Samstag, September 26, 2015

Eduardo Jauregui: Gespräche mit meiner Katze [Rezension]


Sara Leon, geboren und aufgewachsen in Spanien, arbeitet als Web-Designerin an einer Kampagne für einen bedeutenden Ölkonzern, der versucht, sich einen ökologischen Anstrich zu verpassen. Ein Job, der ihr gehörig gegen den Strich geht. Sie lebt im Londoner Stadtteil Notting Hill, zusammen mit ihrem Freund Joaquín. In wenigen Monaten naht ihr vierzigster Geburtstag.

Am Tag der Kundenpräsentation vergisst sie in der U-Bahn ihren Laptop mit der alles entscheidenden PowerPoint-Datei, kommt viel zu spät zum Meeting, improvisiert am Whiteboard einen Entwurf ihrer Ideen und wird vor versammelter Mannschaft ohnmächtig. Vorsorglich lässt ihr Chef sie ins Krankenhaus bringen, wo der Arzt die Diagnose „Depression“ stellt.

Nun hat sie ein paar Tage lang Zeit, über sich und ihr Leben nachzudenken. Und wie so viele, die aus einem Hochdruckalltag gewaltsam in die Stille ihrer Wohnung katapultiert werden, kommt sie zu einem vernichtenden Resümee: Migräne, Schlaflosigkeit, sexuelle Inaktivität, Appetitlosigkeit, ständiger Stress und totale Erschöpfung waren lange sichtbare Zeichen dafür, dass sie am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angekommen ist.

Und dann ist da die Sache mit der Abessinierkatze, die eines Tages vor ihrem Küchenfenster auftaucht. Wer gerade einen Zusammenbruch hinter sich hat, beginnt leicht an sich zu zweifeln, wenn eine Katze zu sprechen ansetzt. Sara ignoriert das Tier zunächst, versucht mit Radiolärm, die Stimme zu übertönen, gibt aber schließlich nach und lässt es in die Wohnung.

Sibila, wie sich die Katze vorstellt, besitzt „eine sanfte Stimme, die man leicht mit einem Schnurren hätte verwechseln können. ...Eine dunkle und gleichzeitig weiche Stimme, die reif, aber nicht alt klang, wie ein Stradivari-Cello, jedoch mit einem Hauch von ... Wildheit“. Zunächst redet sie, wie Katzen eben reden: „Lass mich rein“ oder „Ich komme um vor Hunger“ sind ihre ersten an Sara gerichteten Worte. Und dann erinnert sie Sara daran, dass Menschen schon seit Tausenden von Jahren mit ihren Haustieren sprechen.

Nur, dass Katzen normalerweise nicht antworten. Und auch Sara ist sich überhaupt nicht sicher, ob nicht ein neurochemisches Problem Ursache für diese absonderliche Kommunikation darstelle: „Ich höre Stimmen. Geht es nicht vielen Menschen so? Es konnte nur ein vorübergehendes mentales Ungleichgewicht sein.“

Ein Hauch von magischem Realismus umweht das Werk „Gespräche mit meiner Katze“ von Eduardo Jáuregui. Immer wieder weckt der Autor Zweifel daran, ob die Katze wirklich zu sprechen vermag oder ob sie lediglich Spiegel einer inneren Stimme Saras ist und durch ihre Bewegungen Reflexionen auslöst. Auch Sara selbst zweifelt immer wieder daran, dass Sibila sprechen kann. Und doch beginnt in der Begegnung mit der Katze eine völlige Neuorientierung ihres Lebens.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt. Auf den ersten 180 Seiten schildert Eduardo Jáuregui breit die zerrütteten Lebensverhältnisse der Protagonistin. Obwohl von einem Mann geschrieben, erinnerte mich dieser Teil stark an jene Frauenliteratur der achtziger Jahre, die in Reihen wie Rowohlts „Neue Frau“ oder Fischers „Frau in der Gesellschaft“ veröffentlicht wurden. Viel unverschuldetes Leid, lange Selbstreflexionen, zerbrochene Beziehungen vor allem zu Männern: Saras Freund Joaquín ist längst mit einer jüngeren Kollegin verbandelt. Ihr Bruder Àlvaro hat für sie nur Spott übrig, so dass sie den Kontakt zu ihm längst abgebrochen hat. Ihr Chef ist eigentlich ein lustiger Kerl, der sich aber ökonomischen Zwängen beugen musste und sie nun in Arbeitsfeldern einsetzt, die sie zutiefst verabscheut.

Im zweiten Teil, 150 Seiten lang, beginnt das Wiederaufbauprogramm nach dem Zusammenbruch. Es ist die Mitte des Buches und hier wird die Absicht Eduardo Jáureguis deutlich, der selbst von Beruf Psychologe ist, spezialisiert auf Positive Psychologie und Humorforschung. Dass ausgerechnet eine Katze Sara bei ihrer Rekreation begleitet, wirkt wie eine Verbeugung vor Autoren wie Gabriel García Márquez oder Isabel Allende. Denn letztlich übernimmt die Abessinierkatze Sibila lediglich die Rolle der Therapeutin, die Sara Stück für Stück in das Achtsamkeitstraining, in Yoga und bewusste Ernährung einführt, immer gegen den ursprünglichen Widerstand der Protagonistin, immer verbunden mit einer positiven Veränderung ihres Lebens.

Der dritte Teil, noch etwa 100 Seiten lang, beschreibt dann, wie diese Veränderungen dazu führen, dass die im ersten Teil beschriebenen Probleme sich auflösen und ein neues, kreatives Leben aufblüht. Sibila spielt in diesem dritten Teil kaum noch eine Rolle, taucht über etliche Seiten gar nicht mehr auf und spricht auch kaum noch.

Antoine de Saint-Exupéry hat einmal gesagt: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.“ Genau nach diesem Modell funktioniert auch der Roman „Gespräche mit meiner Katze“. Der Psychologe Eduardo Jáureguis zeichnet plastisch, gleichzeitig oft amüsant und vor allem ab dem zweiten Teil leicht lesbar, wie sich Saras Leben positiv verändert. Anders als viele Sachbücher zum gleichen Thema kann der Leser die Entwicklung prototypisch nacherleben und sieht im dritten Teil, wie sich die Alltagsprobleme, denen sich die Protagonistin gegenübersieht, durch eine veränderte Lebensführung auflösen lassen. Er stellt dies so bildlich vor Augen, dass der Leser Lust bekommt, selbst die ein oder andere Übung auszuprobieren, die die Katze Sibila Sara beibringt. Auf unaufdringliche Weise lehrt er uns die Sehnsucht nach einem kreativeren, positiveren Leben. Ein weises Buch, dem viele Leser zu wünschen sind.

Titel/Bezeichnung Gespräche mit meiner Katze : Roman / Eduardo Jáuregui. Aus dem Span. übers. von Anja Rüdiger
Einheitssachtitel Conversaciones con mi gata ‹dt›
Person(en) Jáuregui Narváez, Eduardo
Rüdiger, Anja [Übers.]
Verleger München ; Wien : Thiele
Erscheinungstermin 31. August 2015
Umfang/Format 431 S. ; 19 cm
ISBN/Einband/Preis 978-3-85179-313-0 Pp. : EUR 20.00 (DE), EUR 20.60 (AT), sfr 28.90 (freier Pr.)
3-85179-313-7
EAN 9783851793130
Sprache(n) Deutsch (ger), Originalsprache(n): Spanisch (spa)
Sachgruppe(n) Spanische und portugiesische Literatur ; Belletristik
Kataloglink amazon.de/gp/product/3851793137/

Sonntag, September 13, 2015

David Lagercrantz: Verschwörung [Rezension]


Frans Balder, ein Computerexperte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz, macht sich auf den Weg, seinen Sohn August aus den Händen seiner Frau und deren neuen Lebensgefährten zu befreien. Eine Psychologin hatte Kontakt mit ihm aufgenommen und ihm von besorgniserregenden blauen Flecken überall auf Augusts Körper erzählt. Und als Frans anfing, genauer nachzuforschen, erfuhr er, dass auch das ganze Geld, das er seiner Frau für Ausbildung und Therapie des Jungen geschickt hatte, nie zu dem Zweck ausgegeben wurde, für den es bestimmt war. August ist Autist. Und Frans der Ansicht, es sei Zeit, dem Jungen die Geborgheit zu geben, derer er bedarf.

Das wäre sicherlich eine gute Idee, hätte nicht die russische Mafia Interesse an jener Software, die Balder derzeit entwickelt. Sie dringt in sein Haus ein, stielt Balders Laptop und erschießt zur Sicherheit dessen Besitzer. August bleibt am Leben, wodurch er zum einzigen Zeugen des Verbrechens wird und nun selbst in Lebensgefahr schwebt. Es dauert nicht lang, bis auch auf ihn ein erstes Attentat verübt wird.

Immerhin: Kurz vor seinem Tod rief Balder noch Mikael Blomkvist an, um mit ihm über die KI-Technologie, über Datenhacks und über die Zukunft der computergesteuerten Welt zu reden. Und so landet die ganze Geschichte in der Hand des Milleniums-Journalisten und seiner Freundin Lisbeth Salander. Während Mikael sich um die Recherche der Hintergründe kümmert, nimmt sich Lisbeth des autistischen Jungen an und flieht mit ihm. Dabei hatte sie sich gerade erfolgreich in den innersten Sicherheitsbereich der NSA gehackt und begonnen, mit deren Mitarbeiter Katz und Maus zu spielen.

Soweit in Grundzügen der Ausgangspunkt des Romans "Verschwörung" von David Lagercrantz, konzipiert als vierter Band der Milleniums-Trilogie von Stieg Larsson. Über das Fortschreiben von Buchreihen verstorbener Autoren habe ich kürzlich an anderer Stelle bereits ausfürlich meine Meinung kundgetan und werde es an dieser Stelle nicht wiederholen. Statt dessen will ich kurz beschreiben, warum ich bereits nach wenigen Seiten den neuen Roman als Verrat an den Idealen Larssons empfand und mir die Galle überkochte.

Springen wir kurz ins zweite Kapitel des Romans. Frans Balder hat gerade seinen Sohn aus den Fängen seiner Frau Hanna und ihres korrupten und verschwendungssüchtigen Partners Lasse Westman befreit. Zeit für einen Szenenwechsel zum eigentlichen Protagonisten der Milleniums-Trilogie, Mikael Blomkvist, der wiederum als besseres alter ego von Stieg Larsson anzusehen ist. Beide kämpften in einer kleinen, links ausgerichteten Zeitschrift für die Gerechtigkeit in der Welt und gegen den eigenen Konkurs, pflegten den investigativen Journalismus und hatten eine dezidiert eigenständige Meinung zur Entwicklung Schwedens. Für diejenigen, die sich für Larssons Biografie nie interessiert hatten: Stieg war Herausgeber der Zeitschrift Expo, die sich in vielen Punkten in seiner Beschreibung von Millenium widerspiegelt.

Stieg Larsson galt als wandelndes Lexikon in seinen Spezialgebieten. Und so floss in seine Romane wie nebenbei viel Wissenswertes über die schwedische Gessellschaft ein, über Skandale und den politischen Rechtsruck, über Frauendiskrimierung und Wirtschaftsverflechtungen. Was nur logisch war, denn dies waren die Themen, über die er als Herausgeber von Expo eben recherchierte und denen sein Herzblut galt. Insofern war seine Milleniums-Trilogie ein Wiedererstarken des engagierten Polit-Thrillers, eines Genres, das seinen Höhepunkt in den späten 1960er und den 1970er Jahren hatte, zu den Zeiten, als Maj Sjöwall und Per Wahlöö ihren Kommissar Beck entwickelten, und das seither immer ein wenig in der Thrillerlandschaft nebenher dümpelte.

Kehren wir zurück zu Mikael Blomkvist. Der hat sich gerade breitschlagen lassen, dreißig Prozent von Millenium an den Großkonzern Serner Media zu verhökern, der bisher eher im Bereich Yellow Press seine Meriten verdient hat. Begründung: Der Vanger-Konzern musste seine Zuschüsse zurückfahren, die Anzeigenkunden gehen zurück und die Zusatzeinnahmen durch Bucherfolge fehlen. Die Idee ist ein bisschen, als würde sich der Burda-Verlag als Anteilseigner bei der taz anbieten - und diese darauf eingehen. Nun wundert sich Mikael in seiner Wiederbelebung durch David Lagercrantz also, als Programmgeschäftsführer Ove Levin versucht, Millenium ein klein wenig in Richtung Vanity Fair oder Esquire zu drücken: Promis, Premieren und glamouröses Leben, Sie wissen schon ...  Und diese Mikael-Replik hat "dagegen prinzipiell nichts einzuwenden".

Um das zu begreifen, muss man sehen, wie Lagercrantz Mikael in eine psychologische Krise stürzt. Seit der Zalaschenko-Affäre hat Mikael keine gute Story mehr gelandet, heißt es im zweiten Kapitel von "Verschwörung". Und so macht er sich klar, dass "seine eigene Vision für Millenium auf irgendeiner höheren Ebene zwar edel sein mochte, dem Magazin aber nicht unbedingt das Überleben sichern würde." So überlegt er, sich beruflich komplett neu zu orientieren und die Zeitschrift zu verlassen: "Nicht währt ewig, vielleicht nicht einmal die Liebe zu Millenium, und noch dazu waren die Zeiten für investigative Journalisten hart." Wann waren die Zeiten nicht hart, könnte man einwenden und sich darauf berufen, dass auch der Blomkvist der Milleniums-Trilogie schon immer um das Überleben seiner Zeitschrift gekämpft hatte, ohne sich jemals kleinkriegen zu  lassen. Nur waren beim Original nicht "auf irgendeiner höheren Ebene" edle, sondern von der politischen Überzeugung motivierte Überlegungen für das Weiterkämpfen aussschlaggebend.

Lagercrantz tritt nach, indem er Mikaels Widersacher, den Wirtschaftsjournalisten William Borg, eine Kolumne in den Mund legt. Darin fragt dieser, "ob man als Reporter wie Blomkvist tatsächlich 'die Fehler immer nur bei der Wirtschaft suchen und an einem überholten Konzept des Journalismus aus den Siebzigern festhalten' müsse oder wie William Borg selbst vielmehr 'allen Neid über Bord werfen und die Größe jener herausragenden Unternehmer anerkennen sollte, die Schweden den Aufschwung beschert habe.'" Infolge dieser Kolumne melden sich Stimmen, die meinten "es sei kein Zufall, dass ausgerechnet Blomkvist in den letzten Jahren ins Hintertreffen geraten war, weil er 'offenbar davon ausgehe, dass sämtliche Konzernchefs Verbrecher wären'", er müsse als ein "Relikt einer vergangenen Epoche betrachtet werden" und so weiter.


Natürlich kann man erwidern, jeder Protagonist brauche Gegenwind, um an seinen Feinden zu wachsen. Das Problem bei David Lagercrantz ist jedoch, dass er in seinem Roman dieselbe Position vertritt wie die Figur William Borg. Nicht nur lässt er Blomkvist an sich selbst zweifeln: "Niemand interessierte all dieser Blödsinn weniger als ihn. Das redete er sich zumindest ein." Als später Linus Brandell, ein ehemaliger Mitarbeiter Branders, an Mikael herantritt, wiederholt der Journalist genau diese medialen Anfeindungen als eigene Überzeugung: "Ich glaube auch, dass das eine interessante Geschichte sein könnte, Linus. Aber leider nicht für mich. Ich bin kein EDV-Experte – ich bin ein Steinzeitmensch, wie eine kluge Person kürzlich erst über mich geschrieben hat."

Dieses zweite Kapitel legt den Grundton des Romans. Kein Polit-Thriller mit einem "überholten" Konzept aus den Siebzigern, sondern ein beliebiges Thriller-Potpourri mit einer Prise NSA, frei von politischen Konnotationen. Was ja auch schon eine gewisse Leistung darstellt. Dafür ein paar Hintergrundinformationen über Autismus und Savants, Mathematik und Sicherheitstechnik, Themen eben, die funktionieren, egal, ob der Leser politisch eher konservativ oder links denkt. Gemixt mit den üblichen Thriller-Zutaten. Alles in allem nichts weniger als ein kompletter Verzicht auf alles, was die Milleniums-Trilogie lesenswert machte. Angekündigt bereits auf den ersten Seiten und konsequent durchgehalten.

Um nicht missverstanden zu werden: Das Buch liest sich gut, nimmt zunehmend an Drive auf, auch wenn im letzten Drittel die Technik des Cliffhangers ein wenig arg strapaziert wird. Es ist bloß furchtbar belanglos ohne Larssons Engagement, ohne sein Hintergrundwissen und seine Visionen. Popkornkino für den Kopf eben.

Titel/Bezeichnung Verschwörung : Roman ; [nach Stieg Larsson] / David Lagercrantz. Aus dem Schwed. von Ursel Allenstein
Einheitssachtitel Det som inte dödar oss ‹dt›
Person(en) Lagercrantz, David
Allenstein, Ursel [Übers.]
Larsson, Stieg
Verleger München : Heyne
Erscheinungstermin 27.08.2015
Umfang/Format 601 S. : Kt. ; 22 cm
Parallele Ausgabe(n) Hardcover
kindle eBook
Hörbuch-Download (ungekürzt)
mp3-CD (gekürzt)
ISBN/Einband/Preis 978-3-453-26962-0 Pp. : EUR 22.99 (DE), EUR 23.70 (AT), sfr 32.90 (freier Pr.)
3-453-26962-4
EAN 9783453269620

Samstag, September 05, 2015

Neue Katzenbücher im September 2015

Wie immer hemmungslos subjektiv ist meine Auswahl neuer Katzenbücher, die im September 2015 auf den Markt kommen. Neulich sprach ich mit einem befreundeten Autoren, der nun seinen ersten Katzenroman veröffentlichen wollte und dem die Agenten mehr oder weniger die Tür einrannten, ihn vertreten zu dürfen. "Katzenbücher gehen immer", so der Spruch eines dieser Vermittler. Und ein anderer nannte die Flut der Katzenbücher und Katzenkalender, die alljährlich im Herbst über uns hereinbricht, eine "Gelddruckmaschine". Insofern bin ich immer ein wenig skeptisch, wenn ich von neuen Büchern lese, in denen die Protagonisten vier Beine haben.


Am 30.09.2015 bringt die ars edition einen neuen Band "Grumpy Cat" auf den Markt. Tardar Sauce (* 4. April 2012 in Morristown, Arizona, besser bekannt als Grumpy Cat, engl. für mürrische Katze) ist eine Katzendame, die durch ihren mürrischen Gesichtsausdruck Berühmtheit erlangte und sich dadurch auch zum Internet-Phänomen entwickelte. Neben einer eigenen Website gibt es regelmäßig Neues von ihr auf YouTube, Facebook, Instagram und Twitter.
Laut englischem Boulevardblatt Express soll der Besitzer mit ihr bis dato umgerechnet etwa 84 Millionen Euro verdient haben. Nun also nach Grumpy Cat: Das einzige Buch mit Schlechte-Laune-Garantie von 2013 den zweiten Band: Grumpy Cat: Nein! Weil Nein - Immer schön negativ sein, als Hardcover mit Stickerbogen. Immerhin 96 Seiten stark.
Verlagsinfo zum Buch: "GRUMPY CAT – die übellaunigste Katze der Welt – ist wieder da! Ihr neuestes Buch ist ein absolutes Muss für jeden Fan, für alle, die es noch werden wollen, und die, die es schleunigst werden sollten. Gewohnt mürrisch und herrlich komisch zugleich zeigt GRUMPY CAT, dass Neinsagen kinderleicht ist, und wie man damit am besten durchs Leben kommt. Jetzt neu mit beigelegten Stickern."

Wer Katzenkrimis mag, kommt an Rita Mae Brown und ihren Geschichten um Katzendame Mrs. Murphy nicht herum. 20 Bände gab es bisher, in denen sich Mrs. Murphy um die Kleinstadtkriminalität in Crozet, Virginia kümmerte und der ehemaligen Postbeamtin Harry Haristeen die entscheidenden Tipps gab. Nun erscheint am 25. September 2015 Band 21: "Für eine Handvoll Mäuse" als Hardcover im Ullstein-Verlag.
Hier der Verlagstext: "Die neue Zeit hält Einzug in Crozet, Virginia. Genveränderter Mais ist nur ein Beispiel dafür und erregt die Gemüter der traditionsbewussten, aber auch der umweltfreundlich gesinnten Farmer. Bei einer Fahrt übers Land kommen die Haristeens eines Tages an der Morrowdale Farm mit ihren weitläufigen Maisfeldern vorbei. Eine große Schar Krähen macht sich an einer Vogelscheuche zu schaffen. Als sie sich der Figur nähern, der eine Krähe unter dem Strohhut ein Auge auspickt, wird schnell klar, dass unter den abgetragenen Hosen und dem zerknitterten Hemd keine Strohpuppe steckt, sondern ein Toter. Ein schwieriger Fall – der nur mit dem Scharfsinn der ehemaligen Postbeamtin Harry Haristeen und ihrer Katze Mrs. Murphy zu lösen ist."

Und noch einmal Ullstein, weil es so schön war.  Max Zadow ist offenbar Neueinsteiger im Bereich Belletristik. Über ihn heißt es auf der Verlagsseite: "Geboren 1986, hat Geographie studiert und lebt in der Nähe von Köln. Seit Sommer 2012 ist er eher unfreiwilliger Katzenbesitzer. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen Kater und Autor ist der allabendliche Spaziergang Pflichtprogramm für die beiden Herren". Das klingt ein wenig so, als habe der Roman "Elvis hat das Gebäude verlassen" stark autobiographische Züge, zumal, wenn man Biographie mit Klappentext vergleicht:
"Ohne böse Vorahnung begleitet Max Zadow seine Freundin Laura aufs Land, angeblich nur um einen Wurf süßer Katzenbabys zu bewundern. Denn was tut man selbst als Katzenhasser nicht alles für die große Liebe. Erst als Kater Elvis auf der Rückfahrt mit im Auto sitzt, schwant Max Übles. Tatsächlich macht ihn Elvis in den folgenden Nächten mit seinem Gesang wahnsinnig. Dafür hasst Elvis den Staubsauger, was Max regelmäßig ausnutzt, um sich an der kleinen Heulboje zu rächen. Bis der fiese Nachbar Dr. Hiller den Kater ins Visier nimmt - und Max merkt, wie sehr Elvis mittlerweile sein Herz erobert hat ..."
Leider bis jetzt keine Leseprobe verfügbar, die gerade bei Neuautoren immer hilfreich wäre. Ich werte das jetzt einmal nicht als schlechtes Zeichen, sondern lediglich als schlechtes Timing.
Erscheinungstermin: 11.09.2015

Geschickter macht das der Moritz Verlag mit Anne Fines "Tagebuch einer Killerkatze". Für dieses Band ist eine Leseprobe auf Book2look vorhanden, die Lust auf mehr macht. Zumal Anne Fine ohnehin eine mit Preisen überhäufte Autorin ist. Zahlreiche Auszeichnungen bekam sie für ihren Kinderbücher, und auch als Autorin für Erwachsene hat sie sich bereits einen Namen gemacht.
Das "Tagebuch" soll für Kinder ab 6 Jahren geeignet sein. Ich bin da ein klein wenig skeptisch. Wenn auch in lustiger Form, geht es in diesem mit vielen Bildern illustrierten Band darum, dass Katzen von Natur aus eben Raubtiere sind, denen es durchaus Spaß bereitet, Kleintiere wie Vögel, Mäuse oder gegebenenfalls Nachbars Hasen zu jagen und zu erlegen. Das hat seinen pädagogischen Wert, liest sich amüsant und ist vor allem ein wirkungsvoller Gegenpol gegen all die süßlichen Katzenbücher, welche die Feliden vor allem als Kuschelobjekte und Lifestyleberater beschreiben.
Ganz neu ist der Band, der am 14.09.2015 im Moritz Verlag erscheint, allerdings nicht. Bereits 1996 erschien das Buch ursprünglich im Schweizer Diogenes-Verlag, und 2001 brachte der Münchener Hörverlag eine Audio-Version auf den Markt, damals gelesen von Martin Semmelrogge. Eine Hörbuch-Version gibt es jetzt auch von Oetinger Audio, allerdings, so weit ich sehe, nur via audible.de zu beziehen.

Unvermeidlicherweise kommen jetzt bereits die ersten Weihnachtstitel auf den Markt. Immerhin mit dabei ist Cleveland Averys "Die Katze, die zur Weihnacht kam". Ein Klassiker mittlerweile, ursprünglich auf Deutsch 1989 im Scherz Verlag erschienen, dann mittels diverser Bücherclubs verbreitet und schließlich bei Fischer Taschenbuch gelandet, wo es ab dem 24.09.2015 eine neue 1. Auflage im Taschenbuchformat gibt.
Avery, der 1998 starb, galt lange als Amerikas Tierschützer Nr. 1, der sich für Seehunde ebenso einsetzte wie für Wale, Wildpferde oder Büffel. Er bezeichnet sich selbst eher als Hundemensch und beschreibt in dem nun wieder vorliegenden Band, wie er kurz vor Weihnachten zu einer Katzenrettungsaktion gerufen wird, die Katze mangels Alternativen bei sich zu Hause aufnimmt und sich Stück für Stück mit ihr anfreundet.
Das für sich ist kein ungewöhnlicher Plot für einen Katzenroman und würde sich in nichts etwa von Max Zadows oben erwähnter Geschichte unterscheiden. Aber Cleveland Avery versammelt in diesem Band alles, was er an Tipps zur Katzenhaltung bekommen hat, macht einen Parforce-Ritt durch die Katzen-Sachbücher und erweitert seinen Roman um den liebenswerten weißen Kater "Eisbär" so zur Grundlagenlektüre für jeden werdenden Katzenfreund und zum Ausgangspunkt für weitere gewinnbringende Lektüre.

Dann haben wir Andrea Schacht, eine Autorin, die jeder, der Katzenbücher liebt, inzwischen kennen dürfte. Katzenbücher sind ihr Metier, und regelmäßig wirft sie neue auf den Markt. Nun also zwei Katzengeschichten, die der Aufbau Verlag am 21.09.2015 unter dem Titel "Katzenweihnacht" veröffentlicht. Zum Inhalt schreibt der Verlag: "Weihnachten wird es erst mit Katzen schön! Was passiert, wenn sich eine Sternschnuppe in eine magische Katze verwandelt? Oder wenn ein leicht übergewichtiger Kater und ein Engel sich zusammentun? Andrea Schacht erzählt von der geheimen Verbindung zwischen Mensch und Katze und von Wundern, die plötzlich wahr werden."
Auch dieser Band ist bereits früher schon einmal im ATB Verlag erschienen und beruht auf zwei Bänden, die noch älter sind: "Die himmlische Weihnachtskatze", Rütten und Loening 2003 und "Die Katze und der Weihnachtsengel", ebenfalls R und L, 2005. Da aber beide Bände mittlerweile antiquarisch nur noch schwer zu bekommen sind, macht diese Neuausgabe vielleicht sogar Sinn und hilft, Andrea Schacht ein paar neue Fans zu generieren. Hier findet sich dann auch der weihnachtliche Zuckerguss, den Leserinnen bei Cleveland Avery so schmerzlich vermisst haben.

Da wir gerade bei Rütten und Loening sind, die im Zuge der Marktkonzentration inzwischen von der Aufbau-Verlag GmbH & Co KG geschluckt wurden, als Imprint-Verlag aber noch unter eigenem Namen veröffentlichen. Der Imprint ist innerhalb der Verlagsgruppe für die "gehobene Unterhaltung" gedacht. Die Grenzen sind jedoch fließend, wie anhand der beiden Weihnachtsgeschichten von Frau Schacht deutlich zu sehen ist. Bei Rütten und Löning also erscheint am 21.09.2015 der Roman "Zwei Katzen und das Weihnachtsglück" von Angela Lautenschläger, diesmal eine echte Erstausgabe. Daher bleibt mir nicht viel mehr, als mich auf den Verlagstext zu berufen:
"Stefan Schuster glaubt kurz vor Weihnachten, das große Los gezogen zu haben. Doch als sein Onkel stirbt, erbt er dessen Kater Bruno und sonst nichts. Die ganze Erbschaft soll Elisabeth erhalten, die Tochter der Lebensgefährtin des Onkels. Stefan schafft es, das Testament verschwinden zu lassen. Dann trifft er Lisa und verliebt sich. Bis er erfährt, dass ausgerechnet Lisa jene Erbin ist, die er ausgetrickst hat. Unheil naht. Zum Glück hat auch Lisa eine Katze. Daisy und Bruno beschließen, pünktlich vor Heiligabend die Sache mit den Zweibeinern ins Lot zu bringen."
Klingt wahrlich nach "Katzenzauber unterm Weihnachtsbaum", eine "märchenhafte Lovestory mit zwei Katzen" eben.

Und noch eine Herzschmerzgeschichte mit Katze und Weihnacht. Bastei Lübbe hat Sheila Roberts Roman "Weihnachtsbote auf vier Pfoten", der bisher nur als Hardcover zu bekommen war, in einer Taschenbuchausgabe neu aufgelegt, die ab 10.09.2015 im Buchhandel liegen wird: "Der herrenlose Kater Ambrose sieht sich schon in den ewigen Jagdgründen, als ihm in letzter Sekunde der Feuerwehrmann Zach das Leben rettet. Prompt folgt er Zach nach Hause. Der ist davon gar nicht begeistert und versucht, den anhänglichen Streuner wieder loszuwerden - vergeblich. Um sich bei seinem Lebensretter zu revanchieren, beschließt der Kater, dem Beziehungsmuffel Zach in Sachen Liebe auf die Sprünge zu helfen. Denn für Ambrose steht fest: Die nette Verkäuferin aus der Zoohandlung ist genau die Richtige für ihn ..."

OK. Jeder der sich vergessen fühlt, kann gern seinen Kommentar unten hinterlassen. Social Media-Experten der Verlage können mich wie immer unter der im Impressum hinterlegte Adresse erreichen. Über Rezensions- und Leseexemplare neuer Katzenbücher freue ich mich. Hier abschließend der Pinterest-Pin für alle, die diese Seite weiterempfehlen wollen:

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