Montag, Dezember 31, 2012

Genre Chick-Lit

Zu den Notwendigkeiten eines Autorendaseins gehört auch die Beschäftigung mit dem Thema "Genre" - ob man will oder nicht. Kerstin Brömer vom Blog "Literaturjournal" hat das in ihrem Beitrag "Die Qual der Wahl: Wie finde ich mein passendes Genre" so auf den Punkt gebracht: "Wer traditionell bei einem Verlag veröffentlichen möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass sein Roman später in einem Regal in der Buchhandlung landen soll – und daher in ein Genre passen sollte." Ich werde mich daher in der nächsten Zeit verstärkt mit verschiedenen Genres auseinandersetzen und schauen, zu welchen Ergebnissen ich dabei komme.

Warum ausgerechnet Chick-Lit als Einstieg? Auf der einen Seite: Ich lache gern! Wer meinen Blog regelmäßiger liest, weiß, dass ich das Genre "Heiterer Roman", wie ein Teil der Chick-Lit früher tituliert wurde, sehr schätze. Der andere Grund ist pragmatischer. Um zu verstehen, wie Frauen ticken, gibt es keinen besseren Zugang als Frauenliteratur. Durch Jane Austen habe ich mich bereits vor ein paar Jahren erfolgreich (und ernüchtert) gekämpft. Hera Lind habe ich schnell ad acta gelegt. Etwa seit der Jahrtausendwende aber gibt es das neue Subgenre der Frauenliteratur. Wie sagt Tobias Becker im Spiegel: "Chick Lit ... ist der Begriff, den sich junge Männer vor ihrem Besuch in der Buchhandlung einprägen sollten. Weil die Protagonistinnen meist urban lebende Akademikerinnen sind, 25 bis 35 Jahre alt, auf der Suche nach Mr. Right. Und weil die Leserinnen den Protagonistinnen entsprechen. Die ideale Zielgruppe."

Die vorläufige Definition dieses Genres, die ich Wikipedia entnehme, ist dürftig: "In den Romanen dieser Literaturgattung geht es meist um weibliche Hauptpersonen und ihren Freundeskreis im Milieu der konsumorientierten Mittel- und Oberschicht. Das Genre umfasst Komödien, Dramen, Mysteries und Vampirromane." Mal abgesehen von der fragwürdigen Behauptung, die Dramen, Mysteries und Vampirromane zu Subgenres deklassiert. Chick-Lit als Drama? Ich denke kurz an die 14-jährige Julia von Shakespeare und beschließe, dass dieser Autor schon deshalb aus dem Raster fällt, weil er vor dem Jahr 2000 veröffentlichte.

Aber ich ahne, worauf der Wikipedia-Bastler abzielt. Neben den Klassikern des Chick-Lit, Helen Fieldings "Schokolade zum Frühstück" und Candace Bushnells "Sex and the City", zielt sicher auch die Twilight-Serie von Stephenie Meyer auf die Zielgruppe der "Chicks", der "Hühnchen", wie junge Frauen in Amerika gern genannt werden. Daher wahrscheinlich der Verweis auf die "Vampirromane". Und wir haben Kerstin Gier mit ihrer Trilogie "Liebe geht durch alle Zeiten", die ebenfalls fröhliches Genrehopping betreibt und irgendwo zwischen Zeitreise, Historienroman, Mystery und eben Chick-Lit anzusiedeln ist.

Zugegeben: Als Candace Bushnell mit "Sex and the City" über Nacht berühmt wurde, habe ich mir neben dem Roman auch die durchaus kritische Analyse "Die Stadt, der Sex und die Frauen" von Christian Lukas und Sascha Westphal - wohlgemerkt zwei Männern - gekauft. Vom Roman war ich enttäuscht, weil ich zu spät begriff, dass dort ihre tiefenscharfen Kolumnen, die in der Fernsehserie immer mal wieder zitiert werden, nur eine untergeordnete Rolle spielten. Oder anders formuliert: Ich hatte mir vom Roman den Biss erwartet, der gelegentlich in den Zitaten aufblitze. Das ewige Schmachten nach Mr. Big scheint mir zwar archetypisch, aber wenig analytisch.

Mit Helen Fieldings "Schokolade zum Frühstück" macht ich Bekanntschaft bei einer Freundin, die Englisch unterrichtet. Da sie mir auch schon die weniger spektakulären Schriften von Vladimir Nabokov nahegebracht hat, vertraute ich ihrem Lesegeschmack: "Leichte Lektüre, gut für einen Nachmittag, aber sehr unterhaltsam und lustig" pries sie mir Fielding an. Diesem Urteil kann ich mich, nachdem sie mir das Buch in die Hand gedrückt hat, ohne Einschränkung anschließen.

Damals war ich mir jedoch nicht klar, dass ich Zeuge vom Beginn eines neuen Genres geworden war. Für mich fielen beide Bücher einfach in die Kategorie "Frauenliteratur". Größer ist die Gemeinsamkeit auch kaum, sieht man mal davon ab, dass beide Bücher immer wieder ein Schmunzeln bei mir auslösten. Und dass sie auf ihre Art sehr privat daherkommen mit ihrem Blick auf die weibliche Befindlichkeit. Und dass sie beide in der ersten Person verfasst sind.

Das war es dann aber auch schon. Während Candace Bushnells Ich-Erzählerin Carrie Bradshaw den Trends der Großstadt hinterherläuft, ist Bridget Jones typische Mittelschicht, vielleicht ein wenig alternativ angehaucht. Und während Carrie gertenschlank, modebewusst und einfach in ist, gilt für Bridget das genaue Gegenteil: Übergewichtig, von Zweifeln zernagt und zumindest dem eigenen Empfinden nach megaout. Zumindst, bis sie an Daniel Cleaver andocken kann. "Mr. Big" ist also ein verbindendes Thema - wobei ich davon ausgehe, dass es gerade in den Romanen für jüngere Frauen auch eine Nummer kleiner sein darf.

Gibt es eine alles umfassende Klammer der Chick-Lit? Der Deutschlandfunkt hat 2008 eine Reihe von Autorinnen in einem Feature zum Thema Chick-Lit vorgestellt: Steffi von Wolff, Sophie Benning, Ulrike Rylance, Hortense Ullrich und Kerstin Gier kommen mit O-Tönen und kurzen Buchauszügen zu Wort. Die Autorin Karin Hahn bringt in diesem Feature das Genre so auf einen abschließenden Nenner: "Der Witz und die Ironie in den Geschichten fordern die Leserinnen aber dazu auf, den Alltag mit seinen Tücken und die Liebe in all ihren Facetten auch mit Humor zu betrachten." Alltag und Liebe, Witz und Ironie - das passt.

Sonntag, Dezember 30, 2012

Blogvorstellung: Lebe Lieber Literarisch

Blog-Name: Lebe Lieber Literarisch
Blog-URL: http://lebelieberliterarisch.blogspot.com
Dein Bloggername/Realname: Mareike Höckendorff

Wie alt bist Du? 28

Welches Ziel hat Dein Bücherblog?
Ich möchte mit meinem Blog den Alltag literarisieren und ein bisschen poetischer gestalten.

Schreibst Du auch über andere Dinge als Bücher? 
Im Grunde interessieren mich alle Medien, in denen erzählt wird. Ohne zu philosophisch werden zu wollen – ich glaube, dass der Mensch ein narratives Wesen ist und, dass darum Geschichten elementar zum Leben dazu gehören. Ich schreibe also nicht nur über Bücher, sondern auch über Filme, über den Buchmarkt und über Erzähltheorie.

Welches Genre/welche Genres liest Du hauptsächlich? 
Platz 1 meiner Lieblingsgenres teilen sich Belletristik und Kriminalromane

Deine drei Lieblingsbücher: 
Diese Frage ist zu schwer und nur ungerecht zu beantworten ;) Darum nenne ich lieber die drei Bücher, die mich in meinem Leben bisher am meisten beschäftigt haben:


  1. „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann (und um ehrlich zu sein auch seine anderen Bücher) – ich habe meine Bachelor-Arbeit über Kehlmanns Werk geschrieben und bin überzeugt davon, dass er uns mit seinen Romanen die Möglichkeit anbietet, in eine Welt einzutauchen, die anders funktioniert als unser Alltag. Wir können uns mit Absonderlichem auseinandersetzen ohne dass es unangenehm werden könnte.
  2. „So was von da“ von Tino Hanekamp – Nich nur Thema meiner gerade erst abgeschlossenen Masterarbeit, sondern auch ein Hamburg-Roman, den zu lesen einfach Spaß macht.
  3. „Das Gleichgewicht der Welt“ von Rohinton Mistry – ein beeindruckender Indien-Roman, der einen ordentlich zum Nachdenken anregt. Erzählt werden Geschichten von Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten, die doch irgendwie alle zusammen gehören. Ein Buch, das mich sehr bewegt hat.

Die drei zuletzt besprochenen Bücher: 


  1. „Unter Haien“ von Nele Neuhaus - http://lebelieberliterarisch.blogspot.de/2012/12/nele-neuhaus-erstling-unter-haien-ein.html
  2. „Verachtung“ von Jussi Adler Olsen - http://lebelieberliterarisch.blogspot.de/2012/12/horbuch-tipp-der-vierte-fall-fur-carl.html
  3. „Böser Wolf“ von Nele Neuhaus - http://lebelieberliterarisch.blogspot.de/2012/11/horbuch-tipp-nele-neuhaus-boser-wolf.html

Currently reading: „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher




Die drei obersten Bücher auf dem SUB:


  1. Anthony McCarten „Ganz normale Helden“
  2. Bodo Kirchhoff „Die Liebe in groben Zügen“
  3. J.K. Rowling „Ein plötzlicher Todesfall“

In welchen Sprachen liest Du? 
Deutsch, Englisch und Französisch

Rezensierst Du auch ausländische Titel? 
Ja, aber ich beziehe mich meist auf die deutsche Ausgabe

Twitter/FB-Account? 
https://twitter.com/MHoeckendorff 
http://www.facebook.com/pages/Petit-Salon/281041995261096

Drei Lieblingsblogs:
5202-Blog – unschlagbar für Programmiertipps und immer hilfsbereit: http://5202.blogspot.com/
Biblionomicon – Besonders mag ich hier die Belletristik-Rezensionen: http://biblionomicon.blogspot.de/
Leselink – tolle und sehr vielfältige Kulturtipps: http://www.leselink.de/

Beteiligst Du Dich im Augenblick an Challenges? Welchen? 
Im Augenblick nicht aber ab dem 1. Januar geht’s los mit der Challenge deutschsprachige Autoren - http://herzbuecher.blogspot.de/2012/12/challenge-deutschsprachige-autoren-2013.html – und der Hohe Kante Challenge - http://www.diebuechertante.de/2012/12/auf-die-hohe-kante-challenge-2013.html

Über Mich - Proust'scher Fragebogen:


Wo möchtest Du leben? 
Eigentlich genau dort, wo ich lebe – in Hamburg

Was ist für Dich das vollkommene irdische Glück? 
Die Freiheit zu haben, das zu machen, was einem am meisten Spaß macht – in meinem Falle von liebenswerten Menschen umgeben sein, Lesen und Reisen.

Welche Fehler entschuldigst Du am ehesten? 
Die, für die ich um Entschuldigung gebeten werde ;)

Was ist für Dich das größte Unglück? 
Persönlich macht es mich am meisten unglücklich, wenn Menschen, die mir nahe stehen krank sind – Global gesehen ist für mich das größte Unglück, wenn Kinder leiden müssen (damit meine ich jede Art des Leidens – Not, Armut, Hunger, Gewalt,...)

Dein Lieblingsmaler?
Ich bin eine Kunstbanausin, aber ich mag den französischen Comiczeichner und Karrikaturisten Sempé

Dein Lieblingsautor? 
Wie sollte ich jemals einen auswählen? Ich mag Kehlmann, Goethe, Indridason, Hanekamp, Larsson, Schiller, J.K. Rowling, Sartre, Beauvoir, Hemmingway, Boyne, Adler Olsen, Wolfgang Herrndorf,... wie viel Zeit habt ihr – soll ich weitermachen?

Dein Lieblingskomponist?
Ok, wenn ich mich gerade Kunstbanausin genannt habe, ist das nichts im Vergleich zu meiner Ahnungslosigkeit von klassischer Musik. Als tanzbegeisterter Mensch mag ich allerdings Tschaikowski

Welche Eigenschaften schätzst Du bei einer Frau am meisten? 
Ehlichkeit

Welche Eigenschaften schätzst Du bei einem Mann am meisten? 
Ehrlichkeit

Deine Lieblingstugend? 
Ehrlichkeit

Deine Lieblingsbeschäftigung? 
Lesen

Wer oder was hättest Du gern sein mögen?
Ich bin die meiste Zeit ganz froh mit dem, was ich sein darf

Dein Hauptcharakterzug? 
Da sollte man wohl eher meine Freunde fragen

Was schätzst Du bei Deinen Freunden am meisten? 
Mit ihnen lachen zu können

Dein größter Fehler? 
Puh, hm, vielleicht entdecke ich ihn, wenn ich alt und weise bin

Dein Traum vom Glück? 
Ein eigenes Bibliothekszimmer ;) ansonsten habe ich alles, was ich brauche

Was möchtest Du sein?
Belesen

Deine Lieblingsblume? 
Sonnenblume

Dein Lieblingsschriftsteller? 
s.o.

Dein Lieblingslyriker? 
Kunst, Musik und Lyrik... nicht so wirklich meins

Deine Helden der Wirklichkeit? 
Menschen, die anderen Freude machen oder ihnen helfen

Deine Heldinnen in der Geschichte? 
Martin Luther King, Bhimrao Ramji Ambedkar, Mutter Teresa

Was verabscheust Du am meisten? 
Gewalt

Deine gegenwärtige Geistesverfassung? 
Gelassen und ziemlich zufrieden (was an den freien Tagen „zwischen den Jahren“ liegen mag)

Dein Motto? 
Man sollte niemals vergessen, Glücklichsein in seinen Lebensplan einzuschließen – sonst kann man wohl alles erreichen, aber glücklich ist man trotzdem nicht.

Lust, auch den eigenen Bücherblog hier auf Shakespeare and more - Rezensionen vorzustellen? Mehr über die Teilnahmebedingungen und den kompletten Fragebogen findet ihr unter dem Punkt Blogvorstellung

Samstag, Dezember 29, 2012

Heike Boomgaarden: Natürlich Heike [Rezension]

Mit dem neuen Gartenbuch „Natürlich Heike - So lebe ich mein Gartenjahr“ von Heike Boomgaarden setzt der Ulmer Verlag vollständig auf die Persönlichkeit der Autorin. Konsequent in der ersten Person gehalten, mit zahlreichen Fotos, auf denen die Autorin selbst im Vordergrund steht, und mit etlichen Geschichten aus ihrem Privatleben durchzogen, hebt sich das Buch so von anderer Gartenliteratur ab. Das Experiment ist gelungen. Ein Gartenbuch zum Schmökern ist dabei herausgekommen, lehrreich und persönlich zugleich.

In vier Teile ist das Buch gegliedert, den Monaten des Jahres folgend. Aber schon in den Untertiteln macht Heike Boomgaarden deutlich, wie ernst sie das Projekt eines persönlichen Gartenratgebers nimmt. Für den ersten Teil, Januar - März, heißt es da bereits im Inhaltsverzeichnis: „In den ersten Monaten im Jahr kommt für mich die Sehnsucht auf, endlich wieder draußen im Garten zu arbeiten, an dem Ort, der mir so viel Glück schenkt.“ Und so geht es auch weiter. Der Abschnitt April - Juni etwa trägt den Untertitel: „Die Ahnung von großen Ernten lächelt aus den Blüten der Obstbäume und zarter Duft kündet vom nahenden Sommer. Ich liebe diese Monate.“ Persönlicher geht es nicht.

Nebenbei erleben wir Heike Boomgaarden, wie sie mit ihrem Mischlingsrüden Teddy durch den Soonwald im Hunsrück spaziert, oder wie sie ein Sommergartenfest mit Freunden vorbereitet und feiert. Oder einen neuen Gartenbeitrag für das SWR-Format „Kaffee oder Tee“ dreht. Denn Heike Boomgarden ist seit 2004 die anerkannte Gartenexpertin des Senders, beantwortet entweder im Radio Fragen der Moderatoren oder produziert seit 2005 Beiträge fürs Fernsehen, neben „Kaffee oder Tee“ auch für die „Landesschau Rheinland-Pfalz“ oder das „ARD-Buffet“.

Das Design ihres Buchs wirkt ebenso locker wie ihr Auftreten. Keine Doppelseite ohne farbintensive Fotos, unterschiedliche Schrifttypen - nicht zuletzt eine imitierte Handschrift für persönliche Bemerkungen nebst Pfeilen. Neben dem breit gesetzten Haupttext gibt es viel Platz für Randglossen mit Tipps, Bildern, Aufzählungen. Ständig ist etwas zu entdecken für das Auge.

Dabei interessieren Heike Boomgaarden offenschtlich keine thematischen Grenzen. Ob es darum geht, Birnen in Flaschen zu ziehen oder darum, Giftpflanzen zu erkennen, an denen Hunde oder im Haus freifliegende Vögel erkranken können, ob sie das Rezept für eine Gesichtsmaske preisgibt oder für scharfe Artischocken - alles findet Platz in dem Bildband. Und kein Tipp ist ihr zu ungewöhnlich: „Haben Sie bisher nichts Passendes unter meinen Ideen gefunden, dann bleibt nur eins: Hängen Sie ein altes Bett in einen stabilen Baum. Das ist unheimlich schön anzuschauen - und gestört werden Sie dort sicher nicht. Aber bitte nicht runterfallen“, heißt es zum Beispiel im Abschnitt „Geschützte Gartenräume für schöne Mittagsträume“.

Dieses Buch sprudelt über vor Ideen für die Gestaltung von Garten und Balkon. Heike Boomgaarden weiß, wovon sie redet und schreibt kompetent darüber. Und sie will keine Lehrmeinungen verbreiten, sondern berichtet einfach, wie sie die Dinge sieht und handhabt. So hatte ich beim Lesen immer wieder den Eindruck, eher einer Freundin zuzuhören, als mich mit trockenem Wissen vollzustopfen. Die Wissensvermittlung läuft nahezu nebenher, unaufdringlich und unterhaltsam. Heike Boomgaarden neigt dazu, die Pflanzen mit Gefühlen, Bedürfnissen und Launen darzustellen, auch dies auf charmante Art: Hortensien etwa sind für sie „freundliche, kleine Blender“, Buchsbaum hat „die Langsamkeit gepachtet“, Geißblatt hat es „ganz eilig, jede rankende Gelegenheit zu erklimmen“ usw.

Die Tipps sind kurz und mannigfaltig. Mehr als eine Doppelseite widmet sie keiner Pflanze und keinem Thema. Tiefenbohrungen zu Spezialthemen sucht man in dem Band also vergebens. Dafür hat sie eine sehr breite Palette an Beiträgen. So ist „Natürlich Heike“ ein idealer Begleiter durch das Gartenjahr, ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um darin zu schmökern. Um sich Anregungen zu holen. Oder auch nur ein wenig vor sich hin zu träumen.

Titel Natürlich Heike : so lebe ich mein Gartenjahr / Heike Boomgaarden. Hrsg. von Bärbel Oftring
Person(en) Boomgaarden, Heike ; Oftring, Bärbel
Verleger Stuttgart (Hohenheim) : Ulmer
Erscheinungsjahr 2012
Umfang/Format 159 S. : zahlr. Ill. ; 27 cm
Anmerkungen Literaturangaben
ISBN/Einband/Preis 978-3-8001-7745-5 Pp. : EUR 24.90 (DE), EUR 25.60 (AT)
3-8001-7745-5
EAN 9783800177455
Sprache(n) Deutsch (ger)
Schlagwörter Biologischer Garten ; Jahreslauf ; Ratgeber

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Verlag Eugen Ulmer, der mir ein Rezensionsexemplar des Buchs Natürlich Heike. So lebe ich mein Gartenjahr zur Verfügung gestellt hat. Ebenfalls Dank an Blogg dein Buch für die Vermittlung zwischen diesem Blog und dem Verlag.

Freitag, Dezember 28, 2012

Henning Mankell: Das Grab (Ein Mord im Herbst)

Nur mal kurz zwischendurch: Heute läuft um 22 Uhr (bzw. um 2.55 Uhr in der Wiederholung) ein neuer BBC-Wallander mit Kenneth Branagh im ARD. Titel: Ein Mord im Herbst. Ich war zuerst ein wenig überrascht. Von der Reihe "Mankells Wallander" kannte ich das ja schon: Keine Romanvorlage, nur eine Beteiligung Mankells an Storyentwicklung und Drehbüchern: Der zuständige ARD-Redakteur Rainer Bunz hat das einmal der dpa gegenüber auf den Punkt gebracht: «Nicht allen unserer Filme liegen komplette Romane vor, aber wenigstens ein Mankellsches Original-Treatment von acht bis zehn Seiten. Und er lässt sich die Projekte auch nicht aus der Hand nehmen, liest die Drehbücher, steuert Ideen bei, spricht mit den Darstellern.» Dass auch die BBC jetzt auf diesen Zug aufgesprungen ist, erstaunte mich dann doch etwas.

Um zu sehen, ob es für den "Mord im Herbst" eine literarische Vorlage gibt, führte mein erster Gang zum Bücherregal, wo neben den zehn Wallander-Romanen (inkl. "Vor dem Frost", der offiziell ja nicht mitgerechnet wird, weil es der erste Band der neuen Linda Wallander-Reihe werden sollte) auch der Erzählband "Wallanders erster Fall" steht. Immerhin ist aus diesem Band bereits der Kurzroman "Die Pyramide" mit dem ersten Wallander-Darsteller, Rolf Lassgård, verfilmt worden (deutscher Filmtitel: "Wallanders letzter Fall", 2007). Später gab es dann den Band "Die Pyramide" auch als eigenständige Taschenbuchausgabe bei dtv. 

Der Kurzroman "Das Grab", auf der der Film "Ein Mord im Herbst" mit Kenneth Branagh als Kurt Wallander beruht, ist jedoch in dem Sammelband nicht enthalten! Fündig wurde ich bei den Niederländern. So hat bol.com  den 93-seitigen Band "Het graf" im Angebot, natürlich auf niederländisch. Und damit sind sie derzeit die Einzigen, bei denen die Geschichte in gedruckter Form vorliegt. Denn auch auf dem englischen Buchmarkt ist der Kurzroman bisher nicht veröffentlicht. Und selbst bei den Schweden habe ich den Titel "Händelse om hösten", wie die Geschichte im Original heißen soll, nicht gefunden.

Offenbar ist eine Veröffentlichung in Deutschland allerdings in Vorbereitung. In den Westfälischen Nachrichten gibt es einen Bericht, Mankell habe die deutsche Übersetzung eines Bandes, der bislang nur in Holland erschienen sei, für den kommenden Herbst 2013 beim Hanser-Verlag angekündigt. Ausführlichere Informationen hält die Stuttgarter Zeitung bereit: Zwar nannte Mankell gegenüber seinem Interview-Partner Denis Scheck keinen Titel, aber der Verweis auf die Holländer spricht Bände. 20 Jahre alt soll die Geschichte sein, die jetzt nachträglich in die Wallander-Reihe aufgenommen wird, d.h., sie muss gegen 1992 entstanden sein. "Mörder ohne Gesicht", der erste Wallander-Band, wurde in Schweden 1991 veröffentlicht, im Jahr darauf folgten die "Hunde von Riga". "Das Grab" ist also ein früher Wallander-Roman, vielleicht - wenn man die leicht vage Formulierung Mankells berücksichtigt - der erste.


Das überrascht wiederum. Zumindest in der Verfilmung "Kommissar Wallander – Ein Mord im Herbst" ist die Handlung etwa zu Beginn von "Der Feind im Schatten" angesiedelt, was allerdings der Drehbuchbearbeitung geschuldet ist: Kurt Wallander hat sich gerade das Haus am Strand gekauft, von dem er schon lange geträumt hat. Auch den Hund Jussi gibt es bereits, auch wenn es nicht der Deutsche Schäferhund geworden ist, von dem Kurt Wallander früher immer geträumt hat, sondern ein Labrador. Beides - Haus am Strand und Labrador Jussi - kennen wir ja auch aus der Fernsehserie "Mankells Wallander" mit Krister Henriksson, Staffel 2, sowie aus dem letzten offiziellen Wallander-Band. Das Wallander-Imperium bleibt dank der Beteiligung Henning Mankells an allen Produktionen homogen. Neu ist: Kurt lebt in der Verfilmung von "Das Grab" mit  Vanja Andersson zusammen.

Kommissar Wallander führt Vanja zum Tatort,
an dem der Blumenhändler Runfelt umgebracht wurde.

Foto: ARD Degeto/Yellow Bird Rights/Left Bank Pictures
Diese Vanja Andersson hat Wallander in "Die fünfte Frau" kennengelernt. Sie war Verkäuferin im Blumenladen des ermordeten Gösta Runfelt, zeitweise auch dessen Geliebte. Während Wallander im Roman noch plant, Baiba zu heiraten, beginnt in der BBC-Verfilmung schon kurz nach deren erster Begegnung die Annäherung an Vanja: Erst sind es nur flüchtige Berührungen, die die Kamera einfängt, später werden die Gesten zärtlicher, etwa wenn Kurt Vanja die Fingerabdrücke abnimmt und die Kamera in Großaufnahme ihrer beider Hände dabei verfolgt.

Während Kurt im Roman "Die fünfte Frau" noch Baiba anruft, wenn es ihm schlecht geht, ist es in der neuen Verfilmung Vanja, deren Nummer er wählt. Allerdings ist die Reihenfolge der Bücher in der BBC-Variante ohnehin verdreht: Der Film "Hunde von Riga", in dem er Baiba kennenlernt, folgt dort auf "Ein Mord im Herbst". Er kann also der neuen Chronologie zufolge Baiba noch gar nicht nachtrauern, während er versucht, mit Vanya eine Zukunft aufzubauen, weil er Baiba erst in Riga kennenlernt.

Im Netz kursiert ein Zitat aus der BBC-Verfilmung des Romans "Die fünfte Frau", die chronologisch offensichtlich direkt vor "Ein Mord im Herbst" angesiedelt ist: "Du siehst nicht hin, oder?", fragt der alte Wallander seinem Sohn Kurt, nachdem der ihn aus dem Altersheim zurück auf den Hof gebracht hat. "Du betrachtest die Welt gar nicht. Du fährst nur durch sie hindurch. Halt mal an und guck hin ... Such dir jemanden, der sich zu dir setzt. Es allein zu schaffen bist du nicht stark genug. Niemand ist das. Such dir jemanden, der sich zu dir setzt." Es sind die letzten Worte, die Kurt von seinem Vater hört. Kurz darauf stirbt dieser. Am Ende der Verfilmung kniet Kurt am Grab des Alten, um sich von ihm zu verabschieden. Er legt seinen Ehering auf den Grabstein. Hinter ihm, im wehenden Kleid, beobachtet Vanja die Szene. Als Kurt zu ihr zurückkommt, lächelt sie ihm Mut zu.

Im Film "Ein Mord im Herbst" wagt sie mit Kurt einen Neuanfang und zieht mit ihrem Sohn zusammen in das Haus am Strand, das sie offensichtlich mit Kurt zusammen ausgesucht hat. Zwei Jahre seien sie nun zusammen, wollten es zunächst langsam angehen lassen, erzählt Vanja Kurts Kollegin Ann-Britt Höglund. Allerdings habe sie ihre eigene Wohnung erst einmal behalten. Verlegen lächelnd fügt sie hinzu: "Falls das Wetter mal schlecht ist. Oder für den Winter."

Worum geht es im Film "Ein Mord im Herbst"?  Von einer Fähre zwischen Schweden und Polen geht eine junge Frau über Bord. Sie steht auf keiner Passagierliste, und zunächst glaubt niemand dem einzigen Zeugen, einem halb betrunkenen Fernfahrer. Als später Teile der Leiche am Strand von Ystad angespült werden, offensichtlich von einer Schiffsschraube zerstückelt, kann jedoch die junge Frau anhand eines markanten Armbandes auf den Überwachungsvideos vom Bord der Fähre identifiziert werden.

Während Wallander mit der Frage beschäftigt ist, ob die junge Frau freiwillig sprang oder getötet wurde, entdeckt sein Labrador Jussi  unter ein paar schwarzen Johannesbeerbüschen in Wallanders Garten eine vergrabene Leiche. Kurt macht sich auf die Suche nach den Vormietern des Hauses. Schnell hat er Jan Petrus als Täter in Verdacht, zumal als sein Nachbar ihm erzählt, was für ein fieser Zuhälter dieser Petrus gewesen sein soll. Oft habe der am Hafen Ausreißerinnen, die niemand vermissen würde, aufgelesen und diese später zur Prostitution gezwungen. Und noch mehr passt ins Bild: Petrus' Tochter Ellika ist zehn Jahre zuvor verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Etwa so lange muss auch die Tote in Wallanders neuem Garten gelegen haben, sagt die Gerichtsmedizin. Kurt setzt sich einmal mehr über die Dienstvorschriften hinweg und nimmt den Fall eigenmächtig in die Hand. Aber als er ohne Durchsuchungsbeschluss bei Petrus eindringt, eskaliert die Situation.

So viel zum Film. Von der Existenz des Kurzromans "Das Grab" habe ich wie gesagt erst heute erfahren, werde mir aber das Buch aus den Niederlanden bestellen und euch berichten, in wie weit es vom Film abweicht. Der Hanser-Verlag hat übrigens angekündigt, in die im Herbst 2013 erscheinende deutschen Ausgabe ein ausführliches Register aufzunehmen, das auch jene 900 Personen aufliste, die in den anderen Wallender-Krimis eine Rolle gespielt haben. Das hätte ich heute gebrauchen können, um die Spuren von Vanya Andersson in den anderen Romanen nachzuverfolgen.

Der Klappentext der niederländischen Ausgabe lässt übrigens ahnen, worin die Unterschiede zwischen Buch und Roman bestehen: Kurt Wallander - de inspecteur die zijn werkterrein in het zuiden van Zweden heeft, bekijkt in 'Het graf' een huis dat hij wil kopen. Een opknapbeurt is beslist nodig, maar het huis heeft een grote tuin en een prachtig uitzicht. Terwijl Wallander door de tuin dwaalt, maakt hij een struikeling. Pas als hij in zijn auto weg wil rijden, vraagt hij zich af waarover hij nu eigenlijk gestruikeld is. Hij loopt de tuin weer in en stuit daar op een vergane mensenhand. (Quelle: misdaadromans.nl/Mankell/hetgraf.htm) Keine Vanya, kein Jussi - keine Nebenhandlung. Kurt ist nicht umgezogen, sondern noch als einsamer Wolf auf der Suche nach seinem idealen Haus. Er besichtigt die "Schwarze Höhe", wie das Gelände im Volksmund genannt wird, lediglich als mögliches Kaufobjekt. Umfangreiche Renovierungsarbeiten wären nötig, aber immerhin hat das Gebäude einen großen Garten und eine prächtige Aussicht. Während er über das Gelände streift, stolpert er. Er schaut nicht einmal, worüber. Erst als er im Auto sitzt, um loszufahren, fragt er sich, was es war und muss in den Garten zurückgehen, um die Hand zu entdecken. Das wirkt ein wenig stoffelig und noch kaum verwoben. Wie gesagt: Ich werde euch berichten, wenn ich das Buch habe.
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Update 13.09.2013: Die deutsche Ausgabe des Romans Mord im Herbst erscheint übrigens am 4. November 2013 im Verlag Paul Zsolnay. Und ab 11. November ist dann auch das Hörbuch zu haben.