, die Verlorenheit dieser ewigen Kinder und ihre wahre Größe und Menschlichkeit, deren unsterbliches Zeugnis ihr Werk ist." (Klappentext)

André Salmon: Montmartre - Montparnasse. Das Leben des Malers Modigliani


Modigliani habe ich ja eben schon im Zusammenhang mit Utrillo erwähnt. Hier also der Roman seines Lebens aus der Feder seines Entdeckers, André Salmon: Montmartre Montparnasse. Salmon war Anfang des 20. Jahrhunderts Teilnehmer an diversen literarischen Zirkeln rund um das Quartier Latin. Dort traf er den jungen, noch unbekannten Schriftsteller Guillaume Apollinaire und gründete zusammen mit ihm und anderen jungen Künstlern eine Künstlergruppe. 1904 zog er in das Atelierhaus Bateau-Lavoir, in dem Picasso, Max Jacob, Kees van Dongen, Apollinaire und andere Künstler wohnten. Amedeo Modigliani und Jean Cocteau gehörten zu seinem Freundeskreis.

"Der heute beinahe achtzigjährige André Salmon ist wohl der letzte Überlebende des engen Freundeskreises um den maler Amadeo Modigliani. Er entdeckte den Künstler und hat seine schicksalhafte Laufbahn aus nächster Nähe verfolgt. So ist das jetzt vorliegende Werk des großen Kritikers und Essayisten, der heute in Frankreich so berühmt ist wie wie seine Freunde Picasso oder Cocteau, nicht allen Biographie oder Roman, sondern in erster Linie das Erinnerungsbuch eines Augen- und Ohrenzeugen, mit hohem dokumentarischem Wert und kaum zu überbietender Kenntnis des damaligen Pariser Milieu und seiner Hauptfiguren.
"Amadeo Modigliani wurde 1884 in Livorno geboren und starb 1920 in Paris. Schon früh studierte er an den Akademien von Florenz und Venedig. Im Jahre 1907 kam er nach Paris. eine aristokratische und etwas melancholische Schönheit zeichnete ihn aus. Die Uberkulose, die später seinen körper verwüsten sollte, hatte ihn schon damals befallen. Schnell wurde er eine der auffallendsten Erscheinungen unter den exzentrischen jungen Malern, die den Montmartre bevölkerten, sehr schweigsam, außerordentlich begabt, unablässig sein Quartier wechselnd, aber auch an den ästhetischen Streitgesprächen und Kämpfen teilnehmend, bildhauernd, malend.
Seine lange und schlanke Gestalt tauchte auch an jenen orten auf, die Toulouse-Lautrec, dessen Werk Modigliani sehr bewunderte, aufgesucht hatte. 1913 verließ Modigliani "La Butte" und begann am Montparnasse seine unruhe und seine Trunkenheit auszutoben, ein heruntergekommener junger Mensch voller Alkohol und Talent, der seine Gaben und sein Geld verschwendete. Wie ein Strandgut trieb Modigliani von Café zu Café, von Mansarde zu Mansarde. Beatrice Hastings, eine englische Dichterin, lernt ihn kennen und unterstützt ihn einige Zeit. Aus dem Atelier Kislings wechselt er zu Zborowsky über. Zborowsky selbst war nicht mit Gütern gesegnet und verzichtete nun auf alles, nur um es Modigliani zu ermöglichen, die akte und Gesichter zu malen, um die sich säter Museen und Sammler streiten sollten, Zborowsky stellte auch die Bilder Modiglianis aus. Damals stießen sie nur auf Empörung. Es gab Skandale, die Polizei musste eingreifen. Modigliani lernte ein junges Mädchen kennen, das er heiratete; sie schenkt ihm ein Kind. Wird dieser Unruhige nun endlich Ruhe finden? Ach nein, das Fieber verzehrt ihn. Er stirbt mit 36 Jahren im Hospital. An seinem Begräbnis - André Salmon und Kisling kümmern sich um alles - stürzte sich seine Frau aus dem fünften Stockwerk auf die Straße und blieb zerschmettert liegen.

Dieses einmalige Leben ist von André Salmon sehr freimütig und überzeugungskräftig beschworen. Es ist gleichzeitig ein großartiges Spiegelbild des vielfältig verflochtenen Kunstlebens jener Zeit und der Leser erlebt mit einer atemberaubenden Vehemenz das damalige Paris, alle Enge des Montparnasse und Montmartre, die zugelich Weltweite umfasst." (Klappentext)

Nachtrag 29.12: Mehr zum Thema Pariser Boheme der Jahrhundertwende gibt es in dem Blog-Post: Nachtrag zum Chat Noir und meiner Rezension zu Christopher Moore: Verflixtes Blau!, die mittlerweile auch online ist.

Dienstag, November 27, 2012

Frisch ausgepackt - Weihnachtsbücher 2

Das ist nun Tradition bei mir, völlig egal, ob noch Kinder im Haus waren oder ich mich allein um Weihnachtsbäckereien und solchen Kram kümmere: Weihnachten ohne Astrid Lindgren ist irgendwie nicht richtig. Zu einer richtigen Weihnachtsstimmung gehören Smaland, Schnee und die Kinder aus Lindgrens Geschichten. Als ich beschloss, auch verlagsneue Bücher bei "Shakespeare and more" aufzunehmen, landeten sofort auch ein paar Weihnachtstitel von ihr in meinem Sortiment. Einige wenige sind noch da:

Astrid Lindgren: Weihnachten in Bullerbü

Muss ich zu dem Titel noch etwas sagen? Die Geschichte hat alles, was zur Weihnacht dazugehört. Pfefferkuchenbacken und Holz aus dem Wald holen, um es warm zu haben. Das Schlagen der Weihnachtsbäume am Tag vor Heiligabend. Lasse, Bosse, Lisa, Britta, Inga, Ole und die kleine Kerstin, die von Hof zu Hof zieht, um Weihnachtslieder vor den Fenstern zu singen. Und die dann weiter zu Großvater gehen, um dessen Baum zu schmücken. Und natürlich fällt Schnee, den ganzen Tag. Dafür geht es nachts mit dem Pferdeschlitten zur Christmette.

Viele Impressionen, keine durchgehende Geschichte. Aber Bilder, die zum Träumen anregen.

Titel Weihnachten in Bullerbü / Astrid Lindgren. Bilder von Ilon Wikland. [Dt. von Silke von Hacht]
Person(en) Lindgren, Astrid ; Wikland, Ilon ; Hacht, Silke von [Übers.]
Verleger Hamburg : Oetinger
Erscheinungsjahr 2004
Umfang/Format [34] S. : überw. Ill. ; 22 x 27 cm
Einheitssachtitel Jul i Bullerbyn ‹dt.›
ISBN/Einband 3-7891-6134-9 Pp. 
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Schwedisch (swe)
Sachgruppe(n) Kinder- und Jugendliteratur
Katalog-LinkVerlagsneu: http://www.shakespeare-and-more.com/catalog/weihnachten-in-bullerbue-p-1446.html
Gebraucht: http://www.shakespeare-and-more.com/catalog/weihnachten-in-bullerbue-p-1475.html

Astrid Lindgren: Wie gut, dass es Weihnachtsferien gibt, sagte Madita


In dieser langen und fast durchgehend bebilderten Geschichte hat Madita, die schon ein halbes Jahr zur Schule geht, das erste Mal Ferien. Und natürlich dreht sich alles um Weihnachtsgeschenke, um Marzipanschweine und das Winterwetter. Sogar ein Abenteuer erleben Madita und ihre kleine Schwester Lisabet. Denn als sie zum Fluss kommen, sehen sie, dass dieser vollkommen zugefroren ist. Und so beschließen sie, Abbe auf diesem Weg zu besuchen. Nur dass es gar so furchtbar weit ist, merken sie erst, als sie immer länger unterwegs sind. Zum Glück geht in dieser kleinen Kinderwelt nie wirklich etwas schief.

Ein Vorweihnachtsbuch, das ein wenig Sitzfleisch von seinen Zuhörern oder jungen Lesern erfordert, diese dafür aber auch mit einer schönen Geschichte belohnt.

Titel Wie gut, dass es Weihnachtsferien gibt, sagte Madita / Astrid Lindgren. Dt. von Anna-Liese Kornitzky
Person(en) Lindgren, Astrid
Verleger Hamburg : Oetinger
Erscheinungsjahr 2003
Umfang/Format 54 S. ; 21 cm
ISBN/Einband 3-7891-4125-9 Pp. 
Sachgruppe(n) Kinder- und Jugendliteratur
Zustand Neuware
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/wie-gut-dass-es-weihnachtsferien-gibt-sagte-madita-p-1460.html

Astrid Lindgren: Guck mal, Madita, es schneit


Und noch einmal Lisabet und Madita, gleich mit einem neuen Abenteuer aus der Winterzeit. Madita hat Fieber und muss im Bett bleiben, gerade an dem Tag, als Alva mit den beiden in die Stadt fahren will, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Also darf Lisabet allein mit. Aber natürlich nicht mit rein in den Laden, wenn Alva die bestellten Geschenke abholt. Und so probiert sie in der Zwischenzeit aus, wie das ist, hinten auf den Kufen eines Pferdeschlittens heimlich mitzureisen.

Leider ist das Pferd so schnell, dass Lisabet sich nicht traut abzuspringen, als es aus der Stadt hinaus und in den Wald hineingeht. Und als der alte Andersson entlich bemerkt, wen er da mitgenommen hat, denkt er gar nicht daran, noch einmal umzukehren.

Abenteuer für die Kleinen, einfühlsam erzählt, voller Dinge, die zur Weihnachtszeit einfach dazugehören. Liebenswert.

Titel Guck mal, Madita, es schneit! / Astrid Lindgren. Bilder von Ilon Wikland
Person(en) Lindgren, Astrid ; Ilon Wikland ; Silke von Hacht (Übs.)
Verleger Hamburg : Oetinger
Erscheinungsjahr 2004
Umfang/Format 32 Seiten, 28,7 x 22 x 0,9 cm
ISBN 978-3789160356
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Schwedisch (swe)
Sachgruppe(n) Kinder- und Jugendliteratur
Zustand Neuware
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/guck-mal-madita-es-schneit-p-1447.html

Ich hatte ja gestern schon erwähnt, dass sich in dem Band 24 Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen ebenfalls zwei weihnachtliche Geschichten von Astrid Lindgren befinden, nämlich "Pippi plündert den Weihnachtsbaum" und "Madita und Lisabet bekommen ein Seligkeitsding".

Für die Erwachsenen habe ich auch ein paar Bücher in der Kiste. Da sind zum Beispiel zwei Bände mit Irischen Weihnachtserzählungen aus dem Gütersloher Verlagshaus:

 
















Wie ihr sehen könnt, sind beide Bände noch original verschweißt, auch wenn der Verlag selbst sie gar nicht mehr anbietet. Mir selbst gefällt die Idee irischer Weihnachtserzählungen. Ich mag das Land ohnehin, und erwarte von den Bänden - sollten sie sich nicht verkaufen lassen - eine dichte Atmosphäre.

Bis dahin gebe ich hier mal Klappentexte wieder: „Wenn der Dezember anfängt - oder der Monat des Neugeborenen, wie er auf Altirisch heißt - , dann kann man die Begeisterung förmlich wachsen spüren überall in Green Erin. Selbst in einsamen Dörfchen längs der Küste ist das so, in fern gelegenen Farmen und Hütten, die hingewürfelt sind über die weiten Torfmoore und die Hügel voll Heidekraut oder versteckt in den romantischen Bergschluchten...“(Maud E. Sargent)
Dieses Buch versammelt ausgesuchte Erzählungen, die die Sehnsucht nach wärmender Geborgenheit spiegeln - Geborgenheit in einer Gesellschaft, die durch ihre Geschichte zerrissen ist. Mit Texten von David Armstrong, Christy Brown, Bobby Devlin, James Joyce, John B. Keane, Patricia Lynch, Patrick Macrory, Michael McLaverty, Frank OüConnor, Sean O'Faolain, Maud E. Sargent, Hilary Saunders, Pádraig O'Stochfhradha, L.A.G. Strong, William Trevor."
(Irische Weihnachtserzählungen)

Dietrich Kerlen legt hier einen weiteren Band irischer Weihnachtserzählungen vor. Es sind Geschichten, die ans Herz gehen, wie zum Beispiel die "Vom Weihnachtsmann, der nicht schmelzen kann". Darin erzählt Michael Keating vom Mädchen Anne-Marie, das keine Freunde hat und erst mit der Hilfe von Snowey entdeckt, wie sie das ändern kann ... Alle Erzählungen haben den typisch irischen Charme. Sie vereinen auf ungewöhnliche Weise Glanz und Schimmer mit den Schattenseiten des Lebens und sind geprägt von einer stillen Sehnsucht nach Vertrauen, Liebe und wärmender Geborgenheit.
Die Autorinnen und Autoren:
Maeve Binchy, Robert Cranny, Tim Daly, Michael Keating, Patricia Lynch, Bernard MacLaverty, Aisling Maguire, John McGahern, Val Mulkerns, Frank O'Conner, James Plunkett, Peig Sayers, Alice Taylor, William Trevor
(Neue Irische Weihnachtserzählungen)

(Gerade fällt mir ein, dass ich hier im Blog ja auf die ganzen bibliografischen Angaben verzichten wollte. Alte Gewohnheit ...)

Ebenfalls noch originalverpackt sind ein paar Exemplare des Bandes

Marion und Werner Tiki Küstenmacher: Die Weihnachtsfreude wiederfinden


Diesen Titel finde ich nun nahezu genial. In den letzten Jahren ist mir vermehrt aufgefallen, dass kaum ein Erwachsener mit dem Weihnachtsfest noch etwas anfangen kann. Die Adventszeit ist vor allem mit Stress verbunden, mit der Suche nach passenden Geschenken und der Vorbereitung des Festes. Diejenigen, die in intakte Familien eingebunden sind, treffen Vorbereitungen für andere und sind dann froh, wenn die Festtage halbwegs glimpflich überlebt werden. Für die Singles ohne Anbindung sind die Feiertage ohnehin eine Tortur. Überzeichne ich? Kaum. Zumindest fällt mir niemand in meinem Bekanntenkreis ein, der sich die Weihnachtsfreude erhalten hätte. In sofern scheint mir Simplify your life - Die Weihnachtsfreude wiederfinden ein ideales Büchlein für die Vorweihnachtszeit zu sein: "Lernen Sie vom Autor des Weltbestsellers Simplify your life bewährte Methoden kennen, mit denen Sie die Geschenk- und Konsumspirale unterbrechen können, und erleben Sie, wie Sie sich von übersteigerten Erwartungen befreien und so dem eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes wieder näher kommen."

Allem Stress zum Trotz war Weihnachten mal das schönste Fest des Jahres. Zumindest, als wir noch klein waren. Ich habe mal eine Geschichte geschrieben von einem Mann, der für sich beschloss, Weihnachten wieder so zu feiern, wie er es aus seinen Kindertagen in Erinnerung hatte. Die Story ist nicht einmal besonders kunstvoll umgesetzt, gehört aber nach wie vor zu den Geschichten von mir, die ich am häufigsten verkauft habe. Zuletzt ist sie in der Anthologie "Schneetreiben - 24 Geschichten zur Weihnachtszeit" erschienen, die ich natürlich ebenfalls über meinen Laden verticke. Ich erzähle das hier deshalb, weil ich glaube, dass in uns allen eine große Sehnsucht schläft, diese kindliche Weihnachtsfreude wieder auszugraben. Warum also nicht über den eigenen Schatten springen?

Henning Mankell: Der Junge, der im Schnee schlief

Noch ein anderes Buch aus meiner Kiste mit den verlagsneuen Weihnachtsbüchern. Henning Mankell hat einmal eine kleine Wintergeschichte für Jugendliche geschrieben: Der Junge, der im Schnee schlief heißt sie. Zugegeben, der Klappentext hat mich nicht umgehauen. Was interessiert mich ein Junge von 13 Jahren, der einmal das Meer und ein richtig nacktes Mädchen sehen will? Warum eine Geschichte, die in der dunklen Vergangenheit der 50er Jahre spielt?
So stand das Buch bei mir lange im Regal, ungelesen, ungeliebt. Und das, obwohl ich natürlich wie alle anderen die Wallander-Romane Mankells verschlungen habe. Mich verliebt habe in den detailreichen Stil des schwedischen Autors, in seine sanfte Psychologie, die nie belehrend, nie wissend daherkommt, sondern immer ahnend, fühlend.
Die Geschichte „Der Junge, der im Schnee schlief“ braucht ein klein wenig, bis sie in die Gänge kommt. Wirkt zunächst wie ein etwas verunglücktes Kinderbuch, das mit den gängigen Klischees spielt. Für Joel beginnt das Jahr mit Einbruch des Winters, mit dem ersten Schnee. Dann fällt er seine Neujahrsvorsätze, keine „Ab heute werde ich...“-Idiotien, sondern einen Jahresplan, ganz modern. Und er überlegt sehr klar, wie er diesen Plan umsetzen soll. Dazu gehört, sich dem weiblichen Geschlecht anzunähern. Dazu gehört auch – sein Papa Simon ist gestrandeter Seemann – endlich einmal das Meer zu sehen. Und abhärten will er sich, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.
Joel lebt allein mit seinem Vater Simon. Seine Mutter hat die beiden vor Jahren verlassen. Eine Zeitlang hatte Papa eine neue Liebe gefunden. Aber die will nun nichts mehr von ihm wissen. Sie würden nicht zusammen passen. Jetzt muss Joel Simon wieder regelmäßig aus der Kneipe holen, und das, obwohl seine Tage gerade wieder spannend zu werden beginnen. Er lernt Gitarre spielen, verliebt sich und ist so jeden Abend unterwegs. Dann rettet er sogar noch einen Nachbarn und wird so zum Helden der kleinen Stadt. Nur seine Idee, sich abzuhärten, indem er in einem alten Bett im Freien schläft, erweist sich als wenig brauchbar. Schon in der ersten Nacht wacht er unter einer weißen Schneeschicht auf, das Bett vom schmelzenden Schnee halb durchweicht.
Stark wird die Geschichte dort, wo Mankell die aufkeimende Neugier Joels auf das andere Geschlecht beschreibt, mit all den Versuchen, sich seiner Angebeten zu nähern, seinen Versuchen, richtig küssen zu lernen und zu verstehen, wie man sich als Mann gegenüber einer Frau zu verhalten hat. Mankell schildert das augenzwinkernd, ein wenig wie Mark Twain seinerzeit die Annäherung von Tom Sawyer zu seiner Becky. Das geht natürlich nicht ohne Blessuren ab, zumal als „der Windhund“, eine Klassenkameradin, ihm eine üble Falle stellt. Aber hartnäckig, wie Joel seine Ziele verfolgt, schmunzele ich über weite Strecken des Buches, liebe es gerade für die Naivität, mit der Mankell Joel ausstattet, für all die schrulligen Nebenfiguren, die im Roman auftauchen und für den sozialen Realismus, mit dem der Autor dem Buch seinen unverkennbaren Stempel aufdrückt.


Montag, November 26, 2012

Frisch ausgepackt - Weihnachtsbücher 1

Lässt sich ja nicht vermeiden: Draußen wird es immer kälter und der Kalender weist unerbittlich darauf hin, dass wir in vier Wochen Weihnachten haben. Ab erstem Dezember dürfen die Weihnachtsmärkte ihre Pforten öffnen - und Spekulatius und Dominosteine gibt es ohnehin schon seit Anfang September. Also auf in den Kampf: Ich öffne meine Weihnachtskiste:

Barbara Jakob: Erlebnisse zur Weihnachtszeit


Ein besonderer Reiz liegt über diesen Tagen, in denen Kälte und Dunkelheit zunehmen und die Menschen sich auf die Weihnachtszeit einstimmen. Barbara Jakob schildert sehr anschaulich die weihnachtlichen Vorbereitungen mit ihrer Familie, erzählt von "Weißer Weihnacht" und einem improvisierten Krippenspiel in der Kirche und fragt nach dem tieferen Sinn dieses Festes.

Unterstrichen werden die kurzen Texte durch wunderschöne Farbaufnahmen, die das Buch durchgehend bebildern. Wer also Lust auf kurze, besinnliche Texte hat und gern ein wenig über weihnachtlich schönen Bildern nachsinnt, ist mit diesem Bändchen bestens bedient.

Titel Erlebnisse zur Weihnachtszeit / Barbara Jakob
Verleger Lahr : SKV-Ed.
Erscheinungsjahr 1994
Umfang/Format 47 S. ; 17 cm
Gesamttitel SKV-Bild-Text-Band ; 92647
ISBN/Einband 3-87729-652-1 Pp.
Zustand sehr gut erhalten - wirkt neuwertig
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/erlebnisse-zur-weihnachtszeit-p-1462.html

Kirsten Boie: Alles ganz wunderbar weihnachtlich


Kirsten Boies Weihnachtsklassiker: Schöner kann es im Advent nicht sein! Weihnachtslied, Weihnachtsspiel und sogar ein Weihnachtshund: Im Advent dreht sich alles nur noch ums Fest. Warum dauert es bloß so furchtbar lange, bevor die Weihnachtszeit endlich losgeht! Und Heiligabend ist überhaupt der allerlängste Tag. Nur gut, dass Jesper und Janna eine Menge vorhaben. Sie brauchen noch einen Baum und ein Geschenk für Mama und Papa wäre auch nicht schlecht. Und dann wird es am Ende wirklich so richtig wunderbar weihnachtlich!

Weihnachtlich witziger Familienalltag - mit zahlreichen farbigen Illustrationen und Bildergeschichten von Jutta Bauer.

Titel Alles ganz wunderbar weihnachtlich / Kirsten Boie. Bilder von Jutta Bauer
Person(en) Boie, Kirsten
Verleger Hamburg : Oetinger
Erscheinungsjahr 2001
Umfang/Format 118 S. ; 22 cm
ISBN/Einband 3-7891-3104-0 Pp.
Schlagwörter Junge ; Weihnachten ; Vorfreude ; Kinderbuch
Sachgruppe(n) Kinder- und Jugendliteratur
Zustand Neuware, wenn auch schon etwas älteren Druckdatums.
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/alles-ganz-wunderbar-weihnachtlich-p-1458.html

Sophie Härtling (Hrsg.): 24 Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen

Für die ganz Kleinen definitiv ungeeignet, ab dem Alter von 5 Jahren etwa aber eine schöne Mischung mal lustiger, mal trauriger Geschichten. Vielleicht nicht unbedingt geeignet, um jeden Tag bis Weihnachten einen Text zu lesen, wie es wohl die ursprüngliche Idee dieses Bandes ist. Denn gerade bei den "alten" Geschichten mag es ev. Verständnisprobleme geben und auch bei den traurigen (Andersens "Mädchen mit den Schwefelhölzern" ist dabei) sollte man sich ev. vorher überlegen, was man seinen Kleinen erklären kann. Auffallend auch, dass sich sehr kurze neben relativ langen Geschichten finden, was ev. für abendliche Einschlafrituale nur mäßig praktisch ist.

Ich tippe mal, dass es ein wenig vom Bildungsniveau abhängt, wie die Kids auf die Stories reagieren. Im Netz fand ich Eltern, denen die Geschichten selbst zu hoch waren, daneben etliche, die das Buch für jüngere Kinder ungeeignet fanden - aber auch durchaus Eltern, die betonten, ihre Dreijährigen würden die Texte lieben. Liebevoll bebildert ist der Band allemal. Und ein paar Weihnachtsklassiker wie von Astrid Lindgren ("Pippi plündert den Weihnachtsbaum") und Kirsten Boie ("Der heilige Abend") befinden sich auch darin.

Titel 24 Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen / hrsg. von Sophie Härtling. Mit Bildern von Katrin Engelking
Person(en) Härtling, Sophie [Hrsg.] ; Engelking, Katrin [Ill.]
Ausgabe 7. Aufl.
Verleger Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl.
Erscheinungsjahr 2004
Umfang/Format 184 S. : zahlr. Ill. ; 25 cm
Gesamttitel Fischer Schatzinsel
ISBN/Einband 3-596-85095-9 Pp.
Schlagwörter Weihnachten ; Anthologie ; Kinderbuch
Sachgruppe(n) Kinder- und Jugendliteratur
Zustand neuwertig
Katalog-Linkhttp://www.shakespeare-and-more.com/catalog/24-weihnachtsgeschichten-zum-vorlesen-p-1449.html

PS: Wollte eigentlich noch ein, zwei Stunden weiterarbeiten, aber leider macht mein Hoster 1und1 derzeit mal wieder Probleme. Also kein Zugriff auf den Katalog von "Shakespeare and more" - und somit auch nicht möglich, weitere Titel zu inventarisieren. Ich hoffe, das Problem legt sich über Nacht. Ich mache Schluss für heute. Nächtle!


Samstag, November 24, 2012

Frisch ausgepackt 24.11.2012

Wo decken sich eigentlich Science-Fiction-Freunde mit Stoff ein? Deren Welt ist mir ziemlich fremd. Deswegen erscheint mir jeder SF-Roman, den ich aus einer einer Kisten ziehe, als unbekannte Welt, in die ich mich erst einmal einfuchsen muss. Manchmal stoße ich beim Lesen des Klappentextes oder den weitergehenden Recherchen auf kleine Perlen, manchmal bin ich auch nur irritiert. Ziemlich spannend finde ich die Story, die David Walker in seinem Roman The Lord's Pink Ocean erzählt, von einer Zukunft auf der Erde, in der die Meere verseucht und das ganze Ökosystem aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dystopie nennt sich so ein Entwurf wohl. Zwei Familien, die in einem der letzten bewohnbaren Täler in Nordamerika wohnen, bekriegen sich bis aufs Blut, nicht zuletzt im Kampf um die Ressourcen.

Über das Genre des Romans Helliconia Winter von Brian Aldiss kann ich überhaupt nichts sagen. Das Buch ist der dritte Teil einer insgesamt 1700 Seiten starken Trilogie, die Aldiss in den Jahren 1981 bis 1985 verfasste. Es  beschreibt eine Welt in einem Doppelsternsystem mit jahrhundertelangen Jahreszeiten. Hauptthema ist der Aufstieg und Fall von Zivilisationen im Verlauf dieser Klimazeiten; es gibt Hinweise auf ein zyklisches Wiederkehren der immer gleichartigen Kulturkreise. Dieses Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem da es einen neuen Maßstab in der Erfindung einer phantastischen Welt darstellt. Im dritten Teil kehrt der Winter in Helliconia ein - was aus naheliegenden Gründen der Anbruch einer neuen Eiszeit ist. Trotz des Settings soll Aldiss ein gutes Gespür für Figurenzeichnungen haben. Vielleicht also tatsächlich eine spannende Lektüre für lange Winterabende.

Spannend fand ich auch die Cover-Beschreibung von  James A. Micheners Roman Die Bucht. Über Michener bin ich schon häufiger gestolpert. Was er anpackt, scheint immer spannend und gründlich recherchiert zu sein. Und die meisten Rezensenten sind von seinen Büchern nach wie vor begeistert. In diesem Roman beschreibt er die Geschichte der Chesapeake-Bucht an der Ostküste der Vereinigten Staaten - und zwar über vier Jahrhunderte hinweg, von der Zeit der Indianer über das Eintreffen der weißen Siedler bis zum Watergate-Skandal. Ein Unternehmen, an dem man sich leicht die Finger hätte verbrennen können, das Michener jedoch ziemlich bravourös gemeistert zu haben scheint. 925 Seiten nimmt er sich Zeit - und auch das klingt nach idealer Lektüre, um für eine Zeitlang in eine andere Welt abzutauchen.

Irving Wallace  (1916-1990) war US-amerikanischer Bestseller- und Drehbuchautor. Die Story von Der Preis klingt ein wenig aufgesetzt. Es geht um die Entführung eines Nobelpreisträgers, um den Einsatz eines Doubles und überhaupt wirkt alles sehr verworren, mit einer Menge Hauptfiguren, deren Erlebnisse im Umfeld der Preisverleihung beschrieben werden. Soll aber unglaublich spannend sein, wenn man dem Gros der Rezensenten glauben will. Und informativ noch dazu. In Zusammenarbeit mit bekannten Nobelpreisträgern und dem Nobelpreiskomitee hat Wallace eine Fülle von Fakten verarbeitet, die der frei erfundenen Romanhandlung den authentischen Hintergrund geben. Offizielle Bankette und geheime Intrigen, die Auswahl von Kandidaten und der Ablauf einer Preisverteilung beschreibt er, liefert Exkurse über den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel und die Geschichte des von Nobel gestifteten Preises und kritisiert die Entscheidungen der Schwedischen Akademie, die beispielsweise in den ersten 60 Jahren der Nobelpreisgeschichte 31 Skandinavier ausgezeichnet und jahrzehntelang antiamerikanisch und prodeutsch votiert habe. Warum also nicht? Ein wenig Hintergrundwissen um einen der weltweit wichtigsten Preise, spannend verpackt mit der typischen Mischung aus Sex and Crime.

Und sonst? Zahlreiche Sachbücher, unter anderem zu Psychologie und Gesundheit. Etwa zwei Titel zum Thema Wechseljahre der Frauen, eins über mentale Techniken für Krebspatienten (Wieder gesund werden) und noch mal eines von Joseph Murphy über Die Macht Ihres Unterbewußtseins. Daneben die berühmte Sammlung Hühnersuppe für die Seele mit kurzen Texten, die das Herz erwärmen sollen. Solche Titel eben. Wer will, kann wie immer unter Frisch eingestellt einen Blick auf alle Bücher werfen, die heute neu reingekommen sind und ein wenig weiterstöbern. Euch einen schönen Sonntag!

Freitag, November 23, 2012

Frisch ausgepackt, 23.11.2012

Wieder einen Karton abgearbeitet. Spannende Fundstücke. Wahrscheinlich könnte ich mich allein mit diesem Karton für ein Jahr Urlaub zurückziehen, ohne dass mir dabei langweilig würde. Da ist etwa Vikram Seths knapp zweitausend Seiten starker Indienroman Eine gute Partie, der anhand einer Familiengeschichte das Panorama eines ganzen Landes aufrollt. »Seth verfügt über ein erzählerisches Naturtalent, einen ordnenden Intellekt, eine überbordende Phantasie und eine virtuose Beherrschung der englischen Sprache«, hieß es seinerzeit in der Zeit über das Buch. Heirat von jungen Leuten, die sich kaum kennen, scheint in Indien - zumindest in der Zeit, über die Seth schreibt - ziemlich normal gewesen zu sein. Der Klappentext zumindest lässt ein wenig Bollywood aufleuchten, mit Tänzen und tiefen Emotionen.

Oder, ganz das Gegenteil, ein kleiner Russlandroman, von Claude Anet, den ich bisher noch nicht wirklich gewürdigt habe. Sein Roman Ariane ist seinerzeit von Billy Wilder verfilmt worden, mit der grandiosen Audrey Hepburn in der Hauptrolle. Eigentlich sträflich, dass ich das Buch bis jetzt noch nicht gelesen habe. Ein junges Mädchen, siebzehn Jahre jung, verliebt sich und macht, um den jungen Mann zu beeindrucken, auf erfahren. Geht natürlich furchtbar in die Hosen. Nach Erscheinen des Buches wurde die junge Ariane zum Schwarm einer ganzen Generation, ein wenig wie seinerzeit Werther zum Vorbild für etliche Männer wurde. Das ganze vor der Kulisse des Moskauer Winters, eigentlich die ideale Lektüre für die kommende Jahreszeit.

Besonders ins Auge gestochen sind mir noch zwei Bände der Flanagan-Reihe von Andreu Martín und Jaume Ribera. Die beiden spanischen Autoren habe eine Krimireihe um den Detektiv Flanagan aus Barcelona geschrieben, und in der Kiste befanden sich gleich zwei Bände. Ich weiß nicht, warum, aber so etwas weckt in mir immer die Lust zu lesen. Die Serie umfasst mindesten sechs Bücher, erschienen auf Deutsch im Jugendbuchverlag Beltz und Gelbert. Mit Flanagan Blues Band und Wasch dir nicht die Hände, Flanagan  habe ich die Bände Drei und Vier der Reihe bei mir zu Hause stehen. In Flanagan Blues Band geht es um einen erdrosselten Priester - und um einen erfahrenen Kollegen Flanagans, der sich sehr sonderbar verhält. Und in Wasch dir nicht die Hände, Flanagan scheint Rassimus eine wichtige Rolle zu spielen. Ich bin auf beide Bände gespannt. Ist jemand unter den Lesern hier, der die Reihe schon kennt?

Ebenfalls spannend finde ich zwei Bände von Marion Zimmer Bradley. Ihr wisst schon, Nebel von Avalon und so ... Das eine ist ein großformatiger englischsprachiger Band, dessen Inhaltsangabe sich ziemlich spannend liest. In The Forest House erzählt sie einmal mehr vom Zusammenprall zweier Welten, der der Priesterinnen in den Wäldern Englands und der der Römer, die als Eindringlinge kommen und dem alten Glauben den Krieg erklärt haben. Dumm nur, dass sich die Priesterin Eilan in einen der Römer verliebt. - Spannender noch ist allerdings ein Band mit drei Kurzgeschichten von Bradley, dazu Essays zu verschiedenen Aspekten ihrer Darkover-Serie sowie ein Rückblick der Autorin auf die Entstehung des Darkover-Universums. Gerade als Autor finde ich solche Bücher, in denen andere Schriftsteller über die Entstehung ihrer Werke reden, immer besonders lesenswert.

Ursprünglich gar nicht in der Kiste, von mir aber in einem Anfall von Aufräumwut gleich mitkatalogisiert ist Sebastian Fitzeks Roman Das Kind. War ganz lustig zu lesen, zumal das Ding ja jetzt verfilmt wurde und daher noch mal für neue Aufmerksamkeit sorgte. Aber irgendwie habe ich auch nicht das Gefühl, ich müsse mir nun mehr von Fitzek holen. Der Roman ist routiniert runtergespult, das Thema Organhandel habe ich aber schon an anderer Stelle eindrücklicher umgesetzt gesehen. Irgendwie verschwimmt jeder politische Ansatz bei Fitzek hinter dem Versuch, möglichst spannend zu schreiben. Da helfen auch ein paar gute Ideen und Sätze nicht weiter. Finde ich. Für einen Moment rettet noch die Ausgangsfrage, warum sich ein kleines Kind für den Mord an Leuten zuständig fühlt, die lange vor seiner Geburt umgebracht wurden. Nur - so viel sei verraten - hat das eine Thema mit dem anderen nun so gar nichts zu tun. Mag man kunstvoll finden, wie er beides verknüpft - mich hat es ein wenig enttäuscht.

Last, not least einmal Henry Miller. Wieder so eins jener Bücher, die ich hier nur  einstelle, weil ich inzwischen mehre Exemplare habe: Wendekreis des Krebses. Ich mag ja ohnehin alles, was irgendwie mit Paris zu tun hat. Und jene Atmosphäre des Aufbruchs, als Paris von Amerikanern überlaufen ist, die wegen des günstigen Wechselkurses hier leben und davon träumen, anerkannte Künstler zu werden, fasziniert mich besonders. Die Frage, ob all das, was er da zu Papier bringt, wirklich autobiografisch ist, lasse ich mal links liegen. Ich mag seine freche Art, über Dinge zu schreiben. Und die Selbstverständlichkeit, mit der er das Leben genießt. Einst stand es auf dem Index verbotener Bücher, mittlerweile ist es aber frei zugänglich. Eine Ode an das Leben, die Liebe und - bien sûr - an das Paris der Dreißiger Jahre.


Wie immer finden sich alle Bücher, die ich heute in Händen gehalten - neben den hier vorgestellten noch etwa 20 weitere Titel - in der Liste Neu reingekommen. Ich werde mich in Zukunft darauf beschränken, hier im Blog eine kleine Auswahl an "Highlights" vorzustellen, und die ganzen bibliografischen Angaben dem Katalog vorbehalten. Google mag keine Dubletten, macht also keinen Sinn, sämtliche Inhalte doppelt zu posten. Ihr kennt den Trick: Die orange hervorgehobenen Begriffe hier im Blog enthalten den Link zur jeweiligen Seite im Katalog des Antiquariats "Shakespeare and more", meinem kleinen Internetbuchladen. Also, à demain!